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Abruzzo

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olifant

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Re: Abruzzo

BeitragMo 11. Jun 2018, 11:39

... die Tage im Glas ...

Testarossa Montepulciano d'Abruzzo 2010 DOC, Società Agricola Pasetti di Domenico Pasetti - Francavilla al Mare / Chieti, NK, 14%

dunkles leicht trübes Rubinrot mit ziegel-bräunlichem Einschlag; ätherische gereifte, leicht eingekochte rot-/schwarze erdig-würzige Frucht, "altes Fass" - Noten, Bitterkakao, Leder; am Gaumen kräftig und dicht, leicht eingekocht wirkende gereifte, erdige, vielleicht etwas rumtopfige Frucht, Vollreife und Holzausbau deutlich spürbar, Leder, Kakao und dunklem Tabak, mit schmutzig-fassigen Noten, dichtes reifes samtiges Tannin, eingebundene gut abgefufferte Säure, gewisse Süsse, sehr gut strukturiert, fleischig, reif, warm, etwas satt machend; langer Abgang mit schmutziger, erdiger und gereifter Frucht und Kakao, mit dichtem samtigen warmen Tannin - 17/20 op

Nein, der Testarossa ist schon gut, sehr gut gemacht, (18 Monate Edelstahl + 18/22 Monate Fass + 6 Monate Flasche), für mich damit eine Riserva, ein ernsthafter Wein, dem Ausbau und (Trauben-) Reife deutlich, aber nicht unangenehm anzumerken sind. Zu Alt ist der Wein in jedem Falle nicht, zeigte er doch am 2. Tag keinerlei abbauenden Anzeichen gegenüber dem ersten Glas des Vortags.
Im Vergleich zum einfachen 'Pasetti' gestehe ich aber freimütig, dass mir die frische und saftige Version eines Montepulciano d'Abruzzo deutlich besser gefällt als dieser etwas behäbige, (ultra-) intensive, vollreife Wein. Ist aber sicher Geschmackssache und andere dürfen's gerne anders sehen.
Ob ich ausser dem Testarossa, den die Kellerei selbst als ihren Flagship Wine bezeichnet, unbedingt den Topp-Wein des Produzenten, Harimann, der in der Länge des Ausbaus (18 Edelstahl + 24/36 Monate Fass + 18 Monate Flasche) noch mal einen draufsetztjetzt noch zwingend probieren muss, sein mal dahingestellt - mir reicht da momentan schon das Flagschiff.

In jedem Falle finde ich beide Weine, auch im Vergleich zum bekannten Topp-Betrieb der Region, Masciarelli, durchaus (mehr als) konkurrenzfähig und eigenständig. Der Basis - DOC Montepulciano d'Abruzzo Pasetti 2011 ist für mich dabei der Beste bisher in dieser Basis-Klasse getrunkene Wein.
Grüsse

Ralf
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Bernd Schulz

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Re: Abruzzo

BeitragDo 29. Nov 2018, 22:30

Den "Billigwein" des heutigen Abends habe ich neulich geschenkt bekommen. Nachdem ich den Preis gegoogelt hatte, war ich mehr als skeptisch beziehungsweise schon darauf gefasst, die ganze Angelegenheit in die Glühwein -und Saucenproduktion geben zu müssen, aber meine Vorurteile wurden gerade nicht wirklich bestätigt:

Bild

Mal abgesehen davon, dass aus mir wohl nie ein wirklich großer Fan des Rotweins vom italienischen Festland (Nebbiolo trinke ich allerdings sehr gerne, aber den mag ich mir in der Qualität, die mich richtig zufriedenstellt, in der Regel nicht leisten) werden wird, ist das für gerade mal 5 Euronen kein wirklich übles Getränk. Wenn der eine oder andere Italienexperte (Olifant! ;) ) den Wein kennt, würde mich sehr interessieren, wie seine Einschätzung aussieht!

Herzliche Grüße

Bernd
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olifant

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Re: Abruzzo

BeitragFr 30. Nov 2018, 11:08

Hallo Bernd,

Farnese macht in Anbetracht der Kellereigrösse sehr anständige sortenreine Basisweine in Rot und Weiß. Die für mich beständigsten Weine sind dabei der deinerseits, m.E. übrigends sehr treffend, beschriebene Montepulciano d'Abruzzo und der Sangiovese, die die jeweiligen Rebsorten für die Preisklasse sehr gut zur Geltung bringen. Einfach angenehme Pizza und Pasta Weine für das Geld.

Aber auch in den höheren Prädikaten stimmt das Preis-Leistungsverhältnis. Stets technisch sauber vinifizierte Weine.
Auch wenn es sich um einen quasi industriellen Betrieb handelt liegt der Focus auf Qualität.
Grüsse

Ralf
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Bernd Schulz

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Re: Abruzzo

BeitragFr 30. Nov 2018, 13:35

Danke für deine Einschätzung, Ralf! Gerade bei italienischen Roten bin ich mir oft unsicher, aber hier habe ich ja offenbar nicht ganz daneben gelegen.

Dass es für knappe 5 Euro einen solch gut trinkbaren Wein aus den Abruzzen gibt, hätte ich vorher wirklich nicht gedacht!

Herzliche Grüße

Bernd
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olifant

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Re: Abruzzo

BeitragDo 21. Mär 2019, 12:08

... in der letzten Zeit aus einer Probekiste im Glas ...

2017 Montepulciano d'Abruzzo DOC Bio, Agricola Cirelli - Atri (Teramo), Schrauber, Bio (CCPB)
dichtes dunkles Mittelrot mit Rubineinschlag; feinfruchtig würzige Nase, Sauerkirsch, Holunder; der einfache Mp d'A unterm Schrauber ist beschwingt mittelkräftig, klare saubere feingewirkte würzige Sauerkirsch- und blaurote Beerenfrucht, erfrischend, Tannin eher feingliedrig, schöne Säure, sehr animierend; mittellanger - langer Abgang auf klare Frucht und animierende Säure - 16-16,5/20 op
Eigentlich subjektive 17 für den animierenden Trinkfluss und die hervorragende Essensbegleitung (Pollo alla Cacciatore) - vielleicht fehlt dem Wein als Rotwein etwas an Dichte, vielleicht ist das aber auch nicht der richtige Parameter, auch wenn man bei Mp d'A eher an kräftig, dicht, kantig denken würde. Diesem Bild entzieht sich dieser Wein ganz deutlich. Die schwebende Frucht gefällt ...

Amphora 2017 Montepulciano d'Abruzzo DOC Bio, Agricola Cirelli - Atri (Teramo), NK, Bio (CCPB), 800l Amphore, unfiltriert-ungeschönt
dichtes, fast opakes Rubinrot; in der Nase auch Sauerkirsch und Holunder, dazu noch würzige Kräuter (wie zerriebene frische grüne Blätter), mineralische Noten; am Gaumen dicht und rel. kompakt, braucht einige Luft um sich zu öffnen, dann blüht die Frucht korrespondierend zur Nase auf, dazu würzig (Tapenade, Unterholz), etwas (angenehm) vegetal-blättrig und etwas harzig, feuchter Stein, griffiges feinsandiges Tannin mit leichten Kanten, bzw. gutem Gripp, ordentlich Säure - diese aber bestens integriert, dicht und tief; langer Abgang auf blättrige Würze, Frucht, Tannin mit feinem Säureschwänzchen - 17-17,5/20 op
Nicht der Trinkfluss des einfachen Weins, ganz und gar nicht, braucht Luft - oder Lager; dennoch keiner der früher üblichen überkantigen und an der Grenze zum erträglichen extrahierten Mp d'A - Frucht, im Gegenteil.
In der Vinifikation das volle Programm - abpressen nach 12 Tagen Maischestandzeit, Umfüllen in Terracotta-Amphoren (mit integriertem Edelstahldeckel gg. Oxidation), Vergärung mit eigenen Hefen, unfiltriert und ungeschönt.
Gezügelte Wildheit ohne Technikeinsatz - nun - allerdings ist Amphore mit Edelstahlkappe irgendwie auch 'ne Art moderne Technik.

Um es kurz zu machen, beide Weine für mich klare Empfehlung in ihren Preisklassen um 10 €, bzw. um 18 €, mit einem "neuen" Mp d'A-Feeling und ohne überkanditeltes Bio- und Amphorengedöns, auch wenn's Bio und (in der oberen Produktlinie) Amphore ist - wird halt so gemacht weils der Winzer für Richtig hält und gut is's.

@ Bernd: ich würde annnehmen, dass diese Weine was für dich wären, besonders das "einfache" Schrauberexemplar. Falls dir dass mal irgendwo über den Weg ...
Grüsse

Ralf
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