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Lisa Bunn

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Bernd Schulz

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Re: Lisa Bunn

BeitragMo 11. Nov 2019, 23:05

EThC hat geschrieben:...als ich noch 20 Jahre jünger war, konnte ich mit Merlot noch deutlich mehr anfangen, heutzutage bin ich auch filigraner unterwegs, deshalb laufe ich dieser Sorte nicht (mehr) hinterher.


Ich habe zunächst nichts gegen die Sorte, aber ich stehe zu meiner Engstirnigkeit :twisted: , aus der folgt, dass man nicht alle Sorten überall anbauen muss. Und die Folge der Folge ist dann in meinem Fall, dass ich deutschen (oder österreichischen) Chardonnay, Sauvignon Blanc, Cabernet Sauvignon, Syrah, Tempranillo, Sangiovese, Nebbiolo und eben auch Merlot normalerweise nicht kaufe. Wenn ich deutschen Rotwein trinken will, kaufe ich Spätburgunder oder St. Laurent oder Lemberger oder Portugieser - wenn ich Tempranillo trinken will, greife ich zu einem Spanier, und wenn ich Merlot trinken will, erwerbe ich einen BDX vom rechten Ufer. Wobei seltene Ausnahmen die Regel bestätigen (so habe ich zum Beispiel kürzlich zwei Flaschen Merlot aus dem Burgenland geordert) - insofern werde ich, sobald Lisa Bunns Merlot in einem Paket auftaucht, wahrscheinlich zuschlagen. Aber bislang entsprach ein rheinhessischer Merlot einfach nicht meinem Beuteschema.

In mir spuken zugegebenermaßen immer noch Relikte des mittlerweile eher schon berüchtigten Terroir-Begriffs :oops: . Und zum "Terroir" gehört für mich die Beschränkung auf bestimmte Rebsorten, deren Anbau eine zwar nicht endlose, aber auch nicht erst seit zwanzig Jahren bestehende Tradition zugrunde liegt. Langer Rede kurzer Sinn: Für mich nixe Bunn-Merlot, solange nixe im Sonderangebot!

Herzliche Grüße

Bernd
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EThC

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Re: Lisa Bunn

BeitragMo 11. Nov 2019, 23:32

Bernd Schulz hat geschrieben:Ich habe zunächst nichts gegen die Sorte, aber ich stehe zu meiner Engstirnigkeit , aus der folgt, dass man nicht alle Sorten überall anbauen muss.

[offtopic]
...muß man m.E. auch nicht, kann man aber in manchen Fällen schon. Aus meiner Sicht ist es vor allem der Klimawandel, der eine Verschiebung der jeweiligen Rebsortenverbreitung zumindest begünstigt. Ob das im Einzelfall zu bemerkenswerten Weinen führt, muß man halt ausprobieren und ich bin an solchen Experimenten durchaus auch interessiert. Bedenklich wird's für mich persönlich da, wo man eher Modetrends hinterherläuft, wie z.B. beim Sauvignon blanc. Auch wenn es im Einzelfall ein paar sehr schöne SB's aus D gibt. Denn wo so massenhaft eine Trendsorte angebaut wird, werden auch ohne Not alteingesessene Sorten verdrängt, häufig dann auch die, die eh' schon kaum mehr angebaut werden, und das schadet dann der Weinvielfalt in D. Aber wenn jemand in überschaubarem Umfang statt Bacchus in D Chenin blanc anbaut, find' ich's gut...
[/offtopic]
Viele Grüße
Erich


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amateur des vins

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Re: Lisa Bunn

BeitragMo 11. Nov 2019, 23:37

Bernd Schulz hat geschrieben:ich stehe zu meiner Engstirnigkeit [...]
Und zum "Terroir" gehört für mich die Beschränkung auf bestimmte Rebsorten, deren Anbau eine zwar nicht endlose, aber auch nicht erst seit zwanzig Jahren bestehende Tradition zugrunde liegt.
In der Tat, recht engstirnig. :twisted:
Wenn alle dieser recht speziellen Auslegung folgen würden, dürfte nach 20+x Jahren niemand mehr Rebsorten variieren. Was für eine traurige Vorstellung! Und wie vermeidest Du Mutationen?

/offtopic
...aber ich wollte Dir so gerne zustimmen. :idea: :roll: :lol:
Besten Gruß, Karsten
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Volker

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Re: Lisa Bunn

BeitragDi 12. Nov 2019, 00:40

in gewisser Weise brauche ich auch nicht jede Rebsorte aus jeder Region auf der anderen Seite darf/sollte man z.B. Effekte der Klimaveränderung auch nicht vernachlässigen.

Ein Winzer bei dem ich früher häufiger Wein gekauft habe (Sascha Montigny) hat z.B. einen Teil seiner Frühburgunder Anlagen gegen Merlot ersetzt und will ein wenig mit Syrah experimentieren, da er aufgrund der Klimaveränderung beim Frühburgunder in den letzten Jahren zum Teil massive Probleme hatte.
Umgekehrt ist man im Bordeaux ja am überlegen, wie langfristig der Rebsortenspiegel aussehen kann, da dort der Merlot eher zum Problem wird.
Insofern unterliegt eben auch der Weinbau einem stetigen Wandel.

Volker
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Bernd Schulz

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Re: Lisa Bunn

BeitragDi 12. Nov 2019, 17:56

Der mir häufig begegnenden Argumentation mit dem Klimawandel vermag ich nicht richtig zu folgen. Wenn ich mir die Entwicklung der letzten 50 Jahre anschaue, haben sich die Bedingungen für den Anbau von Riesling, Spätburgunder usw. in Deutschland keineswegs verschlechtert, sondern grundsätzlich verbessert. Klar gibt es mittlerweile ab und an immer mal ein tendeziell sehr fettes Jahr wie 2005, 2009 oder 2018, aber richtig miserable Jahrgänge wie viele aus den 80ern sind Geschichte.

Um konkret das Beispiel Lisa Bunn zu nehmen: In diesem Betrieb kommen ja seit einigen Jahren immer wieder mehr als zufriedenstellende Spätburgunder oder St. Laurents auf die Flasche. Insofern sehe ich in Nierstein bezüglich des Experimentierens mit südeuropäischen Sorten keinen akuten Handlungsbedarf.

Gerade seit der Jahrtausendwende ist das Qualitätsniveau des deutschen Weins auf ziemlich breiter Front klar angestiegen, ohne dass die Winzer im großen Stil zu anderen Rebsorten gegriffen hätten. Sprich: Im Hinblick auf den Weinbau mit immer noch größtenteils den alten Sorten hat sich der vielzitierte Klimawandel (der natürlich anderweitig für massive Probleme sorgen könnte) bislang durchaus günstig ausgewirkt. Das ist jedenfalls meine Wahrnehmung.

Herzliche Grüße

Bernd
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EThC

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Re: Lisa Bunn

BeitragDi 12. Nov 2019, 18:35

Bernd Schulz hat geschrieben:Das ist jedenfalls meine Wahrnehmung.

Die ist sicher richtig. Bis jetzt. Aber die Rebenwohlfühlfunktion ist halt keine lineare nach Motto "Je wärmer, je besser", zu warm ist schließlich auch nix. Und meine Wahrnehmung ist, daß es einigen Rebsorten jetzt schon in manchen Jahren deutlich zu warm ist, was sich dann in breiten, anstrengenden Weinen äußert. Früher war Aufzuckern die Regel, heute wird flächendeckend aufgesäuert, ausgewogen wär's, wenn keine der beiden Maßnahmen regelmäßig nötig wäre, aber da sind wir mittlerweile deutlich d'rüber raus. Viele Winzer weichen deswegen schon jetzt auf höhere Lagen und / oder andere Rebsorten aus, das ist Realität. Und es wird mitnichten einfach alles besser, wenn man stoisch am Althergebrachten festhält und einfach nur zuschaut, wie's kontinuierlich immer wärmer wird...
Viele Grüße
Erich


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niers_runner

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Re: Lisa Bunn

BeitragDi 12. Nov 2019, 19:18

EThC hat geschrieben:...Früher war Aufzuckern die Regel, heute wird flächendeckend aufgesäuert, ausgewogen wär's, wenn keine der beiden Maßnahmen regelmäßig nötig wäre, aber da sind wir mittlerweile deutlich d'rüber raus.

[OT]Interessant finde ich, dass die Säuerung der Weine bei den meisten Winzern, mit denen ich gesprochen habe, verpönt ist. Lediglich Florian Weingart steht dazu.[/OT]

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Peter
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EThC

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Re: Lisa Bunn

BeitragDi 12. Nov 2019, 19:26

niers_runner hat geschrieben:Interessant finde ich, dass die Säuerung der Weine bei den meisten Winzern, mit denen ich gesprochen habe, verpönt ist. Lediglich Florian Weingart steht dazu.

...auch wenn's verpönt ist, find' ich's jetzt nicht generell schlimm. Und da die Säuerung nicht deklarationspflichtig ist, geb' ich nicht allzu viel auf solche Nicht-Säuerungs-Äußerungen. Gibt schon noch eine ganze Menge mehr Winzer, die da offen dazu stehen.
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Erich


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niers_runner

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Re: Lisa Bunn

BeitragMi 13. Nov 2019, 13:00

Na ja, eigentlich soll die Säuerung eine Ausnahme sein, wenn ich richtig informiert bin, wird diese Ausnahme seit 2001 Jahr für Jahr vom Landwirtschaftsministerium erteilt.

Beste Grüße

Peter
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UlliB

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Re: Lisa Bunn

BeitragMi 13. Nov 2019, 16:29

niers_runner hat geschrieben:Na ja, eigentlich soll die Säuerung eine Ausnahme sein, wenn ich richtig informiert bin, wird diese Ausnahme seit 2001 Jahr für Jahr vom Landwirtschaftsministerium erteilt.

Das erste Jahr, in dem die Aufsäuerung in D erlaubt wurde, war 2003, nicht 2001.

Und die Erlaubnis wird länderspezifisch vom jeweils für den Weinbau zuständigen Ministerium erteilt, d.h. theoretisch könnten z.B. Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern für ihre jeweiligen Weinbaugebiete unterschiedliche Regelungen erlassen, was vereinzelt auch schon erfolgt ist.

Ob die Aufsäuerung nun wirklich jedes Jahr seit 2003 zumindest in einzelnen Ländern erlaubt war, habe ich im Detail nicht verfolgt; tatsächlich scheint das aber seit 2015 ganz durchgängig der Fall zu sein.

Was die Frage der "verpönten" Säuerung betrifft, habe ich im Sommer in Franken einen netten Kommentar von einem Gastronomen gehört, der über die Verhältnisse im Weinbau dort sehr gut im Bilde ist: "Bezüglich der Aufsäuerung der 2018er gibt es zwei Sorten von Winzern: diejenigen, die es auf Nachfrage zugeben, und diejenigen, die lügen." 8-)

Sorry fürs OT, aber die letzten Beiträge hier waren es ja auch schon...

Gruß
Ulli
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