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Riedel Sommeliers Burgunder Grand Cru

Von Korken, Kapseln, Kellermessern
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mixalhs

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Re: Riedel Sommeliers Burgunder Grand Cru

BeitragMi 20. Jul 2016, 09:57

Übrigens hatte ich vor ca. zwei Wochen einen Spätburgunder 2013 vom Weingut Ohler in Gimmeldingen aus dem Riedel-Goldfischglas. Da der Wein sehr hell und daher schwer verkäuflich ist, hat Frau Ohler ihn derzeit im Angebot für 7,50 statt 8,00 Euro.

"Sehr hell für einen Rotwein, selbst für einen Spätburgunder, leichte Reifenoten, ansonsten typisch PN mit Noten von Waldboden und verhalten auch roten Beeren. Farblich ein Spätburgunder im alten Stil, geschmacklich jedoch auf der Höhe der Zeit, aber erfreulicherweise ohne Röst-, Schoko-, Espresso- und sonstige modische Noten."

Das Goldfischglas hat diesem Wein Glanzlichter aufgesetzt, insbesondere eine wunderbare Fruchtsüße, nicht als Zuckerschwänzchen, sondern eher vorn im Mund, die ich vorher - mit Stölzle Quatrophil - nicht bemerkt hatte. Ich würde mal sagen, ein Plus von 2 bis 3 Punkten. Zu meiner Überraschung funktoniert das Glas anscheinend auch bei einfacheren Weinen und hebt nicht nur ihre Schwächen, sondern manchmal auch ihre Stärken hervor.
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Ollie

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Re: Riedel Sommeliers Burgunder Grand Cru

BeitragMi 20. Jul 2016, 17:12

mixalhs hat geschrieben:Zum Vergleich könnte ich die BGC-Gläser beisteuern.


OK, gebongt, das machen wir mal. Wird bestimmt interessant, bei einem Faktor 25 Preisunterschied pro Glas! :lol:

Cheers,
Ollie
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amateur des vins

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Re: Riedel Sommeliers Burgunder Grand Cru

BeitragDo 21. Jul 2016, 09:58

Ich würde mich als Exemplar eines notorischen, aber hinterfragungswilligen Universalskeptikers zur Verfügung stellen! :) Gerne (doppel-)blind, und auch als Jurymitglied für die Überprüfung des Versuchsaufbaus. :lol:

Spaß beiseite: Eine überschaubare Anzahl Gabriel-Gläser als Vergleichsobjekte sowie Testelixir würde ich sehr gerne beisteuern. ;)
Besten Gruß, Karsten
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amateur des vins

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Re: Riedel Sommeliers Burgunder Grand Cru

BeitragMi 16. Nov 2016, 01:13

Letzten Sonntag haben wir es wahr gemacht: Michael schleppte seine Riedel BGC und Ollie seine Nachtmann Vivendi Premium Pinot Noir zu mir, wo sie gegen Gabriel gold antreten sollten. Man sollte das nicht unterschätzen: Die Kartons, speziell die der Riedel, sind gigantisch groß! Meinen Dank an Euch beide, dass ihr das möglich gemacht habt! :)

Bar jeglicher Riedel-Erfahrung hätte ich gnadenlos ein breites Spektrum einschließlich Weißweinen "verfüttert". Ollie und Michael haben mir da einiges voraus und plädierten nachdrücklich dafür, dass wir uns auf Pinot Noir resp. Spätburgunder beschränken mögen, da andere Rebsorten unvergleichlich weniger profitierten. So hielten wir uns also strikt an die Riedel-Empfehlungen. Nur ich Amateur habe einen Beaujolais Cru reingeschummelt. Aber immerhin haben die ja auch Riedels Segen. :)

Da die Weine nicht im Fokus standen, liste ich hier nur unkommentiert unser Testmaterial auf...
  • Johann F. Ohler, Spätburgunder 2013 (Pfalz)
  • Fiebrich, Ahrweiler Rosenthal 2013 (Ahr)
  • Weingut Krone, Assmannshäuser Hölle SL*** 2002 (Rheingau)
  • R&C Schneider, Spätburgunder «Parzelle Schönenberg» 2008 (Baden)
  • Marché aux Vins, Vosne-Romanée 1er Cru «Malconsorts» 2004
  • Desjourneys, Fleurie «Chapelle des Bois» 2011
...und beschränke mich auf mein Fazit:
  • Alle Unterschiede betreffen m.M.n. ausschließlich das Bouquet. Die Zungenzonen sind, soweit ich weiß, eh als urban legend entlarvt worden; bei mir tat sich da jedenfalls nix. Da das Schnüffeln aber einen wesentlich Teil des Weingenusses darstellt, sind die Unterschiede durchaus signifikant (aber s.u.!).
  • Das Riedel zeigte durchweg die verhaltenste Nase. Bei weniger ausdrucksstarken Weinen "verlaufen" die Aromen sich in dem riesigen Kelch, und bei der Nase kommt nicht mehr viel an; dann sind die anderen Gläser besser. Wenn aber guter Stoff im Glas ist, ist die Nase zwar immernoch verhaltener, aber das Aromenspektrum wird etwas "weiter aufgefächert". Ich kann insofern schon nachvollziehen, warum das Glas "Burgunder Grand Cru" heißt (obwohl der Premier auch eine ganz gute Figur abgab).
  • Das Gabriel zeigt, wie beworben, eine Konzentration der Aromen und durchweg die intensivste Nase. Jedoch schien das zeitweilig auf Kosten der "Bühnengröße" zu gehen. Entgegen dem Anspruch, wird eben nicht immer die "größtmögliche Komplexität" gezeigt.
  • Das Nachtmann präsentierte sich als neutraler Allrounder, der meistens kein "aha!" entlocken konnte, aber auch nicht immer zurückstand. Die Unterschiede zum Riedel sind (edit: meistens gering aber) teilweise erstaunlich deutlich. Möglicherweise macht sich hier der geringere Durchmesser und die kleinere Kelchhöhe bemerkbar.
  • Die Haptik spricht klar zu Gunsten des Gabriel: mit nur 90g gegen 200g, den viel kleineren Abmessungen (gut 500ml vs. 900ml vs. 1050ml, 2cm niedriger) und dem niedrigeren Schwerpunkt ist es wesentlich handlicher. Beim Nachtmann mißfiel zudem der wenig elegante Stiel. Das Riedel ließ sich trotz der Größe noch erstaunlich gut handhaben.
Man sollte vielleicht noch dazu sagen, dass die Unterschiede für weniger geübte zu subtil sein könnten, auch wenn sie uns deutlich erschienen - aber auch nicht immer!

And the winner is...?

Kann ich nicht sagen. Alle Gläser haben ihre Berechtigung!
  • Das Riedel für hedonistische Schnüffelorgien, wenn Geld keine Rolex spielt :twisted:
  • Das Nachtmann natürlich wegen des unschlagbar günstigen Preises
  • Das Gabriel, weil es sich toll anfässt und auch aus winzigsten Mengen noch ein sinnliches Erlebnis machen kann
Ich werde beim Gabriel bleiben. Derzeit ist es auch eher unwahrscheinlich, dass es mich nach einem Goldfischglas gelüstet - so schön und spannend diese Erfahrung war.
Zuletzt geändert von amateur des vins am Mi 16. Nov 2016, 13:46, insgesamt 1-mal geändert.
Besten Gruß, Karsten
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Re: Riedel Sommeliers Burgunder Grand Cru

BeitragMi 16. Nov 2016, 08:16

Danke für Euer "Opfer" diesen Test durchzuführen und die Beschreibung des Resultats. Fand ich sehr interessant und deckt sich mit meinen Erfahrungen. Das Goldfischglas ist für wirklich große Burgunder (und z.T. auch große Baroli) IMHO das "non-plus-ultra", aber ansonsten präferiere ich auch das Gabriel oder im wesentlichen die Riedel Vinums. Ein weiterer Grund, warum ich die Vinum Serie mag: Ich kann sie problemlos in die Spülmaschine packen, was ich mich bei den Sommeliers kaum traue... :D

VG

Dirk
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amateur des vins

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Re: Riedel Sommeliers Burgunder Grand Cru

BeitragMi 16. Nov 2016, 11:46

Für mich kommt noch ein sehr großer "Meta-Vorteil" hinzu:

Das Gabriel will ein Universalglas sein und funktioniert für mich auch hinreichend gut als solches. Das Goldfischglas will Spezialglas sein, und meinen Eindrücken nach ist es das auch; zumindest zarte weiße kann ich mir nun garnicht darin vorstellen.

Da unsere Wohnung sehr wenig Stauraum bietet, ist es sehr praktisch, keinen Zoo von Gläsern vorzuhalten, sondern eben nur eine Form.
Besten Gruß, Karsten
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mixalhs

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Re: Riedel Sommeliers Burgunder Grand Cru

BeitragMi 16. Nov 2016, 12:21

Überraschend waren für mich die geringen Unterschiede zwischen den Gläsern, wenn man einmal von der Nase absieht.

Vor einigen Monaten beim Vergleich Riedel Bourgogne GC mit Stölzle Quatrophil Burgund waren die Eindrücke ganz anders. Das Riedel GC setzte damals einigen Burgundern zusätzliche Glanzlichter auf und "zerlegte" den Barolo, der sich verschlossen, tanninbepackt und unzugänglich präsentierte.

Signifikant und reproduzierbar waren jetzt am Sonntag vor allen Dingen die Unterschiede in der Nase. Das Gabrielglas konzentriert den Duft, so dass er einem sozusagen in Gesicht springt. Bei den beiden anderen Gläsern roch man deutlich weniger. Beim Riedelglas habe ich mir mindestens einmal "ganz weit weg" notiert. Am Gaumen waren die Unterschiede, wenn es denn überhaupt welche gab, winzig. Mir zum Beispiel gefielen der einfache Burgunder 2013 von Ohler aus Gimmeldingen (ein sehr hellroter SB im eher traditionellen deutschen Stil) und der 2014 Vosne Romanée PC von Marché aux Vins aus dem Riedelglas geringfügig besser als aus den beiden anderen Gläsern. Aber das mag auch Selbstsuggestion gewesen sein.

Die Vor- und Nachteile der Gläser sehe ich ähnlich wie Karsten:

Gabriel: Wunderbar leicht, liegt toll in der Hand, bündelt den Duft und funktioniert auch bei kleinen Probeschlucken bestens.
Riedel GC: kein Probenglas, denn es braucht eine bestimmte Füllmenge, bei großen Burgundern (und auch bei manchen nicht so großen) hervorragend, allerdings auch sehr teuer, und über Aussehen kann man streiten (mir gefällt's rein optisch überhaupt nicht)
Nachtmann: Optisch dem Riedel sehr ähnlich, plumper Stiel mit nicht so angenehmer Haptik, auch für die Nase funktioniert es ähnlich wie das Riedelglas (Duft kommt sehr verhalten), am Gaumen war das Riedelglas für mich manchmal marginal vorn. Preislich grandios mit einem Listenpreis von 5 Euro vs. 75 Euro für das Riedelglas.

Zwei Nachträge. (a) Ich bleibe bei meinen Quatrophilgläsern für den Alltag und hole - wie bisher auch schon - gelegentlich zu besonderen Anlässen und besonderen Weinen die Riedels raus. (b) Die perfekte Speise-Wein-Kombination des Abends war überraschenderweise der Schönenberg 2008 von R&C Schneider zur vegetarischen Quiche mit Lauch und Steinpilzen.
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