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ifavine iSommelier

Von Korken, Kapseln, Kellermessern
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Toby

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ifavine iSommelier

BeitragDo 22. Jun 2017, 07:23

Hallo zusammen,

bin im Netz zufällig auf die ifavine iSommeliers gestoßen

http://www.ifavine.com/

Der Wein wird wohl mit gefiltertem reinem Sauerstoff recht schnell versetzt und soll dadurch in ca. 10min in trinkbarem Zustand sein.

Glaubt Ihr das Teil funktioniert?
Bzw welche Gefahren seht Ihr?
Z.B. den Wein zu schnell zu Belüften und dadurch zu "killen"?

Finde das Teil von der Idee her toll....man wäre viel spontaner bei der Weinwahl und könnte z.B. bei Proben u.a. je nach "Fitness" entscheiden ob man noch eine weitere Flasche schafft ;) ...wir machen auch gern "Jungweinproben" um rauszufinden was in den Keller kommt.

Bitte keine Diskussionen den recht stattlichen Kaufpreis lieber in Wein zu investieren, Sinn oder Unsinn etc.....
Mir geht es hier un die "technische" Seite.

Viele Grüße & schonmal Danke für Eure Meinungen

Toby
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UlliB

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Re: ifavine iSommelier

BeitragDo 22. Jun 2017, 09:12

Um mal kurz aus der sehr knappen Gerätebeschreibung zu zitieren:

"iSommelier verfügt über eines molekular Luftfiltersystem, das mehr als 80% pure Sauerstoff produziert, die dann durch das Weinskörper durchläuft."

Wie das denn bitte funktionieren soll, würde ich schon etwas genauer verstehen wollen. Man kann Gasgemische nicht durch Filtration trennen. Und selbst wenn hier ob der holprigen Überseztung etwas anderes gemeint sein sollte (z.B. Absorption bzw. reaktive Anreicherung), würde ich gerne wissen, wie man so aus Luft ausgerechnet Sauerstoff anreichern kann, und das auch noch so hoch. Bis mir einer genau erklärt, was hier das unterliegende Prinzip ist, würde ich sagen: Humbug.

Wenn es aber doch irgendwie funktioniert, dürfte das Ergebnis ein Riesenproblem sein. Hochangereicherter Sauerstoff ist im Labor so ziemlich einer der gefährlichsten Arbeitsstoffe, weil er ratzfatz alles oxidiert - auch solche Dinge, die in normaler Luft nur extrem langsam oxidieren oder das unter praktischen Gesichtspunkten gar nicht tun. Ein erhitzter Eisendraht, der in normaler Luft nur glüht, brennt in Reinsauerstoff mit gleißend heller Flamme; mit Reinsauerstoff in Kontakt gekommene ölgetränkte Putzlumpen fangen ohne Zündquelle von alleine an zu brennen, etc.. Behandelt man Wein mit hochangereichertem Sauerstoff, dürfte darin alles oxidiert werden, was sich oxidieren lässt - auch solche Komponenten, bei denen das im normalen Reifungsprozess (oder nach dem Dekantieren) sehr lange dauert bzw. überhaupt nicht passiert.

Meine Einschätzung: teurer Fake für Gutgläubige.

Gruß
Ulli
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olifant

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Re: ifavine iSommelier

BeitragDo 22. Jun 2017, 09:20

Das Teil sehe ich prinzipiell nicht besser oder schlechter als einen klassischen Dekanter oder doppelt Dekantieren - entscheidend wird immer die persönliche Erfahrung mit den jeweiligen Wein. Die persönliche Erfahrung mit der Art des Belüftens / Dauer wird auch hier nicht ersetzt. Jedoch erscheint mir die Gefahr grösser von vornherein zuviel zu Belüften - die Sauerstoffaufnahme kannst du schliesslich nicht Rückgängig machen. Bei klassischen langsamen Dekantieren hast du in jedem Falle die Möglichkeit den Wein zu verfolgen und deinen optimalen Zeitpunkt selbst zu entscheiden.
Für manche Jungweine (Babymord) mag das wohl noch am sinnvollsten sein ... ich würde da jedoch zu bereits länger verfügbaren manuellen Hilfen greiffen, wie z.B. Ausgießhilfen mit verstärkter Belüftungsfunktion. Hier gibt's ne Menge Gadgets mehr ... http://www.weindekanter.com/menu-dekantierkaraffe-test/ ... und über jedes liesse sich wohl trefflich diskutieren.
Grüsse

Ralf
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Gerald

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Re: ifavine iSommelier

BeitragDo 22. Jun 2017, 09:33

Hallo Ulli,

technisch sollte das eigentlich schon funktionieren - und ist vermutlich auch einigermaßen erschwinglich, da ja für medizinische Anwendungen in recht großen Stückzahlen produziert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sauerstoffkonzentrator

Und so gefährlich wird es meiner Meinung nach auch nicht sein, da der Sauerstoff ja nur in den Wein kommt und eigentlich keine Gelegenheit haben sollte, irgendetwas leicht Entflammbares in Brand zu stecken.

Allerdings ist mir der Sinn des Geräts nicht wirklich klar: die Sauerstoffübergangsrate von Gas- in Flüssigphase (also in den Wein) ist ja proportional zur Sauerstoffkonzentration, aber genauso auch von der Oberfläche der Phasengrenze. Wenn man also ganz normale Luft einbringt, aber dafür in entsprechend kleineren Bläschen (höhere Oberfläche), sollte das Ergebnis dasselbe sein - aber mit viel geringerem Aufwand ...

Und wenn ich mir die Website ansehe, scheint mir das Design und die Verbindung zum Smartphone das eigentliche Verkaufsargument, also ein nettes Ding ohne jeglichen praktischen Nutzen.

Grüße,
Gerald
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UlliB

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Re: ifavine iSommelier

BeitragDo 22. Jun 2017, 09:55

Gerald hat geschrieben:Hallo Ulli,

technisch sollte das eigentlich schon funktionieren - und ist vermutlich auch einigermaßen erschwinglich, da ja für medizinische Anwendungen in recht großen Stückzahlen produziert:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sauerstoffkonzentrator


Danke. Wie sagt man so schön: again what learned ;)

Gruß
Ulli

PS. Und nein, ich meine nicht die Gefährlichkeit für die Umgebung, sondern für den Wein selber.
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Gerald

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Re: ifavine iSommelier

BeitragDo 22. Jun 2017, 10:05

Ich schätze einmal, der Effekt wird derselbe sein, wie wenn man den Wein - wie ja schon öfters empfohlen ;) - mit einem Stabmixer kurz "behandelt" - da kommt zwar nur Luft mit 21 Vol.% Sauerstoff zum Zug, durch die Verwirbelung aber mit viel kleineren Bläschen und daher höherer Oberfläche. Aber das sieht natürlich nicht so cool aus und lässt sich auch nicht mit dem Smartphone steuern, daher ist der Preis von € 1.500 (bei einem Händler im Web) natürlich völlig gerechtfertigt. :D

Grüße,
Gerald
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Toby

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Re: ifavine iSommelier

BeitragSo 25. Jun 2017, 09:06

Hallo zusammen,

so in die Richtung hatte ich es mir scho fast gedacht, danke für die Meinungen.
Man findet auch keine "seriösen"Testberichte/Meinungen etc...wäre zu schön gewesen...also lass ich lieber mal die Finger weg.

Viele Grüße
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EThC

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Re: ifavine iSommelier

BeitragSo 25. Jun 2017, 14:00

Die Molekularfiltertechnik funktioniert im Prinzip schon und ist durchaus erprobt. Die Neuigkeit ist nur, daß man das nun auch zur Weinoxidation verwendet. Für mich aber eher ein Produkt aus der Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht", aber es gibt ja genügend Menschen, die -weil sie eigentlich schon alles haben- ihr Geld gerne auch für sowas ausgeben, um sich vom Nachbarn wieder ein Stück weiter abzusetzen...
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
https://ec1962.wordpress.com/
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Basti

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Re: ifavine iSommelier

BeitragMo 31. Jul 2017, 08:51

Ich würde gerne mal meine Erfahrungen mit euch teilen.
Ich selbst habe den iSommelier (den kleinen).

Eines möchte ich auf fairer Weise dazu sagen, ich selbst vertreibe diesen auch über meinen Onlineshop. Dennoch möchte ich meine persönlichen Erfahrungen dazu kund tun.
Erstmal zum Preis, der kleine kostet 399,- Euro ist meiner Ansicht nach ein fairer Preis und deutlich günstiger als der Große. Was kann der Große mehr oder besser? Im Grunde nicht wahnsinnig viel, außer das der Große Wlan hat damit man online (über App) nach seinem Wein suchen kann und die Dekantierzeit von z.B. der Couch aus starten kann. Klar die Form ist anders und der Filterprozess vermutlich noch einen Tick besser. Für mich ist das aber zu teuer und ehrlich gesagt das Wlan völlig unnötig. Da ich den Wein so oder so "manuell" eingießen muss, dann kann ichs auch gleich händisch selber starten :lol:

Zum Gerät selbst:
Der iSommelier kommt mit Kabel (Batteriebetrieb wäre mit optionaler Batterie ebenfalls möglich). Er kommt mit einer Karaffe in der man den Wein ab 150ml bis zu 750ml dekantieren kann. Eigentlich ist es ja karaffieren ;)
Ob das Gerät schön ist oder nicht, ist persönliches empfinden, mir gefällt es.

Der iSommelier sollte auf einer festen Fläche stehen da er durch das Ansaugen von Sauerstoff/Luft leicht vibriert. Bei einer unebenen oder wackligen Fläche würde sich das nur verstärken.
Ich kann zu den chemischen Prozessen leider nichts sagen. Jedoch soviel, dass das Gerät die Luft von unten anzieht und über einen wechselbaren Filter von Unreinheiten säubert. D.h. Haare, Staub usw. gelangen nicht in das Gerät und somit auch nicht in den Wein selbst.

Die Dekantierzeit kann über ein Drehrad manuell eingestellt werden und in einem Bereich von 5 Sekunden bis 15 Minuten eingestellt werden (in 5 Sek. Schritten).
Eine Minute dekantieren mit dem Gerät entspricht einer Stunde herkömmlichen belüften. Da der Wein von "unten" heraus belüftet wird, verringert sich natürlich der Dekantierungsprozess deutlich, da beim herkömmlichen Dekantieren nur die Oberfläche belüftet wird.
Meiner Erfahrung nach und ich nutze das Gerät mittlerweile für jeden Rotwein, ist für mein empfinden bisher eine Dekantierzeit von 3 Minuten ein guter Richtwert. Wie mein Vorredner bereits treffend angemerkt hat ist das aber vom jeweiligen Geschmacksempfinden abhängig und man kann sich an einer Flasche Wein innerhalb kürzester Zeit mehrere verschiedene Dekantierzeiten einstellen und so geschmacklich direkt vergleichen. Auch sehr toll empfinde ich immer den vorher nachher Effekt. Dieser ist deutlich geschmacklich nachvollziehbar und verbessert den Geschmack. Gerade bei kräftigen intensiven Rotweine konnten die geschmacklichen Nuancen stärker herausgeschmeckt werden. Generell wird der Wein für mein empfinden weicher und somit deutlich runder im Geschmack. Testweise habe ich ganz normales Leitungswasser dekantiert auch hier ergab sich eine Veränderung. Das Wasser wurde auch hier wieder deutlich weicher und runder im Geschmack aber das war einfach nur um zu sehen ob man auch beim reinen Leitungswasser einen Unterschied schmecken kann.

Warum habe ich mir das Gerät zugelegt? Das hatte mehrere Gründe. Einen habe ich ja oben kurz angeschnitten und möchte darauf nicht weiter eingehen. Ich selbst bin Technik-affine, ich wollte mich selbst davon überzeugen ob das Gerät funktioniert und am ausschlaggebendsten war jedoch wenn ich einen Wein trinke dann möchte ich ihn aus meinem Weinkühlschrank nehmen und mit der richtigen Temperatur trinken und nicht noch mehrere Stunden warten bis er mit dem herkömmlichen Dekantierungsprozess soweit ist. Toll empfinde ich natürlich auch das man nur ein Glas mit 150ml dekantieren kann und nicht direkt die ganze Flasche dann trinken "muss" ;-)
Herkömmliche Ausgießer die ebenfalls belüften können, bringen natürlich auch einen Effekt jedoch nicht in dieser Form.

Wie schon erwähnt kann ich leider nichts zu den genauen chemischen Prozessen sagen. Auch nicht in wie weit das theoretisch sinnvoll ist oder nicht. Ich kann nur von meinem persönlichen Empfinden sprechen. Ich verstehe aber jeden hier, der dem Gerät skeptisch gegenüber steht, da es mir bis zum probieren genauso ergangen ist.
Falls jemand in und um München wohnt, kann ich auch gerne mal mit dem iSommelier zum testen vorbei kommen.
https://www.baesta.com
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Toby

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Re: ifavine iSommelier

BeitragMi 9. Aug 2017, 07:57

@Basti:

Danke für Deine Ausführungen.
Noch eine Frage zur Karaffe: durch den Glasstab in der Mitte reinigt sich diese sicher schwer und kann zum Trocken nicht auf einen Karaffenhalter gesteckt werden oder?

Grüße
Nächste

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