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Korkgeschmack

Von Korken, Kapseln, Kellermessern
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Bernd Schulz

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Re: Korkgeschmack

BeitragMo 13. Feb 2017, 23:26

weingeist hat geschrieben:Don Quijote? Du weißt schon, der hat auch gegen die Windmühlen gekämpft...


Der große Roman von Cervantes zählt in der Tat zu meinen Lieblingsbüchern! :mrgreen:

Ich glaube aber nicht, dass es sich beim Kampf an der Korkfront um ein aussichtsloses Unterfangen handelt. In Deutschland werden die Winzer immer vernünftiger - wie von mir schon mal an anderer Stelle geäußert wurde, findet man in Franken kaum noch einen Weißwein mit Baumrinde! Und auch in anderen Anbaugebieten ist der Schrauber klar auf dem Vormarsch.

Herzliche Grüße

Bernd
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Re: Korkgeschmack

BeitragMo 13. Feb 2017, 23:59

Bernd Schulz hat geschrieben:findet man in Franken kaum noch einen Weißwein mit Baumrinde


da fallen mir in Franken aus dem Stand auch nur Fürst und Östreicher ein. In Frankreich dagegen einige mehr...
Viele Grüße
Erich


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Gerald

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Re: Korkgeschmack

BeitragDi 14. Feb 2017, 10:22

Hallo,

Wenn sie mal so einen Verdacht haben, gleich mal eine zweite Flasche öffnen und eine Gegenprobe machen.


das kann man als Winzer oder auch als Profiverkoster (wo man normalerweise ohnehin immer gleich zwei Flaschen anfordert) machen, für mich als Nur-Konsument ist das aber leider unrealistisch. Vielfach kaufe ich nur eine Flasche je Sorte, um sie erst zu probieren und nur bei Gefallen nachzukaufen.

Aus meiner Sicht ist das Weingut dafür zuständig, dass jede einzelne Flasche in Ordnung ist - das betrifft damit auch die "Zulieferer", für deren Produktmängel man ebenfalls einstehen muss. Ein Autoproduzent kann sich ja bei einem frühzeitigen Motorschaden auch nicht einfach darauf ausreden, dass der Zulieferer schlechte Teile geliefert hat.

Für mich ist Naturkork jedenfalls definitiv ein Verpackungsmangel, der das Produkt schädigen kann (aber natürlich nicht muss). So wie wenn ich am Markt ein wunderbares Stück Käse kaufe und es in einem schmierigen, abgegriffenen Blatt Zeitungspapier eingepackt bekomme. :D

Bei Weißwein mache ich inzwischen einen großen Bogen um Weine mit NK, da - zumindest bei uns in Ö - die meisten Weine (zu einem wesentlichen Teil auch in der gehobenen Kategorie) verschraubt werden. Bei Rotwein sieht es leider nach wie vor schlecht aus, da muss man halt in den sauren Apfel beißen ...

Der Vergleich mit Don Quijote hinkt meiner Ansicht nach übrigens recht kräftig, denn der genannte Protagonist hat ja dem zu seiner Zeit längst obsoleten Rittertum nachgetrauert, während den Alternativverschlüssen (derzeit Schrauber, vielleicht kommt noch etwas Besseres nach) ja doch die Zukunft gehören dürfte. Bei Don Quijote würde ich eher an notorische Korkfans denken, die auf ihr "Plopp" auch nicht verzichten möchten, wenn es den damit verschlossenen Wein ruiniert ...

Grüße,
Gerald
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Re: Korkgeschmack

BeitragDi 14. Feb 2017, 11:12

Gerald hat geschrieben:Für mich ist Naturkork jedenfalls definitiv ein Verpackungsmangel


Einen Verpackungsmangel per se sehe ich darin nicht, auch wenn es immer noch eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür gibt, daß der Korken einen negativen Einfluß auf den Wein hat; wie hoch die derzeit auch immer sein mag. Da könnte ich dann auch die Glasflasche zum Mangel erklären, weil die brechen kann (was beim Versand ja auch nicht so selten vorkommt).
Zum Mangel wird es erst dann, wenn tatsächlich ein TCA-belasteter Korken zum Einsatz kommt.
Wenn es denn per se ein Mangel wäre, die Verschlußvariante Kork zu wählen, dann wäre dieser offensichtliche Mangel ja automatisch Bestandteil des Geschäfts, d.h. es wird mit dem Kauf akzeptiert, daß man ein mangelbehaftetes Gut erwirbt. Dann wäre das kein Sachmangel (da die zugesicherte Eigenschaft einer mangelfreien Verpackung nicht gegeben ist) und man hätte somit auch keinen Haftungsanspruch im Korkschmeckerfall...
Viele Grüße
Erich


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Gerald

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Re: Korkgeschmack

BeitragDi 14. Feb 2017, 11:33

Ja, natürlich kein Sachmangel im juristischen Sinn, sondern "nur" eine minderwertige Verpackung. Also so wie eine Flasche aus schlecht produziertem Glas, die leichter als sonst üblich bricht.

Und natürlich muss man mit dem Kauf das entsprechende Risiko wohl akzeptieren. Aus diesem Grund versuche ich ja, derartige Käufe so gut es geht zu vermeiden ...

Grüße,
Gerald
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Re: Korkgeschmack

BeitragDi 14. Feb 2017, 14:06

...das würde dann bei konsequenter Umsetzung auch und gerade bei österreichischen Weinen in nicht wenigen Fällen darauf hinauslaufen, daß man um viele kaum vergleichbare Weine einen Bogen machen müßte. Das würde ich dann schon als deutliche Einschränkung ansehen. Deshalb bei mir eher "no risk, no fun".

Aber das ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Andererseits würde ich es auch überhaupt nicht schlimm finden, wenn die besagten Weine zukünftig alle verschraubt daherkommen würden. Die Reifung wird dann wohl anders verlaufen, muß man sich halt drauf einstellen. Oder die erwähnte Variante, daß man den Verschluß auswählen kann, aber das wird wohl die Ausnahme bleiben. Immerhin: BF Ried Marienthal gab's mal parallel mit Kork und Glasstöpsel...
Viele Grüße
Erich


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UlliB

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Re: Korkgeschmack

BeitragDi 14. Feb 2017, 17:18

Für mich als Bordeaux-Trinker gibt es leider zum Korken keine Alternative, denn alle wirklich relevanten Bordeaux wurden mit Kork verschlossen und werden das heute immer noch. Meines Wissens nach hat nur ein einzelnes cru bourgeois (war das d'Agassac??) eine Zeitlang mit Schrauber gearbeitet, aber das mittlerweile wohl auch wieder aufgegeben. Im klassifizierten Bereich: völlige Fehlanzeige.

Dabei ist gerade bei älteren Bordeaux die Korkschmeckerquote durchaus relevant. Bei etwas umfangreicheren Proben mit Weinen aus den 70ern, 80ern und 90ern ist fast immer ein Wein dabei, den es erwischt hat, manchmal auch mehrere. Legendär ist eine Vinaria-Probe von 1990ern im Jahr 2010, bei der die Ausfallqute bei fast 20% lag... und wer wie ich schon mal einen Lafite mit vierstelligem Marktwert wegen einem derben Korkschmecker in den Ausguss befördert hat, weiß, was Ärger ist.

Reklamation beim Händler, nach zwanzig oder dreißig Jahren: vergiss es. Bei Flaschen, die aus dem Sekundärmarkt erworben wurden, ist das eh aussichtlos. Und die verkorkste Flasche an das Chateau schicken und auf Ersatz hoffen: good luck :twisted:

Ob die Korken wirklich besser geworden sind, wird erst die Zukunft weisen. Manche "Schleicher" entwickeln erst im Laufe der Jahre das volle Bild.

Gruß
Ulli
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Re: Korkgeschmack

BeitragDi 14. Feb 2017, 17:33

Frankreich ist bei mir weintechnisch total unterrepräsentiert, aber wahrscheinlich sind die meisten meiner -insgesamt eher wenigen- Korkweine tatsächlich Franzosen gewesen. Jedenfalls tauchen in der Erinnerung daran bei mir fast nur Weine aus diesem Land auf. Höchste Ausfallquote: von drei als Geschenk erhaltenen Flaschen aus dem Roussillon immerhin 66,7 %, so waren die dann an einem Abend alle weg. Und ja, die Sachmängelhaftung endet in D für Gebrauchsgüter gemäß BGB nach 2 Jahren. Dann gäbe es zwar noch den versteckten Mangel, aber Recht haben und Recht bekommen sind immer zwei paar Schuhe. Wenn wir also über Flaschen reden, die 30 oder mehr Jahre im Keller waren, wird's mit der Haftung schwierig bis aussichtslos...

Bin ja gespannt, wann das Schrauberzeitalter auch im Bordelais bzw. in Frankreich überhaupt mal weiter um sich greift.
Viele Grüße
Erich


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UlliB

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Re: Korkgeschmack

BeitragMi 15. Feb 2017, 09:23

EThC hat geschrieben:Bin ja gespannt, wann das Schrauberzeitalter auch im Bordelais bzw. in Frankreich überhaupt mal weiter um sich greift.

Im Bordelais würde ich sagen: gar nicht, jedenfalls nicht in dem mich noch interessierenden Zeitraum. Es gibt hier derzeit keinerlei Ansätze.

Was den Rest von Frankreich betrifft, fehlt mir der Überblick. Im Burgund scheint sich im Moment, sofern überhaupt mit Alternativen gearbeitet wird, DIAM durchzusetzen. Ansonsten kann ich mich im Moment an keinen einzigen französischen Wein erinnern, der verschraubt war.

Gruß
Ulli
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Re: Korkgeschmack

BeitragMi 15. Feb 2017, 10:02

UlliB hat geschrieben:Ansonsten kann ich mich im Moment an keinen einzigen französischen Wein erinnern, der verschraubt war.


Ich habe einen einzigen im Keller: Magali - Signature - AOP Côtes de Provence von Saint André de Figuière, ein Rosé aus der knapp über 10 Euronen-Klasse...
Viele Grüße
Erich


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