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Korkgeschmack

Von Korken, Kapseln, Kellermessern
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Ralf Gundlach

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 13:36

Jochen R. hat geschrieben:Ralf, du ziehst das Ganze hier (zu Recht) ein Stück weit ins Lächerliche ...
Ausgelöst wurde es aber (erneut) ganz sicher durch Bernd´s "Bröselkork-Psychose",
die er zu jeder Gelegenheit hier im Form erwähnen muss.

Vielleicht wäre auch das mal eine Sache für den Sozialpädagogen ... !?

Viele Grüße,
Jochen


Hallo Jochen,

ganz ehrlich, es war nicht meine Absicht, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Mir ist der Diskussionsverlauf nur allzu bekannt. Am Anfang befindet sich sehr oft die Diskussion auf der Sachebene und fast jeder glaubt, die Fakten zu kennen. Dann driftet das Ganze ab und geht auf eine emotionale Ebene, in der zwar weiter Fakten genannt werden aber nicht mehr wirklich wichtig sind. Und jenachdem wie weit es geht wird es m.E. immer unangenehmer und erwachsene Männer befinden sich plötzlich im Sandkasten und schmeißen mit Förmchen um sich. Das ist natürlich auch nicht sachlich und ich weiß auch, dass sich diese Bemerkung nicht unbedingt nett anhört. Ich finde es auch nicht wirklich schlimm, wenn man sich mal nicht grün ist aber..wo ist die Grenze und wann ist Schluß?? Ich kenne diese "Emotionen" sehr gut, irgendwann kriegt man kaum noch die Kurve, wenn man nicht aufpasst und dann geht es immer heftiger unter die Gürtellinie. So, jetzt habe ich aber genug sozialpädagogisches Gequatsche abgelassen.
Zum Thema: Bernd und ich haben in der Tat schon oft bei unseren Verkostungen Bröselkorken gehabt, manchmal kam mir fast der Gedanke Bernd zieht die magisch an :). Aber diese Bröselkorken sind schon ziemlich nervig. Meine Vorstellung: Schrauber für Alltagsweine , Korken ( aber bitte nur in Top-Qualität) bei Weinen, die gut reifen können. Meine Vorstellung kann ich auch nicht mit Fakten belegen, alles rein gefühlt, halt typisch Sozialfuzzi ;).
Noch abschließend: saß nicht jeder von uns schon einmal im "emotionalen" Sandkasten?

Gruß

Ralf
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weingeist

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 13:54

Hallo,

grundsätzlich (@Ralf) vorerst einmal ein großes Plus für Dein Posting zu erwachsenen Männern in der Sandkiste.

Zum Bröselkorken, das ist ein Phänomen, das mich fasziniert. Ich öffne doch auch viele ältere Flaschen (wer mich kennt, weiß, ich mag gereifte Weine), machmal auch aus den 70er und 80er Jahren, sehr viele aus den 90ern und da hatte ich bis jetzt (Tatsache) ein einziges Mal einen bröselnden Kork dabei.

Glück?
Ein deutsches Phänomen (ihr schreibt ja auch immer wieder, dass es bei gereiften dt. Weinen, nicht aber bei Bdx. passiert)?
Qualität (weil österr. Erzeuger beim Einkauf vielleicht mehr darauf geachtet haben, achten konnten)?

Ist irgendwie eigenartig... :? :? :?
Liebe Grüße
weingeist
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amateur des vins

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 14:52

Kle hat geschrieben:trotzdem bleibt Ungewissheit und ist Stachel im Fleisch, wenn man gern Nicht-Kork bevorzugen würde, aber fürchtet, sich damit ums Maximum bringen zu können.
Das gilt doch aber andersherum genauso! Selbst wenn Du denselben Wein unter Kork und Schrauber vergleichen könntest, gibt es jede Menge Faktoren, die den Begriff Maximum relativieren und womöglich auf den Kopf stellen würden: Reifedauer, Vorlieben, Varianz, Tagesform, ... Und wenn nicht, ist es müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen: Entweder man hat Spaß mit dem Wein, oder eben nicht. Und der eine hat Spaß an fehlerfreien Weinen und bevorzugt Schrauber, der andere bevorzugt Plopp, Varianz und schnellere Reife. :twisted:

Sorry, der letzte Satz war polemisch, aber realistisch. 8-)
Ich bin übrigens in meiner Entwicklung irgendwo zwischen dem einen und dem anderen. :mrgreen:
Besten Gruß, Karsten
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manubi

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 15:09

Einer der ganz, ganz wenigen Bröselkorken, die ich erlebt habe, war jetzt kürzlich, im Juli 2017, der auf einem 1952er Vina Real Reserva von CVNE, der ja immerhin gute 60 Jahre in der Flasche zugbracht hatte (wen es interessiert: die VKN steht im Rioja-Thread) und dafür kann man nun wirklich Verständnis haben.

Kann das Auftreten von Bröselkorken eventuell mit der Lagerung zu tun haben? NK-verschlossene Weine lagere ich grundsätzlich liegend, mein Keller ist relativ feucht und kühl. Die gezogenen Korken sind eigentlich nie trocken, bei sehr alten Weinen auch in ganzer Länge durchfeuchtet.

Immer noch offene Fragen. Das wird vermutlich nie aufhören (gut so!).

Beste Grüße

Manfred
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Bernd Schulz

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 15:34

weingeist hat geschrieben: Ich öffne doch auch viele ältere Flaschen (wer mich kennt, weiß, ich mag gereifte Weine), machmal auch aus den 70er und 80er Jahren, sehr viele aus den 90ern und da hatte ich bis jetzt (Tatsache) ein einziges Mal einen bröselnden Kork dabei.


Freue dich! Ich hatte in diesem Jahr an die 15 Flaschen mit richtig üblen (!) Bröselkorken, und in 2016 waren es kaum weniger. Und du kannst mir glauben, dass das Gemurkse mit den Bröseln, wenn man es jeden Monat erlebt, irgendwann einmal gewaltig nervt - "Psychose" hin oder her!

weingeist hat geschrieben:Ein deutsches Phänomen (ihr schreibt ja auch immer wieder, dass es bei gereiften dt. Weinen, nicht aber bei Bdx. passiert)?


Für mich ist es ein deutsches Phänomen. Ich hatte das Problem noch nie bei einem Franzosen oder Spanier. Meine Theorie geht dahin, dass manche deutsche Erzeuger einfach häufiger lausige Korkqualitäten geliefert bekommen (haben). Ich erinnere mich daran, dass ein Winzer bei einem Weingutsbesuch vor etwa 20 Jahren beim Öffnen einer Flasche einen elenden Bröselkorken erwischte, "schon wieder!" schrie und erklärte, er müsse seinem Korklieferanten mal die Meinung geigen - leider weiß ich aber nicht mehr, um welchen Betrieb es sich damals gehandelt hat.

manubi hat geschrieben:Kann das Auftreten von Bröselkorken eventuell mit der Lagerung zu tun haben? NK-verschlossene Weine lagere ich grundsätzlich liegend, mein Keller ist relativ feucht und kühl. Die gezogenen Korken sind eigentlich nie trocken, bei sehr alten Weinen auch in ganzer Länge durchfeuchtet.


Das haben wir hier neulich schon diskutiert. Bei mir tritt das Bröselproblem auch bei liegend gelagerten Flaschen oder Flaschen, die sich bis kurz vor dem Öffnen in einer anderen Hand befanden, auf. Dass der Korken sich in x-tausend Einzelteile zerlegt, kommt auch bei sehr gut durchfeuchteten Korken vor. Die Brösel sind dann eben feucht.

Ich habe mir, um meine Nerven künftig zu schonen, gerade dieses Gerät bestellt: https://www.amazon.de/Monopol-Ent-Verko ... rkenzieher

Beste Grüße

Bernd
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Weinschlürfer

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 15:48

Ich hatte es bisher auch nur bei deutschen Flaschen. Vor allem Restsüße 10+ Jahre.
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Bernd Schulz

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 15:54

Weinschlürfer hat geschrieben:Ich hatte es bisher auch nur bei deutschen Flaschen. Vor allem Restsüße 10+ Jahre.


Ja. Das Problem tritt bei mir zu 95% bei M-S-R-Weinen auf. Und die sind häufig restsüß.

Beste Grüße

Bernd
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weingeist

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 16:03

Bernd Schulz hat geschrieben:Für mich ist es ein deutsches Phänomen. Beste Grüße Bernd

Dann könnte ich mit meiner Vermutung (Qualität) doch recht haben.

Eine zweite Vermutung stelle ich jetzt auch noch in den Raum - ihr sprecht auch sehr oft von restsüßen bzw. süßen Weinen. Könnte sein, dass der Zucker ebenfalls die "Auflösungserscheinungen" von Korken negativ beeinflußt?

@Bernd - Deine Quote ist wirklich beachtlich und da würde auch ich einmal "stink" d'rauf werden... ;)
Liebe Grüße
weingeist
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Kle

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 16:19

amateur des vins hat geschrieben:
Kle hat geschrieben:trotzdem bleibt Ungewissheit und ist Stachel im Fleisch, wenn man gern Nicht-Kork bevorzugen würde, aber fürchtet, sich damit ums Maximum bringen zu können.
Das gilt doch aber andersherum genauso! Selbst wenn Du denselben Wein unter Kork und Schrauber vergleichen könntest, gibt es jede Menge Faktoren, die den Begriff Maximum relativieren und womöglich auf den Kopf stellen würden: Reifedauer, Vorlieben, Varianz, Tagesform, ...

Das stimmt. Aber solange eine besondere Qualität möglich erscheint, fällt es schwer, nie mehr nach ihr zu forschen ("ich kauf keine Verkorkten mehr"). Das Weinhobby ist für mich eines der lustigsten im Versuch, mit den Widersprüchen und dem Chaos der Faktoren irgendwie klarzukommen (oder sie nur zu beobachten). Mag das Jagen nach dem „Maximum“ oder die bloße Vorstellung davon auch ein Phantom sein: Mit den Alternativverschlüssen wurde eine weitere, reizvolle Ungewissheit hinzugefügt.

Gruß, Kle
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niers_runner

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Re: Korkgeschmack

BeitragFr 3. Nov 2017, 17:05

Einmal Bröselkorken in den letzten (gefühlt) 20 Jahren und ich trinke zu 90 % fruchtsüße M-S-R Rieslinge.
Korkschmecker bis vor 3 Jahren alle 6- 8 Wochen 1 Flasche und in den letzten 2 Jahren nichts mehr.

Beste Grüße

Peter
Es entspricht dem Wesen des Genießens, dass der Erlebnisraum der Form einer Pyramide verwandt ist: es gibt viele Basisqualitäten, aber im strengen Sinne nur eine Spitze, und man steigt nicht freiwillig die Pyramide herab (Matthias Hilse)
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