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Terroir-Erkenntnisse bzw. Spätburgunder 2010 Kopp vs. Salwey

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thdeck

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Terroir-Erkenntnisse bzw. Spätburgunder 2010 Kopp vs. Salwey

BeitragMi 23. Mär 2016, 22:57

Mit diesem Beitrag kann ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

Zum einen ist die Verkostungsnotiz interessant und gleichzeitig typisch für meine Erfahrungen der letzten 12 Monate. Zum anderen könnte man das Salwey-Exemplar fast als eine Art "Muster-Terroir-Wein" für den Kaiserstuhl bezeichnen.

Wie üblich muss ich erst mal die Terroir-Definition in Erinnerung rufen und auf die damit verbundene Problematik hinweisen:
Ein Terroir ist ein Stück Land, welches typische Weine auf hohem Niveau hervorbringt. Ein Terroir-Wein muss als typisch für seine Herkunft sein, und gleichzeitig eine Art Aushängeschild für sein Terroir (also seinen Weinberg, seine Gemeinde oder sein Gebiet).
Problem: "Typizität" und "Qualität" müssen irgendwie festgelegt werden. Und beide unterliegen über die Jahre bzw. Jahrzehnte einem gewissen Wandel. Meine Einschätzung ist also subjektiv. Sie wäre es sogar dann, wenn sie wissenschaftlich 100%ig korrekt wäre.

Konkret geht es mal wieder um "Ortenau" vs. "Kaiserstuhl" bzw. "Granit vs. Vulkan".
Granit (Ortenau): Schlank, rauchig, manchmal kratzig, manchmal grün-wild, tendenziell Brombeere
Vulkan (Kaiserstuhl): Üppig, süßlich, "Kaiserstuhl-Süße", tendenziell Walderdbeere
Zum Vergleich Kalkstein (Burgund): Fokussiert, klare Konturen, komplex, tendenziell Himbeere/Kirsche

Leider wird in Baden die o.g. Charakteristik oft durch irgendwelche "Maßnahmen" überlagert (Holz, Überreife, Grüntöne, etc.). Ich schreibe absichtlich "Maßnahme", nicht "Fehlentscheidung". Oder die Weine altern schneller als gedacht, so dass die ursprüngliche Charakteristik nur noch zu ahnen ist. Bei den beiden 2010ern war das jedenfalls nicht so:

2010 Spätburgunder "S", Weingut Kopp, Sinzheim-Ebenung/Ortenau
13 % Alk., 25 Euro

2010 Spätburgunder, Oberrotweil Henkenberg GG, Salwey, Oberrotweil/Kaiserstuhl
13,5 % Alk., 25,50 Euro (wein-plus 92 Punkte, bis 2025+)

Kurznotiz zu Kopp:
in der Nase etwas Holz; im Mund sehr dicht, weich, Vanille, dunkles Holz, Frucht (Pflaume); sehr reintönig (vom Holz abgesehen), geschliffen; 2. Tag viel Holz, wenn auch sehr dicht+reintönig; 3. Tag dicht, intensiv, viel Holz; 89 Punkte

Kurznotiz zu Salwey:
in der Nase Hagebutte; im Mund sehr füllig, intensiv, saftig; mit Biss und Kaiserstuhl-Süße; typischer Kaiserstuhl-Stil; null Holz; 2. Tag: Rote Johannisbeere, Hagebutte, ist top; 3. Tag: hält seinen Stil, wenn auch weniger fokussiert als am Vortag; 91 Punkte

Beide Weine haben übrigens ein hervorragendes Preisleistungsverhältnis.

Zu Salwey ist noch zu ergänzen, dass ich seit 2009 einen Stilwandel wahrnehme, hin zu mehr Reintönigkeit, Frucht, Eleganz. Burgund-Stil, aber ohne wie Burgund zu schmecken. Seltsamerweise entwickelten sich gerade die 2009er (eigentlich ein Top-Jahrgang) ziemlich schlecht. Extrem säurelastig (ich rede vom Glottertäler und vom Oberrotweiler Eichberg). Der 2013er war bei der Verkostung vor Ort genial, aber das dachte ich damals vom 2009er auch. Umso erfreuter war ich daher vom aktuellen Zustand des 2010ers. Sein "Bruder" vom Eichberg bekam übrigens nur 89 Punkte, da er am ersten Tag leicht prickelnd war (kommt im Kaiserstuhl öfter vor). Der Henkenberg zeigt sich jedenfalls so, wie man sich den Kaiserstuhl-Spätburgunder vorstellt. Damit ist er gleichzeitig auch "unkopierbar", weder von anderen deutschen Regionen noch vom Ausland.

Dass ich den Vergleichswein von Kopp nahm, ist kein Zufall. Ich sehe ihn derzeit als in der Ortenau führend an. Seine Weine sind die reintönigsten und die konzentriertesten. Dass es in diesem Fall nicht zu 90 Punkten reichte, liegt am Holz. Ok, dem 2009er "R" (35 Euro) gab ich 91 Punkte. Der war einfach zu gut. Aber auch der hatte eigentlich zu viel Holz. Dabei würde ich so gern mal den Granit-Spätburgunder in konzentrierter Reinform haben. Wird er dann zu eindimensional? Egal, dieser Wein wird mir bald über den Weg laufen. Kopp ist weiter am Arbeiten, Schloss Eberstein, Schloss Neuweier und Laible sind nach meiner Einschätzung derzeit die ambitioniertesten Wettbewerber in der Ortenau, was die Terroir-Spätburgunder betrifft.

Mit Terroir-Spätburgunder meine ich solche, bei denen die Herkunftsbezeichnung klar kommuniziert wird, so dass man sich überhaupt eine Vorstellung hinsichtlich Typizität machen kann. Schloss Neuweier hat lange Zeit Spätburgunder mit Spätlese oder gar Auslese-Charakter gemacht. Seit der Übernahme durch Robert Schätzle wirkt der Stil "burgundischer". Leider scheint die Lage (Heiligenstein) etwas jahrgangsabhängig zu sein. Laibles Spätburgunder fand ich lange Zeit auch zu ausleseartig. Dann hat mich letztes Jahr der 2011er "Plauelrain 02" positiv überrascht. Zwar auch mit Holz, aber ansonsten eher auf Frucht+Eleganz getrimmt.

Es bleibt spannend...


Thomas Deck
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Charlie

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Re: Terroir-Erkenntnisse bzw. Spätburgunder 2010 Kopp vs. Sa

BeitragDo 7. Apr 2016, 10:37

"Spätburgunder mit Spätlese oder gar Auslese-Charakter" - was meinst du damit?

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