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Die Kupfergrube

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Pointless

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Die Kupfergrube

BeitragMi 14. Sep 2016, 16:28

Hallo Forum,

mein Wochenendweine stammten beide aus der Kupfergrube, das GG von Schäfer-Fröhlich aus 2011 und das von Gut Hermannsberg aus 2009. Der Name der Lage leitet sich von einem ehemaligen Kupferbergwerk ab. Südausrichtung, Vulkanverwitterungsboden mit Schiefer- und Kupfereinschlüssen. Die Jahre 2009 und 2011 waren beides ja schon an sich „warme“ Jahre, da wollen wir mal sehen, ob das mit der Südausrichtung nicht zuviel war.

Aber ich möchte noch kurz den Anlass erwähnen, der zu diesem Vergleich geführt hat. Die Kupfergrube 2011 von Schäfer-Fröhlich hatte ich nämlich im Grunde schon über Ebay verkauft (30€ zzgl Versand, für mich als Verkäufer also sehr OK). Der Käufer hat sich aber einfach nicht gemeldet, nie bezahlt, Ebay macht ja da nicht viel mehr als die Provision zurücküberweisen. Also, Käufer, falls Du das hier liest: Weinschulden sind Ehrenschulden! Ich könnte Deinen Namen hier veröffentlichen, Du Wicht. Mach ich aber nicht. Stattdessen hab ich die Flasche genossen. Ha! Und anstatt Dich bloszustellen, was Du zweifelsohne verdient hättest, möge der Korkteufel in Deine beste Flasche fahren. :twisted: Hahaha! (diabolical laughter).

Zu den Weinen:
Die Kupfergrube Gut Hermannsberg 2009 hatte ich zuerst geöffnet, da mir die Idee zum Vergleich erst im Laufe der Flasche kam, insofern hatte sie einen Vorsprung von 2 Stunden. Auf die Beschreibung des Geruchs verzichte ich, weil er bei beiden Weinen absolut Konsistenz zum Geschmacksbild war und ja, auch weil ich im Überschwang irgendwie nicht viel dazu notiert habe.

Gut Hermannsberg 2009
- Unmittelbar nach dem Öffnen überreife Zitrone, viel dunkle Substanz, viel Extrakt, milde Säure, Alk etwas spürbar, auch etwas Süße. Gar nicht recht mein Ding, aufgrund der vorhandenen Komplexität meinetwegen 88P, aber ohne Freude. Aber immerhin hat der Wein etwas in der Aromatik, das mich daran erinnerte, warum ich den Wein gekauft hatte. Schwer zu beschreiben, aber ich dachte schon damals „so muss Kupfer schmecken“, wobei ich keine Ahnung davon habe wie Kupfer schmeckt, es ist nicht mehr als eine Assoziation, ausgelöst durch ein etwas metallisches Gefühl auf der Zunge verbunden mit einer etwas „rötlichen Würze“.
- Mit der Zeit aber immer besser, frischer, zitroniger, dabei immer noch dicht und druckvoll, so nach 2-3 Stunden wirklich sehr gut, vielleicht sogar 89/90P
- Am zweiten Tag ist der Wein dann sehr entspannt auf reifer Zitrone, wunderbar würzig und mineralisch. Die Säure ist immer noch mild, aber da die Süße nun eingebunden ist, passt das Gesamtbild und macht richtig Freude 91P
- Am dritten Tag schlanker, alles wie am Tag zuvor, nur weniger, schon abbauend 88P

Schäfer-Fröhlich 2011
- Nach dem Öffnen: Durch CO2 noch unruhig, steht dem Wein aber gut (mag ich normalerweise gar nicht), druckvoll, ordentliche Säure, deutliche, aber dezente Phenolik, das alles macht den Wein frisch und straff, gleichzeitig aber druckvoll mit viel Extrakt, dichter Stoff, auch mit dunklen Aspekten, aber geschmacklich dennoch „hellgrün“ (Zitrone, Kräuter). Langer mineralischer Nachhall. Hervorragend. Spontan 91/92P
- Über die nächsten Stunden wird der Wein milder, die Süße kommt zum Vorschein, das CO2 baut ab. Immer noch sehr gut. 90P
- Am zweiten Tag ist der Wein nicht mehr in optimaler Balance, mich stört die „Restsüße“ in mächtigen Weinen einfach, auch wenn es immer noch ein schöner Wein ist und alle oben genannten Aspekte noch vorhanden sind. Von dem was ich mit Kupfer verbinde merke ich hier nichts. 89P Reifepotenzial? Ich weiß nicht, ich denke bis sich die Süße eingebunden dauert es noch, vielleicht auch zu lange, Substanz ist da, Säure auch, es könnte sich lohnen zu warten, vor allem wenn ich den von den Proportionen her durchaus ähnlichen Wein von Gut Hermannsberg betrachte.
- Am dritten Tag doch noch was zum Naseneindruck; offen, wunderbar würzig und ganz eigentümlich, hellgrün (Blumenwiese mit Gras und Gänseblümchen). Toll! Im Mund jetzt auch von der Würze geprägt, viele dunkle Aspekte, die Süße ist jetzt doch noch integriert, moderate, reife Säure, aber jetzt passt das. Und am Ende hatte ich sogar noch diese Kupferassoziation im Mund. 91 P

Fazit: Nach dem öffnen hatte SF klar die Nase vorn, was sich doch überraschend aber gründlich völlig gedreht hat. Die Entwicklung war bei beiden spannend. Am Ende sind die Weine fast gleichauf. Am Ende würde ich beide bei 91P sehen, es sind beides weit überdurchschnittliche Weine, wenn auch nicht groß. Wie Kupfer wirklich schmeckt, weiß ich immer noch nicht. Ein echte Lagentypizität konnte ich nicht rausschmecken. Beides waren mächtige Weine mit einem etwas problematischen Zuckerschwänzchen, das sich aber jeweils zu seiner Zeit integriert hat.

Grüße

Jochen
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Re: Die Kupfergrube

BeitragMo 19. Sep 2016, 15:58

Danke für die ausführliche Beschreibung. Die Kupfergrube liegt genau hier https://weinlagen-info.de/#lage_id=762

In der benachbarten Hermannshöhle gibt es noch einen verschütteten Zugang zu einer Kupfermine

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