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Riesling Appenheimer Hundertgulden 2017

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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mixalhs

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Riesling Appenheimer Hundertgulden 2017

BeitragSo 5. Jan 2020, 18:08

4. Januar 2020. Ein Freund in Mainz veranstaltete eine Blindprobe der besonderen Art: sechs Rieslinge von sechs verschiedenen Weingütern, alle aus dem gleichen Jahrgang, 2017, und aus der gleichen Lage, Appenheimer Hundertgulden. Am Tisch saßen 15 Personen, die nach dem 100-Punkte-Schema gewertet haben. Dazu muss man vielleicht noch sagen, dass nicht alle, die am Tisch saßen, WeinkennerInnen waren, und insbesondere waren einige mit dem 100-Punkte-Schema nicht vertraut. Das erklärt vielleicht die etwas hohen Punktzahlen. In einem Einzelfall wurden sogar 99 gezogen.

Nun aber zu den Ergebnissen. Berichtet wird in der Reihenfolge der Verkostung:

1. Bettenheimer. In der Nase gelbfruchtig mit auch etwas Honig, am Gaumen eher überreifes Obst, etwas brandig und alkoholisch wirkend. Ich tippte auf 13,5%, dabei waren's nur 12,5%. 85 (im Durchschnitt 90,4 und 5. Platz)
2. Hofmann. Zitrus, auch etwas Zitronenschale, vorn im Mund sehr schön, dann flach werdend, ein Wein, dem die Mitte und das Ende fehlen. Für mich besser als der erste. 87 (im Durchschnitt 89,73 und 6. Platz)
3. Knewitz, Renéclauden, rund mit frischer Säure, aber ohne Ecken und Kanten. 88 (im Durchschnitt 92,53 und 2. Platz)
4- Franz. Frische Säure, etwas Marzipan (?) leichte Phenolik, Zitrus, frische Säure, jung, da kann noch mehr kommen. Für mich deutlich der beste Wein der Probe. 90/91 (im Durchschnitt 92.93 und 1. Platz)
5.Grees. In der Nase etwas Ananas, am Gaumen mehr unreifer Apfel, spitze Säure. 85 (im Durchschnitt 92 Punkte und Platz 4)
6. Bischel. Spontinote, etwas Feuerstein, Säure eher verhalten, eine Spur Restsüße, fein. Auch hier schien mir etwas mehr Alkohol im Spiel zu sein als bei einigen anderen. Hier lag ich dann richtig. Es waren 13%; alle anderen Weine hatten 12,5% auf dem Etikett stehen. 88/89 (im Durchschnitt 92.27 und 3. Platz)

Fazit: Die Unterschiede zwischen den Weinen waren doch recht deutlich. Bettenheimer war völlig anders als die anderen; vielleicht überreifes Lesegut. Hofmann war auch speziell mit einem wunderbaren mineralischen Start und dann großer Leere. Einen ähnlichen Eindruck hatte ich von seinem 2018er Riesling vom Muschelkalk, den ich zwei Tage zuvor in einer Mainzer Weinstube zum Essen im Glas hatte. Die restlichen vier Weine waren in ihrer Stilistik durchaus ähnlich (wobei die Grees'sche Säure schon sehr genervt hat), aber einen typischen Lagencharakter konnte ich nicht erkennen. GG-Qualitäten hatte in meinen Augen einzig der Riesling von Franz, der bei einer GG-Probe vielleicht im unteren Mittelfeld gelandet wäre, ohne negativ aufzufallen. Dafür sind 14 Euro dann aber ein attraktiver Preis. Sicherlich spielt bei meinen eher verhaltenen Einschätzungen auch das Jahr eine gewisse Rolle. 2017 hat mich generell nicht so überzeugt. Aus diesem Jahr habe ich zahlreiche GGe verkostet und mich dann entschieden, außer ein bisschen KP Keller und einem Sechserkarton Heerkretz von Wagner-Stempel nichts zu kaufen. Kurz: Wenn 2017 mich - mit wenigen Ausnahmen - generell nicht so begeistert hat, warum hätte die Lage Hundertgulden da ganz anders sein sollen?

Wie auch immer: spannend und interessant war's allemal und ich wünsche mir für 2020 noch einige andere Weinproben dieser Art. Großes Dankeschön an die Gastgeber für die Auswahl der Weine, für gutes Essen und große Gastfreundschaft!
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EThC

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Re: Riesling Appenheimer Hundertgulden 2017

BeitragSo 5. Jan 2020, 19:45

...solche Lagenvergleiche sind auch für mich immer spannend, da zeigt sich dann sehr schön, was die Winzer da jeweils herausholen bzw. auch nicht. Gerade wenn man mal "No-namer" mit etablierten Winzern vergleicht, zeigt sich der Unterschied im Können bzw. Engagement sehr deutlich...
Viele Grüße
Erich


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Bernd Schulz

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Re: Riesling Appenheimer Hundertgulden 2017

BeitragSo 5. Jan 2020, 20:01

EThC hat geschrieben:Gerade wenn man mal "No-namer" mit etablierten Winzern vergleicht, zeigt sich der Unterschied im Können bzw. Engagement sehr deutlich...


In diesem Fall finde ich es besonders spannend, dass der Erzeuger des erstplatzierten Weins im Gegensatz zu allen anderen in der Blindprobe vertretenen Betrieben für mich ein völliger No-Name-Winzer ist - vom Weingut Franz habe ich bis eben im Leben noch nie etwas gehört :oops: !

Vielen Dank für den Bericht, Michael! Kannst du (oder kann sonst jemand hier) noch etwas zu Franz sagen?

Herzliche Grüße

Bernd
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stollinger

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Re: Riesling Appenheimer Hundertgulden 2017

BeitragSo 5. Jan 2020, 20:06

wirklich spannende Probe, ihr habt nicht zufällig den jeweiligen Lesezeitpunkt für diese Lage bei den Winzer angefragt?

Grüße, Josef
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mixalhs

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Re: Riesling Appenheimer Hundertgulden 2017

BeitragSo 5. Jan 2020, 21:53

Zu den Weinen kann ich nicht mehr sagen, als was ich auf dem Etikett gelesen habe. Der Gastgeber, der in Mainz wohnt, hat an einem Samstagvormittag im Sommer 2019 in Appenheim verschiedene Weingüter besucht und Einzelflaschen 2017er Hundertgulden gekauft. Informationen über Lesezeitpunkt, Maischestandzeit, Spontan- vs. Reinzuchtvergärung etc. wurden dabei nicht abgefragt. Berichtet hat er, dass in den meisten Fällen nur die Mutter des jeweiligen Winzers anwesend war ("Morgenmantel und Pantoffeln" als Apercus sorgten für gewisse Erheiterung am Tisch), nicht aber diejenigen, die die Weine selbst gemacht haben. Irgendwelche "factsheets", die uns mit weiteren Informationen hätten dienen können, gab es anscheinend auch nicht.
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Bernd Schulz

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Re: Riesling Appenheimer Hundertgulden 2017

BeitragMo 6. Jan 2020, 01:53

mixalhs hat geschrieben:rgendwelche "factsheets", die uns mit weiteren Informationen hätten dienen können, gab es anscheinend auch nicht.


Trotzdem bohre ich noch mal bei dir nach: War dir das Weingut Franz vor dieser Probe ein Begriff?

Herzliche Grüße

Bernd
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Canardo

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Re: Riesling Appenheimer Hundertgulden 2017

BeitragSa 11. Jan 2020, 11:07

Sehr interessanter Bericht!

Vergleicht man das mit der Vinum Bewertung, hat der dort bestbewertete Wein (Hofmann) bei euch am schlechtesten abgeschnitten und der bei Vinum (gemeinsam mit Gres) schlechteste (Franz) ist bei euch Erster geworden.

Natürlich darf man solche punktuellen Eindrücke nicht überbewerten. Aber die Tendenz ist schon interessant.

Gruß,
Canardo

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