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Korkgeschmack

BeitragVerfasst: Di 14. Dez 2010, 11:37
von Gerald
Hallo,

zum Thema "Korkgeschmack" bei Weinen gibt es einen ganz interessanten Artikel aus Sicht der chemischen Analytik:

http://www.laborpraxis.vogel.de/laborte ... index.html

Grüße,
Gerald

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: Di 14. Dez 2010, 11:52
von innauen
spannend. Offen ist für mich aber weiterhin die Frage, warum bei gleichmäßiger Anwendung von Korkschmeckerverusachenden Mitteln nur manche Flaschen verunreinigen :?:

Grüße,

wolf

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: Di 14. Dez 2010, 11:56
von Gerald
Das dürfte mit der Mikrobiologie zusammenhängen. Die Vorläufersubstanzen sind ja geruchlos und werden erst durch mikrobielle Aktivität (ich nehme an vor allem Pilze) durch Methylierung in die typischen Geruchsstoffe (insb. TCA) umgewandelt. Je nach Bedingungen z.B. am Kork wachsen die Mikroben oder auch nicht.

Der Korkproduzent tut natürlich alles, damit sie nicht wachsen, sie scheinen aber doch immer wieder Stellen zu finden, wo sie es schaffen. Und genau diese Stelle wurde dann in Zylinderform geschnitten und damit der von dir erworbene 82er Latour verschlossen :o

Grüße,
Gerald

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: Di 14. Dez 2010, 12:02
von innauen
Zum Glück hatte ich bislang nur einen 83er Latour und der war tadelsfrei :D

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: Fr 24. Feb 2012, 18:55
von Dezibel
Ich hänge mich jetzt einfach mal mit an diesen Thread mit meiner Frage. Ich beschäftige mich noch nicht allzu lange wirklich richtig intensiv mit Wein (mittlerweile ca. 8 Monate) und habe immer noch Schwierigkeiten, die einzlnen Weinfehler wirklich "herauszuriechen" respektive zu schmecken. Das gilt insbesondere für Korkfehler (Böckser hatte ich beispielsweise auch schon zwei, hier war die Identifikation aber recht eindeutig, da zum einen extrem im Geruch und zum anderen durch Kupfertest leicht zu belegen), die mir rein statistisch gesehen ja schon durchaus unter gekommen sein müssten. Ich hatte bereits ein paar Weine, bei denen ich den Verdacht hatte, dies aber nie wirklich belegen konnte. Jetzt hatte ich gestern einen Wein entkorkt, den ich so gar nicht riechen konnte (2006er Felix Solis Don Solis Reserva) und mich wieder einmal gefragt, ob der Wein fehlerhaft ist, oder ob es einfach nur eine vollkommen überlagernde Holznote ist, die hier den Wein vernichtet. Der Geruch, welcher schrecklich penetrant vom Wein und vom Korken ausging, ist der von Bastmatten, die man oftmals im Urlaub mit an den Strand nimmt. Wißt ihr was ich meine? Diese hier:

Bild

Ist das ein Weinfehler oder nur einer dieser völlig verholzten Spanier vor denen man immer gewarnt wird? Auch geschmacklich hat der Wein kaum Frucht, dauz eine leicht bittere Säure im Abgang.

Vielen Dank schon einmal für Eure Antworten und die Hilfe. Da ich neu hier bin, freue ich mich schon jetzt auf noch viele weitere anregte Gespräche zum Thema Wein. Eine kurze Vorstellung meinerseits erfolgt in Kürze im passenden Thread.

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: So 26. Feb 2012, 17:09
von octopussy
Hallo Daniel,

ich habe selber immer große Schwierigkeiten, Kork herauszuriechen und zu schmecken, wenn er nicht ganz offensichtlich ist. Deiner Beschreibung nach würde ich aber auf Kork tippen. Verholzt riecht und schmeckt für mich anders.

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: So 26. Feb 2012, 18:50
von hendrik
Manche Leute haben kein Problem mit Wein die fur mich 100% gekorkt ist :?: :?: :?:


Hendrik

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: Mo 27. Feb 2012, 10:54
von olifant
Hallo Daniel,

willkommen im Kork-Forum ;)

Wenn du den Fehlgeschmack den du wahrnimmst mit dem Geschmack von (neuen) Strandmatten vergleichst, dann ja - so kann sich nach meiner Erfahrung ein Korkschmecker auch äussern.

Die Bandbreite der korkinduzierten Fehlaromen ist jedoch bei weitem umfangreicher. Den Geschmack gibt's noch potenziert penetranter als den Geschmack von Bastmatten, richtig chemisch am oberen Ende der Korkskala - bis zu geringen Störungen in der Aromatik und verfälschten Geschmacksbildern am unteren Ende der Beeinträchtigungen.

Zudem reagieren viele Menschen unterschiedlich sensibel auf die Wahrnehmung von TCA - siehe hendriks post. Ich selbst bin auch relativ sensibel für direkten Korkgeschmack, als auch für Geschmacksstörungen unterhalb der TCA-Wahrnehmungsgrenze - zumindest bei mir vertrauten Weinen.

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: Do 3. Jan 2013, 12:06
von la-vita
Hallo zusammen,

ich habe jetzt schon häufiger die Erfahrung gemacht, dass bei TCA - behafteten bzw. fehlerhaften Weinen mir schon der erste kleine Schluck Wein zu Kopfe steigt. Meistens stellt sich dann bei längerer Belüftung klar heraus, dass der Wein fehlerhaft ist.

Meine Fragen:

Ist dies anderen auch schon aufgefallen?
Könnte dies ein sicheres Anzeichen für fehlerhafte Weine sein?
Gibt es für den Effekt eine wissenschaftliche Erklärung?

Gruß
Detlef

Re: Korkgeschmack

BeitragVerfasst: Fr 4. Jan 2013, 08:31
von Gerald
Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass das TCA mit dem "zu Kopfe steigen" etwas zu tun hat, die Geruchsschwelle ist extrem niedrig und die vorhandenen Konzentrationen so gering, dass sie wohl keine physiologische Wirkung haben können.

Bei "zu Kopfe steigen" (wenn du damit dasselbe meinst wie ich) würde ich eher auf hohe SO2-Gehalte oder aber biogene Amine z.B. aus einem misslungenen BSA tippen. Das ist wahrscheinlich auch mit merkwürdigen Aromen oder auch Weinfehlern verbunden, mit TCA hat es aber nichts zu tun.

Grüße,
Gerald