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Seehof

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amateur des vins

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Re: Seehof

BeitragSo 9. Jun 2019, 19:36

Ich zitiere mich mal selber, weil die Gegenüberstellung mit der Wiedervorlage so spannend ist:
amateur des vins hat geschrieben:Den famosen 2016er in Erinnerung, orderte ich voller Vorfreude

Seehof, Morstein Weißburgunder ‹R› 2017 (13,5%)

Mich begrüßt eine sehr expressive, fast üppige Nase: Grapefruit, reife Ananas, florale Noten und heller Tabak. Und: Man meint den Kalkstein zu riechen, ihn förmlich greifen zu können...

Am Gaumen sehr schöne, leicht zitrische Säure. Das Holz ist sehr dezent. Und dann --- kommt leider wenig! :( Dichte Struktur, aber kaum Aromatik. Ein Nasenriese...

[+1d] Die Tendenz bleibt...
Am Gaumen etwas extraktsüß, minimal weniger blaß als gestern, gefällig auch durch die üppige Statur.

Der Wein fällt für mich in die ausdrucksarme "Easy-Drinking-Schublade". Am zweiten Tag zeigte er sich leicht verbessert, was die Kritik ebenso leicht relativiert. Mit dem spannenden 2016er kann er für mich keinerzeit mithalten. Leider habe ich von jenem nur noch eine Flasche und konnte daher nur Erinnerung und Aufzeichnungen bemühen, sonst hätte ich eine zum Vergleich aufgezogen. Aber auch so finde ich den Eindruck recht eindeutig...

Nase extrem steinig-kalkig, aber ohne auftragenden Schwefel. Limette; im Hintergrund etwas unreife grüne Birne und ein Hauch Lychee.
Am Gaumen straff, etwas cremig. Ein wenig Pfirsich. Deutlich herbe Kräuter, etwas geräuchert und eine Winzigkeit Vanille.
Langanhaltend herb, fast leicht bitter (aber nicht unangenehm) und sehr schöne frische, leicht zitrische Säure.

Ja, das ist kein einnehmender Früchtekorb, und insofern nicht besonders expressiv. Wenn man sich aber auf die steinig-würzige Art einläßt, ist das ziemlich schön. Käsebrote (mittelalter Ziegengouda und Camembert Calvados) gehen recht gut und mildern die Bitternote. Achtung, unbedingt auf der kühleren Seite trinken, das betont die straffe Struktur; sonst wird er zu breit, und die Bitterkeit wird betont.

Wenn ich nicht nur noch einen 2016er hätte, wäre der Jahrgangs-Vergleich sehr spannend. So kann ich leider nicht überprüfen, ob der 2016er wirklich deutlich besser war, wie ich immernoch meine.
Besten Gruß, Karsten
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Re: Seehof

BeitragSo 9. Jun 2019, 21:58

Moselglück hat geschrieben:Gruß und einen weinreichen Sonntach

Vielen Dank, "weinreich" ist im Wortsinn wahr geworden:

viewtopic.php?f=50&t=656&p=123005#p123005
Viele Grüße
Erich


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Re: Seehof

BeitragDi 1. Okt 2019, 20:55

...mal wieder was vom Seehof, leider nicht so schön wie das 15er Pendant...

Bild
Viele Grüße
Erich


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amateur des vins

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Re: Seehof

BeitragSo 6. Okt 2019, 19:59

Jetzt wo meine 2018er eintrudeln, ein Testballon:

Seehof, Morstein Alte Reben 2018

Eher blaß / helles Strohgelb.
Verhaltene Nase: etwas kalkig-reduziert. Ananas, Pomelo und Birkenholz-Lagerfeuer. Dann auch etwas Clementine.
[+10'] Am Gaumen verblüffend viel Substanz für die Nase. Kräftige Adstringenz (für Weißwein) und eher etwas mildere Säure: Scheint ein wenig so, als wäre versucht worden, über Phenolik tendenziell (zu) niedrige Säure aufzufangen - so ähnlich, wie es Holger Koch gemacht hat. (?)
[+20'] Der Korken roch mittelintensiv, und jetzt eben hatte ich im Abgang erstmals den Verdacht auf TCA, aber alles andere als eindeutig. Ein bißchen untypisch ausdrucksarm ist er schon...
[+1h] Ich leg' mich fest: Der Wein hat einen (leichten) Fehler. Eigentlich müßte ich jetzt eine Konterflasche aufmachen, aber das paßt gerade nicht...
Zuletzt geändert von amateur des vins am Mo 7. Okt 2019, 21:53, insgesamt 1-mal geändert.
Besten Gruß, Karsten
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amateur des vins

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Re: Seehof

BeitragMo 7. Okt 2019, 18:59

So, das hat mir keine Ruhe gelassen, weil es eben so auf der Kippe und damit uneindeutig war. Also habe ich heute eine zweite Flasche aufgemacht.

Auch wenn ein Tag dazwischenliegt, und auch - bzw. erst recht -, weil die zweite Flasche zunächst fast Zimmertemperatur hat: Das war ein gute Entscheidung für den Seelenfrieden!

Diese zweite Flasche ist nicht so stumpf, stumm und flach wie die erste. Die Säure singt, es ist viel mehr Tiefe da, und er strahlt Frische aus. Den bekannten "Morstein-Dreck" habe ich zwar schon ausgeprägter erlebt, aber auch der ist da und zieht die jetzt präsenteren Zitrusaromen ins Dunkle.

So macht das wieder Spaß! Und bei der Rückkehr zum ersten ist jetzt im Vergleich auch die Kork-Diagnose eindeutig.
Besten Gruß, Karsten
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Bradetti

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Re: Seehof

BeitragMo 7. Okt 2019, 21:20

Danke für die VKN´s, Karsten!!

Den 18er hab ich noch nicht. Überlege noch, ob der in meinem Keller landet....

Grüße
Dirk
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amateur des vins

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Re: Seehof

BeitragMo 7. Okt 2019, 21:58

Gerne, Dirk!

Ich habe jetzt ja schon 2 von 6 "verbraucht" und überlege nachzulegen.
Von hitzejahrbedingter Breite sehe ich da jedenfalls nichts, und auch nicht von Unreife augrund panisch verfrühter Lese. Ohne TCA ist das schon lekker™. :D
Besten Gruß, Karsten
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Re: Seehof

BeitragDi 8. Okt 2019, 10:02

amateur des vins hat geschrieben:Ohne TCA ist das schon lekker™. :D

Hast Du schon mal nachgefragt, ob's für die fehlerhafte Flasche freiwillig Ersatz gibt?
Viele Grüße
Erich


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amateur des vins

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Re: Seehof

BeitragDi 8. Okt 2019, 10:25

EThC hat geschrieben:
amateur des vins hat geschrieben:Ohne TCA ist das schon lekker™. :D
Hast Du schon mal nachgefragt, ob's für die fehlerhafte Flasche freiwillig Ersatz gibt?
Nein, das habe ich irgendwie nicht auf dem Schirm.

Meinst Du beim Händler oder direkt bei Seehof/Fauth?
Besten Gruß, Karsten
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Re: Seehof

BeitragDi 8. Okt 2019, 10:40

...je nachdem, wo Du die Flasche gekauft hast. Fehlerhafte Korken sind ein Sachmangel und den Anspruch auf Mängelbeseitigung (in welcher Form auch immer) kannst Du erst mal nur bei Deinem Vertragspartner stellen, sprich dort, wo Du die Flasche käuflich erworben hast. Es sei denn, der Händler handelt ausdrücklich im Auftrag und auf Rechnung für den Winzer, kann ich mir aber nicht vorstellen...
Viele Grüße
Erich


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