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Ökonomierat Rebholz

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amateur des vins

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragDo 25. Jun 2020, 23:24

Bernd Schulz hat geschrieben:Mehrfache Negativeindrücke setzen sich nun mal sehr schnell fest und halten oft für viele Jahre vor....
Das ist so, und hat ja auch seine Berechtigung, abstrakt gesprochen...
Zuletzt geändert von amateur des vins am Fr 26. Jun 2020, 01:15, insgesamt 1-mal geändert.
Besten Gruß, Karsten
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glauer

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragFr 26. Jun 2020, 00:02

Ich oute mich dann auch mal als einer von den Rebholz Fanboys. Ich kaufe dort jedes Jahr seit fast 25 Jahren kistenweise und ich mag die Weine fast durch die Bank. Wobei ich gerade den Chardonnay schon einige Jahre wegen immer noch etwas zu viel Holz (und wegen Ressourcenverlagerung nach Burgund) aus der Rotation genommen habe, da muss ich wohl doch mal einen aufmachen. Oft mag ich gerade auch die einfachen wie zB den Riesling "Ökonomierat", den trockenen Muskateller oder den Blanc de Noir. Alle fuer mich grossartige Essensbegleiter und Weine von denen ich eine Flasche fast alleine schaffe.
Bernd hat natürlich recht dass man woanders guten Wein auch deutlich unter dem Rebholzeinstiegstarif (momentan 9,90) bekommt (und auch sein Einwurf bezüglich 2003 hat durchaus Meriten), allerdings kenne ich nicht viel bzw fast nichts in diesem Stil. Und bei den Spitzen sind sowohl die Rieslinge als auch die Weissburgunder für mich in D regelmäßig ganz weit vorne, und so sehen das auch meine da ganz unvoreingenommenen Weinfreunde hier in Boston. Wenn es Rebholz GGs mit über 10 Jahren Reife gibt ist die Begeisterung wirklich ausnahmslos gross. Das muss an der selektiven Auswahl meiner Freunde liegen, denn ich bin mir durchaus bewusst, dass die Weine generell nicht von allen geliebt werden.
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mineralsaft

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragFr 26. Jun 2020, 11:42

und zu den älteren Eindrücken der Rebholz-Weine muss man auch einen wichtigen Veränderungsprozess beachten, den Winzer wie Rebholz, Christmann oder Wittmann immer wieder ganz stark selbst hervorheben:
Die Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung der Weinberge und die vielen Jahre, die es gebraucht hat, bis sich da eine Balance eingestellt hat. Die meisten dieser "Spitzen-Biodynamiker" in D haben ja vor ca 15 Jahren begonnen umzustellen. Das war vermutlich nicht so ein drastischer Schock für die Reben, wenn vorher sowieso bereits jahrelang biologisch bewirtschaftet wurde (wie z.B. bei Wittmann), aber ich vermute, dass man Weine um die Jahrtausendwende nicht 100% mit den aktuellen JG vergleichen kann?

Kenne die Weine der genannten Winzer noch zu wenig, aber bei Peter Jakob Kühn konnte ich die Entwicklung hin zu (für mich) völlig in sich ruhenden Weinen sehr gut nachvollziehen (würde sagen so ab JG 2013, 2014 ganz stark).

Würde auch vermuten, dass sich die Veränderungen noch stärker in der oberen Hälfte der Qualitätspyramide nachvollziehen lassen.

Felix
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Ollie

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragFr 26. Jun 2020, 13:43

mineralsaft hat geschrieben:Kenne die Weine der genannten Winzer noch zu wenig, aber bei Peter Jakob Kühn konnte ich die Entwicklung hin zu (für mich) völlig in sich ruhenden Weinen sehr gut nachvollziehen (würde sagen so ab JG 2013, 2014 ganz stark).


Es gibt kaum einen Winzer im Rheingau, dessen Weine so sehr von der Machart geprägt sind (und so wenig vom Weinberg?), wie Kühn. Allerdings hatte Kühn in den besagten 15 Jahren vor 2013, 2014 dreimal seinen Weinstil geändert: Weg von Reinzuchthefen mit Edelstahl und hin zu spontavergorenen, lange im großen Holz ausgebauten Weinen, entsprechende Mostklärgrade inbegriffen. Dann nach 2005 Hinwendung zu immer extremeren Weinen mit immer weniger Mostvoklärung, die im sehr, ehm, "interessanten" 2008er mündeten. Wie Frau Kühn selber bemerkte, sei ihnen die Kundschaft auf diesem Weg "nicht mehr gefolgt", also gab es kommerziell bedingt eine Rückbesinnung auf den etwas harmonischeren Stil, der jahrgangsbedingt 2012, 13 und 14 besonders gut funktioniert hat.

Nicht der Weinberg hat seine Balance gefunden, sondern Kühn seinen (hoffentlich endgültigen) Stil.

Cheers,
Ollie
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EThC

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragFr 26. Jun 2020, 15:16

Ollie hat geschrieben:Nicht der Weinberg hat seine Balance gefunden, sondern Kühn seinen (hoffentlich endgültigen) Stil.

"Endgültiger Stil" mündet dann aber ggf. mittel- bis langfristig in gepflegte Langeweile... :geek:
Viele Grüße
Erich


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Lorne Malvo

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragFr 26. Jun 2020, 20:37

Ollie hat geschrieben:also gab es kommerziell bedingt eine Rückbesinnung auf den etwas harmonischeren Stil, der jahrgangsbedingt 2012, 13 und 14 besonders gut funktioniert hat.
Nicht der Weinberg hat seine Balance gefunden, sondern Kühn seinen (hoffentlich endgültigen) Stil.

Das dauert schon mal bis Weinberg, Winzer und Ausbau zueinander gefunden haben.
Bei einem mehr, bei dem anderen weniger. ;)
Das Zusammenspiel der Faktoren sollte harmonieren und das findet man bsp. bei Kühn meiner
Meinung nach in den letzten Jahren sehr gut wieder.
Harmonie, Balance, Reintönigkeit, aber durchaus Charakter.

EThC hat geschrieben:"Endgültiger Stil" mündet dann aber ggf. mittel- bis langfristig in gepflegte Langeweile... :geek:

Denkst du, dass gibt es überhaupt, „endgültiger Stil“?

Insgesamt prima wenn Weinberg und Winzer eine Symbiose finden,
die dazu führt, dass die Weine einfach stimmig und charaktervoll sind.

Die Biodynamie trägt im besten Fall dazu bei.
Ich mag das. Und wenn Rebholz und co. so einen Schritt gehen,
ist das nicht mal ein kleiner Marketing-Gag. Dazu ist das viel zu anstrengend.
In der Regel macht das auch was mit den Weinen.
Man kann es nie 1:1 vergleichen und verallgemeinern.
Aber ich habe den Eindruck, gut umgesetzt langfristig zum Vorteil.
Gut Schluck
Lars
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EThC

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragFr 26. Jun 2020, 21:01

Lorne Malvo hat geschrieben:Denkst du, dass gibt es überhaupt, „endgültiger Stil“?

Sicher gibt's das! Es gibt genügend Weingüter, die ihre Stammkunden nicht verschrecken wollen und daher jedes Jahr das Gleiche machen. Viele versuchen auch, die Jahrgangsunterschiede so gut es geht auszubügeln. Allen voran die "Grandes Marques" der Champagne zumindest mit ihren Basisqualitäten, die sollen auch immer gleich schmecken, deshalb auch der relativ große Aufwand, der da bei der Assemblage betrieben wird.
Mir sind Weingüter, die da dynamischer sind, deutlich lieber, auch wenn da mal was in die Hose geht...
Viele Grüße
Erich


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Lorne Malvo

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragFr 26. Jun 2020, 21:25

Ok. Ja. Champagner, große Häuser.
Größere Klassiker, technisch überbordende Betriebe.
War vielleicht auch unpräzise.

Weingüter wie Kühn und Rebholz, Wittmann etc.
Da sehe ich allein wegen der Ausrichtung nicht die ganz große Gefahr,
dass es sich total uniformiert.
Ein wenig Wiedererkennung finde ich da ja gut.
Und wir haben hier oder in den
Nachbarländern ja zum Glück recht viele
junge Dynamiker. Da kann man ja gut mischen. ;)
Gut Schluck
Lars
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Ollie

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragSa 27. Jun 2020, 10:01

Lorne Malvo hat geschrieben:Das dauert schon mal bis Weinberg, Winzer und Ausbau zueinander gefunden haben.


OK, intellektuelle Redlichkeit gebietet mir einzuräumen, daß eine Umstellung der Weinbergswirtschaft (z.B. von konventionell nach bio) massiven Einfluss auf die Rebphysiologie hat. Eine Zeilenbegrünung ändert den Wasserhaushalt und das Mikroklima des Weinbergs, eine Steigerung des Humusgehalts und der Verzicht auf Düngung die Nährstoffverfügbarkeit. Vom Laubwandmanagement, von einigen als der große Aspekt der Weinbergswirtschaft gesehen, ganz abgesehen. Es dauert in der Tat einige Vegetationsperioden, bis sich die Pflanzen auf ein neues Gleichgewicht setzen - und der Winzer auch versteht, im Keller mit dem Material derart zu arbeiten, daß der von ihm gewünschte Wein dabei herauskommt.

Insofern widerspreche ich dir auch gar nicht, daß PJK in den letzten paar Jahren seinen Stil (meinetwegen auch: sein Gleichgewicht) gefunden hat, also Weine, mit denen er soweit zufrieden ist, daß nur noch kleine Optimierungen nötig sind. Insofern: ja, endgültig, aber lass es mich mit einem vorgesetzten "vorläufig" abschwächen (der Klimawandel wird in den 15 Jahren einige Sachen ändern, und vielleicht werden ja dann restüße Rheingauauslesen wieder schick, wer weiß es schon). Nur hat PJK gleichzeitig aber starke Änderungen an der Weinbereitung vorgenommen hatte, die wirklich "overriding factors" waren.

Mein Punkt wollte also gewesen sein: Im Satz "Umstellung nach Biodynamie" ist die Betonung auf Umstellung, nicht auf Biodynamie, denn es handelt sich nicht um ein Spezifikum der Biodynamie selbst.

Cheers,
Ollie
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amateur des vins

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Re: Ökonomierat Rebholz

BeitragMo 26. Okt 2020, 19:34

Das war lustig gestern: Weißburgunder sollte es sein, und die jüngsten Rebhölzer waren noch ungetestet. Der Leber und dem Speckgürtel zuliebe habe ich mich zunächst dagegen entschieden, beide parallel zu öffnen. Nach den Eindrücken vom Mandelberg mußte der Im Sonnenschein dann aber doch noch dran glauben... :mrgreen: :ugeek:

Rebholz, Mandelberg GG 2019
Rebholz, Im Sonnenschein GG 2019


Mandelberg satt fahlgelb.
Keine Fruchtbombe, aber auch nicht so fruchtbefreit wie tendenziell frühere Jahrgänge. Auch die Mineralität ist dezenter; Lychee, florale Noten und ein wenig Nashi dominieren.
Am Gaumen sehr klar. Mitteldicht; angenehme Säure mit ein wenig CO₂, leichte Adstringenz.
Guter Abgang; selbe Aromen, plus einer Spur Nektarine.

Schöner Wein, aber zeigt bei weitem nicht die Komplexität und Tiefe der jüngeren Vergangenheit. 2017 spielt in einer eigenen Liga, aber selbst 2018 hat mir besser gefallen.

Zum Vergleich habe ich jetzt ca. 3h später auch noch den Im Sonnenschein aufgezogen:

Im direkten Vergleich schlanker, weniger "erdig/dunkel", etwas prononciertere Säure. Etwas lebendiger und daher der bessere Wein.

Man muß natürlich vorsichtig sein: Beide wirkten (immernoch?!) ziemlich unruhig. Andererseits habe ich Vorgänger auch dem Infantizid unterzogen, und habe teilweise ein erheblich schöneres Bild gewonnen. That said, beide sind ziemlich sicher nicht die stärksten Vertreter ihrer Linien: Es mangelt an Komplexität und Tiefe, mithin an "Ernsthaftigkeit", ohne daß sich zum Ausgleich unbeschwerte Leichtigkeit einstellen würde.

In den letzten Jahren fand ich den Mandelberg meist geringfügig besser. Die Kritiken der 2019er sehen den Im Sonnenschein etwas vorne, und das würde ich nach diesen Eindrücken auch so sehen.

Vom Im Sonnenschein war heute noch ein Rest übrig, und die (moderate) Entwicklung macht mir Hoffnung, daß beide sich mit genügend Zeit doch noch mausern könnten. Im jetzigen Zustand können sie Anspruch und Preisklasse nicht genügen.
Besten Gruß, Karsten
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