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Weingut Holger Koch

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amateur des vins

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragMi 7. Okt 2020, 18:22

Erich, da paßt es ja, daß heute meine weißen 2019er ankamen. Ich habe sie sogleich einer Überprüfung unterzogen:

Holger Koch, Weißburgunder*** 2019
Holger Koch, Grauburgunder*** 2019
Holger Koch, Chardonnay*** 2019


Der WB Strohgelb, klar. Straff mineralisch, kaum Frucht (etwas weißfloral), leicht phenolisch und kraftvoll. Schöne Säure, etwas Zitrone und Mandarine. Hier nur mäßig straff, aber von enormem "Trinkfluß".
GB deutlich satter: goldgelb mit minimalem "Kupferstich". Erwartungsgemäß deutlich kraftvoller, aber auch hier mineralisch und kaum Frucht. Am Gaumen deutlich fülliger, ein bißchen orange Frucht (reife Physalis). Minimal süßlich bei insgesamt doch trockenem Eindruck.
Ch. farblich dazwischen. Nase kühler und steiniger als beide Brüder. Hier kann ich endgültig keine Frucht mehr erkennen, aber insgesamt tolle Struktur.

Soviel als erster Kurzeindruck. Ich kann mich nur wiederholen: Holger Koch will keine Kopf-, sondern Trinkweine machen, und das merkt man, und es gelingt ihm. Diese 2019er zeigen exemplarisch sowohl die Verwandtschaft als auch die Unterschiede dieser drei Burgunderrebsorten auf.

Nach den 2018ern war ich doch ein wenig am zweifeln, ob es eine neu eingeschlagene Richtung geben könnte, die mir nicht zusagt. Nach diesen 2019ern kann ich Entwarnung geben: Nicht nur wetzen sie die Scharte ihrer Jahrgangsvorgänger aus. Im ersten Impuls würde ich sie sogar alle drei als die besten bezeichnen, die ich von diesem Weingut kenne. Ich hatte mich ein bißchen zurückgehalten, aber werde nachordern.

@Michl:
Normalerweise finde ich den GB knapp am stärksten, aber heuer ist er ein wenig hintendran. Der Chardonnay, obgleich von deutlich jüngeren Reben, mausert sich langsam.
Besten Gruß, Karsten
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Michl

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragMi 7. Okt 2020, 18:37

amateur des vins hat geschrieben:@Michl:
Normalerweise finde ich den GB knapp am stärksten, aber heuer ist er ein wenig hintendran. Der Chardonnay, obgleich von deutlich jüngeren Reben, mausert sich langsam.


Stimmt, die Chardonnays hatte ich ganz vergessen, gibt's ja auch noch nicht so lange, das waren klar die schwächsten Weine. Chardonnay geht deutlich besser. Aber dein Bericht macht ja Hoffnung, dass hier was gehen könnte. Habe damals den ersten Jahrgang beider Weine sofort gekauft, weil ich mich so freute, dass Koch jetzt auch Chardonnays macht, und ich konnte mir gut vorstellen, dass dieser unter den stilistischen Vorzeichen des Weinguts großartig ausfallen, aber leider war dem nicht so. Zumindest die 17er waren für mich eine Enttäuschung, 18 habe ich dann schon gar nicht mehr probiert...
Viele Grüße

Michl
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amateur des vins

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragMi 7. Okt 2020, 18:45

Jep, ich fand die auch nicht so toll, auch 2017 nicht. Ein bißchen Zeit muß man aber sowohl Holger als auch den Rebstöcken schon einräumen...

Vielleicht sollte ich zur besseren Einordnung noch schreiben: Die Weine sind nicht die allerspannendsten oder komplexesten, die ich kenne. Es sind aber wundervolle nichtbanale Easy-Drinking-Weine zu einem attraktiven Tarif.
Besten Gruß, Karsten
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Michl

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragMi 7. Okt 2020, 18:54

amateur des vins hat geschrieben:Vielleicht sollte ich zur besseren Einordnung noch schreiben: Die Weine sind nicht die allerspannendsten oder komplexesten, die ich kenne. Es sind aber wundervolle nichtbanale Easy-Drinking-Weine zu einem attraktiven Tarif.


Genau das würde ich vollumfänglich unterschreiben.
Viele Grüße

Michl
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glauer

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragMi 7. Okt 2020, 21:19

Meine Erfahrungen mit Holger Koch (gehört zu meinen 5 "Mit auf die Insel" Weingütern):

1) Ich finde auch, dass die Weine unglaublich gut runterlaufen, sehe sie deswegen aber nicht weniger interessant oder spannend. Das ist für mich die Kunst bei Koch, dass komplexe Weine mit grosser Feinheit und einer gewissen Gelassenheit erzeugt werden. Man kann die *** Weine einfach mit Spass wegtrinken, aber sie belohnen auch die aufmerksame Verkostung.

2) Ich sehe in der Regel schon die Einstiegsweine in Anbetracht des Preises sehr gut, vor allem als Essensbegleiter. Und sie reifen auch durchaus, wir öffnen öfters 6 oder 7 Jahre alte der Weissen mit grossem Genuss. Auch bei den roten habe ich keinen Anlass zur Eile, ich lege die alle einige Jahre weg und hatte noch nie einen Ausfall.

3) Was es tatsächlich immer mal wieder gibt sind (weisse) Einzelflaschen die ganz gruselig sind, ohne dass ich einen konkreten Weinfehler benennen könnte. Meist so ein bis zwei Jahre nach der Ernte. Ich kaufe immer mindestens 6 Flaschen von einem Wein und es hat noch nie mehr als eine Flasche betroffen (vielleicht auch mal 2).

Gruss
Georg
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Bernd Schulz

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragMi 7. Okt 2020, 23:30

Michl hat geschrieben:Ich bilde mir ein, das Weingut und die Weine mittlerweile ganz gut einschätzen zu können, aber mit den PdP-Editionen hatte ich schon ganz grauenhafte Erlebnisse. Gerade im Fall von Holger Koch ist für mich rätselhaft, was da im Vergleich zu den regulären Weine läuft. Ich werde keine dieser PdP-Editionen mehr kaufen.


Meinen Erfahrungen sehen anders aus. Ich hatte mit einer Kochschen PdP-Edition noch nie ein negatives Erlebnis.

glauer hat geschrieben:.... Ich sehe in der Regel schon die Einstiegsweine in Anbetracht des Preises sehr gut...


Dito. Gerade die von mir regelmäßig als hoch erlebte Qualität der Basisweine hat dazu geführt, dass ich das Weingut Holger Koch besonders schätze. Wie ich im Forum schon mehrfach geschrieben habe: Winzer, die erst im oberen Preissegment der von ihnen angebotenen Weine erfreuliche Sachen auf die Flasche bringen, interessieren mich kaum bis gar nicht.

Insofern existieren hier jetzt unterschiedliche Fronten! :twisted: :mrgreen:

Herzliche Grüße

Bernd
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amateur des vins

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragDo 8. Okt 2020, 08:29

Man darf sicher sein, daß für (alle - ɛ) produzierten Weine ein Markt existiert. ;)
Systemische Selbstorganisation ist schon faszinierend... 8-)
Besten Gruß, Karsten
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EThC

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragDo 8. Okt 2020, 09:44

...aufgrund der Vielzahl von Posts seit meinem letzten fange ich hier jetzt nicht das Zitieren an. Da es ja doch einige VKN's gibt, die ich durchaus interessant finde und ich mir einbilde, diese bei einigen Verfassern auch über "gleich Erlebtes" einigermaßen gut einordnen zu können, bin ich auch nicht soweit, daß ich das Weingut nun komplett ad acta lege.

Ich habe den 18er Basis-GB ja auch nicht selbst gekauft, sondern ein (Wein-) Freund von mir hat ihn aus einer Koch-Probierkiste von PdP. Ich muß mal nachfragen, ob er mittlerweile noch mehr aufgemacht hat. Jedenfalls waren wir uns einig, daß das nun so gar nix war und daß es vor allem im krassen Gegensatz zur PdP-Weinlyrik steht; allerdings ist das ja auch nix Neues.

Wenn ich mich da ernsthaft aus eigenem Antrieb 'ran wage, dann jedoch sicher nicht mit 18 (mit dem Jahr stehe ich in D trotz einiger erfreulicher Ausnahmen eh auf Kriegsfuß), mal sehen...
Viele Grüße
Erich


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amateur des vins

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragDo 8. Okt 2020, 11:52

Erich, da Du ein Faible für "schräge" Weine hast, würde ich Dir Holger Koch nicht explizit an's Herz legen - unabhängig davon, daß ich 2018 für schwierig halte. An Deiner Meinung bin ich natürlich trotzdem interessiert. ;)
Besten Gruß, Karsten
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EThC

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Re: Weingut Holger Koch

BeitragDo 8. Okt 2020, 15:12

amateur des vins hat geschrieben:Erich, da Du ein Faible für "schräge" Weine hast, würde ich Dir Holger Koch nicht explizit an's Herz legen

...schräg ja, aber nicht nur, würde ja auch irgendwann langweilig. Ist immer so ein Wechsel zwischen den Fronten, das hält die Spannung hoch... :D
Viele Grüße
Erich


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