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Korkschmecker und Lagerbedingungen

Was Sie schon immer über Wein wissen wollten, aber nie zu fragen wagten
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UlliB

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Re: Korkschmecker und Lagerbedingungen

BeitragSa 29. Jul 2017, 20:45

amateur des vins hat geschrieben:Ich hab jetzt nochmal eine Weile recherchiert, und was mich an der ganzen Geschichte wundert:

Es gibt ja durchaus Berichte, daß Wein über die Raumluft TCA-kontaminiert wurde. Und das betrifft eben nicht nur Naturkorken, in denen dann eingelagertes (geruchsloses) PCP in TCA umgewandelt wurde, wenngleich auch das vorkam. Sondern es betrifft auch Betriebe, die seit "Ewigkeiten" keine Naturkorken verwenden. Verursacher war dann zumeist irgendein PCP-haltiger Anstrich von Gebälk, Paletten, Wänden oder sogar Fässern in Verbindung mit Pilzbefall in feuchten und/oder schlecht belüfteten Räumen. Es wird dann bspw. von "extrem hohen TCA-Werten in der Raumluft von 20ng/l" berichtet.

Wenn doch aber die Geruchsschwelle in der Raumluft "wenige ng/l" (Wasser: 0,3 ng/l, Wein: 1,4 ng/l) beträgt - müßten dann nicht sämtliche Alarmglocken klingeln? Also, daß ein Spediteur den Geruch wahrnimmt, aber als üblich abtut, kann ich verstehen. Aber Winzer?

Tja, das ganze Thema bleibt eine interessante und manchmal rätselhafte Sache.

Eine bei Bordeaux-Fans berühmt-berüchtigte Geschichte ist die der späten 80er von Ducru-Beaucaillou (einem 2ème GCC St. Julien), bei dem die Jahrgänge 1985 bis 1989 einen ziemlich heftigen Korkschmecker zeigen, der allerdings nichts mit Kork zu tun hat, sondern mit einem Holzschutzmittel, das seinerzeit auf die Holzbalken im Keller aufgetragen wurde und ein Brom-Analogon zu TCA produziert hat. Das Problem wurde schließlich dadurch gelöst, dass man einen komplett neuen Keller gebaut hat.

Rätselhaft ist, dass es hier zwar die weitaus meisten Flaschen erwischt hat, aber eben nicht alle. Es gibt in den betroffenen Jahren neben den "normalen" Flaschen, die nach Kellertreppe, nassem Karton und eben "Kork" riechen, auch völlig saubere und grandios gute Exemplare.

Rätselhaft ist ebenso, dass das Problem in den betroffenen Jahren offensichtlich dem im Keller tätigen Personal nicht aufgefallen ist. Ich vermute hierzu, dass das, was man jeden Tag riecht, man irgendwann gar nicht mehr riecht. Ich habe schon Verkostungen mit wirklich grob fehlerhaften Weinen erlebt, bei denen der Winzer nicht in der Lage war, den Fehler zu erkennen - der fand den Wein einfach "normal" (was er in seinem Keller wohl auch war).

Gruß
Ulli
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