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Kreutzer's Verkostungsnotizen im Laufe der Zeit

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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kreutzer

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VKN vom 19.1.2013: Leoville-Vertikale sowie Sauternes

BeitragFr 25. Okt 2013, 12:22

Hallo Weinforum,

Elke Drescher hat gemeinsam mit Jürg Richter im Landgasthof Farnsburg in der Schweiz am 19.10.2013 eine Leoville Las Cases Vertikale ausgerichtet. Die Rotweine wurden überwiegend von Elke Drescher gestellt. Es gab einzelne Ergänzungen aus dem Genussweinkeller von Jürg Richter. Als Weinliebhaber sollte man sich diesen Keller unbedingt mal anschauen. Bordeaux, Burgund, Kalifornien, Italien, Australien ohne Ende, vom Feinsten und zum Teil in großformatigen Flaschen zu durchaus marktüblichen Preisen. Seine persönliche Leidenschaft ist das Sauternes. Das drückte sich in einem zusätzlichen (unglaublichen) Flight aus. Auch als Nichtkenner der Süßwein-Fraktion war ich nachhaltig beeindruckt.

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Die Probe wurde durch ein Menü der exzellenten Küche des Landgasthofes Farnsburg (unweit von Basel) begleitet. Darunter Bergkäse und Trockenwurstspezialitäten vom Landgasthof (bekannt für seine Galloway-Rinder), ein Risotto mit frischen Pilzen du Sprinz, klare Kürbis-Suppe, knusprig gebratenes Jungschwein hom Hof, ein vorzügliches Käsebuffet vom Affineur Rolf Beeler und zur Erfrischung eine Kugel hausfabriziertes Kirschen-Sorbet.

Nachfolgend für Interessierte meine Kurzeindrücke von den verkosteten Weinen (die Weine wurden in vorher bekannt gegebenen Flights serviert – Ausnahmen wurden separat vermerkt):

Flight 1

1.
1920 Château Léoville Las Cases
dieser Wein wurde vom Gastgeber als Überraschung blind serviert
in der Farbe aufhellendes ziegelrot mit deutlich braunem Rand, in der Nase ausgesprochen feiner Duft von Unterholz und Pilzen, da gibt es nichts zu meckern, im Wein von eher leichtem bis mittleren Körper, feine, aber doch recht weit entwickelte Frucht die aber vornehmlich von einer hohen Säure dominiert wird, passable Länge, wenn man das Alter mit berücksichtigt ein immer noch erstaunlich guter Wein, seinen Höhepunkt hat er aber schon hinter sich, 85 NK Punkte (Wera vergibt 89 WK Punkte)

2.
1929 Château Léoville Las Cases
in der Farbe ziegelrot mit braunem Rand, in der Nase ausgesprochen fein wirkende, ja elegante Frucht, im Wein von eher leichtem Körper, mürbe Tannine, spitze Säure, etwas kurz im Abgang der von Säure dominiert wird, auch dieser Wein hat seine besten Zeiten hinter sich, für sein Alter aber immer noch sehr gut, 87 NK Punkte (Wera vergibt 91 WK Punkte)

3.
1934 Château Léoville Las Cases
in der Farbe erstaunlich tiefes Rot, feine, dunkle Nase von Brombeeren und Unterholz, im Wein von mittlerem Körper, recht feste Frucht mit Noten von Bitterschokolade, recht präsente Tannine, passable Länge, erstaunlich, 92 NK Punkte (Wera vergibt 91 WK Punkte)

4.
1945 Château Léoville Las Cases
ziegelrote Farbe, in der Nase fein von mittelkräftiger Intensität, neben den typischen Unterholz-Noten schimmert rotfruchtig ein Hauch roter Johannisbeere durch, und das bei diesem Alter, im Mund wirkt die Frucht doch schon sehr filigran, sie zerfällt schnell im Gaumen, was bleibt ist eine starke Säure, passable Länge, 87 NK Punkte, (Wera vergibt 81 WK Punkte, ihr missfällt die Nase, notiert Staub, Mauerwerk)


5.
1949 Château Léoville Las Cases
in der Nase unangenehm oxidativ, pilzig, nicht zu trinken, kann nur eine fehlerhafte Flasche sein, der Korken soll noch gut gewesen sein, ich hatte den Verdacht, der Wein hätte aufgrund eines undichten Korkens zu viel Luft gezogen, nicht zu bewerten


Flight 2

6.
1949 Château Léoville Las Cases
nach der Enttäuschung hat der Gastgeber Jürg Richter in seinem Keller gestöbert und spontan eine weitere Flasche des 1949er gestiftet, ohne jede Vorbereitung: Korken raus und ab ins Glas
in der Nase absolut sauber und intakt, im Wein von mittlerem Körper, feste, saftige Frucht, elegant im Ausdruck, gut integrierte Säure, passable Länge, 92 NK Punkte (Wera vergibt 89,5 WK Punkte)

7.
1953 Château Léoville Las Cases
in der Nase saubere, fein gereifte Beerenfrucht, im Wein von mittlerem Körper, feste Frucht die etwas rustikal rüberkommt, präsente Säure aber noch in Harmonie mit der Struktur, passable Länge, 91 NK Punkte (Wera vergibt 89 WK Punkte)

8.
1959 Château Léoville Las Cases
aus der Erinnerung eine Barriere-Abfüllung
feine Nase mit einer für Leoville Las Cases eher ungewöhnlichen Tabak-Note, im Wein von mittlerem Körper, feste Frucht, immer noch präsente Tannine, dabei aber auch kräftig in der Säure, gute Länge, 91 NK Punkte (Wera vergibt 90 WK Punkte)

9.
1961 Château Léoville Las Cases
Erste Flasche: Kork (wurde beim Entkorken noch nicht entdeckt)
Zweite Flasche: ohne jede Vorbereitung: Korken raus und ab ins Glas
in der Nase saubere, aber etwas einfach gestrickte Frucht, auch im Mund ein eher leichtgewichtiger Tropfen, Säure dominiert, wenig Klasse, knapper Abgang, da hatten wir schon bessere 61er Leoville Las Cases im Glas, es war eine Händler-Abfüllung, ich habe mir aber den Händler nicht notiert, 87 NK Punkte (Wera vergibt 88 WK Punkte)

10.
1966 Château Léoville Las Cases
in der Nase finde ich Karamell, für dieses Weingut ungewöhnlich, im Mund von mittlerem Körper, in der Frucht einfach gestrickt, grüne Paprika-Töne, Säure dominiert, passable Länge, 87 NK Punkte (Wera vergibt 87 WK Punkte)


Flight 3

11.
1978 Château Léoville Las Cases
in der Nase saubere, präzise Frucht, im Wein von mittlerem Körper, saubere, nicht allzu tiefe Frucht mit leichtem Hang zum Stall, noch präsente Tannine, ordentliche Länge, 88 NK Punkte (Wera vergibt 89 WK Punkte)

12.
1982 Château Léoville Las Cases
in der Nase feste, tiefe Brombeer-Frucht, auch etwas Unterholz, aber deutlich saftigerer, fleischigerer Ansatz als die Vorgänger, im Wein von mittlerem bis dichten Körper, feste, kompakte Frucht, saftiger Ansatz, immer noch präsente Tannine, gut integrierte Säure, gute Länge, noch nicht am Ende seiner Entwicklung, aber schon ein deutlicher Klassenunterschied gegenüber den meisten Vorgängern, 94 NK Punkte (Wera vergibt 94 WK Punkte und sieht den Wein in seiner Entwicklung als vollendet, jetzt trinken)

13.
1983 Château Léoville Las Cases
in der Nase leicht stallig, im Wein von leichtem bis mittleren Körper, Stall setzt sich auch hier fort, nicht mein Ding, 84 NK Punkte (Wera sieht das völlig anders, hat keinen Stall und vergibt 91 WK Punkte)


14.
1985 Château Léoville Las Cases
in der Nase saubere, intakte Frucht, Holunder, Schoko, Tabak, im Mund von mittlerem Körper, feste, elegante Frucht, erstmals mit Finesse, gut integrierte Säure, unauffällige Tannine, schöne Länge, 94 NK Punkte, (Wera vergibt 90 WK Punkte)


Flight 4

15.
1986 Château Léoville Las Cases
in der Nase kompakte, saubere Beerenfrucht, im Wein von mittlerem Körper, feste, dichte Frucht, kompaktes, noch entwicklungsfähiges Tannin-Paket, gut integrierte Säure, gute Länge, braucht noch Zeit, 93+ NK Punkte (Wera vergibt 91 WK Punkte)


16.
1988 Château Léoville Las Cases
in der Nase saubere, recht dichte Frucht, im Mund von mittlerem Körper, recht saftige, noch etwas verschlossen wirkende Frucht, jugendliche Tannine, gute Länge, 92+ NK Punkte (Wera vergibt 89 WK Punkte)

17.
1989 Château Léoville Las Cases
in der Nase saubere, trinkanimierende Beerenfrucht, im Mund von mittlerem Körper, die saftige Frucht füllt den Gaumen aus, harmonisches Gesamtbild von Tannine und Säure, schöne Länge, toller Trinkfluss (wenn genug da gewesen wäre), 94 NK Punkte (Wera vergibt 93 WK Punkte)


18.
1990 Château Léoville Las Cases
auch wenn es der 90er ist, ich habe leichten Stall in der Nase, im Mund mittlerer bis dichter Körper, feste Struktur, noch etwas verschlossen wirkend, reichlich Tannine, leider ist auch im Mund die Stallneigung zu erkennen, gute Länge, im Hinblick auf die Stallneigung keine Höchstnote sondern nur 93+ NK Punkte, für die Allgemeinheit wird der Wein sogar besonders interessant, oh je (Wera vergibt 90+ WK Punkte)

Flight 5

19.
1990 Château Climens
in der Nase unglaublich spannende, vibrierende Frucht, es beweg und verändert sich ständig etwas, ich bemühe nach langer Zeit mal wieder die vibrierende Strahlkraft, aber diesmal für die Nase, ich bin elektrisiert, und das für einen Weinliebhaber der das Sauternes nur selten bemüht, Die Nase zeigt natürlich auch Noten von Nüssen und Honig, im Mund mit dichtem, vollem Körper ausgestattet, hohe Fruchtintensität, sehr lang anhaltend im Abgang, 95 NK Punkte (Wera vergibt ebenfalls 95 WK Punkte), die Probenvorlage verweist darauf das Sauternes-Kenner Richter 19,5 von 20 Punkten für diesen Wein vergeben hat

20.
1959 Château Lafaurie Peyraguey
in der Farbe rötlich gefärbtes Goldgelb, in der Nase hochintensive, mandelorientierte Frucht, natürlich auch Honig, im Mund komplexe, hochintensive Frucht, lang anhaltend im Gaumen, schöne Säure, erstaunlich, lang, lang, lang, 93 NK Punkte (Wera vergibt 91 WK Punkte), die Probenvorlage verweist darauf das Sauternes-Kenner Richter 19 von 20 Punkten für diesen Wein vergeben hat

21.
1978 Château d’Yquem
in der Nase lebendige, hochintensive Frucht, Honig, einfach finessenreich, auch im Wein komplex und gleichzeitig voller Leben, lebendige Säure, das Gegenteil von eindimensional, langer Abgang, toll, 95 NK Punkte (Wera vergibt 92 WK Punkte), die Probenvorlage verweist darauf das Sauternes-Kenner Richter 18,5 von 20 Punkten für diesen Wein vergeben hat

22.
1982 Château Suduiraut
Crème de Tête
In der Farbe dunkles goldgelb, in der Nase dunkle, würzige Honigfrucht, Marzipan, im Wein hochkomplex, im direkten Vergleich zu den Vorgängern etwas zu direkt in der Süße, dennoch verfügt der Wein über eine ausreichend gute Säure, langer Abgang, 93 NK Punkte (Wera vergibt 96 WK Punkte), die Probenvorlage verweist darauf das Sauternes-Kenner Richter 18,5 von 20 Punkten für diesen Wein vergeben hat

23.
1929 Château Rayne Vigneau
dunkle, rotbraune Farbe, man vermutet fortgeschrittene Oxidation, weit gefehlt, in der Nase hochintensive, reife Honignoten, sehr komplex, im Wein dichte Frucht, Honig ohne Ende, trotz des hohen Alters aber mit einer tollen Säure ausgestattet, das verleiht dem Wein unvermutet Lebendigkeit, Gaumen füllend, ein Abgang ohne Ende, 95 NK Punkte (Wera vergibt sogar 97 WK Punkte und das als Süßwein-Ignorantin), die Probenvorlage verweist darauf das Sauternes-Kenner Richter 20 von 20 Punkten für diesen Wein vergeben hat, Jürg Richter teilt mir mit, dass er dem heute geöffneten Wein 100 Punkte vergeben hat, da merkt man seine Leidenschaft für Sauternes.
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Fazit:

Das war nun meine zweite Leoville Las Cases-Vertikale in relativ kurzer Abfolge. Es bleibt die Erkenntnis, das Leoville in den 80er Jahren einen Qualitätssprung nach vorne gemacht hat. Jedenfalls muss ich früheren Jahrgängen nicht unbedingt hinterher laufen. Das habe ich bei anderen Chateaus auch schon anders gesehen. Ich danke Elke Drescher für die Mit-Organisation dieses Events (sie zeichnete für den Rotwein-Teil verantwortlich) und dafür, dass Wera und ich an diesem herrlichen Tag in der Schweiz teilnehmen konnten.

Ein unerwartetes Highlight waren für mich die fünf Sauternes. Ich habe ja immer mal wieder eine Flasche in der Vergangenheit probiert und zum Schluss gesagt, wenn süß, dann lieber einen lebendigen Eiswein-Riesling oder eine schöne Riesling Beerenauslese.
Aber das hier war schon etwas Besonderes. Jeder Wein hatte Klasse. Auch wenn ich mich nicht zu noch höheren Punkten durchringen konnte, das wird unvergesslich bleiben. Ein herzliches Danke Schön an Jürg Richter für diese tolle Weinauswahl im Bereich Sauternes.

Gruß aus Oberhausen
Norbert
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kreutzer

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VKN vom 26.11.2013 Besuch von Jaume Roca

BeitragMo 2. Dez 2013, 12:28

Hallo Weinforum,

jetzt ist es soweit. Mitten in der Woche eine umfangreiche Weinprobe.
Am Dienstag, dem 26.11.2013, hatten sich der Priorat-Hammer (Torsten Hammer) und der allen Insidern gut bekannte Montsant-Winzer Jaume Roca von der Ficaria Vins (Pater, Elia) zu einer Verkostung bei uns in Oberhausen avisiert. Einige Weinfreunde haben es auch innerhalb der Woche geschafft, uns bei der Entleerung von Flascheninhalten zu unterstützen. Trotz des frühen Beginns (18h) wurde es eine lange Nacht. Jeder Teilnehmer hat Weine eingebracht.

Als deutsche Gastgeber mussten wir Jaume Roca zunächst von der Qualität des deutschen Riesling überzeugen. Zur allgemeinen Verwirrung begannen wir deshalb verdeckt mit einer Flasche 2006 Kammerner Lamm Grüner Veltliner von Schloss Gobelsburg. Mir fehlte es für ausführliche Verkostungsnotizen an dieser Stelle an Ruhe und Zeit. Deshalb in Kürze: er bestätigte mit Weichheit und Schmelz seine hohe Qualität. Trotz Botrytis. Verdeckte nahezu den hohen Alkoholgehalt. Die kaum existente Säure machte den Wein auch für eine katalanische Zunge gut verträglich. Auch der Rest der Truppe zögerte, auf Riesling zu tippen. Auf GV kam nach meiner Erinnerung keiner. Bei mir 93 NK Punkte.

Dann ging es aber weiter mit zwei herausragenden Vertretern des deutschen Rieslings. Sowohl der 2002er Westhofener Morstein Riesling GG von Wittmann als auch der 2003er Westhofener Morstein Riesling GG von Keller bewiesen Ihre Klasse mit totaler Harmonie, bei einer etwas höheren Säure für den 2002er Wittmann. Beides aber auch für Jaume gut verträglich. Keiner der Weine zeigte Altersnoten. Beide hatten die Größe und Intensität eines Großen Gewächses. Es ist eine Frage der persönlichen Vorliebe, welchen Wein man vorzieht. Bei mir bekam der Wittmann 96 NK Punkte. Der Keller 95 NK Punkte. Den Unterschied machte die Säure aus.

Enttäuscht hat mich hingegen etwas die 2005er Hochheimer Hölle Riesling trocken Erstes Gewächs von Künstler. Man merkte zwar den hohen Anspruch des Winzers. Aber dem Wein mangelte es etwas an Charakter und Tiefe für einen Wein dieses Preisniveaus. Bei mir nur 87 NK Punkte.

Obwohl in der Reihenfolge später serviert (Essensbegleiter zum Pfälzer Saumagen bzw. dem Nachtisch) möchte ich den Kallstadter Saumagen Riesling trocken „S“ vom Benderhof und die 2006er Herxheimer Honigsack Scheurebe Beerenauslese vom Benderhof nicht unerwähnt lassen. Über dieses befreundete Weingut habe ich im Laufe der Jahre so viel geschrieben, das man mir zum Schluss ein Verhältnis mit der Winzerin unterstellte. Dann habe ich es doch lieber gelassen.:-)
Beide Weine erfüllten ihre Aufgabe aus meiner Sicht hervorragend. Der Riesling „S“ jugendlicher und mit einer lebendigen Säure ausgestattet als die GG’s und das EG. Mit 88 NK Punkten zwar deutlich niedriger gepunktet als die GG‘s. Dafür ist das Preisniveau aber auch deutlich niedriger als bei Keller, Künstler und Wittmann. Auch die Scheurebe aus der 0,7l-Flasche beeindruckte mit seiner typischen Scheu-Aromatik, einer trotz des schwierigen Jahrgangs angenehmen Frische (die Säure war bei diesem Wein angenehm hoch), und einer moderaten und doch intensiven Edelsüße. Bei mir 92 NK Punkte.
Vielleicht können sich mitlesende Teilnehmer etwas detaillierter zu den Weißweinen äußern.
Bei den Rotweinen habe ich dann etwas mitgeschrieben.
1.
2000 Mazis-Chambertin Grand Cru
Propriétaire Domaine Harmand-Geoffrey, Gevrey-Chambertin
Rubinrote Farbe, in der Nase zeigt sich eine sehr ausgewogene, wunderschön gereifte Pinot-Frucht, Kirsche, Unterholz, Kräuter, auch etwas Holzröstung, im Wein von mittlerem Körper, die Frucht zeigt kräuterige Noten, Würze und eine gute Portion Mineralität, hat Biss, ein sehr feiner, intensiver Nachhall vermittelt einen gewissen Charme, die durchaus präsente Säure wirkt auf mich durchaus nicht störend, ordentliche Länge, für das ausgesprochen schwierige Burgunder-Jahr ein toller Wein, 90 NK Punkte
Die nächsten beiden Weine habe ich für Jaume als Grenache-Liebhaber ausgesucht.
2.
2000 Chateauneuf du Pape Cuvée Réservée
Domaine du Pegau
Paul Féraud et Fille, Propriétaire
Tiefes rubinrot in der Farbe mit leicht braunem Rand, in der Nase feinreife, eher filigrane, saubere Frucht geprägt von Unterholz, Pilzen und etwas Kirsche, im Wein leichter bis mittlerer Körper, reife Frucht, reife Tannine, schöne, stimmige Säure, der Wein wird von Eleganz getragen, wirkt im Gaumen ausgesprochen elegant, schöne Länge, hat sich besser entwickelt als so manches 100 PP-Gewächs aus dieser Region und diesem Baujahr, gefällt mir sehr gut, 91 NK Punkte
3.
2000 Rasteau
Domaine Gourt de Mautens
Jérôme Bressy, Vignerons a Rasteau

Meine Güte, was ist über diesen Wein in der Vergangenheit nicht alles geschrieben worden. Von Himmelhochjauzend bis zu Tode betrübt. Vorweggenommen. Für mich war der Wein besser als die meisten Ch9 der letzten Ch9-Probe über die ich eigentlich noch berichten wollte. Aber es fällt mir zunehmend schwerer.
In der Farbe tiefes rubinrot, in der Nase dunkle, kräuterwürzige Frucht, Brombeere, etwas Holz, wirkt erstaunlich frisch und springt mich förmlich an, von dem viel zitierten Stinker habe ich nichts gemerkt, im Wein von mittlerem bis dichten Körper, reife, kompakte Schwarzkirsch-Frucht, Teer-Noten, spürbare Mineralität, verfügt immer noch über eine dichte Tannin-Struktur, gut integrierte Säure, lang, toller Wein der aufgrund seiner Struktur auch noch einige Jahre halten wird, 93 NK Punkte

Danach öffneten wir die Weine des anwesenden Winzers. Alle deutlich jünger, zum Teil für diesen Event bzw. für seine Deutschland-Reise vorab auf Flasche gefüllt. Vorweg genommen, alle Weine hätten wohl besser am Vorabend dekantiert werden sollen. So hatten sie es gegen die überwiegend reifen Mitbewerber nicht leicht.

4.
2010 Elia - Montsant
80% Garnatxa Negra, 10% Cabernet Sauvignon, 10% Syrah
Ficaria Vins, La Figuera
+
In der Farbe nahezu schwarzrot, die Nase zeigt eine noch sehr jugendliche, rotbeerige Frucht mit Neigung zur Härte, hier fehlt einfach die Luft, im Wein von leichtem bis mittleren Körper, jugendliche, lebendige Frucht, Cranberry, schwarze Johannisbeere, auch etwas Veilchenpastille, die Gerbsäure erscheint kräftig und momentan etwas abweisend, der Wein vermittelt eine kühle Ausstrahlung, braucht Zeit zur Entwicklung, passable Länge, 87+ NK Punkte mit Entwicklungspotential, im derzeitigen Zustand fehlt mir der Spaßfaktor

5.
2011 Elia - Montsant
80% Garnatxa Negra, 10% Cabernet Sauvignon, 10% Syrah
Ficaria Vins, La Figuera

Schwarzrote Farbe, in der Nase jugendlich-intensive Schwarzkirschfrucht, sehr präsent, wirkt erstaunlich weit entwickelt und deutlich zugänglicher, charmanter als der 2010er, im Wein von leichtem bis mittleren Körper, der Wein wirkt zwar jugendlich und noch sehr tanningeprägt hat aber einen sehr saftigen, rotbeerigen Ansatz, wirkt harmonisch-intensiv mit feiner Süße, die Säure erscheint deutlich besser integiert als beim 2010er, zumindest im derzeitigen Zustand, gute Länge, 89+ NK Punkte

6.
2009 Pater - Montsant
100% Garnatxa Negra
Ficaria Vins, La Figuera

Tiefrote Farbe, in der Nase tiefe dunkle Beerenfrucht, Kräuter und vielleicht etwas likörig wirkend, im Wein von mittlerem Körper, dichte, konzentrierte Frucht, jugendliche Tannine, gut integrierte Säure, wirkt etwas portig mit leichtem Alkoholtouch, zur Zeit wirkt der Wein in seiner Gesamtwirkung etwas hart, unnahbar, hier dürfte auch die Luft für eine Charme-Attacke fehlen, recht langer Abgang, 91+ NK Punkte
7.
2010 Pater - Montsant
100% Garnatxa Negra
Ficaria Vins, La Figuera
Alc 14,5%

Tiefrote Farbe, in der Nase sehr feine, hochelegante Beerenfrucht, ausgewogen, lebendig, im Vergleich zum 2010er Elia wirklich erstaunlich, im Wein von mittlerem Körper, saftig-intensive Frucht von dunkelroten Beeren, lebendige Struktur, zeigt Finesse, trotzdem sehr lang, der Wein hat Trinkfluss, sehr schön, derzeit mein Favorit unter den Ficaria Vins-Weinen, 93+ NK Punkte
8.
2011 Cerverola - Montsant
100% Garnatxa Negra
Ficaria Vins, La Figuera
Es gibt nur 500 Flaschen
Alc 15,5%

Rubinrote Farbe, in der Nase jugendliche, etwas künstliche, vom Holzeinfluss geprägte Frucht, im Wein von mittlerem Körper, die opulente Frucht wirkt auf mich etwas künstlich, gewollt, der Wein vermittelt ein intensives Mundgefühl, Tannine und Säure sind gut miteinander verwoben, die Tannine müssen aber noch reifen, sehr langer Abgang, der Wein ist mit dem was ich als künstlich empfinde jetzt nicht mein Fall, hat mit Sicherheit aber Potential, möglicherweise ist auch hier die Zeit der Fürsprecher für den Wein, jetzt nur 91+ NK Punkte

9.
2000 Lo Givot
Celler del Pont S.L., La Vilella Baixa
Rubinrote Farbe, in der Nase schön gereifte Frucht, etwas Paprika, viel süße Beerenfrucht, im Wein von mittlerem Körper, saftig-intensive, ausdrucksstarke Frucht, lang, rund, alles voller Harmonie, der Cabernet-Anteil wurde herausgeschmeckt, reife Tannine, perfekt, so schön kann Priorat reifen, jetzt trinken, 94 NK Punkte

10.
2000 Abat Domènech
Rebsorten: Cabernet Sauvignon, Carinyena, Garnatxa negra, Merlot, Syrah
Celler Cesca Vicent, Gratallops
Es gibt nur 7.354 Flaschen

Tiefrote Farbe, in der Nase dunkel und etwas verschlossen, Holzaromen, Vanille, es mangelt an Frucht und Charme, im Wein von mittlerem Körper, saftige, aber auch hier etwas röstige Frucht, erinnert mich im Holzeinsatz eher unangenehm an Riojas traditioneller Bauart, reife, aber trocknende Tannine, ansonsten recht intensives Mundgefühl, gute Länge, 91 NK Punkte

11.
2007 Clos Dominic Vinyes Altes
75% Carineña, 25% Garnacha von 80 – 120 Jahre alten Reben
Clos Dominic, Porrera

Anmerkung: der Wein wurde vom Weinfreund einen Tag zuvor dekantiert, tiefrote Farbe, in der Nase stört mich eine aufgesetzt wirkende, pudrige Frucht, unangenehm, im Wein von mittlerem Körper, das eigenwillige Nasenparfum setzt sich im Geschmacksbild gleichermaßen unschön fort, flüchtige Säure, der Wein hat aber durchaus Länge, mehr als 85 NK Punkte kann ich ihm beim besten Willen nicht geben, zur Ehrenrettung sei gesagt, dass er sich am Folgetag besser präsentierte, das aufgesetzt wirkende Parfum ist verflogen, vielleicht 2 Punkte mehr, aber vom 90er Punkte-Bereich immer noch entfernt
12.
2007 Cami Pesseroles
70% Garnacha, 30% Carinena
Familia Pérez i Ovejero, Viticultors
Mas Martinet Viticultors, Gratallops

Anmerkung: der Wein wurde vom Weinfreund einen Tag zuvor dekantiert, tiefrote Farbe, in der Nase finde ich eine opulente, dunkle, tiefe Frucht von Brombeere, Holunder und Lakritze, im Wein von mittlerem bis dichten Körper, saftig-intensive Frucht, absolut frisch und mineralisch rüberkommend, das ist Llicorella-Schiefer pur, feste, dichte Struktur, gleichzeitig harmonisch, lang, ein Super-Wein der sich am Folgetag noch weiter verbessert hat, 94+ NK Punkte

13.
1994 Finca Dofi
95% Garnacha und 5% Syrah
Alvaro Palacios, Gratallops

Tiefrote Farbe, in der Nase saubere, klare Frucht von dunkelroten Beeren, vielleicht etwas stark vom Holz geprägt, im Wein von mittlerem Körper, reife, durchaus saftige Frucht, die Tannine kommen etwas heftig rüber, die Runde zerreißt den Wein und ruft „austrocknend“, wenig Charme, dennoch gute Länge, 92 NK Punkte, damit lag ich deutlich über den Punkten der anderen Weinfreunde

14.
2005 Château Mosse „Le Blues“
Rebsorten: Carignan, Grenache, Syrah
Côtes du Roussillon
SCEA J. Mosse, Vignerons

Tiefrote Farbe, in der Nase dunkle, aber recht offene Frucht mit feiner Beerenfrucht, nussige Töne, auch Holz, im Wein von mittlerem Körper, saftige Frucht, reif, mineralisch, sehr intensiv am Gaumen, harmonisch eingebundene Säure, langer Abgang, 93 NK Punkte, ich war sehr skeptisch ob dieses Mitbringsels, muss mein Vorurteil aber deutlich korrigieren, sehr schöner Vertreter dieser Region

15.
1998 Cims de Porrera Classic
Cariñena 80%, Garnacha 20%
Cims de Porrera, Porrera

Tiefrote Farbe, in der Nase wunderschöne, offene Beerenfrucht, feine Reife, getragen von Eleganz, im Wein von mittlerem Körper, saftige, wenn auch reife Frucht, Kaffee, Mokka, harmonisches Geschmacksbild bei guter Intensität, schöne Länge, sollte aber jetzt getrunken werden, 93 NK Punkte

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Fazit:
Das Fazit möchte ich eigentlich den teilnehmenden Mit-Forumianern überlassen.
Für mich bestätigten die meisten Prioratos ihre Reifefähigkeit, wobei es einzig beim Finca Dofi Meinungsunterschiede wegen trocknender Tannine gab. Enttäuschend der Clos Dominic, der sich am Folgetag aber verbessert präsentierte. Obwohl Rolf ihn bereits am Vortag dekantierte, brauchte er offensichtlich noch mehr Luft. Für mich war der Burgunder aus dem schwierigen Jahrgang 2000 eine sehr positive Überraschung, genauso wie der Château Mosse. Bei beiden Weinen hatte ich im Vorfeld Zweifel, ob sie an diesem Abend passen würden.
Die Weine von Jaume wurden erst am Abend geöffnet, waren noch sehr jung und deshalb im Verbund mit den zahlreichen, gereiften Weinen schwer zu verstehen. Ich denke, dass sich insbesondere Pater und Cerverola in 4-5 Jahren noch besser präsentieren werden.




2104 2105 2106

Gruß aus Oberhausen
Norbert
Zuletzt geändert von kreutzer am Mo 2. Dez 2013, 20:38, insgesamt 1-mal geändert.
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moc

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Re: Kreutzer's Verkostungsnotizen im Laufe der Zeit

BeitragMo 2. Dez 2013, 20:02

Hallo Zusammen!

Zuerst einmal einen herzlichen Dank an Vera für die Küchenleistungen und dann an Norbert für das, was er alles aus dem Keller hervorgeholt hat.

Der erste Wein des Abends, der GV Kammerner Lamm 2006 von Schloss Gobelsburg legte die Latte schon ziemlich hoch. Blind serviert kamen bei mir Assoziationen zur nördlichen Rhone auf. Großer, barocker Wein mit Aromen von Mirabellentarte, den ich blind nie als GV erkannt hätte. Chapeau. Das leere Glas verströmte noch reichlich Aromen. Sehr persistent und jede Suche wert.

Danach kamen zwei Rieslinge ins Glas. Zwei Große Gewächse. Zunächst Wittmann Moorstein 02, dann Keller Moorstein 03. Welcher jetzt besser war, ist sicherlich Geschmackssache. Mir liegt der 02er besser, da er mehr Säure hat. Beide auf gleich hohem Niveau. Die Rieslinge waren für Jaume schon eine Herausforderung. Für jemanden, der nicht mit Riesling sozialisiert worden ist, kann die Säure schon anfangs störend sein. Jaume meinte der Wein würde im Hals brennen.

Die danach gereichte Hochheimer Hölle von Künstler aus 2005 enttäuschte. War es die Vorgabe? War die Flasche nicht optimal? Wir wissen es nicht. Die Hölle zeigte für mich hellen Tabac und leicht laktische Noten, war merkwürdig ungefügt. Zu jung geöffnet? Flascher Zeitpunkt. Bislang hatte ich drei mal das Vergnügen eine Hölle von Künstler zu trinken. Das war mit Abstand die schwächste.

Weiter ging es nun mit Rot. Der Mazis Chambertin wurde durch mich eingebracht. Ich sah bei der Übergabe der Flasche, dass Norbert nicht ganz zufrieden war. Er bemängelte den schwachen Jahrgang und meinte, wir sollten den Wein zum Beginn einschieben, da er sonst untergehen würde.

Blind habe ich, wenn ich mich Recht erinnere, sofort auf Burgund getippt. Der Wein war sehr schön mineralisch und außreichend dicht. Kam mit Luft in die Gänge. Puhhhh! Glück gehabt. Würde ich denn nun regelmäßig Punkten, wie der Rest der Truppe, würde ich ihn höher einschätzen als Norbert das getan hat. Ich würde ihn bei 93 Punkten sehen. Genau wie die Cuvee Reserve von Pegau, die ich punktgleich sah und die wirklich schön war. Kraft und Eleganz. Kein Südrhone Dickschiff.

Den folgenden Rasteau hätte ich eher für einen C9DP gehalten. Er kam mir dicker, aber auch hitziger vor und sollte es den folgenden Weinen von Jaume schon schwer machen....

Weiter ging es nun mit den Weinen von Jaume. Elia 2010. Gering geschwefelt und sofort hatte ich eine wenig eine Anmutung von Vin naturel Nase im Glas. Der Wein löst bei mir für den aufgerufenen Preis von 16 Euro in Deutschland keinen Kaufreflex aus. Alkohol stach heraus.

Ganz anders der Elia 2011. Deutlich runder und bereits schön zu trinken. Zugänglich.

Danach kamen dann Pater 2009 und 2010 ins Glas. Beides Weine die in einer anderen Klasse als der Elia spielen. Struktur und Dichte waren hier Programm. Ich sehe den 10er vor dem 09er.

Dann eine kleine Parzelle mit alten Grenachereben (Cerverola) bepflanzt, geringer Schwefel, viel neues, getoastetes Holz. In der Nase sehr elegant. Auch der Holzeinsatz. Großer Wein. Braucht Zeit. Hab ich gekauft - trotz des Preises..... ;) Sehe ich auch zwei Punkte besser als Norbert.

Weiter ging es mit Lo Givot aus 2000. Cabernetanteil sticht deutlich hervor. Ein Topgereifter Priorat. Chapeau. Mein Liebling des Abends aus dem Priorat. Danke Norbert!

Der 2000 Abat Domenech kam an den Lo Givot nicht ran. Wirkte angestrengter, nicht so leichtfüßig wie der Lo Givot.

Clos Dominic und auch Cami Pesseroles, beide aus 2007, waren nicht meine Weine. Obwohl sich der Pesseroles deutlich besser präsentierte. Kaufen würde ich beide Weine nicht.

Der letzte Wein für mich war dann der Finca Dofi aus 94. Mein erster Dofi. Das was ich da im Glas hatte würde mich jetzt nicht bewegen auf die Suche nach Dofi zu gehen. Ich fand den Wein stark trocknend. Leider....

Fazit:

Der GV von Gobelburg hat eindeutig gezeigt, dass diese Weine reifen können und GV zu den großen Rebsorten dieser Welt gehört. Muss ich mich mal drum kümmern, dass ich sowas öfter ins Glas bekomme. Die beiden GG haben eindrucksvoll gezeigt, was deutscher Riesling kann. Wein des Abends aus dem Priorat war für mich der Lo Givot. Den Pegau und mein eingebrachter Mazis Chambertin kommen bei mir auch besser weg als bei Norbert.

Ein toller Abend mit weinverückten, gutem Essen (Saumagen), guten Gesprächen, alten und neuen Freunden und einem sympathischen Winzer aus dem Monsant, der sich trotz Sprachbarriere wohl gefühlt haben dürfte.....

Hoffe so, oder so ähnlich wiederholen wir das noch öfters....... ;)
grüße jens
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kreutzer

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Link zu einer Terrassen-Probe in Bonn

BeitragDi 3. Dez 2013, 12:58

Hallo Weinforum,

vor einigen Wochen war es noch warm. Mein Weinfreund Rainer Kaltenecker hatte zu einer Terrassen-Probe eingeladen. Jeder durfte sich weinmässig einbringen. Das Probenprotokoll für diese reine Spaßveranstaltung, bei der ich nicht mitgeschrieben habe, hat Weinfreund Guido Müller übernommen.

Der Vollständigkeit halber (für meinen persönlichen Überblick) hier der Link zu dem in 2 Teile aufgeteilten Protokoll, mit dem ich inhaltlich weitestgehend übereinstimme.

http://toaster.wordpress.com/2013/11/18 ... nn-teil-1/

http://toaster.wordpress.com/2013/11/19 ... nn-teil-2/

Viel Spaß beim Studium.

Gruß aus Oberhausen
Norbert
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kreutzer

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Re: Kreutzer's Verkostungsnotizen im Laufe der Zeit

BeitragDi 3. Dez 2013, 13:01

moc hat geschrieben:Hallo Zusammen!

Hoffe so, oder so ähnlich wiederholen wir das noch öfters....... ;)


Hallo Jens,
warum nicht. Wenn Du Freitag oder Samstag auch mal Zeit hast. :lol:
Dienstag bleibt die Ausnahme.
Ich brauche noch Deine mail-Adresse. Gerne über Torsten oder PN.
Gruß
Norbert
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kreutzer

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Re: VKN vom 19.1.2013: Leoville-Vertikale sowie Sauternes

BeitragDi 3. Dez 2013, 13:16

kreutzer hat geschrieben:Hallo Weinforum,

Elke Drescher hat gemeinsam mit Jürg Richter im Landgasthof Farnsburg in der Schweiz am 19.10.2013 eine Leoville Las Cases Vertikale ausgerichtet. Die Rotweine wurden überwiegend von Elke Drescher gestellt. Es gab einzelne Ergänzungen aus dem Genussweinkeller von Jürg Richter. Als Weinliebhaber sollte man sich diesen Keller unbedingt mal anschauen. Bordeaux, Burgund, Kalifornien, Italien, Australien ohne Ende, vom Feinsten und zum Teil in großformatigen Flaschen zu durchaus marktüblichen Preisen. Seine persönliche Leidenschaft ist das Sauternes. Das drückte sich in einem zusätzlichen (unglaublichen) Flight aus. Auch als Nichtkenner der Süßwein-Fraktion war ich nachhaltig beeindruckt.

2047 2048



2049

------------------------------------------------------

Gruß aus Oberhausen
Norbert


Hallo Weinforum,
ich stelle erst jetzt fest, dass nur ich die eingestellten Fotos sehen konnte. Hier ein erneuter Versuch.

2107 2108



2109

Gruß
Norbert
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VKN vom 30.11.13: Mas Doix "1902" + 2002er Rieslinge

BeitragDi 3. Dez 2013, 15:40

Hallo Weinforum,
Silke Spruch von Silkes Weinkeller in Velbert hatte über einen neuen Superwein vom Weingut Mas Doix informiert. Dieser Wein will schon aufgrund der Preisstruktur (ermäßigt EUR 199) mit l’Ermita konkurrieren. Man muss wissen, l’Ermita bewegt sich mittlerweile in der Preisklasse von ca. EUR 750 und ist damit für den Normal-Sterblichen unbezahlbar. Auch die aufgerufenen EUR 199 für den Mas Doix sind eigentlich nur noch was für Snobs oder eben Priorat-Freaks.

Wie auch immer, einmal wollte ich ihn kennen lernen. Und auf Andere zu warten klappt meist ja leider nicht.
Vor diesem Hintergrund leistete ich mir gemeinsam mit einem guten Weinfreund eine Probenflasche und lud am 30.11.2013 einige Weinfreunde mit Rahmenprogramm zu einer Verkostung nach Oberhausen ein. Damit es nicht ganz so einfach wird, haben wir dem neuen Superwein, dem 2009er Mas Doix „1902“, zwei weitere hochklassige Jungweine aus dem Priorat zur Seite gestellt (2009 Trosset de Porrera und 2010 Roquers de Porrera) und in einer Blindprobe zusammen mit anderen Weinen aus dieser Welt verkostet. Die drei Haupt-Matadoren wurden ca. 36 Stunden vorher dekantiert und in der offenen Karaffe ihrem idealen Trinkzeitpunkt zugeführt.
1.
2002 Winninger Uhlen Riesling Spätlese trocken
Gutsabfüllung Weingut Reinhard und Beate Knebel, Winningen
Alc. 13%
Goldgelbe Farbe mit leicht oxidativen Tönen, in der Nase recht verhaltene, deutlich gereifte Frucht die an Trockenaprikose erinnert, im Wein von leichtem bis mittleren Körper, auch hier erinnert die reife, deutlich als Riesling identifizierbare Frucht an Trockenfrüchte, Aprikose, Pfirsich, wirkt auf mich bereits etwas gezehrt, der durchaus vorhandene Säurekern weist eine sehr reife, leicht apfelige Säure auf, hinten heraus stelle ich eine leichte Bitternote fest, letztendlich klingt der Wein aber sehr fein im Gaumen nach, gute Länge, für das Alter immer noch erfreulich, ein weiterer Beweis dafür, das ich mit meiner früher viel diskutierten Annahme, das sich der Jahrgang 2002 besser entwickeln wird als 2001, zum Schluss doch recht behalten habe. Weitere Beispiele folgen. Beste Grüße nach Neuss.

2116

2.
2002 Kallstadter Saumagen Riesling Selection
Gutsabfüllung Weingut Benderhof, Kallstadt
Alc 13%

Kräftiges Gelb in der Farbe, in der Nase fein gereifte, recht ausdrucksstarke Riesling-Frucht, die an einen reifen Pfirsich und an Orangenschale erinnert, ein zarter Schmelz umspielt die Nase, im Wein leichter bis mittlerer Körper, auch hier zeigt sich ein wunderschön gereifter Riesling mit festem Säurekern und einem delikaten Schmelz, reifer Pfirsich, auch etwas Zitrus, die einstmals von mir attestierte „vibrierende Strahlkraft“ (lang ist’s her) hat sich in einen harmonisch gereiften Riesling eher schlankerer aber absolut sauberer Bauart gewandelt, der auch nach 11 Jahren noch keine Alterstöne aufweist, gute Länge, 89 NK Punkte, nicht nachvollziehbar, das der Wein von einem anderen, geschätzten Weinfreund bereits vor einigen Jahren als tot erklärt wurde, ein anderer Weinfreund hat dem Wein am Probentag spontan 93 Punkte zugebilligt. Das empfinde ich als etwas zu hoch gegriffen und führe das eher auf den Stress des späteren Eintrudelns zurück. :lol:

2114



3.
2002 Westhofener Kirchspiel Riesling QbA trocken
Gutsabfüllung Weingut K.F. Groebe, Westhofen
Alc. 13%
Kräftiges Gelb in der Farbe, in der Nase kommt mir eine reife Frucht entgegen die neben Noten von Orangenschale und Zitronenschale vor allem an Tabak erinnert, im Wein von mittlerem Körper, erneut eine fein gereifte Frucht, der reife Pfirsich wird von sehr erdigen Tönen begleitet, der Wein wirkt kräftig ohne allzu viel Schmelz zu zeigen, eine lebendige Säure gibt ihm einen guten Trinkfluss, feine Länge, 90 NK Punkte, mit Luft und etwas mehr Temperatur legt er enorm zu, wird immer länger und entwickelt sich zu einem wirklich schönen Riesling aus dem Baujahr 2002, toll, jetzt 92 NK Punkte, was doch die richtige Trinktemperatur und Luft ausmachen

2118

4.
2002 Westhofener Kirchspiel Riesling QbA trocken
Gutsabfüllung Weingut Wittmann, Westhofen
Alc 13%
Zitronengelbe Farbe, in der Nase erneut eine sehr fein gereifte aber gleichzeitig sehr klare, präzise Frucht von reifem Pfirsich, getrockneter Aprikose und Zitronenabrieb, sehr trinkanimierend, im Wein von mittlerem Körper, feste, straffe Frucht, trotz aller Reife wirkt er immer noch frisch mit einer kräftigen Säure-Struktur, sehr präsent im Gaumen, harmonisch gereift mit leisem Druck, kein Kraftprotz, gute Länge, toller Wein, 94 NK Punkte

2115

5.
2002 Königbacher Idig Riesling QbA trocken
Gutsabfüllung Weingut A. Christmann
Alc 13%
Kräftiges Gelb in der Farbe, in der Nase eine faszinierend cremige, sehr ausdrucksstarke Frucht, sauber gereift mit feinem Schmelz, im Wein von mittlerem bis dichten Körper, präsente, körperreiche, schmelzige Frucht, Trockenfrüchte, Tabak, füllt den Gaumen komplett aus, obwohl die Säure schon sehr reif ist so vermittelt sie doch den Eindruck eines Säurespiels, das vermittelt den Sinneseindrücken noch einmal einen besonderen Kick, sehr langer Abgang, ein großer Wein, auch hier entwickelt sich der Wein im Glas von 95 NK Punkten zu 96 NK Punkten, IDIG at it’s best

2117

6.
2002er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Spätlese
Versteigerungswein aus der 0,7l Flasche
Gutsabfüllung Weingut Markus Molitor
Kräftiges Gelb in der Farbe, in der Nase recht verhaltene, gereift wirkende Riesling-Frucht, im Wein von leichtem bis mittleren Körper, feine verspielte Frucht, erinnert etwas an Williams-Birne, tolles Säure-Spiel mit Biss, Mineralität ist spürbar, die Süße eher zurückhaltend, gute Länge, 92 NK Punkte, für den Nachtisch aufgrund der unterentwickelten Süße für meinen Geschmack eher ungeeignet

2119

7.
Chateau Demessey
Crémant de Bourgogne Brut
Alc 12%

Da ziemlich improvisiert zu den Jakobsmuscheln aufgezogen, habe ich den Schäumer nicht im Detail bewertet, ihn aber durchaus als passend in Erinnerung behalten, 86 NK Punkte, wird nur der Vollständigkeit halber erwähnt

8.
2000 Schwarz-Rot Zweigelt trocken
Neusiedlersee
Erzeugerabfüllung Johann Schwarz, Andau
Alc 13,5%

Tiefrote Farbe, in der Nase finde ich eine dunkle Frucht mit intensiver Rauchnote, dunkelroten Beeren, Sauerkirsche und etwas Holz, im Wein von mittlerem Körper, durchaus mineralisch geprägte Frucht, Sauerkirsche, Holznoten, hat Biss, prägnante Säure-Signatur, schöne Länge, schon immer ein Ausnahme-Zweigelt hat aus meiner Sicht etwas nachgelassen, heute fehlt die Fruchtintensität früher Jahre, bei mir aber immer noch 90 NK Punkte

2127 2121


9.
1983 Chateau Croizet-Bages
Pauillac - Grand Cru Classé
Paul Quié, Propriètaire
Alc 12%

Ein Grand Cru Classé-Weingut das kaum einer kennt. Nach meiner Erinnerung hat Robert Parker den Wein mit 65 Punkten bewertet. Das wollte ich überprüfen. Beim 61er Mouton Baron Philippe hat er schon einmal völlig danebengelegen.
Rubinrote Farbe mit braunem Rand, reife aber sehr schwierige Nase mit unangenehm deutlichen Chlor-Touch, im Wein leichter bis mittlerer Körper, Frucht = Schwimmbad, Chlor, nicht genussfähig, meines Erachtens auch nicht verkehrsfähig, das muss ein Behandlungsfehler/Kellerfehler gewesen sein, hätte nie in den Handel kommen dürfen, ausnahmsweise bestätige ich die 65 RP-Punkte

2124


10.
1982 Chateau Maucaillou - Moulis
Domaine Dourthe Freres

Rubinrote Farbe, feinreife, beerenfruchtige Nase, von einer dezenten Eleganz geprägt, im Wein von leichtem bis mittleren Körper, reife Cabernet-Frucht, Kräuter, Eukalyptus, Unterholz, reife Tannine, wirkt aber noch recht frisch, gute Länge, 89 NK Punkte

2120

11.
1986 Chateau Lynch-Bages
Pauillac - Grand Cru Classé
A. Cazes, Propriètaire
Alc 12,5%

Leider Kork

2122

12.
1998 Cortes de Cima Aragonez Vinho Tinto
Vinho Regional Alentejano, Portugal
Hans Kristian Jorgensen
Alc 13,5%

Rubinrote Farbe, frische, ausgeprägt aromatische Eukalyptus-geprägte Sauerkirsch-Frucht, wirkt nahezu ätherisch, aber in angenehmer Ausprägung, im Wein von mittlerem Körper, zeigt eine frisch wirkende, minzige Frucht, schöne Mundintensität, reife Tannine, gut integrierte Säure, passable Länge, 90 NK Punkte

2123

13.
2009 Trosset de Porrera – Vi de Vila - Priorat
Germans Duran, Porrera
Bot. 967 von 1.100
Alc 14,5%

Tiefrote Farbe, dunkle, logischerweise noch sehr jugendliche Brombeer-Frucht, im Wein von mittlerem Körper, jugendlich-frische, mineralisch geprägte Frucht, man spürt die salzige Mineralität des Llicorella-Schiefers, hohe Intensität, das hat Klasse, langer Abgang, 95+ NK Punkte und damit deutlich über der Bewertung meines Weinfreundes Rainer

2112 2113

14.
2009 Mas Doix „1902“ - Priorat
Centenary Carignan
Celler Mas Doix, Poboleda
Bot. 352 von 850
Alc 15%

Tiefrote Farbe, dunkle, beerenfruchtige Nase mit leichter Vanille-Note, vermutlich der Holzeinsatz,
im Wein von mittlerem bis dichten Körper, feste, jugendliche Frucht, mineralisch intensiv, die klassisch salzige Mineralität des Llicorella-Schiefers, man kann es kaum besser demonstrieren, dunkle Beerenfrucht, leichte Holznote, alles noch viel zu jung, auch nach 36-stündigem Dekantieren, langer Abgang, großer Wein, 97+ NK Punkte

2110

15.
2010 Roquers de Samso - Priorat
100% Carignan (Samso) aus 70-100 Jahre alten Rebstöcken
Celler de l’Encastell, Porrera
Bot. 227 von 500
Alc 15%

Schwarzrote Farbe, dichte, kompakte Beerenfrucht, elegant, aber immer noch mit deutlichem Holzeinfluss, stärker als in den Jahren 2007, 2008 und 2009, im Wein von mittlerem Körper, dichte, feste Struktur, noch sehr tanningeprägt, lang ohne Ende, das könnte noch besser werden, wenn sich die etwas zu vordergründige Holznote verliert, 96+ NK Punkte

2111

16.
1996 Rioja Reserva
90% Tempranillo 10% Graciano
24 Monate Barrique-Ausbau
Bodegas Fernando Remirez del Ganuza
Alc 14%

Tiefrote Farbe, in der Nase springt mir intensivst unangenehmer Stall entgegen, im Wein mittlerer Körper, Stall pur, Teer kommt dazu, präsente Tannin-Struktur, hat Biss, eine lebendige Säure, passable Länge, für mich eine sehr große Enttäuschung, der 2004er Reserva war großartig, ohne Stall, hier nur 81 NK Punkte

2126

17.
2001 Amavinum du Chateau La Roche Beaulieu
Cotes de Castillon
SCEA Vignobles Serge Tchekhov
Alc 12%

Schwarzrote Farbe, in der Nase dunkle, etwas spröde wirkende Blaubeer-Frucht, im Wein mittlerer Körper, gereift, sehr tanningeprägt, es mangelt an Frucht und Charme, die Säure ist sehr präsent, steht neben den Tanninen im Vordergrund, knapper Abgang, was war ich in der Jugend von diesem Wein begeistert, entweder hat er eine sehr unschöne Entwicklung genommen oder es handelt sich um einen Korkschleicher, werde ich nicht mehr feststellen können, 84 NK Punkte

2125

---------------------------------------------------------------------------------------------

Fazit:

Der Mas Doix „1902“ hält was man von ihm erwartet. Ob das EUR 200 wert ist, ist eine andere Frage. Das gilt ja auch für die aktuellen Preise von l’Ermita, so manch einem Burgunder, Bordeaux oder auch Kalifornier. Trosset de Porrera und Roquers de Samso halten gut dagegen und bewegen sich auf deutlich günstigerem Niveau. Siehe den Priorat-Hammer.

Im Weißwein-Bereich hat mich die Kollektion der 2002er Rieslinge erneut zufrieden gestellt. Es hat sich gelohnt, etwas zurück zu legen.

Gruß aus Oberhausen
Norbert
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kreutzer

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Re: Kreutzer's Verkostungsnotizen im Laufe der Zeit

BeitragMo 9. Dez 2013, 19:29

Hallo Weinforum,

mein Weinfreund Rainer Kaltenecker hatte an der Verkostung des neuen Super-Prioratos teilgenommen und eine auf die Prioratos reduzierte Verkostungsnotiz in seinem Blog eingestellt.

Für Interessierte, hier der Link zu Rainer's Wahrnehmung:

http://toaster.wordpress.com/2013/12/03 ... -mas-doix/

Viel Spaß.
Gruß aus Oberhausen
Norbert
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Re: Kreutzer's Verkostungsnotizen im Laufe der Zeit

BeitragMo 9. Dez 2013, 23:58

Ich zitiere mich einfach mal selbst - sprich ich kopiere meinen Beitrag aus meinem Blog hier rein...

Eine Woche unterwegs mit Jaume Roca (Ficaria Vins) – Teil 2
Der Priorat - Hammer vom 9. December 2013


Es ist Dienstag, der 26.11.2013 und wir sind unterwegs zu Norbert und Wera Kreutzer nach Oberhausen. Das Wetter ist zunächst noch sehr freundlich – Sonnenschein, aber kalt. Irgendwann hinter Hannover verschlechtert es sich und als es kurz vorm Ruhrpott besser wird, ist es auch gleich dunkel. Dieses Mal finde ich mich super nach Oberhausen rein und pünktlich nehmen wir Platz an Kreutzers gastfreundlichem Tisch. Wie schön, dass es einige Weinfreunde geschafft haben, sich auch unter der Woche für einen grandiosen Weinabend frei zu machen.

Jeder brachte dabei einige interessante Weine mit und Norbert hatte die Aufgabe, alles zu einer Probe zu arrangieren.

Norbert und Wera waren letztes Jahr bei ihrer Tour ins Priorat mit mir auch bei Ficaria Vins und mir blieben die leuchtenden Augen in Erinnerung, mit denen beide an der oberen Pater – Parzelle standen. So begeistert waren sie, dass sie sich wünschten, diesen Winzer auch einmal bei sich zu Gast zu haben. Und diesen Wunsch erfüllen wir nun.

Was für ein grandioser Abend mit vielen großen Weinen – denkwürdig und in Erinnerung bleibend…

Es geht gleich mit einem Feuerwerk spannender Weißweine los und auch die ersten Roten hängen die Messlatte sehr hoch:

Schloss Gobelsburg; Kammerner Lamm Grüner Veltliner; Kamptal; 2006 weiß;


Offen, ausgewogen mit exotischer Frucht, etwas schwer, aber rund und bei allem Fett gut zu trinken. Blind war ich auch eher an der Rhône unterwegs, aber da ich weiß, dass man so was bei Norbert im Keller eigentlich vergeblich sucht, war ich etwas verwirrt – bei Norbert denke ich eher an Riesling und das wäre, wenn, dann ein sehr untypischer Riesling… Auf Grüner Veltliner konnte ich nicht kommen, weil ich mich damit bislang kaum auseinander gesetzt hatte – und das wenige, hatte mir wegen des alkoholischen Touch´s nicht gefallen. Somit mein bislang bestes GV – Erlebnis. 93+/100 Th. Exzellenter Wein.

Wittmann; Westhofener Morstein Riesling GG; Rheinhessen; 2002 weiß;

Wunderbare Balance, von feiner Säure getragene Frucht, dicht, vielschichtig und groß. Steine und große Klarheit und Rasse. Noch lange nicht am Ende. 95+/100 Th. Großer Wein.

Keller; Westhofener Morstein Riesling GG; Rheinhessen; 2003 weiß;

Herrlich offen, intensiv und vielschichtig. Wirkt auf mich süßer, zugleich aber gepuffert durch ein gefühltes Mehr an Säure, so dass eine beste Balance entsteht. Explosiv am Gaumen und für den Jahrgang herrlich frisch. Denkwürdiges Riesling – Erlebnis und für mich einer der besten Rieslinge bislang in meinem Glas – gut, ich trinke ja auch nicht ständig welche… 97+/100 Th. Weltklassewein.

Künstler; Hochheimer Hölle Riesling EG; Rheingau; 2005 weiß;

Verblasst nach den Weinen zuvor leider. Noch recht verschlossen in der Nase, aber am Gaumen wirkt er viel reifer sls die vorigen Weine, weniger Spiel und für mich etwas unbalanciert. Eine bonbonhafte Süße trifft auf knallende Säure… Nicht mein Wein, obwohl ich versuche, ihm noch das Beste abzugewinnen. 91/100 Th. Sehr guter Wein.

Dann wird es rot…

Domaine Harmand-Geoffrey; Mazis-Chambertin; Mazis – Chambertin Grand Cru; 2000 rot;

Sehr präsentes, üppiges Nasentier. Mit kühler Noblesse und Kräuternoten am Gaumen. Blind war ich an der nördlichen Rhône unterwegs und als Jens fragte, ob das kein Burgunder sein könnte, mußte ich einwerfen – „sollte ich mir dazu einen Burgunder vorstellen müssen, dann einen von ganz oben, einen richtig großen… Und Norbert wird doch nicht mit einem Burgunder Grand Cru eröffnen…“
Ich hab Norbert unterschätzt – er hat mit einem Burgunder Grand Cru eröffnet.
95+/100 Th. Großer Wein.

Domaine du Pegau; Cuvée Réservée ; Chateauneuf du Pape; 2000 rot;

Ebenfalls kräuterwürzig, viel Druck am Gaumen und noch recht viel Tannin, alles sehr rund, nobel und ebenfalls recht kühl wirkend. Macht viel Spaß und zeigt ebenfalls Größe. Wir steigern uns trotz hoher Messlatte am Start. 96+/100 Th. Großer Wein.

Jérôme Bressy; Domaine Gourt de Mautens; Côtes du Rhône Villages Rasteau; 2000 rot;


Gedanklich ging ich oft mit diesem Wein schwanger, leider landete er dennoch nie in meinem Keller. Umso dankbarer war ich jetzt, mal davon trinken zu können. Süße, reife Frucht, dicht, es dominieren Schwarzkirschen. Wirkt noch recht jung und erinnert in der Mineralik fast an Llicorella – Noten, blind hätte er auch ein Priorat-Etikett tragen dürfen. Großes Kino. 97+/100 Th. Weltklassewein.

Es folgen die Weine von Jaume…
Beste Grüße

Torsten

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Re: Kreutzer's Verkostungsnotizen im Laufe der Zeit

BeitragMi 11. Dez 2013, 23:16

Weiter geht es mit den Weinen, die Jaume mitgebracht hat, um sie uns vorzustellen - es handelt sich um die aktuellen und die noch nicht im Verkauf befindlichen Nachfolgejahrgänge. Auf meine Punktbewertungen verzichte ich hier, diese führe ich nur im Post auf meinem Blog an, weil ich mit diesen Weinen ja bekanntermaßen auch handle. http://www.torsten-hammer-priorat-guide ... er/?p=6019


Ficaria Vins; Èlia; Montsant – La Figuera; 2010 rot;

Zeigt schon eine tolle Nase, auch wenn es ihm noch etwas an Luft mangelt. Am Gaumen kühl, aromatisch und mit schöner Frische, wirkt fast wie ein Vin Natural und ist auch in Wirklichkeit nur ganz minimal geschwefelt. Großes Kino und dabei vernünftig im Preis.

Ficaria Vins; Èlia; Montsant – La Figuera; 2011 rot;

Braucht noch Zeit und ist auch noch nicht im Verkauf. Außerdem hat er noch zu wenig Luft, um zu zeigen, was er kann. Am Gaumen recht voll und üppig und wirkt liköriger als der 2010er. Im Moment noch unfertig, aber für den Jahrgang nicht schlecht gelungen. Hat sicher noch deutliches Steigerungspotential.

Am Tisch wird recht konträr diskutiert, welcher Jahrgang denn nun besser sei, beiden Meiningen kann ich etwas abgewinnen und sie nachvollziehen, ich persönlich bevorzuge aber knapp den 2010er wegen seiner schönen Frische. Aber das ist ein Wein, der noch nicht zum alsbaldigen Verzehr gedacht ist. Sprechen wir in einigen Jahren (2015, besser 2017) noch mal darüber...

Ficaria Vins; Pater; Montsant – La Figuera; 2009 rot;

Opulent am Gaumen, Pralinen auf einem Schiefertablett, sehr gute Konzentration und deutlich mehr Eleganz als bei den Èlia´s. Wirkt aber auch etwas portig im Moment und sollte eher in kleinen Dosen genossen werden. Es ist aber auch anzunehmen, dass ihm einfach auf noch Luft fehlt.


Ficaria Vins; Pater; Montsant – La Figuera; 2010 rot;

Deutlich zugänglicher als der 2009er, auch hier wieder die jahrgangstypische Frische und Kühle, zugleich aber elegant und sehr nobel. Aber es mangelt ihm auch nicht an Druck am Gaumen. Das sollte großes Kino werden – ist aber auch noch nicht im Verkauf.

Beim Pater herrschte am Tisch mehr Einigkeit, was die Größe des 2010ers anbelangt. Dennoch sollten Pater – Fans auch den üppigen und vollen 2009er Pater nicht auslassen, der ein Nachfolger des 2005ers in meinen Augen ist.

Ficaria Vins; Cerverola; Montsant – La Figuera; 2011 rot;


Ganz großes Kino, super elegant, tief und sehr lang. Einzig etwas Flaschenreife sollte man ihm zugestehen, aber jetzt geht es nur darum, festzustellen, ob man an den 500 produzierten Flaschen ein wenig teilhaben will.

Die Weine von Jaume hatten leider nicht die Zeit, zu atmen, die ihnen zugestandene Luft war jedenfalls zu wenig. Die Reste, die wir wieder mitnahmen, präsentierten sich am Donnerstag jedenfalls deutlich besser, als wir sie Coswiger Freunden zum Kosten gaben. Jaume und ich schlossen daraus, die Flaschen für die Verkostung am Samstag bereits am Freitag morgen zu öffnen und sie doppelt zu dekantieren.
Beste Grüße

Torsten

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