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Wöhrle

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EThC

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Re: Wöhrle

BeitragSo 10. Nov 2019, 15:24

...auch aus meiner Sicht alles i.O.! Die meisten von uns sind keine Profi-Verkoster und deshalb auch nicht auf die Gnade der Winzer (oder Händler) angewiesen, den zu probierenden Stoff möglichst für lau zu bekommen. Wohl auch deshalb fallen in der Riege der professionellen Bewerter die schlechteren Sachen einfach unter den Tisch.
Letztlich geht's hier doch darum, aus den VKN's der anderen Forumsmitglieder nach Möglichkeit für sich selbst zu bewerten, ob der beschriebene Wein ggf. interessant sein könnte. Da helfen -mir zumindest- Verrisse oft genauso weiter wie begeisterte Lobeshymnen. Natürlich ist jede VKN hier subjektiv, aber ich habe schon einige male auch eher negativ beschriebene Weine auf meine persönliche Beobachtungs- / Wunschliste gesetzt, wenn ich der Meinung war, daß sie meinen geschmacklichen Präferenzen dennoch entsprechen können, vor allem bei dem gesamten Freakstuff.
Es ist dabei auch gar nicht in erster Linie entscheidend, was sich der Winzer bei einem Wein -hoffentlich- gedacht hat, entscheidend ist nur, ob Ziel und Ergebnis im Einzelfall zusammenpassen. Und da es sehr viele geschmackliche Vorlieben und Abneigungen gibt, werden halt auch viele Richtungen bedient.
Ich selbst versuche halt, bei meinen VKN's jeweils deutlich 'rauszustellen, daß das meine "nur" persönliche Meinung und nicht unbedingt eine absolute Wahrheit ist. Und wenn man selbst einen Wein einfach nicht 'runterbringt, dann ist das so und dann darf man das auch schreiben...
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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stollinger

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Re: Wöhrle

BeitragSo 10. Nov 2019, 17:50

Hi Erich,

dank dir, für deine Meinung.

EThC hat geschrieben:Es ist dabei auch gar nicht in erster Linie entscheidend, was sich der Winzer bei einem Wein -hoffentlich- gedacht hat, entscheidend ist nur, ob Ziel und Ergebnis im Einzelfall zusammenpassen.

Ich denke, dass ist die Frage, die ich mir stelle: Kann ich bei einem handwerklichen Betrieb, der natürlich auch den Bedingungen des Jahrgangs unterworfen ist, mein Urteil alleine auf das Resultat stützen? Ich bin mir da noch nicht so sicher, wie ich das handhaben will, ohne, dass ich mich später, wenn ich meine Beiträge lese, über mich ärgere. Weder das eine oder das andere Extrem, aber was ist das richtige Maß?

Grüße, Josef
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Michl

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Re: Wöhrle

BeitragSo 10. Nov 2019, 18:21

Lieber Josef,

ich halte es auch für absolut in Ordnung, einen Wein deutlich zu kritisieren, wenn man ihn für misslungen hält. Ich hatte vor Jahren ein Spätburgunder GG von Bercher im Glas, das mich so abstieß, dass ich bis heute die Weine des Weinguts meide (in der Datenbank nachzulesen). Ich sprach damals zwar nicht von "Hundefutter", aber von "Biomüll" und möglicherweise meinten wir ähnliches, denn ich kann deine Assoziation gut nachvollziehen (habe auch einen Hund :lol: ). Misslungener Spätburgunder kann in diese Richtung gehen. Wie jeder Gegenstand, der an die Öffentlichkeit gebracht wird - zumal zu kommerziellen Zwecken - darf auch Wein kritisiert werden. Welcher Sprache man sich dabei bedient, bleibt natürlich jedem selbst überlassen, sie ist immer ein Spiegel. Mich persönlich hat noch nie ein Verriss gestört, im Gegenteil, sie sagen mir oftmals mehr über einen Wein und die Vorlieben des Verkosters, als die immerselben und deshalb ermüdenen Lobstereotype. Ich hatte sogar schon regelrecht erhellende Erlebnisse. Vor geraumer Zeit hat marzemino, dessen Urteil ich mittlerweile blind vertraue und der meines Erachtens die vielsagendsten VKN in der Datenbank schreibt, einen Wein vom Weingut Fußer aus der Pfalz heftig verrissen. Lies bei Interesse in der Datenbank nach, die Wortwahl ist heftig :lol: . Ich kannte den Wein schon davor, fand ihn aber okay. Nach der VKN habe ich ihn mir interessehalber noch einmal besorgt und war baff erstaunt, wie treffen marzemino den Wein wahrnahm. Gerade nach dieser VKN war mir um einges klarer, wie er Riesling wahrnimmt und gerade sein Verriss hat auch meine Wahrnehmung nachhaltig beeinflusst.
Was mich deutlich mehr stört ist der vereinzelt hier auftretende, mehr oder minder unverholen dispektierliche Umgang mit anderen Foristen, wenn aus Wein ein Egospiel wird... Aber den Charakter, der dahinter steht, kann man irgendwann einschätzen.
Im Übrigen: Wir sollten hier unsere Bedeutung schon richtig einschätzen. Hier schreiben "gefühlt" keine 10 Foristen regelmäßig. Eine VKN hat nach einem Tag zw. 20 und 50 Aufrufe, je nachdem wie interessant der Wein ist. Hier lesen im Schnitt "gefühlt" +/- 30 Menschen die VKN regelmäßig mit. Nach einem Jahr dann hat ein Wein i.d.R. zwischen 100 und 200 Aufrufe. Von daher glaube ich auch nicht, dass man einen Winzer einschalten sollte. Unsere Reichweite ist äußerst begrenzt. Für mich persönlich ist das hier eine Art digitales Wohnzimmer mit verschiedenen mir im Laufe der Jahre sehr lieb gewordenen Personen, die ich alle nicht persönlich kenne, von denen ich aber mir natürlich ein Bild zusammengezimmert habe und für die ich letztlich schreibe. Und zuhause im Wohnzimmer fällt ja auch mal ein derbes Wort... ;)
Viele Grüße

Michl
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Der Wein-Schwede

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Re: Wöhrle

BeitragSo 10. Nov 2019, 19:13

stollinger hat geschrieben:Ich denke, dass ist die Frage, die ich mir stelle: Kann ich bei einem handwerklichen Betrieb, der natürlich auch den Bedingungen des Jahrgangs unterworfen ist, mein Urteil alleine auf das Resultat stützen?

Hallo Josef,
klar sollst Du offen und erlich Deine Meinung über die Weinen schreiben. Der Zweck dieses Forum ist ja Tipps und Beratung für andere Weinliebhaber/Konsumenten zu geben. Sollte man beginnen schlechte Weinerlebnisse zu wegfiltrieren - ja, dann würde ich auch unser Forum als Beratungsquelle abwerten.
Vor einigen Monaten hatte ich auch ein solches Erlebnis mit einem renomierten Wein gehabt (na, vielleicht nicht ganz so schlecht, der war besser als "Hundefutter" ;) )
Aber ich habe von diesem Wein hier berichtet, das war das hochgelobte Weingut Rebholz mit einem Spätburgunder Muschelkalk 2013 für über 30 Euro. Ich habe Spätburgunder im Keller für 10 Euro welche besser sind, und fühle mich vera…scht wenn ich für so viel Geld so wenig Weinerlebnis bekomme.
Ich habe mehrere andere sehr gute Weine von diesem Weingut gehabt, aber dieser Spätburgunder hat nicht dazu gehört, und dann erzähle ich das auch.
Macht ruhig weiter, Josef, das wichtige ist doch dass man eine gute und motivierte Beschreibung vermittelt (und das hast Du gemacht).

Gruss
Rolf
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EThC

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Re: Wöhrle

BeitragSo 10. Nov 2019, 20:50

stollinger hat geschrieben:Kann ich bei einem handwerklichen Betrieb, der natürlich auch den Bedingungen des Jahrgangs unterworfen ist, mein Urteil alleine auf das Resultat stützen? Ich bin mir da noch nicht so sicher, wie ich das handhaben will, ohne, dass ich mich später, wenn ich meine Beiträge lese, über mich ärgere. Weder das eine oder das andere Extrem, aber was ist das richtige Maß?

Die Grenzen sind natürlich fließend und deshalb höre ich da im Einzelfall immer auf mein Bauchgefühl. Da ich gerade ein super GGchen von Weltner im Glas habe: dessen Weine von Erster Lage aufwärts sind -für mich- eigentlich alle supergut bis genial. Mit den Guts- und Ortsweinen kann ich dagegen in der Regel wenig anfangen, da sie von der Säurestruktur her für meinen Geschmack meist zu deutlich in die leicht zuckerschwanzig-breite Richtung gehen. Ich habe Paul Weltner zwar nicht dazu befragt, aber ich denke, in diesen Ligen -die ja eher nicht für uns Nerds gemacht sind- wird vom Gut halt ein Geschmack bedient, der nicht meiner ist, aber der wahrscheinlich eher die Mehrheit bildet als mein eigener. In so einem Fall stelle ich halt sinngemäß fest, daß das nicht so mein Fall ist, bewerte den Wein auch entsprechend, aber lasse immer den Raum für andere Vorlieben.
Wenn's natürlich extremer wird -und da greife ich jetzt mal das "Hundefutter" aus Deiner VKN auf-, dann wird auch bei mir ein möglicher Verriß entsprechend deutlicher formuliert.
Ich denke, es ergibt sich bei der Verkostung von ganz allein so eine Einschätzung, ob ein Wein jetzt einfach nicht dem Geschmack des Verkosters entspricht oder ob der Wein bereits als fehlerhaft bzw. mißlungen einzustufen ist. Das mag im Einzelfall zu einer kontroversen Diskussion führen, aber das ist ja erst mal nichts Schlechtes... :D
Viele Grüße
Erich


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Michl

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Re: Wöhrle

BeitragMo 18. Nov 2019, 20:30

Lieber Josef, ich habe den Spätburgunder jetzt interessehalber auch geöffnet, auch weil ich einen Kochwein für eine Sauerbratenmarinade brauche. Du weißt ja, dass ich deine VKN sehr schätze, aber mit deiner Notiz tust du meines Erachtens dem Wein Unrecht. Ich habe Schlimmes erwartet und war sicherlich voreingenommen, aber "Hundefutter" kann ich wirklich nicht nachvollziehen. An anderer Stelle schreibst du:

stollinger hat geschrieben:Das Toasting war recht deutlich und vordergründig. Aber besonders unangenehm habe ich das Aromenkonzentrat aus Kochfleisch, Speck und Dörrfrüchten empfunden, ...


Das finde ich sehr treffend, abgesehen vom Speck, den ich nur wahrnehme, wenn ich das "will". Aber "Kochfleisch" ist sehr treffend, ähnlich zu einem noch völlig ungewürztem Suppenansatz, den man in ein Mus aus Dörrfrüchten gibt. Ich hatte aber auch noch die Assoziation an einen leicht eingebrannten, sehr saftigen Rührkuchen. Das hört sich jetzt in der Summe furchtbar an und die Gesamtaromatik der Nase gefällt mir auch nicht, aber all das fällt nach meiner Wahrnehmung eben nicht "kräftig" und "aufdringlich" aus, sondern in Relation zu anderen holzlastigen Nasen sogar eher zurückhaltend und recht "fein" Am 2. Tag hat sich diese Aromatik dann auch deutlich abgeschwächt. Schlussendlich rettet dann der Geschmack in gewisser Weise den Wein, denn im Mund wirkt er auf mich eher frisch, recht klar und ganz und gar nicht dick.
In letzter Konsequenz glaube ich, dass dir die Aromatik einfach persönlich überhaupt nicht zusagt und du zu einem drastischen Vergleich gegriffen hast. Ich bleibe tatsächlich auch etwas verunsichert zurück und muss immer wieder ins Glas riechen. Dennoch würde ich gerne insofern eine Lanze für den Wein brechen, als ich es sofort nachvollziehen könnte, wenn ihm jemand 88 P gibt. Mir persönlich gefällt er aber auch deutlich weniger.
Viele Grüße

Michl
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Lars Dragl

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Re: Wöhrle

BeitragMo 18. Nov 2019, 23:23

Hallo!

Gerade wenn es um subjektive Eindrücke geht, ist es mir lieber wenn die Beschreibungen authentisch rüberkommen. Die allzu glattgebügelten Bewertungen mit hohen Punktzahlen lösen bei mir kaum noch Interesse aus.
Wir Menschen sind oft widersprüchlich und hin und wieder sogar richtig "multivalent". Ich bin oft sehr unzufrieden mit dem was ich hier schreibe, weil guter Wein eben Emotionen mit ins Spiel bringt. Diese sachlich und neutral zu beschreiben ist dann eigentlich schon wieder paradox.
Ich sehe meine Beiträge hier als Diskussionsgrundlage, soweit diese sich lohnt.
Weinen Schulnoten zu geben und sie zu bewerten wie eine Mathematikaufgabe ist für mich beides, der Versuch einer Versachlichung und eine geniale Marketingkampagne. (Wie viele Punkte gebe ich wohl meiner Ehe?)
Bitte schreibt weiter Eure offen Meinung (am besten liebevoll-böse mit Witz und Humor). Dann lese ich gerne mit.

Grüße

Lars
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stollinger

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Re: Wöhrle

BeitragMi 20. Nov 2019, 18:16

Hi Michl,

danke! Zum einen für deine Einschätzung weiter oben und für deine Meinung zu dem Wein. Und ich glaube, du hast absolut Recht. Ich scheine wirklich den Geruch von Kochfleisch sehr sensitiv und unangenehm wahrzunehmen. Rückblickend hatte ich schon mit meinen Weinkumpels häufiger dahingehende Diskussionen bei Spätburgunder aus Deutschland. Ich habe den Wein übrigens ausschließlich am 2.Tag getrunken. Vielleicht war für mich der Geruch auch zusätzlich auffällig, weil wir parallel die Pinot noir von Maison Carrée verkostet haben. Die gehen so gar nicht in diese Richtung und stellen stilistisch einen starken Kontrast dar.

Michl hat geschrieben:In letzter Konsequenz glaube ich, dass dir die Aromatik einfach persönlich überhaupt nicht zusagt und du zu einem drastischen Vergleich gegriffen hast.


Ja, deshalb möchte ich persönlich in Zukunft auch nicht mehr zu solchen Vergleichen greifen, auch wenn das ziemlich assoziativ war. Ich betrachte es aber heute einfach als unsachlich und wenig differenziert. Das gefällt mir nicht, ich will tendenziell lieber informieren, nicht gerne beeinflussen.

Grüße, Josef
Vorherige

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