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Winebank FFM - VKN Querbeet

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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maha

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Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragDo 7. Mär 2019, 12:59

Hallo zusammen,

Auf Wunsch von Thorsten hier ein neues Thema für gemischte VKN
Wir treffen uns von Zeit zu Zeit in der Winebank Frankfurt um diverse Flaschen Ihrer Bestimmung zuzuführen.
In diesem Faden können alle Berichte hinterlegt werden.

Vorgestern hatten wir:
Weiss:
Werlitsch, Ex Vero II, 2008
Friedrich Becker, Weißburgunder Reserve, 2012
Schäfer Fröhlich, Riesling Felsenberg GG, 2006

Rot:
Nador, Blaufränkisch "Voller", 2012
Henri Bonneau, Les Rouliers, ohne Jahrgang
Virgine de Valandraud, St. Emilion GC, 2015

Feuer Frei für Eure Eindrücke. Ich schreib später ein paar kleine Zeilen dazu.

Gruss
Marko
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maha

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragDo 7. Mär 2019, 14:45

Hier ein paar kleine Imperssionen:

Werlitsch, Ex Vero II, 2008:
90% Sauv Blanc, 10% Chardonnay
Würzige Nase, kommt nicht bei allen gut an, einige finden sie „anstrengend“, leicht freakig, etwas reduktiv. Im Mund viel Grip, Ingwer, würzig, gelbe, reife Frucht, etwas Feuerstein. Sehr komplex und nicht so freakig wie in der Nase. Ich mag das sehr gerne, einige sind gespalten

Friedrich Becker, Weißburgunder Reserve, 2012
Hammer Nase, auch sehr würzig, dabei floral und dunkel-gelbfruchtig. Sehr komplex am Gaumen, wandelt sich mit Luft ständig. Viskos-ölige Textur, blumig auch am Gaumen, viel Struktur und Saftigkeit mit einer eleganten Würze dahinter. Lang! Sehr schöner Vertreter seiner Art!

Schäfer Fröhlich, Riesling Felsenberg GG, 2006
Dem merkt man sein Alter schon an. Geht aber nicht zu sehr ins petrolige. Ein paar Firne sind jedoch schon dabei. Blind würde ich das gern mal in einem schwarzen Glas gegen einen leichten Rotwein stellen. Die Überraschungen könnten groß sein.
Riecht rotbeerig, etwas Zuckerwatte, reifer Pfirsich. Im Mund nicht mehr taufrisch, aber ich mag das leicht abgehangen. Sehr viel Saft, das hat fast schon feinherbe Züge. Die Säure steht ein bisschen verloren rum, ist aber noch präsent. Austrinken (aber schön!)

Nador, Blaufränkisch "Voller", 2012
Ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Eisenberger Winzer Reinhold Krutzler und Christoph Wachter-Wiesler.
Was mich bisher an einigen Blaufränkisch störte war die zu dominante Säure. Dominant war Sie hier nicht, aber auch hier steht sie eher neben der Frucht und muss sich noch integrieren. Ansonsten ist das ein anspruchsvoll gemachter, sehr schöner BF, mit einer voluminösen Nase und einem knackigen Körper. Gefällt mir durchaus und kann mit etwas Reife sicher noch zulegen

Henri Bonneau, Les Rouliers, ohne Jahrgang
Hier ist etwas an mir vorbei gegangen wo genau der Wein her kommt und was drin ist. Vielleicht kann das einer der Kollegen nachreichen. Rhone hatte ich noch auf dem Schirm (C9?), und so riecht und schmeckt er auch. Ich vermute Granache und Syrah, wuchtige Nase, ein ganzer Strauß dunkler Früchte, eine knackige Säure die besser integriert ist als beim BF. Voller Körper, sehr griffige Tanninstruktur. Von den Rotweinen mein Liebling an dem Abend

Virgine de Valandraud, St. Emilion GC, 2015
Die Konzentration lässt nach. Ich hab dunkle Kirschen in Erinnerung, viel Marzipan und Holz. Ziemlich eindimensional mit geringer Tiefe. Not my cup of St. Emilion

Danke für den netten Abend Jungs :)
Auf Bald
Gruss
Marko
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maha

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Lynch Bages Vertikale

BeitragMo 1. Apr 2019, 09:06

Moin,

am Sa gabs in netter Runde eine kleine Lynch Bages Vertikale. Hier meine Eindrücke.

Vorweg 3 Weisse:
Keller von der Fels 16 / 17 (offen)
16, Muff, Petrol, eher flach, gefällt mir gar nicht, der Muff wird immer schlimmer :?

17, Schöne Riesling Nase, knackige Säure, frisch, bisschen Grapefruit. Ganz nice, mehr aber auch nicht

Dann die Neuentdeckung eines Frankfurter Weinhändlers (blind)
Saalwächter, Chardonnay, 2017
Der Premierenjahrgang eines Jungwinzers aus Ingelheim
In der Nase sehr ausladend, ein ganzer Korb voll Kräuter, Würze, deutlich reduktiv, sehr komplex, sich ständig wandelnd. Blind als Chardonnay erkennbar
Schmelzig und buttrig im Mund, geile Säure, auch hier der komplette Gewürzgarten, ewig lang, sehr sehr schön, herrlich komplex. Alle am Tisch sind begeistert
Ich mach hier mal ein bisschen Werbung. Sehr schön was der junge Winzer hier schon im ersten Jahr auf die Flasche gebracht hat. Ab Hof schon nicht mehr zu bekommen. Bei K&M Gutsweine noch erhältlich. @Rolf, Karsten, hier würde ich mal zuschlagen! Kein Schnäppchen für 28 EUR aber den Preis deutlich wert!

Die 4 Lynch Bages Flights (blind, aufgedeckt nach jedem Flight)
1) 1986
Floral, blaufruchtig aber eher verhalten, feiner und filigraner als 85, sehr schön
Staubig im Mund, leichtes Bitterl, trocknende Tannine, schöne Struktur, aber aromenmäßig eher Verhalten, eher kurz, fällt nach hinten ab.
vs.
2) 1985
Kuhstall der mit Luft stärker wird, aber nie störend wirkt, schöne Würze dahinter, Cassis
Dunkel auch im Mund, feinere Tannine, mehr Substanz als 86, sehr saftig, sehr schönes Säureprofil die gut mit der Frucht harmoniert. Mein Flightsieger

3) 1983
Maggi, Liebstöckel, sehr tertiär, gefällt mir in der Nase nicht.
Tertiär und „alters“Süß auch im Mund, portig, malzig, Säure ist OK, not my cup of tea. Viele finden das sehr charmant, mir ist das schon ein ticken zu weit
vs.
4) 1982
Geile Nase! Die schönste bisher, frisch, fruchtig, blumig, dunkle Kirsche.
Feiner Gaumen, samtig, fein würzig, aber mit Substanz, harmonisch, schöner Körper, wirkt fast burgundisch, mein bisheriger Favorit (und wie sich rausstellte auch mein WOTN)

Zum Essen gabs dann einen C9dP, ich hab aber leider nicht mehr auf dem Schirm welchen...

5) 1996
Frische Nase, Schwefel, Wildkirsch, laktisch
Saftiger Gaumen, bissige Tannine, leichte Schärfe, rote Johannisbeere, Eukalyptus. Obwohl er noch recht jung wirkt, etwas gezehrt.
vs.
6) 2001 
Noch frischere Nase als 96, Pflaume, buttrig, Cassis, etwas wärmer, bisschen Jod
Komplexer im Mund, voluminöser, Säure sehr präsent aber gut verpackt, etwas wilder, bisschen kürzer als 96

7) 1994
Nase: Terpentin, Alkohol, Rosenwasser
Süße Frucht, auch etwas malzig, leichte Bitterkeit mit voluminöser Frucht, etwas reifer als sein Flightpartner, ordentliche Länge
vs.
8) 2002
Marzipan , Kräuterbonbon in der Nase, könnte ein warmes Jahr gewesen sein, 
Ausladend im Mund, Kräutergarten, würzig, Körper hat Fülle und Volumen, schöne dunkle Frucht und eher Süd-Rhonig. Ich hätte auf 03 getippt

Für mich geht der 82er deutlich als Sieger hervor, wobei der 85er auch Charme hatte. Gem. einigen Mittrinkern hatten wir den 82er aber auch schon noch schöner.

Als "Nachtisch":
Rieussec 1991
Gummi, Klebstoff , Litschi, Eingelegter Pfirsich
Der hat ordentlich Süße, mir fehlt aber Säure (und eine Foie gras dazu)

Matthias Müller, Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Auslese, 2004
Zuckerwatte, Limette, Nasser Stein in der Nase
Im Mund eine Explosion an Aromen, geile Säure tänzelt auf der Zunge, Limette, Süße , Säure, Frische, hervorragend. Da kann Sauternes einfach nicht mithalten

Dr. Wagner, Ockfener Bockstein, Riesling Auslese, 2003
Petrol, staubig, nicht so komplex in der Nase wie der Müller
Die Süße etwas ausladender, die Säure etwas dezenter, nichts ganz so komplex und tänzelnd, aber auch schön

Vielen Dank an Uli (duhart09) für die vdFels, die LyBas und die Organisation
Danke Dirk (was hast Du eigentlich für einen Nick?) für den Hammer Chardonnay!
Danke Matthias (port_ellen) für die Dessert Rieslinge zum Schluss. Schön Dich persönlich kennenzulernen. Ich hoffe Du kommst wieder :)
Und natürlich Danke an den Rest für den (wieder mal) sehr genialen Weinabend
Thorsten, würd mich freuen wenn Du Deine Eindrücke auch noch ergänzt ;)

Gruss
Marko
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Pechstein

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragMo 1. Apr 2019, 09:54

Moin Marko, vielen Dank für die - wie immer - sehr treffenden VKN, die im Wesentlichen auch meine Eindrücke widerspiegeln. Gerade das Feine, Seidige, fast burgundisch Anmutende des 1982er Lynch-Bages hat mich nachhaltig beeindruckt.

Schön auch, dass euch der Chardonnay von Carsten Saalwächter gefallen hat. Das ist schon verdammt gut und stilsicher (selbst wenn es nicht der Debütjahrgang wäre). Der Preis bei K&M beträgt übrigens 23 Euro pro Flasche, im Internet ist der Wein ansonsten noch bei Viniculture für 28 Euro zu finden. Ab Hof, wie von Marko bereits geschrieben, ausverkauft.

Viele Grüße,
Dirk
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Pechstein

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragMo 1. Apr 2019, 10:07

Kurzer Nachtrag: ich hatte den Chardonnay für 6 Stunden vor der Verkostung karaffiert und dann in die Flasche zurückgefüllt, was ihm sehr gut getan hat.
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port_ellen

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragMo 1. Apr 2019, 20:47

moin auch von mir,

ich war spontan und kurzfristig das erste mal dabei - danke an uli für weine und orga und überhaupt an alle für den schönen abend !

es war auch meine erste begegnung mit lynch bages, und dann gleich 8 mal vom besten.
daher ohne durch zu viel erfahrung vorbelastet zu sein, hier meine notizen:

86: insgesamt verhaltener duft, etwas kaffee und kuhstall, leichte süße im duft.
vorne erst fein, fast elegant, aber dann kräftige leicht bittere tannine, entwickelt duft und saft, kaum komplex, aromatisch verhalten, nur wenig reifenoten, etwas kurz.

85: sehr intensiver duft: fett, kuhstall/leder, würzige, reif-süß.
dicht-süss, fett, tiefe samtige intensive frucht nach hinten zunehemd saftig mit viel frucht, komplex, tief und sehr lang. mein WOTN

83: staubig, liebstöckel, alte erdbeermarmelade.
sauer-fruchtige art, erdbeermarmelade, etwas bittere aber weiche tannine, dann nach hinten raus malzig-portig, rotfruchtig, "in the face"-frucht, zunächst vorlaut, aber im laufe des abends angenehmer.

82: elegant: kaffee, süße, pflaume, alles sehr fein verwoben.
sinnlich, ausgewogen, samtiger teppich, kompakt, große harmonie. tolle struktur und substanz, aber aromatisch eher verhalten. in ausdruck und aromatik kein vergleich mit 83 oder 85.

zum essen: 2009 clos st.jean, für meinen geschmack nicht ganz sauber, leichter muffton.

96: kaffee, fleischig-blutig, cassis.
dicht-saftiger gaumen, bissig, tannine leicht bitternd, "holzig", dicht aber unausgewogen, eher zu jung.

01: cassis-dropsig, buttrig, süß-saftig.
sehr fruchtbetont, mehr tiefe und alkohol, saftig, wilder und komplexer (in der fruchtaromatik) als 96.

94: kirsche, cassis, kaffee (reife), etwas spritig.
intensiv saftig, etwas bitter werdend, nicht cremig, reifer aber wenig schmelz / wenig charmant.

02: kräftiger duft: kräuter, weihrauch, cassis, sauerkirsch, frisch und jung.
saftig-komplex, tiefe und volumen, dichte aber weiche tannine, schöne süße. hatte auch eher 03 als 02 vor augen, insofern überraschend.

der süße abschluss:

Matthias Müller, Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Auslese, 2004
ein dichtes aromenfeuerwerk, wie marko beschreibt, intensiv-komplex.
aussergewöhnlich, muss man mögen, der gegensatz von fein und sinnlich.

Dr. Wagner, Ockfener Bockstein, Riesling Auslese, 2003
eher unaufgeregt sinnlich, feinsaftig (mandarine, limette), überhaupt nicht "alt" oder "fett", feiner als der müller, minimale reife schmeckbar (karamell, marzipan), mittellang.

1991 rieussec:
cremig, sehr süß, in kleinen schlückchen und ganz zum schluss sehr genossen. natürlich andere baustelle, als die beiden davor.

mein fazit:
bei den lynch bages hat mich die zusätzliche dimension der reife bei 85, 83 (jeweils die aromatik) und 82 (die süße+harmonie) beeindruckt (der 86er wirkte wenig komplex und eher schwach). meine reihenfolge war 85, 83, 82.
die jüngeren wirkten z.t. ungestüm (01, 02) oder (noch?) unreif (96) / unausgewogen (94).

in summa:
ein genialer abend !

gruss, matthias
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Jochen R.

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragDi 2. Apr 2019, 06:16

Danke für eure Notizen, tolles Programm!

Viele Grüße,
Jochen
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Prelato

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet - Lynch Bages

BeitragDo 4. Apr 2019, 10:49

Nun auch noch meine Eindrücke des Abends:

Wir hatten vergangenen Samstag die tolle Möglichkeit in einer Runde von Weinbegeisterten Lynch Bages aus drei Jahrzehnten zu verkosten. Zudem hat es noch einige Zugaben gegeben, so dass sich der nächste Tag reichlich mühevoll gestaltete...

An dieser Stelle noch einmal Dank an Uli für die kluge Zusammenstellung großer und kleinerer Jahrgänge, so dass jeder sich von dem Wein einen umfassenden Eindruck machen konnte.

Getrunken wurden die Lynch Bages blind, die Zugaben teils offen.

Als Apéro gab es drei Weiße:

Keller von der Fels 2016:
In der Nase aromatisch recht verhalten. Etwas Zitrus, petrolig. leichter Muff, der dann aber mit Zeit weg ging.
Am Gaumen wenig komplex, etwas limonadig und eine Bitternote.
Wurde mit Zeit etwas besser, vielleicht ein kleiner Flaschenfehler. Sonstige 16'er springen einen aromatisch förmlich an, dieser tat es nicht. Daher 88/100 Pkte.

Keller von der Fels 2017:
In der Nase dieser Jahrgang sehr rein: Zitrus, frisch, etwas Orange mit leichter Süße.
Am Gaumen die typische 17er Säure, hier noch recht spitz, dazu dann ein frisches Limettenaroma.
Da ich den 17ern allgemein in der Entwicklung viel zutraue, bin ich auch hier optimistisch.
Jetzt ein sauberer, unauffälliger Vertreter, der aber mit der Zeit sicher noch mehr bietet. Daher 89/100 Pkte.

Danke Uli, für die beiden Zugaben!

Saalwächter, Chardonnay 2017 (blind):
Das hat mir sofort sehr gut gefallen! Direkt in der Nase sehr einladend: elegant und fruchtig, Ananas etwas Honig.
Am Gaumen findet sich die Ananas dann gleich wieder, dazu etwas Pfirsich, sehr dicht und ölig.
Hatte ich gleich als Chardonnay identifiziert. Hatte ihm jedoch etwas Reife zugetraut und auf 2012 geschätzt. Hatte ihn außerhalb Burgunds aber in der alten Welt verortet.
Für mich 91+/100 Pkte.

Danke Dirk für diese tolle Neuentdeckung. Sowas kostet im Burgund das Doppelte und löst bei mir einen deutlichen Kaufreflex aus!

Nun ging es dann los mit den Lynch Bages Flights – jeweils blind und zu zweit.

Flight 1:

Lynch Bages 1986:
In der Nase: frisch und fruchtbetont, warm, Cassis und Kirsche, etwas Schokolade.
Am Gaumen dann eine recht präsente Säure, grüne Paprika, Pfeffer. Am Anfang etwas wild, dann fand der Wein mit Zeit und Luft aber zusammen und machte mir Freude. Mit dem Alter lag ich total daneben. Ich schätzte ihn als 2001er ein und gab ihm im Hinblick auf Entwicklung 90+/100 Pkten. Blind trinken lehrt Demut...

Lynch Bages 1985:
In der Nase Kuhstall, Waldboden, sehr verhaltene dunkelbeerige Frucht, Paprika, fortgeschritten.
Am Gaumen erdig, etwas Rauch, Frucht fast weg, säurelastig, leicht bitter. Deutlich tertiär.
Entweder am Ende seines Lebens oder keine optimale Flasche.
Hatte ich als frühen 80er gesehen.
Daher nur 87/100 Pkten.

Flight 2:

Lynch Bages 1983:
In der Nase Liebstöckel, leicht pilzig, fehlerhaft
Am Gaumen etwas frischer, Sehr starke Säure, kurzer Abgang.
Schade, da haben wir Pech gehabt.
Fehlerhaft, daher keine Bewertung

Lynch Bages 1982:
Hoppla, da hat sich schon in der Nase Großes angekündigt: Dichte, schöne und edle Frucht, feines Cassis und Kirsche, etwas Süße. Wunderbar rund und im positiven Sinne kompakt.
So geht es auch am Gaumen weiter: Leicht und tänzelnd auf der Zunge, samtig und elegant. Zu der schönen Frucht kommt noch etwas Lakritz. Keinerlei tertiäre Aromen, dieser Wein ist auf seinem Höhepunkt und wird da sicherlich noch einige Jahre bleiben.
Ich hatte ihn als großen Jahrgang blind identifiziert aber mich dann wegen der Frische und Lebendigkeit nicht getraut, ihn als den 1982er zu identifizieren. Hätte ich doch mal, denn er war es auch!
94/100 Pkte.

Flight 3:

Lynch Bages 1996:
Nase: Das war der Nasenwein des Abends! So herrlich verführerisch mit warmen, eingelegten Früchten, rotbeerig mit einer verlockenden Süße und leichtem Leder. Alles so elegant und frisch, dass man den Wein einfach erstmal stehen lassen möchte und nur daran riechen.
Am Gaumen überraschte er dann etwas: wirkte auf einmal viel leichter, viel weniger von dieser hedonistischen Frucht am Gaumen, präsente Tannine und etwas Eisen.
Daher eine zweigeteilte Bewertung: Nase 95/100 Gaumen 92+/100
Hatte ihn als den 96er blind erkannt. Das beruhigt mich, denn der Wein wird am Gaumen deutlich aufholen in den nächsten Jahren. Klasse!

Lynch Bages 2001:
In der Nase sehr alkoholisch, saftige Pflaume und Cassis, starke Süße und etwas buttrig.
Am Gaumen dann überraschend leicht, ein richtiger Schmeichler, sich wiederholende Frucht mehr in Richtung Cassis, kurzer Abgang.
2001 getippt – 2001 war es, Treffer! Ich habe wohl aus der zeitlichen Fehleinschätzung des 2001er dazugelernt....
90+/100 Pkte.

Flight 4:

Lynch Bages 1994:
In der Nase recht vanillig, leicht alkoholisch, warm. Kirsche und Cassis.
Am Gaumen dann Paprika, erdig, schon etwas tertiär, sehr kurzer Abgang.
Irgendwie passen Nase und Gaumen nicht so recht zusammen.
Habe ich auf einen kleinen 90’er der ersten Hälfte geschätzt – war er auch.
90/100 Pkten.

Lynch Bages 2002
In der Nase sehr marzipanig, kräutrig, Kirsche, primärfruchtig- wenig komplex.
Am Gaumen viel Säure und Kirsche – fast wie ein klassischer Chianti, aber mir gefällt das. Nicht schlecht.
Dachte es wäre der 2003er, war aber der 2002er. Respekt, der ist auch noch vergleichsweise günstig zu haben und wird in einigen Jahren vielleicht ein positive Überraschung für das Geld bieten.
90+/100 Pkten.

Zwischendrin hatten wir noch einen C9dP zum Steak. Danke Simon, der war klasse dazu! Unkompliziert und sehr harmonisch zum Essen.

Toll auch, dass wir jetzt Steak vom Maredo in der WineBank bekommen. Das ist eine willkommene Erweiterung.

Zum Schluss kam noch die süße Fraktion. Ich muss aber sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt sensorisch und mit meiner Aufmerksamkeit schon etwas „beeinträchtigt“ war.

Ich hatte mich daher im Wesentlichen auf meinen mitgebrachten Rieussec 1991 konzentiert. Bei alten deutschen Süßweinen liebe ich immer die Säure, die den Weinen eine so tolle Frische verleiht. Bei den Sauternes ist das deutlich weniger angelegt und daher war ich gespannt, wie mir der alte Rieussec gefällt:

Rieussec 1991:
In der Nase Honig, Pfirsich, Litschi, leicht bitter aber nicht unangenehm.
Am Gaumen ist das ein richtiges Dessert! Cremig, süß, aber frisch mit wieder dieser angenehmen Bitternote. Wie ein Fruchtsalat mit Honig darüber.
Ich mag Rieussec sehr gerne. Die 2000er Jahrgänge finde ich auch jung schon wunderbar zu trinken. Dort ist alles natürlich noch viel leichter angelegt.
Das war aber auch eine perfekte Flasche mit high fill.
Alles in allem 94/100 Pkte.

Jetzt kommt etwas Wehmut:
Matthias hatte uns noch zwei tolle Auslesen mitgebracht:

Matthias Müller, Bopparder Hamm Feuerlay Riesling Auslese 2004
Und
Dr. Wagner, Ockfener Bockstein, Riesling Auslese 2003

Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann nicht mehr Notizen gemacht sondern einfach nur genossen. Es war alles zusammen einfach zu viel des Guten, da leidet die Konzentration...
Gerne hätte ich den beiden Auslesen mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Sie waren beide sehr schön, bei Dr. Wagner kann ich mich an eine wunderbare Leichtigkeit erinnern, die mir sehr gut gefallen hat.

Matthias, das war Dein Einstand bei uns, ganz herzlichen Dank, dass Du diese Weine mit uns geteilt hast!

Und nun die Conclusio zu Lynch Bages aus meiner Sicht:

Wie soll man schreiben, wenn es der Herzenswein eines Weinfreundes ist? Am besten ehrlich, man muss meinen Geschmack ja nicht teilen.

Mir gefällt Lynch Bages in den großen Jahrgängen gut. Es ist ein Wein mit großem Renommée und der Markt hängt deshalb auch ein entsprechendes Preisschild dran.
Wir sind aber auch bei kleinen Jahrgängen über 100 Euro die Flasche und das finde ich dann doch zuviel.
Sicherlich werde ich bei guten Gelegenheiten mal wieder die eine oder andere Flasche erwerben aber mein BDX-Fokus wird woanders liegen.

Vielen Dank Uli, dass wir die Möglichkeit hatten, LyBa in diesem Umfang zu erleben!
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maha

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Re: Winebank FFM - VKN Querbeet

BeitragMo 29. Apr 2019, 15:05

Kurz vor Ostern gab es noch eine kleine aber feine BYOB in der Winebank.
Anbei meine Notizen.
Alles wieder blind getrunken, nach dem Flight aufgedeckt. Die Flights wurden vorher fachmännisch thematisch zusammengestellt.

Apero:
Winnice Kojder, Souvignier Gris, 2017 (Polen)
Souvignier gris ist eine 1983 neu gezüchtete pilzwiderstandsfähige Weißweinsorte aus Cabernet Sauvignon und Bronner
Nase: Petrolig, floral, leicht oxidativ, Feuerstein,
Gaumen: recht kräftig, leicht bizzelnd auf der Zunge, schön cremig, Alkohol präsent, Salbei. Schöne Säure, wird mit Luft immer besser. Erinnert vom Geschmack her etwas an Chasselas. Gefällt mir gut

Wein 1 (single Flght):
Potensac, 1986
Nase: Marzipan, nasse Pappe, eher hellrote Früchte, der Alkohol auch recht präsent, Rauch
Sehr verhalten im Mund, kräftige Tannine, leicht bitter, etwas wässrig, staubig und eindimensional, sehr kurz, wirkt noch verschlossen (oder schon drüber)

Flight 1
Rausan Segla, 1981
Würzige Nase, sehr komplex, Erdbeere, Pumpernickel, Eisen, Espresso, verändert sich ständig
Gaumen: Auch hier komplex, leicht erdig, schon tertiär, trotzdem voller Körper, lang, die Säure etwas spitzer aber durchaus harmonisch, seidige Tannine. Sehr sehr schön! Leider meine letzte von 6 Flaschen, die allesamt begeistert haben
vs.
Prieure Lichine, 1995
Nase: Schöner Kuhstall Stinker, Schiefer, Blaubeere
Gaumen: Auch wuchtig, kräftige Tannine, Schiefer auch im Mund, Paprika, sehr stimmige Säure. Schöner Flight

Flight 2
Artadi, Pagos Viejos, Rioja, 1997
Sehr spannende Nase, Blaubeere, Karamell, Süße, Würze, später leichter Stinker
Gaumen: Sehr komplex, leichte Süße, kräftige Früchte eher eingekocht, sehr schöne Säure die gut mit dem Extrakt harmoniert
vs.
Finca Dofi, Priorat, 1995
Brandige Nase, Vanille, Klebstoff, Alkohol, Süßholz, Hustensaft 
Gaumen: Trocknendes Mundgefühl, spitze Säure, Kraftprotz, Vanille auch hier, dahinter auch Extraktsüße, Alkohol, mächtiges Geschoss

Flight 3
Corton, Clos du Roi, Grand Cru, Pinot Noir, 2003 (F)
Nase erst etwas anstrengend, leicht „käsig“, Rosmarin, Himbeere, Erde, Syrah? Wird immer schöner mit Luft
Schöner Gaumen, Süß, kräftig, wuchtige Tannine. Hier gefällt mir aber die Nase besser. Blind für mich never ever als PN zu entlarven...
vs.
Juris, Breitenteil, Pinot Noir, 2006 (AT)
Das riecht nach C9, brandige Frucht, warm, medizinal, Rote Beete, Zuckerwatte, Schwarzbrot, Tabak
Volles Mundgefühl, die Säure kommt besser gegen die Süße an. Die Frucht im Mund heller als in der Nase, schöne Balance, Hier gefällt mir der Gaumen besser
Ich bin bei beiden in der Rhone :o , auch hier wäre ich nie und nimmer auf PN gekommen.
Faszinierender Flight

Flight 4
Lagrange, 2006
Leichter Stinker, dunkelfruchtig, riecht jung, buttrig, wuchtig
Leicht anstrengend im Gaumen, etwas flacher, staubig, jung und tanning, etwas eindimensionaler im Mund. Nicht ganz so lang. 
vs.
Knipser, Cuvée XR, 2009
Würzig, blumig, auch dunkelfruchtig, die Frucht zunächst etwas kitschig, sehr vielschichtig, Cassis, wandelt sich sich ständig, sehr sexy
Spannender Gaumen, man könnte sagen wuchtig-elegant, schöne Säure, milde Tannine, sehr präsent, cremige Textur, von der Frucht her eher dunkel, sehr würzig, wirkt noch jung und ungestüm. Es fiel das Wort „nuttig" :oops:

Dessertwein:
Riesling Auslese Roseneck, Kesseler, 2007
Nase in würde gereift, Riesling, schön pertrolig, Quitte, Orange und Birne
Etwas leiser am Gaumen, Mandarine, mürber Apfel, es fehlt mir etwas an Säure die die Süße etwas abpuffert, trotz der fehlenden Säure aber eine schöne Frische.

Gruss
Marko
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port_ellen

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Ten Years After: ein paar 2009 GG

BeitragMo 13. Mai 2019, 22:55

Mit einiger Verspätung hier ein Kurzbericht von einer sehr kurzweiligen Probe in der Winebank Frankfurt am Abend vor dem 1.Mai, Thema war:

Ten years after: 2009er Riesling GGs

Jeder hat nach Gusto und Neigung 1-3 Fläschchen beigesteuert, sodass es eine zwanglose Probe wurde, bei der der Genuss und der Vergleich im Vordergrund standen; ich habe zwar ein paar Notizen gemacht, die aber keinen Anspruch an Objektivität (in Punkten gemessen) oder zuviel Ernst erheben. Im Laufe des Abends hatte jeder so seine Vorlieben, und fast alle Weine haben sich mit Luft und Temperatur über den Abend verändert…

Es gab:
Martin Müllen Hühnerberg Spätlese*
Karthäuserhof GG
Schäfer-Fröhlich Kupfergrube GG
Kühling Gillot Oelberg GG
Wittmann Brunnenhäuschen GG
Christmann Langenmorgen GG
Und ein Rebholz GG Triumvirat:
Im Sonnenschein
Kastanienbusch
Ganz Horn
Und eine Blindprobe: Weil Gräfenberg GG

Karthäuser:
D: verhalten, Kräuter, Cassis,
G: leicht, Apfelschale, geringe Altersnoten, mittellang,
charmant, aber etwas leicht.

Müllen Hühnerberg:
D: Mandarine, Grapefruit, Kumquats, sehr pikant, sehr frisch
G: weich und füllig, samtig, gleichzeitig dichte und leichte Struktur, elegante Säure.
Sehr fein.

Kühling Ölberg
D: süß, ölig, etwas breit
G: Flacher und leichter als er riecht, etwas dünn in der Mitte.
Nicht mein Fall.

Wittmann Brunnenhäuschen
D: grasig-trocken, mineralisch
G: Saftig-dicht, kräuterig, frisch, feiner säureteppich, lang, hell-fruchtig. mit Temperatur zunehmend tabakig (mineralisch). Mittleres Volumen.
schön ausgeglichen, gefällt mir gut.

S-F Kupfergrube
D: Kräuterig-frisch, pikant bonbonig. Im Laufe des Abends deutlich Campino-Bonbons (die dunkelroten).
G: Kräuterig-saftig, sehr fruchtig, zunächst eindimensional, mittellang, keine Altersnoten.
Zu Beginn Bonbon-Charakter, später ernsthafter und tiefer. Gut und auch lecker.

Rebholz Im Sonnenschein:
D: Rhabarber, Joghurt
G: Leicht, brandig, flau, säurearm, etwas Karamell.
Eher leicht und auch schon gealtert…

Kastanienenbusch:
D: Süß, rauchig, Feuerstein, auch etwas Rhabarber
G: Süß-füllig, gute Struktur, kräftige Säure, lang.
Auch schon reifer, aber dichte Struktur und viel Substanz.

Ganz Horn:
D: eher fruchtbetont, etwas rauchig, frischer als Kast-busch.
G: Sehr saftig, salzig, sehr dicht, etwas unausgewogen (aufdringlich salzig…)
Intensiver als Kast-busch, aber etwas unharmonisch.

Christmann:
D: seltsamer Wein: Vanille, Schokolade, Konfekt
G: sehr weich und füllig, eher Weissburgunder, trotzdem frisch (kaum Altersnoten).
Eher wie ein bukettbetonter Rotwein: sehr interessant, aber im Vergleich zu den anderen wenig rieslingtypisch.

Blindprobe: hier habe ich keine Notizen mehr…
Die Schätzungen lagen bei Wachau (wegen der Fülle) oder Nahe (wegen der reintönigen Rieslingfrucht); die Qualität wurde als hoch, evtl. etwas zu üppig eingeschätzt.
Am Ende war’s der Gräfenberg von Weil.
Rheingau wurde (jedenfalls von mir) nicht erkannt. Man war (in Teilen) der Meinung, dass der Wein aber auch nicht Rheingau-typisch sei, sondern „im Keller gemacht“.

Ich fand ihn sehr gut, mit Müllen’s Hühnerberg und Wittmanns Brunnenhäuschen vorne.
Danach SF-Kupfergrube und Rebholz Kastanienbusch, gefolgt von Karthäuserhof.


Als man sich dann im Laufe des Abends in Schwung geredet und getrunken hatte, kamen spontan noch 2 Bordeaux auf den Tisch:
88er und 89er Armailhac, beide mid-shoulder aber noch super in Schuss – danke an die Spender !

Und ohne Notizen auch noch ein Jakob Schneider 2009 Riesling Auslese Hermannshöhle: schön süß, schön Riesling, kein Ausbund an Komplexität, Feinheit oder Typizität, aber lecker.

Ein spannender und sehr witziger Abend, danke an Alle für Weine und Kurzweil !

Gruss, matthias
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