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Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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weinaffe

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Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragDi 20. Okt 2020, 10:24

Hallo zusammen,

wieder ein kleines Stückchen Normalität im ganzen Coronawahnsinn: letzten Freitag trafen sich im Rahmen eines VHS-Seminars wieder 16 Weininteressierte, die unter strenger Einhaltung aller Coronaregeln den seelenverwandten Rebsorten Grüner Veltliner und Silvaner auf den Zahn fühlten.
Ein kleines Fazit vorneweg:
- alle Weine hatten ein mehr als zufriedenstellendes Niveau
- beide Rebsorten machen in allen Gewichtsklassen und Stilistiken eine gute Figur
- die Unterscheidung beider Rebsorten in der Blindverkostung ist häufig nicht ganz einfach.

Die folgenden 16 Exemplare waren am Start:

2013er Silvaner Brut Nature (Werther-Windisch, Mommenheim) -Rheinhessen-
3,5 Jahre Hefelager--12 Vol%
Silvaner kann auch sehr gut schäumend, wie dieser Sekt beweist: sehr feine Perlage,hefiger,fruchtreduzierter Stil, trotzdem glockenklar, knalltrocken, aber ohne die intensive "Champagnersäure", die hier eher cremig, aber frisch rüberkommt, feine Holzwürze, sehr erfrischend und dezent fruchtig-würzig, ein gelungener deutscher Sekt, der auf seine Weise qualitativ mit sehr guten Champagnern oder Cavas mithalten kann. Gutes PLV (15 EURO ab Weingut).

2019er Grüner Veltliner Kamptal DAC (Bio-Weingut Völkl, Lengenfeld) -Kamptal-
Technische Daten: 12 Vol%--RZ:1,5---S:5,7.
Dieser mehrfach prämierte Wein (Gold NÖ-Weinprämierung, Langenlois-Champion) bringt in vorbildlicher Weise genau das, was man von einem typischen DAC in der Leichtgewichtsklasse erwarten darf: ganz klare, sehr sortentypische, leicht fruchtbetonte Nase (Marille, Birne, Hauch Ananas), ohne das typische Pfefferl vermissen zu lassen, glasklar am Gaumen, sehr ausgewogenes Süsse-/Säurespiel, leicht- bis mittelgewichtig, klassischer Stahlausbau, enormer Trinkfluss,mittlere Länge. Sicherlich kein Ausbund an Komplexität, was aber hier auch nicht gefragt ist. Bio-Qualität für 5,80 EURO ab Weingut--- da kann man wirklich nicht meckern.

2017er Bürgstadter Centgrafenberg Silvaner "S" (Josef Walter, Bürgstadt) -Franken-
Technische Daten: 12,5 Vol%--RZ:1,5--S:4,7.
Dem Buntsandstein im Mainviereck sagt man nach, dass auf dieser Bodenformation keine vernünftigen Silvanertrauben wachsen. Dieser hochinteressante Vertreter aus einer Spitzenlage und von kundiger Hand vinifiziert beweist das Gegenteil: auf das Mineralische reduzierte Frucht (Hauch Apfel, etwas Quitte) bei gleichzeitig enormer Kräuterwürze (Dill, Salbei, Oregano), erinnert an manchen Keuper-Wein, auf der Zunge absolut trocken, cremige Säure, nur mittelgewichtig, extrem mineralisch, wieder viel Salbei und Dill, Hauch Gerbstoff, etwas steinige Mineralität, gute Länge.
Sicherlich ein guter Begleiter für die Gemüseküche, aber auch solo ein Wein mit viel Trinkfluss. Aber Achtung: wer fruchtige Weine bevorzugt, sollte diesen Wein nicht kaufen. Knapp 10 EURO ab Weingut.

2016er Sylvaner 19/68 Landwein Rhein (Michael Teschke, Gau-Algesheim) -Rheinhessen-
diesen formal leichtgewichtigen Wein (12 Vol%) hatte ich schon in einigen Weinproben--- und er wird immer besser! Leichter Sponti-Stinker, der aber mit Lufteinfluss verschwindet (dekantieren empfohlen!),dahinter eine saftige, aber keineswegs plakative Frucht (alte Apfelsorten, Birnenquitte) mit deutlicher Würze (dezent weisser Pfeffer, Kardamon), schon in der Nase einige Komplexität, knalltrocken, sehr saftig und für diese Gewichtsklasse erstaunlich fruchttief, stimmige Säure, steinige Mineralität, sogar gewisse Eleganz, relativ viel Extrakt bei wenig Alkohol, durchaus noch Entfaltungspotential für die nächsten Jahre, so geht anspruchsvoller Silvaner in der Mittelgewichtsklasse. Leider kein Schnäppchen (ca. 22 EURO im Weinhandel).

2019er Grüner Veltliner "Stein" Kamptal DAC (Jurtschitsch, Langenlois) -Kamptal-
Technische Daten: 12,5 Vol%--RZ:1,0--S:5,9.
Das Weingut macht seit einigen Jahren ganz hervorragende Weine. Dieser mittelgewichtige GV macht hier keine Ausnahme: sehr noble, etwas zurückhaltende, aber auch archetypische GV-Nase, die wunderbar die Mitte zwischen Frucht (vor allem Marille und ein Hauch Stachelbeere) und Würze (deutlich weisser Pfeffer und etwas Piment) findet, absolut trocken mit wunderbar strukturierender Säure, nur mittelgewichtig, auch auf der Zunge sehr zurückhaltend, aber mit einiger Tiefe, gegen Ende deutliche Mineralität mit etwas Gerbstoff-Grip, mittellanger Abgang. Das ist richtig guter GV, der viel mehr Trinkspass als manch mächtiger Wachau-Smaragd bereitet. Sehr angemessener Preis (ca. 11 EURO ab Weingut).

2018er Grüner Veltliner "In der Schablau" Weinviertel DAC Reserve (Ingrid Groiss) -Weinviertel-
sehr typische Reserve aus dem Weinviertel: kräftige, fruchtig-würzige Nase mit spürbarer Kraft, auf der Zunge trocken mit angedeuteter Extraktsüsse, passende Säure, saftige Frucht, die 13,5 Vol% sind ganz dezent spürbar, reife Stachelbeere, Hauch Mango, leichte Brennesselwürze, es fehlt vielleicht auch jahrgangsbedingt etwas an Tiefe und Länge, aber es bleibt trotzdem ein guter und typischer Vertreter aus dem Weinviertel. Bei meinem persönlichen Ranking das Schlusslicht der Verkostung, was aber lediglich die höhere Klasse der anderen Weine bezeugt.

2015er "Black Canvas" Gruner Veltliner Marlborough (Matt Thompson, Kiwi-Oeno Ltd.) -Neuseeland-
Technische Daten: Einzellagenwein--1 Jahr Feinhefelager--Ausbau im Edelstahl und in 500-Liter-Holzfässern (teilweise neu)--13,5 Vol%--RZ:2,2--S:5,4.
Auf diesen "Piraten" war ich besonders gespannt und er enttäuschte in keiner Weise, ganz im Gegenteil: sehr typische, fruchtintensive (etwas Maracuja, reife Stachelbeere), aber nicht plakative oder kitschige Frucht mit gekonntem Holzeinsatz, auf der Zunge trocken mit angenehmer Cremigkeit und der genau passenden Säure, bestens integrierter Alkohol, sehr gute Fruchtdichte mit dezent tropischen Fruchtanklängen, trotzdem sehr gut als GV zu erkennen, sehr gekonnter Holzeinsatz, der dem Wein eine gewisse Noblesse und Länge mitgibt. Der Wein zeigt mit aller Deutlichkeit, dass ein solch gelungener GV auch in Neuseeland seine Daseinsberechtigung findet.
Gefiel allen ausnehmend gut. Gutes PLV (ca. 19 EURO im hiesigen Weinhandel).

2015er Escherndorfer Silvaner "Ab Ovo" (Rainer Sauer, Escherndorf) -Franken
aus der Spitzenlage Lump--13,5 Vol%--Ausbau zu 100% im Betonei.
Ist der Ausbau im Betonei nur ein Marketinggag oder steckt mehr dahinter ? Daniel Sauer schwört auf diese Ausbauvariante und die Qualität des Weines gibt ihm jedenfalls Recht: unglaubliche Frische für einen 2015er, feine Apfelfrucht mit etwas Quitte, sehr würzig und mineralisch schon in der Nase, auf der Zunge absolut trockener Eindruck, sehr saftige Säure, der Alkohol ist in keiner Weise spürbar, toller Mix aus reifer Frucht und mineralischer Würze, ganz zarter Gerbstoffhauch, langer, animierender Abgang. Ob dieser Wein wegen oder trotz des Ausbaus im Betonei sich so hervorragend präsentiert, ist mir letztendlich ziemlich schnuppe. Toller, sehr eigenständiger Silvaner mit noch Reifepotential, der mir fast besser gefällt als die teureren GG`s des gleichen Erzeugers.
Angemessener Preis (ca. 22 EURO im Weinhandel).

Die restlichen 8 Weine folgen in ein paar Tagen!

Stay tuned!

LG
Bodo
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amateur des vins

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Re: Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragDi 20. Okt 2020, 15:40

Danke, Bodo!

Beide Rebsorten finden bei mir kaum statt, was das Lesen für mich noch einbißchen spannender macht. :geek:
weinaffe hat geschrieben:seelenverwandten Rebsorten Grüner Veltliner und Silvaner
[...]
- die Unterscheidung beider Rebsorten in der Blindverkostung ist häufig nicht ganz einfach.
Erstaunlich!
Wie geschrieben, viel Erfahrung habe ich nicht, aber daß die beiden zum Verwechseln ähnlich sein sollen, überrascht mich. Nun ja, Blindverkostungen sind natürlich stets viel fordernder, als man vorher meint... Ich selber kann mit Grünem Veltliner nicht so viel anfangen, während ich mit S[iy]lvaner schon schöne Erlebnisse hatte und meine Erfahrungen damit gerne bei Gelgenheit mehre.

Freue mich auf die Fortsetzung!
Besten Gruß, Karsten
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austria_traveller

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Re: Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragDi 20. Okt 2020, 20:18

amateur des vins hat geschrieben:Ich selber kann mit Grünem Veltliner nicht so viel anfangen

Ich auch nicht !
Wobei ich Silvaner ähnlich spannend sehe wie den GV .
Vielleicht habe ich aber immer die falschen probiert
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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EThC

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Re: Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragDi 20. Okt 2020, 20:30

amateur des vins hat geschrieben:Ich selber kann mit Grünem Veltliner nicht so viel anfangen, während ich mit S[iy]lvaner schon schöne Erlebnisse hatte

...es gibt für meine Begriffe auch wunderbare GV's, aber das ist natürlich Geschmackssache...

Mitreden kann ich hier (bis jetzt) nur bei den Silvanern. Den 19/68 von Teschke aus 16 finde ich auch sehr schön, frühere Jahrgänge wie z.B. den 12er fand ich aber noch ungleich spannender. Mit den Jahren erscheinen mir die Teschke-Weine etwas "versöhnlicher" zu werden.
Beim "Ab Ovo" kenne ich den 16er, der war vor zweieinhalb Jahren noch recht streng bzw. stahlig, sollte ich vielleicht mal wieder antesten...
Viele Grüße
Erich


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Gerald

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Re: Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragMi 21. Okt 2020, 08:10

Silvaner kenne ich eher wenige, ist in Österreich (obwohl angeblich das Ursprungsland) relativ selten zu bekommen. Bei jungen Exemplaren habe ich aber auch eine gewisse Ähnlichkeit mit jungen Veltlinern festgestellt.

Mit dem Grünen Veltliner kann ich persönlich sehr viel anfangen, für mich die mit Abstand interessanteste weiße Sorte überhaupt. Mag sein, dass der Riesling "schönere" Weine hervorbringen kann, aber die Veltliner sind aus meiner Sicht spannender und vor allem wesentlich vielfältiger.

Grüße
Gerald
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EThC

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Re: Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragMi 21. Okt 2020, 11:40

Gerald hat geschrieben:Mag sein, dass der Riesling "schönere" Weine hervorbringen kann, aber die Veltliner sind aus meiner Sicht spannender und vor allem wesentlich vielfältiger.

...Vielfalt und Spannung finde ich bei GV, Silvaner und Riesling, würde mich aber nicht trauen, da eine Sorte klar oben hin zu stellen...
Viele Grüße
Erich


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weinaffe

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Re: Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragSo 25. Okt 2020, 14:43

.. und weiter gehts mit den GV und Silvanern:

2015er Silvaner "Silex" Taubertäler Landwein tr. (Stefan Krämer, Auernhofen) -Franken-
stammt zu 100% aus der Lage Röttinger Feuerstein (Muschelkalk mit Feuersteineinlagerungen),ungeschönt und unfiltriert, teilweise Maischegärung unter Zugabe ganzer Beeren, daher auch keine sinnlose Anstellung bei der Qualitätsweinprüfung.
Extrem spannende, steinig-mineralische Nase, die Frucht spielt hier nur eine Nebenrolle, erst mit viel Luft etwas Quitte, alte Birnensorten, Lederäpfel, würzig mit etwas Curry, sehr komplex, der Wein ist immer noch extrem jung und benötigt viel Sauerstoff (unbedingt dekantieren). Auch auf der Zunge geheimnisvoll verschlossen, ohne jegliche Süsse, saftige Säure, der Alkohol (13 Vol%) ist überhaupt nicht spürbar, viel Grip und Saft, sehr feiner Gerbstoff, etwas Altholz spürbar, dezente Fruchtausprägung (Quitte, Apfel), sehr würzig (Kardamon, etwas Curry und Kräuter), sehr straff und extrem lang, eine Mineralbombe, die gut die Mitte zwischen Freakstoff und traditionellem, nicht auf Frucht gebautem Silvaner findet. Dieser Wein braucht aber noch Minimum 3-5 Jahre, um alles zu zeigen. Für mich ein großartiger Silvaner in dieser Stilistik, die aber sicherlich nicht jedem gefallen wird. Damals sehr günstige 16 EURO ab Weingut.

2013er Kammerner Renner Grüner Veltliner Reserve (Schloß Gobelsburg) -Kamptal-
ein im besten Sinne klassischer GV in der Reserve-Kathegorie: glasklare, tiefe Frucht (Marille, etwas Orangenabrieb,Rhabarber), sehr vielschichtig schon in der Nase, jetzt perfektes Reifestadium, kräftiger, aber trockener GV mit feinem Schmelz, perfekt integrierter Säure, kraftvoll (13,5 Vol%), aber in keiner Weise breit oder gar mastig, kräftiger Extrakt, sogar leicht extraktsüss, reife gelbe Früchte, etwas Würze, ein in sich ruhender GV in der kräftigen Kathegorie, der ideal zum Essen passt und trotzdem nicht satt macht. Schloß Gobelsburg gehört für mich trotz der Größe (70ha) zu den besten Erzeugern, nicht nur im Kamptal.Damals ca. 18 EURO ab Weingut.

2017er Engabrunner Stein Grüner Veltliner 1e Lage ÖTW (Ott, Feuersbrunn) -Kamptal-
Das Weingut Ott gehört mit einem Betriebsanteil von 95% GV zu den Aushängeschildern dieser Rebsorte. Obwohl das Weingut im Wagram beheimatet ist, hat es auch hochwertige Lagen im benachbarten Kamptal. So wie dieses Exemplar: wesentlich straffer und fokussierter als der im traditionellen Stil gehaltene Vorgänger, noch etwas verdeckte Frucht (Quitte, Birne, Marille) mit einer Spur weissem Pfeffer, schon in der Nase extrem mundwässernder Eindruck, auch am Gaumen athletisch und straff ohne jegliches Gramm Fett, komplett durchgegoren, saftige Säure, wirkt mit seinen 13 Umdrehungen fast noch mittelgewichtig, verhaltene, aber Reife Gelbfrucht, etwas Pfefferwürze, zart kräutrig, deutliche Mineralität (Feuerstein), dezent reduktiv, super Trinkfluss, Hauch Gerbstoff im Abgang. Fruchtreduzierter als der Vorgänger, aber trotz extremer Jugendlichkeit hohes Potential erkennbar, extrem guter Premium-GV. 28 EURO im Weinhandel.

Fortsetzung mit den fehlenden 5 Weinen folgt in Kürze !

LG
Bodo
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weinaffe

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Re: Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragSo 25. Okt 2020, 16:55

.... und weiter mit den letzten 5 Weinen:

2017er "Sister Act" Silvaner QW tr. (Wirsching, Iphofen) -Franken-
in teilweise neuem Holz ausgebauter Silvaner aus alten Reben vom Iphöfer Julius-Echter-Berg.
13,5 Vol%----Z:3,2--S: 6,8.
ein Gemeinschaftswerk von Andrea Wirsching und ihrer Schwester: sehr gelungener, aber deutlicher Holzeinsatz, der die Sortenart etwas in den Hintergrund drängt, Vanille, dezent rauchig, reife Keupernase (gelbe Früchte mit Kräuternoten), am Gaumen trocken mit etwas Extraktsüsse, belebende, gut strukturierende Säure, kraftvoller, aber nicht adipöser Körper, reife, aber nicht plakative Gelbfrucht (Aprikose, Birne, Apfel), gelungener Holzeinsatz, der aber die Herkunft und Sortenart etwas nivelliert, durchaus langer, von Holz und würziger Frucht getragener Abgang.
Gekonnt internationale Stilistik mit mäßigem Sortencharakter. Dennoch ein sehr hochwertiger Wein. 19 EURO ab Weingut.

2006er Escherndorfer Lump Silvaner GG (Juliusspital, Würzburg) -Fanken-
Daten: 13,5 Vol%--- RZ:6,8---S:5,8.
ein noch sehr lebendiger Beweis für die Alterungsfähigkeit von Silvanern, auch aus nicht einfachen Jahrgängen:
ein extrem kräutriges Kraftpaket mit viel Salbei und Dill, sehr ausgewogen und in sich ruhend, gereift, aber noch in Top-Verfassung, intensive Nase, dezent Quitte und Birne, am Gaumen fast komplett trockene Anmutung (trotz 6,8 Restzucker), sanfte, aber wirkungsvolle Säure, kraftvoller Körper, cremiger und ausgewogener Gaumeneindruck, toll gereift, samtig, fein, gewisse Eleganz, stark kräurig, reife Melone, Birne, sehr saftig und ausgewogen, bestens integrierter Alkohol, langer, sehr ebenmässiger Abgang.
Normalerweise bin ich kein Freund von Silvanern jeneits der Fränkisch-trocken-Grenze (4 gr. RZ), aber in diesem Falle ist das Süsse-/Säureverhältnis extrem stimmig und es entsteht im Alter eine elegant-abgeklärte Sortenart, die allen Teilnehmern sehr gut gefallen hat. Chapeau !!

2017er Würzburger Stein-Harfe Silvaner GG (Bürgerspital, Würzburg) -Franken-
die zeitgemäße und modernere Variante des Vorgängers vom anderen Würzburger Spital:
ungemein straffer und mineralischer Naseneindruck, braucht einiges an Luft, dann auch knapp reife Gelbfrucht (Quitte, Wildäpfel, Birne), dezent reduktiv, am Gaumen knalltrocken mit stimmiger Säure, sehr zurückhaltend in der Frucht, etwas Feuerstein, angenehm herbale Würze, aber glockenklar und sehr fokussiert, sehr straight mit etwas Gerbstoff-Grip, sehr saftig, anhaltende Aromatik, noch etwas gebremster Abgang. Der Wein wird in 5-10 Jahren grandios sein. Stammt aus der Stein-Monopollage des Bürgerspitals mit extrem alten Rebbestand. 26 EURO ab Weingut.

2018er Loibner Grüner Veltliner Smaragd "Vinothekfüllung" (Knoll, Unterloiben) -Wachau-
einer der absoluten Kult-GVs Österreichs: sehr intensive, fruchtig-würzige Nase mit leicht exotischem Einschlag, neben reifer Marille und Stachelbeere auch ein Hauch Mango und Maracuja, beeindruckende, fast überbordende Nase,keinerlei Bortrytis spürbar, aber extrem reifes Traubengut, am Gaumen trocken mit ganz dezentem Süsseeindruck, der aber wahrscheinlich auch vom hohen Extrakt verursacht wird, viel Frucht und würzig, warme, reife Frucht, die 14 Vol% sind nur dezent spürbar, kraftvoll, cremig, aber extrem sauber, langer fruchtig-würziger Abgang. Dieser Wein ist reifemäßig auf die Spitze getrieben und hart auf Kante genäht. Sicherlich beeindruckend und extrem gut vinifiziert, aber mehr als ein Glas möchte ich von diesem großkalibrigen GV nicht trinken. Für eine Probe aber hochinteressant, was reifemäßig bei einem GV alles geht. Ca. 50 EURO im Handel.

2015er Grüner Veltliner Trockenbeerenauslese (Josef Fischer, Rossatz) -Wachau-
zum Abschluss noch eine edelsüsse Granate vom "falschen" Ufer der Wachau:
goldgelbe Farbe, sehr viskos im Glas, piekfeine, klare GV-Sortenart mit viel Konzentration und honigartigen Noten, am Gaumen konzentrierte Süsse mit durchaus belebender Säure als Gegenpol, extrem saubere Bortrytis-Noten, glockenklar und extrem sauber, passende 10 Vol%, noch sehr jugendlich mit einigem Potential, langer, fruchtig-süsser Abgang. Fast im Stile einer deutschen TBA vinifizierter Wein, der dazu ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis besitzt (ca. 25 EURO im Handel für die 0,375 Flasche).

Fazit: Sehr schöne Probe mit unterschiedlichen Stilrichtungen, die sehr schön die Bandbreite beider Rebsorten dokumentiert.

In knapp 4 Wochen -sofern uns Corona keinen Strich durch die Rechnung macht- werden wir uns ausgiebig mit den weltweit führenden Rebsorten Riesling, Chardonnay und Sauvignon blanc beschäftigen. Eine Woche später werden wir uns dann im privateren Rahmen mit Kultweinen weltweit beschäftigen, eine Art "once in a lifetime"-Probe mit vielen kostbaren Tropfen. Um Begehrlichkeiten vorzubeugen: Diese Non-Profit-Probe (12 Weine, 8 Teilnehmer, 120 EURO pro Teilnehmer incl. Essen) ist natürlich schon längst ausgebucht.

LG
Bodo
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Re: Grüner Veltliner meets Silvaner in Würzburg

BeitragDi 27. Okt 2020, 23:05

Vielen Dank für die aussagekräftigen Beschreibungen! Auch wenn ich dennoch nicht wirklich weiß, was mir am besten gefallen hätte. Aber zumindest weiß ich, daß ich meine Kraemer-Bestände mal wieder aufstocken muß... :D
Viele Grüße
Erich


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