Bei mir kamen gestern (neben ein paar Stillweinen, dazu später an anderer Stelle mehr) einige Sekte auf den Tisch. Generalthema war "Deutscher Riesling-Winzersekt" (mit Piraten).
Alle Sekte wurden verdeckt verkostet und jeweils nach zwei Exemplaren enthüllt. Als Gastgeber habe ich mir nur spärliche Notizen gemacht:
1. Paulinshof/Mosel, Riesling Sekt brut oJ, 12%
-> sehr feine Perlage, recht leicht und trotzdem cremig. Duftet etwas nach Mandarinen, im Abgang leicht metallisch. Für mich 87 Pkte.
2. Kirsten/Mosel, 2009 Riesling Sekt brut, 12,5%
-> mittelfeine Perlage, schäumt im Mund ziemlich auf. Etwas süßer als 1 und insgesamt ein bisschen plump. 85 Pkte.
3. Raumland/Rheinhessen, Riesling Sekt brut oJ (deg. 01/11), 11,5%
-> leicht rosinige Nase, im Mund schon recht reif, bisschen Sherrynoten, aber auch Länge und Charakter. Schöne "Weinigkeit". 88 Pkte.
4. Fürst v. Metternich 2011 Riesling Sekt brut, 13%
-> Der Jahrgangsvertreter dieses Nicht-Winzer-Sekts überraschte alle: reife (aber nicht firne) Rieslingnase, große Tiefe, insgesamt sehr "seriös" (es fiel die Kategorisierung, "ein Sekt für Bismarck" - na ja, fast). 89 Pkte.
5. Schloss Reinhartshausen/Rheingau, Riesling Sekt brut Rheingau oJ, 13%
-> Schien leider einen Kork-Streifschuss erwischt zu haben. Dahinter aber sehr hohe Qualität (auch des Grundweins) erkennbar. 88 Pkte.
6. Robert Weil/Rheingau, 2010 Riesling Sekt brut, 12,5%
-> Ganz merkwürdig: Intensiver Dill-Geruch und -Geschmack (der Sekt zum Graved Lachs?). Der Korken nicht altersgemäß, die untere Platte war stark verschrumpelt und dunkel-feucht. 86 Pkte.
7. Wolfberger/Elsass, Crémant d’Alsace Riesling brut oJ, 12%
-> Zunächst durchaus animierend, aber doch sehr einfach gestrickt. Ein bisschen Sekt süß-sauer. 87 Pkte.
8. Reichsrat v. Buhl/Pfalz, Riesling Sekt brut 2010 (deg. 06/12), 12,5%
-> Eher schwächere Perlage, sehr weinig, tadellose Struktur, absolut eigenständig, rebsortentypisch und kein kläglicher Versuch der Champagner-Imitation. 90 Pkte.
9. Schloss Vaux/Rheingau, Rheingau Riesling brut oJ, 12%
-> Sehr frisch und zupackend, etwas rauchig, Cassis. Polarisierte etwas. "Mächtige Frische" ist auch eine komische Kombination. Ebenfalls 90 Pkte.
Mir ging es also bei dieser Probe nicht um das Prestige-Segment, sondern um das, was man im Weinhandel oder sehr gut sortierten Lebensmittelmarkt finden kann, wenn man bereit ist, zwischen 10 und 20 Euro auszugeben.
Wir haben es gestern irgendwie versäumt, ein Ranking aufzustellen. Der Buhl war aber der einhellige Favorit, auch Metternich gefiel erstaunlich gut (man muss sagen, dass die Jahrgangs-Variante sich preislich von den anderen Exemplaren in dieser Probe auch nicht unterscheidet, der ist ungefähr doppelt so teuer wie der jahrgangslose Supermarkt-Sekt). Interessant ist noch, dass der Raumland durch Angabe des Degorgier-Datums Aufschluss darüber erlaubte, dass es sich hier nun wirklich nicht mehr um eine aktuelle Flasche handelt. Ein jahrgangsloser Basis-Riesling-Sekt gehört nach fast drei Jahren natürlich längst ausgetrunken - um so respektabler, wie er sich trotzdem noch halten konnte. Auch vom Weil gibt es mittlerweile eigentlich schon den 11er, dennoch ein Rätsel, wie der 10er sich gestern zeigte. Und das für fast 20 Euro. Weil wird wohl auch im Sekt-Bereich nie zum PLV-Sieger. Auf jeden Fall ist das Thema "Überlagerung" hoch relevant, wenn man solche Sekte im Handel kauft, v. a. bei den jahrgangslosen Exemplaren, die keinen Aufschluss erlauben, wie lange die Flaschen schon im Laden stehen.
Den Reinhartshausen hätte ich gern aus einer einwandfreien Flasche getrunken. Und das der Paulinshof mir deutlich besser als Kirsten gefiel (Kirsten ist eigentlich für mich seit Jahr und Tag ein solder Wert aus dem Möpi-Sortiment), hätte ich so nicht erwartet.
Meine drei Haupt-Überraschungen:
1. Die Sekte waren weniger süß als befürchtet.
2. Die Sekte waren wesentlich verschiedener als erwartet.
3. "Frisch und fruchtig" waren nicht unbedingt die Attribute, die einem als Erstes in den Sinn kamen.
Viele Grüße
Guido
Deutscher Riesling-Sekt
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Re: Deutscher Riesling-Sekt
Lieber Guido,
auch an dieser Stelle noch einmal danke für die schöne Probe (auch für das himmlische Essen!).
Meine Eindrücke:
Zum Rest (vor allem zum Finale!!!) wirst du, Guido, sicherlich noch etwas schreiben wollen.
Nochmals danke!
Markus
auch an dieser Stelle noch einmal danke für die schöne Probe (auch für das himmlische Essen!).
Meine Eindrücke:
Zunächst ziemlich brausige Nase (Frigeo Waldmeister), mit Luft viel besser, zitrustönig und rauchig; am Gaumen cremig und voll, metallisch im Abgang, 88/100.1. Paulinshof/Mosel, Riesling Sekt brut oJ, 12%
-> sehr feine Perlage, recht leicht und trotzdem cremig. Duftet etwas nach Mandarinen, im Abgang leicht metallisch. Für mich 87 Pkte.
Floral-kräuterige Noten (Estragon wurde gesagt und trifft es gut), Boullion; am Gaumen zwar cremig, aber das Ganze etwas künstlich-wachsig, dahinter wenig, aber feine Frucht, 86/1002. Kirsten/Mosel, 2009 Riesling Sekt brut, 12,5%
-> mittelfeine Perlage, schäumt im Mund ziemlich auf. Etwas süßer als 1 und insgesamt ein bisschen plump. 85 Pkte.
Reifetöne, süße Nase mit Himbeersaft und Brioche; am Gaumen reif, fast barock, mit Zitrusnoten, 90/1003. Raumland/Rheinhessen, Riesling Sekt brut oJ (deg. 01/11), 11,5%
-> leicht rosinige Nase, im Mund schon recht reif, bisschen Sherrynoten, aber auch Länge und Charakter. Schöne "Weinigkeit". 88 Pkte.
Sehr attraktive Nase mit Tabak und Stachelbeeren, am Gaumen straight, säurebetont und etwas steinig, später tritt eine leichte Süße (nicht unangenehm) hervor, 91/1004. Fürst v. Metternich 2011 Riesling Sekt brut, 13%
-> Der Jahrgangsvertreter dieses Nicht-Winzer-Sekts überraschte alle: reife (aber nicht firne) Rieslingnase, große Tiefe, insgesamt sehr "seriös" (es fiel die Kategorisierung, "ein Sekt für Bismarck" - na ja, fast). 89 Pkte.
Von mir wegen Korks nicht bepunktet (wäre ohne Kork vermutlich einer der Sieger des Abends geworden)5. Schloss Reinhartshausen/Rheingau, Riesling Sekt brut Rheingau oJ, 13%
-> Schien leider einen Kork-Streifschuss erwischt zu haben. Dahinter aber sehr hohe Qualität (auch des Grundweins) erkennbar. 88 Pkte.
In der Nase Salatkräuter; am Gaumen rauchig, straff und geradeheraus, ganz und gar nicht unattraktiv, wenn auch ein Flaschenfehler möglich erscheint, 88/1006. Robert Weil/Rheingau, 2010 Riesling Sekt brut, 12,5%
-> Ganz merkwürdig: Intensiver Dill-Geruch und -Geschmack (der Sekt zum Graved Lachs?). Der Korken nicht altersgemäß, die untere Platte war stark verschrumpelt und dunkel-feucht. 86 Pkte.
Blütig-wachsige Nase; am Gaumen säuerlich mit mittlerer Länge, nicht unattraktiv, aber Mainstream ohne Ecken und Kanten, 87/1007. Wolfberger/Elsass, Crémant d’Alsace Riesling brut oJ, 12%
-> Zunächst durchaus animierend, aber doch sehr einfach gestrickt. Ein bisschen Sekt süß-sauer. 87 Pkte.
Ein Knaller; volle Nase mit Apfelnoten, am Gaumen ungemein animierend, weinig (man schmeckt die hohe Qualität des Grundweins), rassig mit klarer Säurestruktur und toller Länge, 92/1008. Reichsrat v. Buhl/Pfalz, Riesling Sekt brut 2010 (deg. 06/12), 12,5%
-> Eher schwächere Perlage, sehr weinig, tadellose Struktur, absolut eigenständig, rebsortentypisch und kein kläglicher Versuch der Champagner-Imitation. 90 Pkte.
In der Nase Cassis, am Gaumen nicht weinig wie der Vorgänger, sondern ganz klar "sektig", Säurebetont, lang im Abgang, aber etwas stumpf, 90/100.9. Schloss Vaux/Rheingau, Rheingau Riesling brut oJ, 12%
-> Sehr frisch und zupackend, etwas rauchig, Cassis. Polarisierte etwas. "Mächtige Frische" ist auch eine komische Kombination. Ebenfalls 90 Pkte.
Zum Rest (vor allem zum Finale!!!) wirst du, Guido, sicherlich noch etwas schreiben wollen.
Nochmals danke!
Markus
Ein ganzer Kerl - dank Chablis!
Re: Deutscher Riesling-Sekt
Hallo zusammen,
kleiner Nachtrag: gestern suchte ich im Itzehoer LEH nach dem Metternich-Jahrgangssekt für eine kleine Nachverkostung. Den gab es leider nicht, dafür erstand ich
2012 Kloster Eberbach Rheingau Riesling Sekt brut 0,75l (Vertrieb: Hessische Staatsweinkellerei Eberbach GmbH).
Guido, du hattest vollkommen Recht, auf diesen Sekt für die Probe zu verzichten. Viel zu deutlicher Restzucker (war auch deine Begründung), dazu schnell abgestanden und ziemlich lasch und stumpf. Man konnte ihn unfallfrei trinken, mehr aber nicht. Im Kontext der Probe hätte er nicht den Hauch einer Chance gehabt; 81/100.
Viele Grüße
Markus
kleiner Nachtrag: gestern suchte ich im Itzehoer LEH nach dem Metternich-Jahrgangssekt für eine kleine Nachverkostung. Den gab es leider nicht, dafür erstand ich
2012 Kloster Eberbach Rheingau Riesling Sekt brut 0,75l (Vertrieb: Hessische Staatsweinkellerei Eberbach GmbH).
Guido, du hattest vollkommen Recht, auf diesen Sekt für die Probe zu verzichten. Viel zu deutlicher Restzucker (war auch deine Begründung), dazu schnell abgestanden und ziemlich lasch und stumpf. Man konnte ihn unfallfrei trinken, mehr aber nicht. Im Kontext der Probe hätte er nicht den Hauch einer Chance gehabt; 81/100.
Viele Grüße
Markus
Ein ganzer Kerl - dank Chablis!
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Re: Deutscher Riesling-Sekt
Markus, dieser Sekt hatte mich wirklich fast ein paar schlaflose Nächte gekostet - da ich ja die meisten anderen Probensekte auch nicht kannte, fürchtete ich zwischenzeitlich, die könnten alle so pappig und belanglos sein, aber ich wollte nun auch nicht von jedem noch eine Testflasche vorher aufreißen ...
Btw, zum übrigen Geschehen des Abends habe ich diesen Thread eröffnet:
http://www.dasweinforum.de/viewtopic.php?f=29&t=3088
Zum 93er Winston Churchill habe ich allerdings nichts weiter geschrieben. Der war ja nun einfach auch: perfekt.
Viele Grüße
Guido
Btw, zum übrigen Geschehen des Abends habe ich diesen Thread eröffnet:
http://www.dasweinforum.de/viewtopic.php?f=29&t=3088
Zum 93er Winston Churchill habe ich allerdings nichts weiter geschrieben. Der war ja nun einfach auch: perfekt.
Viele Grüße
Guido
- octopussy
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Re: Deutscher Riesling-Sekt
Hallo Guido,
danke für die Probeneindrücke, konnte leider nicht dabei sein. Auf der Basis eurer Notizen scheint es mir aber, als ob ich keinen der genannten Sekte wirklich für den Keller bräuchte. Von Buhl Sekte habe ich schon ein, zwei Mal getrunken, ich glaube es war auch mal ein Riesling-Sekt dabei. Die haben mir ganz gut gefallen, aber ein großer Kaufreflex ist bei mir nicht eingetreten.

danke für die Probeneindrücke, konnte leider nicht dabei sein. Auf der Basis eurer Notizen scheint es mir aber, als ob ich keinen der genannten Sekte wirklich für den Keller bräuchte. Von Buhl Sekte habe ich schon ein, zwei Mal getrunken, ich glaube es war auch mal ein Riesling-Sekt dabei. Die haben mir ganz gut gefallen, aber ein großer Kaufreflex ist bei mir nicht eingetreten.
Witzig, den Sekt habe ich aus 2011 vor einem guten halben Jahr mal spontan erstanden, da ein Schäumer für einen spontanen Anlass gefragt war. Ich fand ihn viel besser als du, Markus. Auch bei den Mittrinkern fand er großen Anklang, und die Flasche war schnell leer. Klar, das ist kein wirklich toller Wein. Aber ich hatte viel Schlimmeres erwartet.drmamue hat geschrieben: 2012 Kloster Eberbach Rheingau Riesling Sekt brut 0,75l (Vertrieb: Hessische Staatsweinkellerei Eberbach GmbH).
Guido, du hattest vollkommen Recht, auf diesen Sekt für die Probe zu verzichten. Viel zu deutlicher Restzucker (war auch deine Begründung), dazu schnell abgestanden und ziemlich lasch und stumpf. Man konnte ihn unfallfrei trinken, mehr aber nicht. Im Kontext der Probe hätte er nicht den Hauch einer Chance gehabt; 81/100.

Beste Grüße, Stephan
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Re: Deutscher Riesling-Sekt
Tja, mein Eindruck war deutlich näher an Markus' Einschätzung. Weiß jetzt aber auch nicht auf Anhieb, welcher Jg. das war. Muss noch mal im Altglas nachschauen.
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Re: Deutscher Riesling-Sekt
Hallo Guido,Einzelflaschenfreund hat geschrieben:Tja, mein Eindruck war deutlich näher an Markus' Einschätzung. Weiß jetzt aber auch nicht auf Anhieb, welcher Jg. das war. Muss noch mal im Altglas nachschauen.
vermutlich hat mir der Eberbach Sekt auch vor allem in der Situation geschmeckt. Bei einer Probe sähe es vielleicht ganz anders aus (siehe Probenkontext
Kann es sein, dass das ein LEH-Crémant ist? Ich meine, den Namen bei REWE im Regal mal gesehen zu haben.Wolfberger/Elsass, Crémant d’Alsace Riesling brut oJ, 12%
Guido, noch eine Frage zum Fazit: ich persönlich trinke eher selten Schaumweine. Aber mich interessiert trotzdem, wie du insgesamt das PGV der Sekte in der Preisklasse 10-20 Euro beurteilst. Mir fallen nur wenige Riesling-Sekte von Rang und Namen ein, die ihr nicht probiert habt, außer:
- Van Volxem 1900 Sekt Brut (gerade als Schaumwein des Jahres von Stuart Pigott in der FAS gewählt)
- Heymann-Löwenstein Fantasie der Schieferterassen
- Immich Batterieberg Riesling Sekt Brut Zero Dosage
Hast du die mal probiert?
Beste Grüße, Stephan
Re: Deutscher Riesling-Sekt
Gelungene Weinproben verändern ein wenig das Bewusstsein, machen achtsamer für bestimmte Aspekte und so war es auch hier. Sicher nicht ohne Grund, denn Sekte aus diesem Segment habe ich noch nie als Probe serviert bekommen.
So hatte ich beim vollmundigen Paulinshof/Mosel fast das Gefühl einen Stillwein zu trinken. Es lag auch an der geringen Perlage, die bei einem späteren Glas aus der gleichen Flasche deutlich intensiver ausfiel. 88
Kirstens 2009 Riesling Sekt brut fand ich besser als die Mitverkoster und konnte keine Plumpheit erkennen. Weniger wegen der Aromatik, mehr wegen dem starken, animierend perligen Fluss dieses Weines. Da war etwas Stahliges im Gewebe und ein druckvoller Strom, der mich darüber hinwegsehen ließ, dass der Sekt geschmacklich schlank erschien. 87
Raumland wie schon beschrieben über den Punkt, aber das Angegilbte klar konturiert. Da zerbröselt nichts, trotz Alterung ein Gefühl von Straffheit. 89 Punkte für die Struktur und einigen Verheißungen, die der Wein bietet – man müsste mehr Zeit mit ihm haben.
Metternich mit bodenständig-steinigem Nachhall. Er verlieh dem Sekt eine Substanz, die ihn weit über durchschnittlich beschwingendes Prickelwasser hinaushob. 90
Mein Favorit ohne Wertung. Ich bezweifelte zwar immer wieder den Kork im Sekt von Schloss Reinhartshausen, konnte ihn letztlich nicht ganz ausschließen. Dieser „Kork“ dominierte den Wein nicht als zerstörerischer Gammel, sondern war eher eine geschmackliche Färbung. Er verhinderte nicht, dass der Sekt animierende Frische, Dynamik und Vielschichtigkeit schmecken ließ. Hier ist alles vorhanden: Die bei Silvester und Co gewünschte Lebendigkeit und der anspruchsvolle Genuss. Wenn der Kork nicht wäre. Ich bin aber vorsichtig mit dem Rückschluss, was für einen tollen Sekt wir ohne unerwünschtes Beiwerk im Glas gehabt hätten. Wie am Abend erklärt wurde, braucht in der Chemie wie in der Kulinarik alles seinen Ausgleich.
Dill im Weil??? Als eine Mitverkosterin das Fischgewürz entdeckte, erntete sie zuerst Skepsis, doch schnell waren alle anderen überzeugt: Der ideale Wein zu Lachs, Hering und Co. Oder, wenn keine Gewürze im Haus sind. 86
Wolfberger/Elsass hinterließ eine gewisse Leere bei mir. 85
Wenn sich jemand Winzersekt nennen darf, dann der: Buhl hat eine pralle, herbe Frucht, bissfeste Gras- und Citrusnoten. Kein Getränk für Messen, PR-Empfänge und Silvester, wohl aber für Hochzeiten und Jubiläen. Ein Tisch und Bett-Sekt. Als Markus die Region richtig erkannte, ging mir auf, dass ein Pfälzer Sekt so schmecken muss. Dann erkannte er auch den Winzer… 90
Der Sekt von Schloss Vaux mit dominierend dunkelbeeriger, rauchige Note. Rätselhaftes Getränk. 88
Gruß, Kle
Deswegen funktionierte Guidos Idee so gut. Wir tranken respektable, schöne Schaumweine, die aber nicht zum Weglegen gedacht sind, sondern für Hochzeiten, Geburtstage, Brunchs, Empfänge, Goldene Hochzeiten, Silvester... ¬Solche Sekte werden aufgrund ihrer trubeligen Anlässe oft unzureichend geschmeckt und sind eher Teil der Kommunikation, haptisches Verlegenheitsvehikel wie einst die Zigarette oder Stressableiter. Sie zu degustieren, in sie hineinzuschmecken, dazu inspirierte uns Guido auch durch die relativ kleinen Gläser mit entsprechendem Inhalt. Ein Fazit des Abends: Sprüche wie ,Winzersekte sind so gut wie oder besser als Champagner' ziehen gefährliche Vergleiche. Die besten Sekte erweckten nicht den Verdacht, den Stil der berühmten Region zu kopieren. Es waren „Terroirsekte“, möchte ich fälschlicherweise fast schreiben, da hier wenig zurechtgebogenes Format zu erkennen war, keine Bewerbung ums glatt-geschmackvolle Prickeln am Buffet, sondern eigenständige Noten.octopussy hat geschrieben:Auf der Basis eurer Notizen scheint es mir aber, als ob ich keinen der genannten Sekte wirklich für den Keller bräuchte.
So hatte ich beim vollmundigen Paulinshof/Mosel fast das Gefühl einen Stillwein zu trinken. Es lag auch an der geringen Perlage, die bei einem späteren Glas aus der gleichen Flasche deutlich intensiver ausfiel. 88
Kirstens 2009 Riesling Sekt brut fand ich besser als die Mitverkoster und konnte keine Plumpheit erkennen. Weniger wegen der Aromatik, mehr wegen dem starken, animierend perligen Fluss dieses Weines. Da war etwas Stahliges im Gewebe und ein druckvoller Strom, der mich darüber hinwegsehen ließ, dass der Sekt geschmacklich schlank erschien. 87
Raumland wie schon beschrieben über den Punkt, aber das Angegilbte klar konturiert. Da zerbröselt nichts, trotz Alterung ein Gefühl von Straffheit. 89 Punkte für die Struktur und einigen Verheißungen, die der Wein bietet – man müsste mehr Zeit mit ihm haben.
Metternich mit bodenständig-steinigem Nachhall. Er verlieh dem Sekt eine Substanz, die ihn weit über durchschnittlich beschwingendes Prickelwasser hinaushob. 90
Mein Favorit ohne Wertung. Ich bezweifelte zwar immer wieder den Kork im Sekt von Schloss Reinhartshausen, konnte ihn letztlich nicht ganz ausschließen. Dieser „Kork“ dominierte den Wein nicht als zerstörerischer Gammel, sondern war eher eine geschmackliche Färbung. Er verhinderte nicht, dass der Sekt animierende Frische, Dynamik und Vielschichtigkeit schmecken ließ. Hier ist alles vorhanden: Die bei Silvester und Co gewünschte Lebendigkeit und der anspruchsvolle Genuss. Wenn der Kork nicht wäre. Ich bin aber vorsichtig mit dem Rückschluss, was für einen tollen Sekt wir ohne unerwünschtes Beiwerk im Glas gehabt hätten. Wie am Abend erklärt wurde, braucht in der Chemie wie in der Kulinarik alles seinen Ausgleich.
Dill im Weil??? Als eine Mitverkosterin das Fischgewürz entdeckte, erntete sie zuerst Skepsis, doch schnell waren alle anderen überzeugt: Der ideale Wein zu Lachs, Hering und Co. Oder, wenn keine Gewürze im Haus sind. 86
Wolfberger/Elsass hinterließ eine gewisse Leere bei mir. 85
Wenn sich jemand Winzersekt nennen darf, dann der: Buhl hat eine pralle, herbe Frucht, bissfeste Gras- und Citrusnoten. Kein Getränk für Messen, PR-Empfänge und Silvester, wohl aber für Hochzeiten und Jubiläen. Ein Tisch und Bett-Sekt. Als Markus die Region richtig erkannte, ging mir auf, dass ein Pfälzer Sekt so schmecken muss. Dann erkannte er auch den Winzer… 90
Der Sekt von Schloss Vaux mit dominierend dunkelbeeriger, rauchige Note. Rätselhaftes Getränk. 88
Gruß, Kle
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Re: Deutscher Riesling-Sekt
Gut möglich, dass dies ein "Doppelpirat" war (weder aus D, noch ein Winzersekt). Ja, in seiner Limitiertheit entspricht er wohl dem Bild eines LEH-Sekts.octopussy hat geschrieben:Kann es sein, dass das ein LEH-Crémant ist? Ich meine, den Namen bei REWE im Regal mal gesehen zu haben.Wolfberger/Elsass, Crémant d’Alsace Riesling brut oJ, 12%
Der vV liegt ja nun in einer deutlich anderen Preisklasse. Darauf hatte ich bewusst verzichtet, so auch z. B. auf von Buhls "Lagensekt" aus dem Pechstein. H-L habe ich vor längerer Zeit getrunken, liegt qualitativ auch eher noch eine Stufe drüber (kenne aber seinen Blanc de Noir noch etwas besser und ziehe den im Zweifel vor). Den I-B kenne ich nicht.octopussy hat geschrieben:Guido, noch eine Frage zum Fazit: ich persönlich trinke eher selten Schaumweine. Aber mich interessiert trotzdem, wie du insgesamt das PGV der Sekte in der Preisklasse 10-20 Euro beurteilst. Mir fallen nur wenige Riesling-Sekte von Rang und Namen ein, die ihr nicht probiert habt, außer:
- Van Volxem 1900 Sekt Brut (gerade als Schaumwein des Jahres von Stuart Pigott in der FAS gewählt)
- Heymann-Löwenstein Fantasie der Schieferterassen
- Immich Batterieberg Riesling Sekt Brut Zero Dosage
Hast du die mal probiert?
Menger-Krug, Barth und Solter hätte man natürlich auch noch dabeihaben können.
Und es hat ja fast jeder Winzer auch (s)einen Sekt im Angebot, vor allem wenn es um Riesling geht. Die Verfügbarkeit im Norden hält sich aber eher in Grenzen. Die meisten versekten aber wohl nicht selbst und nicht wenige Top-Winzer z. B. bei Raumland.
Mir ging es vor allem um die Frage: Bekommt man hier für ca. doppelten bis dreifachen Einsatz etwas, das signifikant besser ist als Durchschnitts-Supermarkt- und LEH-Sekte? Und handelt es sich um "Charakterköpfe" oder eher um standardisierte, uniforme Ware? Die erste Frage kann man klar bejahen, die zweite beantworten mit: erstaunlich große Unterschiede, einige stilistische Bandbreite.
Ich formulier's mal so: Für 10 bis 20 EUR bekommt man schon sehr, sehr gute nicht prickelnde Rieslinge - im trockenen und halbtrockenen Bereich ja eigentlich fast alles unterhalb von GG. Da halten die Schäumer nicht mit. Aber ich war keineswegs enttäuscht. Unbefriedigend ist jedoch die idR fehlende Transparenz über das Alter der Flaschen. Das finde ich bei den aufgerufenen Preisen nicht akzeptabel. Wenn ich mir ein Szenario ausmale, bei dem ich z. B. für einen Empfang 18 Flaschen kaufe und dann feststellen muss, dass der schon klar über den Punkt ist, wäre das schon sehr ärgerlich.
Kirsten hat mich auch negativ überrascht; gerade im Vergleich zum Paulinshof war das eher enttäuschend - aber im von Carsten so treffend beschriebenen typischen Fall, in dem man den Sekt eher als Überbrückungs- oder Startgetränk im Glas hat und nicht mit einem anderen vergleicht, wäre das immer noch eine ordentliche Wahl und höchstwahrscheinlich genussvoller als 98% dessen, was man im Opernfoyer (für ein beispiellos jämmerliches PGV) oder bei der Firmenweihnachtsfeier so ins Glas bekommt.
Viele Grüße
Guido
PS: Den Eberbach hatte ich ja auch nicht in einer Probe im Glas, sondern solo und mit "Vergnügungsvorsatz". Hat leider nicht geholfen ...
Re: Deutscher Riesling-Sekt
Hallo zusammen,
kleiner Nachtrag zu Kirsten: Ich hatte den Sekt zu Silvester noch einmal im Glas und fand ihn dieses Mal deutlich besser. Das mag evtl. situationsbedingt gewesen sein (
), aber dennoch schien mir bei ähnlicher Cremigkeit die Frucht diesmal nicht zu kurz zu kommen.
Viele Grüße
Markus
kleiner Nachtrag zu Kirsten: Ich hatte den Sekt zu Silvester noch einmal im Glas und fand ihn dieses Mal deutlich besser. Das mag evtl. situationsbedingt gewesen sein (
Viele Grüße
Markus
Ein ganzer Kerl - dank Chablis!