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Badische Weißweine

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Bernd Schulz

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Re: Badische Weißweine

BeitragSa 9. Jun 2018, 22:37

Wenn ich dann weiter in meinem ollen GM blättere, erscheint da in der badischen Abteilung unter Silvaner fast nix mehr. Der nächste Treffer ist eine trockene Spätlese von Konstanzer, die ebenfalls aus dem Winklerberg kam und (bei einem Preis von 8,50) immerhin 86 Punkte einfahren konnte, womit sie kaum schlechter bewertet wurde als die deutlich teureren trockenen Grau- und Weißburgunder-Spätlesen des gleichen Betriebs (13 bzw. 14 Euro, 87 bzw. 88 Punkte).

Oswald, du hast hier eine wirklich interessante Frage aufgeworfen!

Herzliche Grüße

Bernd
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Michl

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Re: Badische Weißweine

BeitragSa 9. Jun 2018, 22:50

Was für ein Zufall, dass ihr beide gerade über badischen Silvaner sprecht, denn ich habe gerade den 16er Silvaner von R. u. C. Schneider im Glas. Eigentlich mag ich Silvester furztrocken und straff, aber dieser Wein hat auch diese hohe Extraktsüß, die alle Weißen des Weingut auszeichnet und mit der ich bei Chardonnay und Weißburgunder so meine Probleme habe. Hier passt das aber - ich kann es selbst kaum glauben - wirklich gut. Der Wein hat die innere Harmonie eines Teschke Silvaners, fällt aber mächtiger aus. Zusammen mit der Extraktsüß ist das ein absoluter Crowdpleaser, jedoch im besten Sinn. Verry easy trinking auf hohem Niveau.
Viele Grüße

Michl
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OsCor

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Re: Badische Weißweine

BeitragSa 9. Jun 2018, 23:41

Ich war jetzt kurz davor, ein paar Flaschen Silvaner von den Trockenen Schmitts zu bestellen, nachdem ich den Silvaner als Möglichkeit entdeckt hatte. Jetzt aber werde ich erstmal die Gegend hier abgrasen.
Wie ich es hier erlebe, ist der Modewein im Augenblick der Grauburgunder - Weißburgunder ist schon ein wenig passé. Silvaner habe ich erst vor wenigen Wochen zum ersten Mal bewußt getrunken; die Aussage des Einkäufers im Supermarkt klang beinahe ein wenig wehmütig.
Eine Interviewreihe in der Badischen Zeitung mit Winzern des Anbaugebietes Breisgau zeigt ganz klar: Burgunder, Burgunder, Burgunder. Damit möchte man sich auf die zu erwartenden höheren Temperaturen der Zukunft einstellen.
Ok, es gibt sie schon noch, die Silvaner, z.B. bei Heger und den Schneiders ;) Aber da kaufen auch nicht Hinz und Kunz.

Gruß
Oswald
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Bernd Schulz

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Re: Badische Weißweine

BeitragSa 9. Jun 2018, 23:59

OsCor hat geschrieben:Ich war jetzt kurz davor, ein paar Flaschen Silvaner von den Trockenen Schmitts zu bestellen....


Damit kannst du unter reinen PLV-Aspekten nicht viel falsch machen. Bestelle die doch und vergleiche sie mit den badischen Silvanern!

OsCor hat geschrieben:Eine Interviewreihe in der Badischen Zeitung mit Winzern des Anbaugebietes Breisgau zeigt ganz klar: Burgunder, Burgunder, Burgunder.....


Sach ich ja. Frankreich ist das Maß aller Dinge. Selbst an der Saar faselt der eine oder andere nicht unbedingt schlechte Erzeuger mittlerweile im Zusammenhang mit seinen Rieslingen (!) etwas von "burgundisch"....

OsCor hat geschrieben:Damit möchte man sich auf die zu erwartenden höheren Temperaturen der Zukunft einstellen.


Warum Burgundersorten bezüglich der Klimaveränderung hierzulande mehr Chancen als der Silvaner bieten sollen, erschließt sich mir zunächst nicht wirklich.

Herzliche Grüße

Bernd
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UlliB

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Re: Badische Weißweine

BeitragSo 10. Jun 2018, 09:40

Noch ein paar Worte zum Silvaner: vor 60 Jahren war das die flächenmäßig führende Rebsorte in Deutschland, damals noch mit sehr deutlichem Abstand vor Riesling. Schwerpunkte waren Rheinhessen und Franken (in beiden Gebieten waren 1958 noch über 50% der Fläche mit Silvaner bestockt), aber es gab Silvaner auch sonst überall: an der Mosel, am Mittelrhein, im Rheingau, in der Pfalz und eben auch in Baden.

Mit Ausnahme von Franken, wo die Rebsorte einen besonderen Stellenwert hatte und auch heute noch hat, spielte der Silvaner dabei die unbeliebte Rolle der zweiten Geige: er wurde dorthin gesetzt, wo die Güte der Lage für die jeweilige Paradesorte des Gebietes als unzureichend angesehen wurde, und als Lieferant von Butter- und Brotweinen wurde ihm meistens auch nicht die nötige Aufmerksamkeit der Erzeuger zuteil. Der "neutrale" Charakter der Weine aus Silvaner ist in Zeiten, wo viele Leute gerne "Krach im Glas" haben wollen, auch nicht gerade von Vorteil.

Ab den 60ern wurde der Silvaner in seiner Rolle praktisch überall durch den ertragsstabileren und einfacher zu bewirtschaftenden Müller-Thurgau verdrängt, nach dem Mostgewichts-orientierten 71er Weingesetz auch noch durch andere "Hochöchsle-Neuzüchtungen". Waren 1970 noch rund 23% der deutschen Rebfläche mit Silvaner bestockt (in etwa die gleiche Fläche war damals jeweils mit Riesling und Müller-Thurgau bepflanzt), ging es danach weiter kontinuierlich bergab. Laut DWI waren es 1980 noch 10% der Fläche, 1990 noch 8%, 2000 noch 6%, und 2016 weniger als 5%.

Was konkret Baden betrifft, kann ich mich noch gut daran erinnern, dass vor 40 Jahren im Kaiserstuhl jeder Erzeuger Silvaner im Sortiment hatte, und auch nicht gerade wenig davon. Man hat aber damals schon gemerkt, dass sich die Sorte im steilen Abstieg befand und gegenüber den Burgundersorten vernachlässigt wurde. Mittlerweile ist Silvaner in Baden ein Nischenprodukt, wobei die meisten noch vorhandenen Rebbestände wohl uralt sein dürften, da kaum jemand nachgeplanzt haben wird. Wo man noch Silvaner im Sortiment findet, kann der durchaus interessant sein.

Oswald - bei Dir in der Gegend könnte es sich z.B. lohnen, den Silvaner von Hermann Dörflinger aus Müllheim zu probieren. Der ist zwar eigentlich mein bevorzugter Lieferant von Gutedel, hat aber auch einen Silvaner im Sortiment (aus 2017 eine trockene Spätlese; noch nicht probiert). Die Grundstilistik bei diesem Erzeuger - völlig durchgegorene, harmonische und aromatisch unaufdringliche Weine - könnte Dir gefallen.

Gruß
Ulli
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stollinger

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Re: Badische Weißweine

BeitragSo 10. Jun 2018, 10:16

Bernd Schulz hat geschrieben:
OsCor hat geschrieben:Ich war jetzt kurz davor, ein paar Flaschen Silvaner von den Trockenen Schmitts zu bestellen....


Damit kannst du unter reinen PLV-Aspekten nicht viel falsch machen. Bestelle die doch und vergleiche sie mit den badischen Silvanern!
[...]

Herzliche Grüße

Bernd


Dem kann ich nur beipflichten. Ich habe die 17er Silvaner und den 16er alte Reben Trockene Schmitts probiert und fand alle gut und alle mal ihr Geld wert. Kann ich weiter empfehlen. Ein Vergleich mit den Badischen wäre sehr interessant.

Grüße, Josef
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OsCor

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Re: Badische Weißweine

BeitragSo 10. Jun 2018, 13:40

Das habe ich im Herbst 2014 in einem anderen Faden geschrieben:
Als ich Anfang der 90-er Jahre zu einer Weinprobe (keine Verkostung!) in einem bekannten Weingut in Müllheim/Baden eingeladen war, musste ich feststellen, dass alle Weine (weiß) völlig von einem gewaltigen Holzton beherrscht waren, auch der Gutedel - alle für mich ununterscheidbar. Das war für mich, der den Gutedel quasi mit der Muttermilch eingesogen hat, ein Kulturschock, erst recht, nachdem der Kellermeister meine Frage, ob denn die Abnehmer (also die Weinhandlungen) den Wein auch in diesem Stadium verkosteten, mit einem trockenen „Hejo!!” beantwortete.
Das bekannte Weingut war Dörflinger… hat sich also scheint´s einiges verändert. Leider komme ich nach Müllheim fast nur noch zu Sportwettkämpfen - und das immer am Sonntag.
Als ich gerade nach dem aktuellen Angebot schauen wollte, fand ich die Website in Bearbeitung; die DSGVO lässt (vermutlich) grüßen ;)

Danke für die Hinweise!

Viele Grüße
Oswald
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UlliB

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Re: Badische Weißweine

BeitragSo 10. Jun 2018, 15:59

OsCor hat geschrieben:Das habe ich im Herbst 2014 in einem anderen Faden geschrieben:
Als ich Anfang der 90-er Jahre zu einer Weinprobe (keine Verkostung!) in einem bekannten Weingut in Müllheim/Baden eingeladen war, musste ich feststellen, dass alle Weine (weiß) völlig von einem gewaltigen Holzton beherrscht waren, auch der Gutedel - alle für mich ununterscheidbar. Das war für mich, der den Gutedel quasi mit der Muttermilch eingesogen hat, ein Kulturschock, erst recht, nachdem der Kellermeister meine Frage, ob denn die Abnehmer (also die Weinhandlungen) den Wein auch in diesem Stadium verkosteten, mit einem trockenen „Hejo!!” beantwortete.
Das bekannte Weingut war Dörflinger… hat sich also scheint´s einiges verändert.

Tja, Anfang der 90er... der Höhepunkt der Barriquomanie, als die Güte der Weine nach dem Anteil des Neuholzes bewertet wurde, der beim Ausbau verwendet wurde. Das ist vorbei, glücklicherweise.

Bei Dörflinger gibt es immer noch ein paar Weine, die im Neuholz ausgebaut wurden, aber die sind auf der Preisliste eindeutig als solche ("Barrique-Ausbau") gekennzeichnet. Der weit überwiegende Teil des Sortiments
ist "neuholzfrei" und einen Versuch wirklich wert.

Gruß
Ulli
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Georg R.

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Re: Badische Weißweine

BeitragSo 10. Jun 2018, 18:19

Bernd Schulz hat geschrieben:...........
Man müsste jetzt mal recherchieren, wer von den badischen Winzern, die in der Oberliga mitspielen, den Ehrgeiz hat, einen qualitativ deutlich über dem Niveau eines soliden Zechweins liegenden Silvaner auf die Flasche zu bringen. Der letzte mir vorliegende GM ist leider der 2011er, und da findet sich zum Beispiel bei Dr. Heger eine dreibesternte 09er Spätlese trocken aus dem Ihringer Winklerberg, die (bei einem Preis von 18,90) mit satten 91 Punkten bedacht wurde...


Hallo Bernd,

der Silvaner von Heger aus 2009 dürfte jetzt wohl "Pferd Willi" heißen, kommt jedenfalls preislich hin (21,50€)
Ansonsten wüßte ich auf Anhieb auch keinen Silvaner in dieser Preisregion, Heger hat noch 2 weitere Weine, die liegen im üblichen Bereich von 10€.

Ihringen scheint noch so etwas wie eine (kleine) Hochburg für diese Rebsorte zu sein, neben den "alten Reben" von Konstanzer hatte Pix bis vor kurzem auch 2 Varianten auf der Liste.

Franz Keller "alte Reben" fällt mir noch ein, auch um die 10€, Salwey und Bercher haben wohl gar keinen Silvaner mehr im Sortiment...und Abril in Bischoffingen macht auch noch einen.

Wie Ulli schon schrieb, scheint der Silvaner hier in Baden langsam auszusterben, und was noch steht sind meist alte Reben die man halt noch pflegt aus Tradition und vielleicht auch aus Respekt. (was ich wiederum unterstütze)


Gruß
Georg
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Michl

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Re: Badische Weißweine

BeitragFr 31. Aug 2018, 19:46

Vor geraumer Zeit hatte ich mir aufgrund der durchweg hohen Punkte des Vinum-Führers für die Weine von Achim Jähnisch ein Probierpaket bestellt. Den Chardonnay aus 16 habe ich bisher vor mir hergeschoben, da 14% Alk nicht so mein Fall sind. Heute habe ich die Flasche geöffnet und siehe da, den Alkohol steckt der Wein tatsächlich ganz gut weg. Aber sonst ist das nicht mein Wein, obwohl er gut gemacht ist:

Bild

Wenn ich mir meine VKNs zu den anderen Weine durchlese, dann vermute ich, dass der Stil des Weingut mir nicht wirklich gefällt. Durch die Bank wird in den mir bekannten Weinen zu viel Holz eingesetzt. Zugleich sind sie z.T. sehr auf Gefälligkeit getrimmt, was aber nicht nachteilig sein muss, im Restaurant oder der Weinbar könnte das tatsächlich vielen gefallen.
Viele Grüße

Michl
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