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Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

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olifant

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Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragMi 22. Dez 2010, 15:17

Tja, da ich aus dem Norden Italiens nicht nur südtiroler Gewächse trinke, sondern durchaus auch anderen Regionen zugeneigt bin, muss ich wohl oder übel einen Thread, wenn auch zugegebener Maßen mit einen Alltagswein eröffnen.

Von mir aus kann hier alles rote und weisse aus dem Nordosten Italiens thematisiert werden, gleich ob Colli Eugeani, Valpolicella oder der Carso ...

Pinot Grigio 2008 DOC Friuli Grave - Conte Brandolini d`Adda, Az. Agr. Vistorta - Sacile

helles Gelbgrün; Akazie, grüne Walnuss, Birne; am Gaumen wiederum korrespondierend reife Birne, Walnuss, etwas brotig, reintönig, guter Körper, frische Säure, harmonisch, trocken; mittellanger Abgang mit Birnen und Akaziennoten, leicht Bitterer Nachhall - 15/20 op

Wird nach einem Tag in der geöffneten Flasche runder und komplexer (und auch besser), hält auch lockere 2 Tage in der geöffneten Flasche im Kühlschrank - also gute Basisqualitöt eines Betriebes, der mit seinem Merlot 'Vistorta' wohl eher bekannt sein dürfte.
Grüsse

Ralf
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Mr. Nebbiolo

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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragDo 23. Dez 2010, 20:08

Hallo,

habe heute einen Wein im Glas, den ich gar nicht kenne (ich weiß auch nicht, wo ich ihn her habe; habe ihn im Keller "gefunden" :oops: )

Conte Bolani 1998 - Tenuta Ca`Bolani

Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass ich ihn wegschütten werde, da das ein ziemlich altes Teil aus dem Veneto bzw. aus dem Friaul ist.

Vom Rückenetikett entnehme ich, dass es sich um eine Merlot - Cabernet Cuvee handelt und 13,5 % Alk. hat, also nicht gerade meine favorisierten Sorten aus Italien.

In der Nase reif und angenehm nach eingelegten Früchten. Am Gaumen süße Frucht, rund, mittlerer Körper, wenig Säure, eingelegte Früchte, kein spürbares Tannin und ein ordentlicher Abgang. Der Wein ist trinkig und macht so richtig Spaß. Ich kann gar nicht glauben, wie schnell sich die Flasche leert, obwohl ich auch einen sehr guten Nebbiolo offen habe :o

Ist sicher jung nicht der Brüller, aber das ist jetzt vermutlich der optimale Zeitpunkt den Wein zu trinken; das Teil macht richtig Spaß :D

Kennt den jemand ?
Grüße

Klaus
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olifant

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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragMo 27. Dez 2010, 12:52

... über die Feiertage geöffnet:

Amarone 1998 DOC, Recchia (Recchiavini) - Jago di Negrar

transparentes Schwarzrot; gereifte Rotschwarze Frucht/Konfitüre, etwas Gewürz (Zimt - Nelke); am Gaumen etwas mehr als mittelkräftig, (ältliche) rotschwarze Beeren und Beerenkonfitüre, Fassnoten, etwas Würze, trockenes Tannin, nicht sonderlich gut eingebundene Säure - steht neben sich und hat seine besten Zeiten wohl schon gesehen; mittellanger rel. würziger Abgang, der bessere Tage erahnen lässt - 14-14,5/20 op

Ein Amarone, der diesem Weintypus keine Ehre Macht, steht neben sich und hat seine besten Tage schon hinter sich - eine 2. geöffnete Flasche befand sich in einer Nachgährung (Kohlensäure).
Grüsse

Ralf
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Weinzelmännchen

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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragFr 31. Dez 2010, 20:13

Friulaner Weinen gehört ein ganz spezieller Platz in meinem Weinherzen! Als Einstieg möchte ich euch einen Wein vorstellen, mit dem mich besonders viel verbindet. Ich bin vor ca 20 Jahren über einen Freund, der viele Jahre in der Provinz Triest einen zweiten Hauptwohnsitz hatte und den es jetzt in die Provinz Treviso verschlagen hat, zu diesem Weingut gekommen. Es war mein erstes friulanisches Weingut, das ich besuchen durfte.

Damals lebten noch die Eltern von Roberto, Vater Egidio und Mutter Jelka (slowenisch für Gabriele). Roberto hat nie eine Weinbauschule besucht und das Weinmachen von seinem Vater erlernt. Letzterer hatte sich im Alter mehr dem Weintrinken verschrieben. Roberto war zu dieser Zeit für die ersten Jahrgänge verantwortlich. Schon damals zeigte er, was er konnte. Wunderbare, typische Collio Weine mit Frucht und Kraft. Egidio, dem Rebellen, waren diese Wein etwas suspekt. Er gab sich lieber dem Haustrunk hin und saß tagein, tagaus auf einem alten und zerschlissen Stuhl vor dem Haus. Mutter Jelka kümmerte sich um den Haushalt und war nur ganz selten vor dem Haus zu sehen.

Vor ca 15 Jahren verstarb Jelka vollkommen unerwartet. Robertos ältere Schwester musste sich dann um den schon stark vom Wein gezeichneteten Vater kümmern. Egidio verstarb bald nach seiner Frau. Roberto hatte bereits die offizielle Führung des Weingutes übernommen und setzte unbeirrt seinen Weg fort.

Genug der Vorrede, jetzt (endlich) zum Wein, den ich euch heute vorstellen darf:

Collio Bianco Jelka DOC von Roberto Picech "Le Vigne del Ribel" aus Pradis bei Cormons

Es gibt mehrere Gründe, weshalb ich euch gerade diesen Wein präsentieren will:

1. "Le Vigne del Ribel" was soviel wie "Die Weingärten des Rebellen" bedeutet ist die Erinnerung an den Vater, von dem behauptet wird, er habe sich im 2. Weltkrieg den Partisanen angeschlossen. Jedenfalls wurde Egidio von allen wegen seines Sturkopfes nur der Rebell genannt.

2. "Jelka" ist die Erinnerung an die Mutter. Sie hatte es unter dem Rebellen sicher nicht immer leicht.

3. "Collio Bianco" ist ein vor gut 10 Jahren ins Leben gerufenes Projekt, unter einer Dachmarke gebietstypische Weine herzustellen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Cuvees. Dieses Projekt hat in der italienischen Weinszene durchaus große Beachtung gefunden.

4. Der Wein besteht aus typischen Rebsorten des Collio, Ribolla Gialla, Friulano (ex Tocai Friulano) und Malvasia.

5. Der Jahrgang 1999 war der erste, für welchen Roberto "Tre Bicchieri" im Vini d'Italia verliehen wurden.

Aktuell habe ich den 2007er verkostet. Ein Korb geber Früchte (Aprikosen, Pfirsich) gepaart mit floralen Noten (Liguster, Rose etc). Nach einer längeren Maischestandzeit (gut eine Woche) kam der Wein für ca 10 Monate in Barriques und wurde dann ins große Holzfass abgefüllt. Dies verleiht dem Wein eine sehr schön eingebundene Holznote, ohne hervorstechend zu sein. Der Wein hat 14% VOL, was für dortige Weißweine nichts Außergewöhnliches ist. Dieser Wein ist ein sehr schönes Beispiel für einen gebietstypischen Weissen, der alles andere als eindimensional ist. Egidio wäre dieser Wein zu komplex gewesen :lol: .

P.S.:
Roberto macht auch einen Collio Bianco Athena. Athena ist seine Tochter. Typisch italienischer Frauenversteher ;) .
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Daniel
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Weinzelmännchen

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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragSa 1. Jan 2011, 16:59

Nachdem mit mir gestern der Geschichtenerzähler durchgegangen ist, fassse ich mich heute knapper. Wer sich mit Weißweinen aus dem Friaul beschäftigt, kommt um diesen Wein - zum Glück - keinesfalls herum.

Terre Alte COF von Livio Felluga aus Brazzano (Provinz Görz)

Das Weingut selbst befindet sich im Weinbaugebiet Collio, dieser Wein stammt jedoch aus den benachbarten Colli Orinetali di Friuli (COF). Seit nunmehr fast 30 Jahren ist dieses Cuvee aus Friulano (ex Tocai Friulano), Pinot Bianco und Sauvignon nunmehr am Markt. Wie kein anderer Wein hat dieser zur Bekanntheit der friulaner Weißweine beigetragen. Jahr für Jahr heimst er die höchsten Bewertungen bei allen wesentlichen Weinführern ein. Gambero Rosso hat ihn 2009 auf Paltz 3 der 50 besten Weißweine Italien der letzten 20 Jahre gewählt. Also mit ein Grund diesem Wein nicht aus dem Weg zu gehen ;) .

Ich hatte unlängst den 2007er im Glas (13,5% VOL). Kräftig aber doch weich, komplex, langer Abgang, tropische Fruchtaromen, ein Strauss frischer Wiesenblumen, Extraktsüße,ein großer Geschmacksbogen. Perfekt zu Geflügel und kräftigeren Fischgerichten.

Mehr sage ich nicht, sonst gehen mir wieder die Buchstaben durch. Wen es interessiert http://www.liviofelluga.it
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Daniel
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olifant

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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragSo 2. Jan 2011, 14:12

Hallo Weinzelmännchen, willkommen in der norditalienischen Nische,

Chardonnay 2006, Jermann

helles Gelb; sortentypisch nach Äpfeln, etwas Akazien; am Gaumen korrespondierend zur Nase, sehr rund, mittelgewichtig und dennoch recht dicht, trotz guter Säure recht milder Eindruck, angenehm und trinkig; mittellanger ausgewogener Abgang - 16/20 op

... ein sehr guter Essensbegleiter. In Ialien zu vernünftigen Preisen im Handel, so sind auch die Basisweine Jermanns bei und leider zumeist überteuert.
Grüsse

Ralf
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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragSo 2. Jan 2011, 14:30

olifant hat geschrieben:Chardonnay 2006, Jermann
helles Gelb; sortentypisch nach Äpfeln, etwas Akazien; am Gaumen korrespondierend zur Nase, sehr rund, mittelgewichtig und dennoch recht dicht, trotz guter Säure recht milder Eindruck, angenehm und trinkig; mittellanger ausgewogener Abgang - 16/20 op
... ein sehr guter Essensbegleiter. In Ialien zu vernünftigen Preisen im Handel, so sind auch die Basisweine Jermanns bei und leider zumeist überteuert.


Hallo olifant,
mein Lieblingsbasiswein von Silvio Jerman ist der Vinnae, ein von Ribolla Gialla dominiertes Cuvee mit Friulano und Riesling. Wunderbar fruchtig und frisch, passt perfekt zu Meeresgetier.

Auch mit deiner Presieinschätzung muss ich dir leider recht geben :cry: .
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Daniel
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olifant

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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragDi 4. Jan 2011, 14:03

Hallo Daniel,

der Vinnae war letzten Sommer auch mein Weissweinfavorit - besonders zu gegrilltem Seefisch, aber auch einfach so auf der Terrasse. Einfach ein gut gemachter, aber auch ehrlicher Wein - und jetzt auch mit Schraubverschluss!
Grüsse

Ralf
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Weinzelmännchen

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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragDi 4. Jan 2011, 15:23

Hallo Ralf,

zum gegrillten Fisch mag ich - besonders im Sommer - den Ribolla Gialla Brut Spumante von Eugenio Collavini aus Corno di Rosazzo (UD) wirklich sehr gerne. Schöne Perlage, angenehme Frucht, dezentes vom Ribolla geprägtes Limonenaroma. Als alltagstauglicher Terrassenwein zu empfehlen ist Villa Angoris Pinot Bianco von der Tenuta di Angoris aus Cormons (GO) mit super PLV.
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Daniel
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octopussy

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Re: Veneto, Friaul, Julisch-Venetien - Der Nordosten

BeitragDo 6. Jan 2011, 00:09

Neulich im Restaurant gab es in der Weinbegleitung zur Taube einen 2006 Amarone von Tommasi. Der war noch zu jung, ganz klar, aber eigentlich schon ganz geschmeidig zu trinken. Besonders beeindruckt hat mich der geradezu expressionistische, glasklare und überwältigende Blaubeer-Duft. Im Sommer habe ich mal in Kroatien einen selbstgebrannten Blaubeer-Rakija getrunken, der ebenso die Essenz dieser kleinen Waldfrucht verkörperte. Bei dem Tommasi hatte ich einen Flash-Back. In den Keller legen will ich mir den trotzdem nicht. Mehr als ein oder maximal zwei Gläser kann ich von so einem Wein nicht trinken. Das ist mir irgendwie zu anstrengend.
Beste Grüße, Stephan
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