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Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: Mi 21. Aug 2019, 19:26
von amateur des vins
Hatte von beiden noch einen wönzigen Schlock übrig...

Heute kommen sie mir doch sehr weich vor. M.a.W., spätestens jetzt würde ich mir doch eine etwas knackigere Säure wünschen. Sie haben eben auch nicht die markant mineralische Struktur des famosen Condrieu letztens, um das aufzufangen.

Ich werde das beobachten, aber nach den ersten Eindrücken scheint mir, als würden die 2018er bei mir nicht sonderlich alt (auch wenn Ollie anzweifelt, das Potential vorrangig an der Säure festzumachen). Aber das Warten beim Wein sollte ja auch kein Selbstzweck sein...

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: Do 22. Aug 2019, 23:12
von amateur des vins
Und zuletzt der dritte im Bunde:

Holger Koch, Chardonnay *** 2018

Sehr dezente Nase mit einem Schuß Phenolik.
Am Gaumen etwas CO₂ und dadurch etwas spritziger als die beiden anderen. Leicht mineralisch, aber abgesehen davon nicht besonders ausdrucksstark. Hinten leicht adstringent. Nach 45' ein Hauch mehr Lebendigkeit, aber kein signifikanter Wandel.

"Gepflegte Langeweile" kommt mir in den Sinn. Schade.

Schon bei den 2017ern hatte ich das Gefühl, daß nicht nur der höhere Preis des Chardonnays ggü. WB und GB nicht gerechtfertigt ist, sondern es sogar qualitativ eng wird. Und hier finde ich es sogar eindeutig so.

Könnte die fehlende Aromatik Ausdruck von Trockenstreß sein? Chardonnay ist ja neu, und vmtl. sind die Reben sehr jung. Vielleicht wurde er deutlich vor der physiologischen Reife gelesen, weil die Säure in den Keller zu gehen drohte?

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: So 8. Sep 2019, 21:55
von Georg R.
Chardonnay *** 2018

Im Grunde hat Karsten schon alles geschrieben.
Ob es die Hitze war in Kombination mit den noch jungen Reben (ca 10 Jahre)...jedenfalls scheint der 17er besser gelungen.
Die gewohnte Eleganz und Ausgeglichenheit, die ich an seinen Weinen sonst so schätze, fehlt mir bei diesem 18er Chardonnay.

Parallel die Knewitz Chardonnay Reserve 17 über 3 Tage getrunken, das war schon eine andere Liga - auf ähnlichem Preisniveau
Aber eben 18....das wird wohl nicht mein (Weisswein)Jahr.


Gruss
Georg

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: So 20. Okt 2019, 18:36
von Moselaner
Spätburgunder Alte Reben 2017
Stilistisch geht es klar in die burgundische Richtung.
Schlank, jedoch nicht dünn, mit Säure für Rieslingtrinker.
Harmonisiert sich mit Luft, klare Frucht, angenehme Taninne.
Sicher kein Konsenswein, aber wenn man mit dieser Stilistik etwas anfangen kann, bekommt man für den aufgerufenen Preis viel geboten und findet in Deutschland in dieser Klasse kaum besseres.
89 Punkte

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: Fr 17. Jan 2020, 20:49
von Gast1
Guten Abend,

gerade im Glas,

WG Holger Koch
2017 Pinot Noir ***
13% Alk.
35 Euro im Weinhandel

Der generell sehr elegante, frische und burgundische Stil erinnert stark an die 2017er PNs vom WG Huber (Schlossberg) oder auch an den 2015er PN von Hervé Roumier, Chambolle-Musigny. Besser ist jedoch hier der Säureeinsatz gelungen, die den Wein viel feiner und ausgeglichener begleitet. Kein lauter Wein, sondern wie die Farbe auch dezent und zurückhaltend, klar, mit feinen Anklängen von vorwiegend Sauerkirschen. Einen Touch alkoholisch, die Süsse noch nicht perfekt integriert. Glaube, dass man hier schon sehr viel Burgunderfeeling bekommt, für die man sonst deutlich tiefer in die Tasche greifen muss. In 5 Jahren die nächste Flasche. 91+ Pkte.

Weinfreundliche Grüsse

Christian

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: Fr 20. Mär 2020, 22:26
von amateur des vins
Mein Ersteindruck von den 2018ern war ja mäßig. Ich glaube auch nicht, daß die gut altern werden. Also warum nicht den Ersteindruck überprüfen?

Holger Koch, Weißburgunder *** 2018

Initial WB-typisch, aber recht breit. Nach kurzer Zeit kickt die Phenolik rein (remember: 10% maischevergoren und rückverschnitten) und legt eine gewisse Straffheit darüber.
Am Gaumen deutliche staubige Adstringenz, ganz gute Säure - und aromatisch erschreckend nichtssagend. :cry: Ich vermute, es wurde (zu) früh geerntet, um noch genügend Säure zu haben und den Alk. bei 13,5% halten zu können. Besonders grün wirkt das nicht, aber könnte auch z.T. durch den Rückverschnitt überdeckt sein.

Trotzdem er, wie ich finde, ein richtig guter Winzer ist, und sicher alle Register gezogen hat, scheint mir doch offensichtlich, daß die Herausforderungen des Jahrgangs selbst für Holger nicht zufriedenstellend zu stemmen war. Jedenfalls sehe ich diesen WB*** außergewöhnlich schwach.

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: Fr 10. Apr 2020, 21:16
von amateur des vins
Holger Koch, Chardonnay *** 2018

Ich war ja schon von der "Normalvariante" nicht wirklich beglückt. Kork macht's nicht besser. :(
Übrigens auch hier die dunklen Flecken im deutlich müffelnden Kork, die Erich andernorts notierte. Muß ich mal beobachten, ob es da eine positive Korrelation gibt...

Hoffe, das wird eine kurze Strähne...

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: Fr 10. Apr 2020, 21:49
von EThC
amateur des vins hat geschrieben:Kork macht's nicht besser. :cry:
Übrigens auch hier die dunklen Flecken im deutlich müffelnden Kork, die Erich andernorts notierte.

Herzliches Beileid! Ohne Hintergedanken, Schadenfreude o.ä. ganz ernst gemeint... :cry:

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: Fr 10. Apr 2020, 21:57
von amateur des vins
EThC hat geschrieben:Herzliches Beileid! Ohne Hintergedanken, Schadenfreude o.ä. ganz ernst gemeint... :cry:
Danke Erich! Mußte sofort wieder an den alten Spruch aus dem Studium denken: "Einmal ist Zufall, zweimal ist Gesetz." :mrgreen: Hier war es allerdings mehr als eindeutig, im Ggs. zum Müllen gestern.
Immerhin ist das mein erster korkender Holger-Koch-Wein IIRC.

Re: Weingut Holger Koch

BeitragVerfasst: Mi 15. Apr 2020, 21:13
von amateur des vins
Nach dem Umzug als erstes aus den chaotischen Kartonstapeln ausgegraben:

Holger Koch, Weißburgunder *** 2017

Hach, so schön sind Holgers Weine, wenn sie weder aus zu schwierigen Jahren kommen (2018) noch TCA haben! Rebsortentypisch; wenig Frucht - Dosenmandarine kommt in den Sinn, was sich despektierlicher liest, als es gemeint ist. Einige Mineralität. Cremige Textur und schöne Säure, mitnichten besonders knackig, wie ich mal dachte. Floral und leicht "extraktsüß".

Das ist ein ***-Saufwein im besten Sinne. Nicht besonders komplex, aber sehr stimmig,, und mit genau dem hohen Trinkfluß, der nach eigener Aussage auch angestrebt wird. Gelungen!