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Deutsche Spätburgunder

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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maha

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Deutsche Spätburgunder

BeitragDi 14. Mai 2019, 14:01

Hallo zusammen,

letzte Woche trafen sich wieder ein paar Wein-Bekloppte in FFM zu einer Verkostung deutscher Spätburgunder.
Getrunken wurde blind, aufgedeckt nach jedem Flight.

Hier meine Notizen:

Flight 1:
Diel, Cuvée Caroline, 2005
Erdbeere, Pflaume, würzig, Pilze, etwas Rauch mit Luft deutlich mehr, das riecht „deutsch“
Schöner Antritt im Mund, schöne Würze, zunächst etwas alkoholisch, dunkelrote Frucht, mittlerer Körper, auch hier Rauch. Würziger Abgang. Schöne Säure, Starker Beginn

Rebholz, im Sonnenschein, 2005
Etwas „buttriger“ in der Nase, Expressiv, dunkle Frucht, dunkler Kakao
Voluminöser Körper, Dunkle Cassisfrucht, leicht bitter, sehr wuchtig, ganz andere Stilisitk. Etwas unharmonisch und wirkt fast noch etwas verschlossen.

Flight 2
Huber, Schlossberg 2007
Zedernholz, sehr verhalten zu Beginn, Erdbeere, Süßholz, mit Luft kommt Rauch und ne schöne Pinot Frucht
Viel harmonischer im Mund als in der Nase, spitze aber sehr schöne Säure, Erdbeere, viel Extrakt. Das ist ein richtiger Speichelzieher, schöne Kühle. Mein Flightsieger trotz nicht ganz optimaler Flasche

Huber, Bienenberg, 2007
Leichter Stinker, riecht fast nach BDX, Rote Beete, Milchschokolade. Auch hier kommt mit Luft Rauch
Die wunderschöne Säure findet sich auch hier, schön würzig, hat eher eine wilde Fruchtigkeit mit viel Extrakt,  Blut, Salbei, ewig lang!

Huber, Sommerhalde, 2007
Zuerst etwas komische Nase, etwas gemüsig zwar anders als die Rote Beete vom Bienenberg, aber ohne grün zu wirken, etwas Röstaromen, Dunkle Kirsche
Verhaltener im Mund (zunächst), würzig, die Säure eher nicht so gut eingebunden, etwas anstrengend, hat ein kleines „Loch“ in der Mitte, Sauerkirsche, kommt dann aber so langsam aus dem Knick, braucht viel Luft. Wird später länger und „dunkler“, nähert sich langsam den anderen an und dreht richtig auf. 

Ich hätte alle 3 nicht nach DE verortet. Alle 3 nähern sich mit Luft auf sehr hohem Niveau an. Da ist eine klare Linie zu erkennen. Die schönste Metapher fand der Kollege neben mit: Das ist wie mit den eigenen Kindern, alle sind auf Ihre Art eigenständig, aber man hat sie alle lieb :)

Flight 3:
Fürst, Hunsrück, 2007
Typische deutsche Pinot Nase, Edbeere, Pfeffer, Kräuterwürze, sehr betörend, komplex, seidig
G: Auch hier komplex, sich ständig wandelnd, hellrote Frucht, schöne Säure die perfekt integriert ist, enorme Tiefe, Würze, Pfeffer, sehr sehr schön. Filligranität gepaart mit Komplexität. Könnt ich mich reinlegen! Mein WOTN!

August Kesseler, Cuvée Max, 2008
Sehr atypische SB Nase, dropsige Frucht, geht fast Richtung Jägermeister, brandig, Klebstoff, 
Der Gaumen gefällt mir besser, viel Frucht-Extrakt, eher dunkel, Pullmoll Kirsche, es fiel wieder das Wort nuttig. Hätte mir jemand gesagt, das ist Oregon Pinot, ich würde das unterschreiben. Der ist voll auf die Fresse, dafür fehlt Komplexität, die sein Flightpartner hat

Flight 4:
Becker, Sankt Paul, 2009
Auch hier wieder das was ich mit deutschem SP assoziieren würde, Marzipan, Erdbeere, Maulbeere, Kräuter, 
Am Gaumen eher filigran, dezente Würze, schöne, aber spitze Säure, vielleicht etwas too much Säure, nicht ganz so lang, schöne Erdigkeit, etwas indifferent. Zu jung?

Meyer-Näkel, Kräuterberg, 2009
Brandige Nase, Cassis, nicht ganz so bonbonig wie der Kesseler, Brombeere, ätherische Noten, Menthol, Waldboden, Zeder, Rosmarin.
Voluminöser Gaumen, Dunkle, eingekochte Frucht, Cassis auch hier, mächtiges Volumen, schöne Länge, etwas brandig, klein Leisetreter mit einer leichten Bitterkeit. Zunächst schwierig. Auch das wird mit Luft besser.

Knipser Burgweg, 2009
Hier auch typisch Spätburgunder in der Nase mit ein wenig mehr Vanille, sehr präsentes Holz, dabei aber auch elegant, rund.
Viel Extrakt, sehr schöne Saftigkeit, auch hier Vanillige Frucht, Erdbeerjoghurt, und Johannisbeere im Mix, schöne Säure. Mein Flightsieger, aber auf etwas niedrigerem niedrigem Niveau als den vorherigen Flights. 

Am besten gefallen hat mir der Fürst, dicht gefolgt von der Huber Trilogie.

Gruss
Marko
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Spätburgunder

BeitragDi 14. Mai 2019, 14:32

Hallo Marko,

Vielen Dank für die Verkostungsnotizen, da habt ihr die gereifte PN Spitze Deutschlands durchprobiert, ich bin neidisch!
Von den Weinen habe ich nur den Huber Schlossberg 2007 probiert. Das war aus einem Doppelmagnum bei der Huber Jahrgangspräsentation in 2017. Der Wein des Tages damals.

Noch besser glaube ich sind die 2008er Bienenberg und Wildenstein.

Interessant finde ich Deine Notizen für Fürst, ich habe nie einen Fürst-Wein getrunken. Ich glaube dass ich leider auf dem Preislevel „Huberisiert“ geworden bin.
Hast Du etwas jüngeres von Fürst probiert?

Viele Grüße
Rolf
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maha

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Re: Deutsche Spätburgunder

BeitragDi 14. Mai 2019, 15:28

Der Wein-Schwede hat geschrieben:Hast Du etwas jüngeres von Fürst probiert?

Hallo Rolf,

in der Tat war das auch meine erste Begegnung mit Fürst. Eine sehr schöne, wie ich zugeben muss :) und mit Sicherheit nicht die letzte.

Gruss
Marko
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Dilbert

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Re: Deutsche Spätburgunder

BeitragMi 15. Mai 2019, 10:44

Hallo Marko,

das war ja eine echt spannende Runde mit tollen Weinen.

Zum Rebholz: glaubst Du in der Tat, dass der Wein noch verschlossen ist? Hatte ihn ein/zweimal in den letzten Jahren und fand ihn immer recht gut, allerdings - wie Du geschrieben hast - eher auf der wuchtigen Seite.

Eine Flasche hätte ich noch und bin gerade am überlegen, ob die demnächst dran glauben darf!

Gruß,
Jochen
„Eine Magnum-Flasche? Genau die richtige Größe für einen schönen Abend. Vorausgesetzt, man beginnt mit einem Champagner, man endet das Menu mit einem Sauternes, und man ist allein daheim…“
(Anthony Barton)

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