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Die Typologie der Weintrinker

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schneesurfer

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragFr 4. Jan 2013, 16:52

Der Online-Weintrinker,
lauert fast täglich auf 50%-Rabatte, welche er sich aus der Rubrik Preisnachlässe und Sonderangebote fischt. Bestellt immer gleich 6, 12 oder 18 Flaschen, dadurch spart er auch noch lästige Versandkosten. Sollte der Wein dann auch noch halbwegs trinkbar sein, so kann er das hier direkt posten (ich hatte mal wieder den richtigen Riecher!). Sein Keller ist immer überfüllt, da er sich mit den (Sonder-)Schnäppchen den Keller flutet. Zum Trinken dieser Mengen kommt er jedoch nicht, dazu müsst er 150 Jahre alt werden. Unterm Strich hat er mittelmäßige aber viele Weine im Keller, welche er dann vermeintlich spendabel zweitklassigen Familienfesten beisteuert.
Gruß
Schneesurfer

Versuchungen sollte man nachgeben. Wer weiss, ob sie wiederkommen.
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susa

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragFr 4. Jan 2013, 17:00

... und dann versucht er die Überbestände bei ebay für mehr Geld loszuschlagen, als er dafür bezahlt hat, um die Mittel für den nächsten Rabattkauf zu haben.

lg
s ;)
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octopussy

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragFr 4. Jan 2013, 17:59

schneesurfer hat geschrieben:Der Online-Weintrinker,
lauert fast täglich auf 50%-Rabatte, welche er sich aus der Rubrik Preisnachlässe und Sonderangebote fischt. Bestellt immer gleich 6, 12 oder 18 Flaschen, dadurch spart er auch noch lästige Versandkosten. Sollte der Wein dann auch noch halbwegs trinkbar sein, so kann er das hier direkt posten (ich hatte mal wieder den richtigen Riecher!). Sein Keller ist immer überfüllt, da er sich mit den (Sonder-)Schnäppchen den Keller flutet. Zum Trinken dieser Mengen kommt er jedoch nicht, dazu müsst er 150 Jahre alt werden. Unterm Strich hat er mittelmäßige aber viele Weine im Keller, welche er dann vermeintlich spendabel zweitklassigen Familienfesten beisteuert.


Oder auch die Sonderform des Online-Weintrinkers, der Impulskauf-Weintrinker

Sein Problem sind neben der Rubrik Preisnachlässe und Sonderangebote die täglich reinflatternden Emails mit reißerischen Ankündigungen der Weinhändler. Aussagen wie "Der beste ... aller Zeiten", "...aus dem Kometenjahrgang 2011, nach 1811 und 1911 vielleicht DER mystische Jahrgang des modernen Zeitalters", "Jahrhundertjahrgang", "Nicht verpassen", "nur 2 Flaschen pro Kunde" oder "von Parker mit der gleichen Punktzahl wie weitaus teurere Gewächse wie Romanée Contis La Tâche oder Rousseaus Chambertin bewertet" kann er sich nicht entziehen. Gerade die nur knappe, verfügbare Menge und - im Falle der Bordeaux-Subskription das schnelle Ausverkauftsein von Tranchen über minisküle Mengen - lassen seine Hand schnell nervöse Mausklicks tätigen. Zack, sind wieder 6 oder 12 Flaschen bestellt. Das Problem des Impulskauf-Weintrinkers ist wie beim Online-Weintrinker ein viel zu voller Keller mit viel zu vielen Flaschen der gleichen Weine. Nach der achten Flasche des doch nicht ganz so kometenhaften Rieslings von dem neuen Fixstern an der Mosel oder der doch nicht so jahrhundertjahrgangsmäßigen Cuvée aus dem Languedoc sehnt sich der Impulskauf-Weintrinker nach Abwechslung, die - der Lernprozess des Impulskauf-Weintrinkers ist langsam - in noch mehr Flaschen im Keller resultiert, da der nächste Jahrhundertjahrgang schon vor der Tür stand.

Ich muss dazu sagen, dass ich durchaus einige Merkmale des Impulskauf-Weintrinkers erfülle :oops: :oops:
Beste Grüße, Stephan
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susa

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragFr 4. Jan 2013, 19:49

Der Society-Weinjünger:

Er (allerdings häufiger noch: Sie) kauft bei einem angesagten Weinhändler im besseren Viertel (s)einer Großstadt. Er hängt an den Lippen seines Gurus und kauft unbesehen alles was, sein Weinhändler-Guru ihm empfiehlt. Er ist seinem Guru treu und schaut weder in andere Läden noch ins Internet. Alle seine Bemerkungen zu Wein beginnen mit den Worten: A. hat gesagt ... A. findet ... Bei A. ist das so ... Er ist glücklich, bei A. kaufen zu dürfen. Er schimpft auf alle Weinkritiker, von denen er nur Parker namentlich kennt "A. sagt aber ...!".

Der natürliche Feind von A. ist übrigens folgerichtig der aufgeklärte Kunde.

lg
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Allegro

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragFr 4. Jan 2013, 20:41

Und ich finde mich immer noch in keinem der angegebenen Typen wieder :shock:

Was nun ?????? Wie darf ich mich nennen ? ;)

Schon in meinem Elternhaus gab es zu einem schönen Essen - und regelmäßig am Wochenende - immer Wein. In meiner frühen Jugend - als ich selbst noch keinen Wein trinken durfte - haben meine Eltern durchaus auch mal die Mosel besucht und von dort Wein mitgebacht. Was genau, entzieht sich meiner Kenntnis.
Später dann - als ich mittrinken durfte - gab es dann überwiegend "nur" noch Discounter-Wein. Auch ich selbst habe dann zu diesen Weinen gegriffen - weil ich einfach nichts anderes kannte und mangels Führerschein auch nicht einfach so diverse Winzer besuchen kann.
Dann - als auch ich endlich im internet-Zeitalter angekommen war ;) - las ich in einem anderen Weinforum immer interessiert mit. Und Ende 2006 wagte ich - ausgestattet mit diversen Empfehlungen von dort - dann endlich auch mal den Sprung zu Weinen aus dem Fachhandel oder gar direkt vom Winzer (alles online bestellt).
Und: damit bin ich auf den Geschmack gekommen. :D
Supermarkt-/Discounter-Weine schmecken mir seitdem auch nicht mehr.

Bis auf wenige Ausnahmen bewegen sich meine Weine im Preisrahmen von bis zu 10,-- EUR. Und klar freue ich mich, wenn ich auch mal was von einem "namhaften" Weingut kosten kann - aber das waren bisher nur wenige ... und auch das hat nicht immer meine Erwartungen erfüllt ...
Mittlerweile kaufe ich vorwiegend nach Rebsorten und Ausbauart. Aber auch da habe ich durchaus immer mal wieder einen Fehlkauf dazwischen ...

Viele Grüße - Allegro -> die Wein einfach deshalb trinkt, weil er "lecker" ist :mrgreen:
Viele Grüße - Allegro
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thvins

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragSa 5. Jan 2013, 12:30

Der Weintourist,

ist ständig im Urlaub oder auch nur in Kurzurlauben bei Winzern und auf Winzermessen unterwegs, kennt jedes Rebhuhn von Biowinzer X persönlich, hat mit der Oma von Y schon mal einen Kaffee getrunken, während der Winzer noch auf dem Acker war, kennt die hübschen Winzerstöchter alle mit Vornamen, am besten von Klein auf... Natürlich geht er nicht zu jedem X-beliebigen Winzer und unterscheidet sich schon damit von vorgenannten Spezies, er sucht vorher sorgsam aus nach Hachette-Sternen oder Gambero Rosso Gläsern, manch einer vertraut sogar auf Penin... Er ist vielseitig interessiert, denn er will verschiedenste Weingegenden kennenlernen. Er freut sich natürlich wie die Jungs auf´s Zelten auf dem Bauernhof, wenn der Winzer eine Unterkunft betreibt. Ansonsten besucht er überall, wo es geht, die besten Namen und sein Keller ist schon aus dem Grunde überfüllt, weil er viel zu viel entdeckt. Eigentlich aber sammelt er keine Weine, sondern Urlaubserinnerungen. Und die Erinnerungen an die Händedrücke mit all den Winzern, die andere als kultig bezeichen. Er kennt sie alle und wen er noch nicht kennt, der wird ihn kennenlernen... :mrgreen:

Mit dem grade geöffneten Wein kommt alles wieder vor seinem geistigen Auge hoch, was ihn an den Weinkauf und die Tage ringsum erinnert. Eigentlich Romantiker durch und durch, bei Nichtweinfreaks eher als schräger Vogel verschrieen. Wenn er nach Hause kommt, ist sein Auto so berstend voll, dass es erstmal aufsetzt. Gebrochene Achsen gehören zum allgemeinen Erfahrungsschatz dieser Spezies. Das Auto ist aber immer zu klein. Und der Keller erst...
Beste Grüße

Torsten

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innauen

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragSa 5. Jan 2013, 12:34

Von dieser Spezies gibt es einen besonders seltenen Bernburger Ableger, oder ;) :D
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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schneesurfer

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragSa 5. Jan 2013, 13:35

octopussy hat geschrieben:
Ich muss dazu sagen, dass ich durchaus einige Merkmale des Impulskauf-Weintrinkers erfülle :oops: :oops:


.......ja glaubst du, ich hab mir alles aus den Fingern gezogen :mrgreen: :lol: :ugeek:
Ich fühle mich überall ein wenig heimisch :lol:
Gruß
Schneesurfer

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thvins

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragSa 5. Jan 2013, 15:28

innauen hat geschrieben:Von dieser Spezies gibt es einen besonders seltenen Bernburger Ableger, oder ;) :D


davon hab ich auch schon gehört, aber der zählt, glaub ich, nicht mehr - der fährt nur noch in die französischen Alpen :o , da gibt es so wenig Winzer, die sich lohnen :lol:

Aber paar Jahre muss der wirklich sehr aktiv gewesen sein.
Beste Grüße

Torsten

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octopussy

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Re: Die Typologie der Weintrinker

BeitragSo 6. Jan 2013, 16:11

Der Wein-Perfektionist

Der Wein-Perfektionist möchte - nomen est omen - immer alles perfekt machen. Der perfekte Wein, natürlich perfekt im Klimaschrank oder dem konstant bei 13° C temperierten Keller gelagert, für jede Gelegenheit, getrunken bei der perfekten Trinktemperatur, aus dem perfekt dafür geeigneten Glas, zum perfekten Reifezeitpunkt und mit der perfekten Dekantierzeit. A propos Gelegenheit: bei keiner Gelegenheit lässt es der Perfektionist aus, seine Gäste, Mittrinker [und Forumsmitglieder] wissen zu lassen, welche perfekten Weine er wie perfekt getrunken hat und dass die anderen ihre Weine zu früh oder zu spät geöffnet haben, sie nicht ausreichend oder übermäßig lange dekantiert haben, das falsche Glas genommen haben oder den Wein zur falschen Speise getrunken haben. Perfekt ist beim Perfektionisten auch das Preis-Genuss-Verhältnis der gekauften Weine. Weine von überteuerten Weingütern kommen dem Perfektionisten nicht in den Keller. Auch hier verweist er gegenüber anderen gerne darauf, dass Weingut x schon lange nicht mehr gut sei, zu teuer, auf dem absteigenden Ast, usw.
Beste Grüße, Stephan
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