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BYOB Probe

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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maha

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BYOB Probe

BeitragMo 15. Apr 2019, 14:18

Hallo Liebe Weinfreunde,

Am Samstag trafen sich wieder ein paar Wein-Bekloppte zu einem herausragenden „Bring your own bottle“-Event im Restaurant SchauMahl in Offenbach.
Ja, auch in Offenbach kann man vortrefflich Speisen (und trinken). ;-)

Getrunken wurde wieder blind, die einzelnen Flights wurden so zusammengestellt dass keiner wusste wann sein eigener Wein dran kommt. Gut, beim Altwein Flight liess sich das leider nicht vermeiden, die Flaschen waren doch, trotz Alufolie, von außen als solche zu erkennen.
Aufgedeckt wurde nach jedem Flight
Danke an dieser Stelle an Jan-Henning, der leider nicht dabei sein konnte. Dir muß beim zusammenstellen das Herz geblutet haben...

Zum Apero:
Schloss Schönborn, 1997er Riesling Spätlese, trocken
Wirkt für einen 97er noch fast jugendlich. Elegante Riesling Nase, ganz leicht Petrol, dunkelgelbe Früchte. Am Gaume etwas zupackender und kräuterwürzig. Schöner Beginn

Als Tischwein, quasi zum knuspern zwischendurch, gab es aus der Magnum einen BDX
Cru Bourgeois, Chateau Cissac, 2003
Dunkle Kirsche, wuchtig, alkoholische Nase, durchaus als BDX Blend zu, Pumpernickel, Vanille
Krasse Tanninstruktur, ich dachte zunächst amm Gaumen an einen Nebbiolo. Die Säure passt gut ins Gesamtbild, leicht bitter hinten raus, die Frucht durchaus ansprechend. Wirkt noch sehr jung für 2003.

Als ersten Single Flight:
Champagner Pommery Cuvée Luise Rosé, 2000:
Bernsteinfarben, In der Nase Feuerstein, Brotteig, Petrol, Weiße Johannisbeere, Zuckerwatte.
Ganz feine Perlage, Schönes Volumen, helle Blüten, Salz-Zitrone, schöne Würze, knackig trocken, ewig lang, viel Extrakt. Nice!

Dann ging es in 2er Flights weiter und es sollte groß werden!
Flight 1
Clos Ste. Hune, Trimbach, Riesling 1993
Wow das geht ja gut los. Sehr schöne Nase! Honig, sehr vielschichtig, Quitte, ganz leicht Petrol, Williamsbirne und etwas Orange und Kräuter. Die Nase ändert sich ständig, riecht jetzt wie ein Sauternes
Würzig im Mund, ölige Textur, dabei aber eine schöne Frische. Auch hier eine Mischung aus reifen gelben Früchten und schöner Kräuterwürze. Wunderschöner Riesling. Auf Elsass ist dann aber keiner gekommen. Auf 1993 auch nicht. 

Aus der Magnum einen Grüner Veltliner Achleiten, Domäne Wachau, Smaragd 1996
Dunkelgelbe Früchte in der Nase, Mürbteig auch Orange (oder Qumquat?), eher kandierte Früchte.
Auch würzig im Mund (ist das das Veltliner Pfefferl?), sehr straffe Säure, etwas parfümierter als der Riesling und schöne Länge, leicht bitter hinten raus. Auch hier kam keiner auf Veltliner. 
Der konnte zwar nicht mit dem Elsässer mithalten, das war aber so auch nicht gedacht.

Flight 2 - der Altweinflight
Pichon Baron, 1934(!)
Zunächst ordentlich Liebstöckel, dann aber kurze Zeit später Erdbeere und vor allem rostiges Eisen. Viel rostiges Eisen. Dazu ein ganzes Pilzgericht und welke Blätter. Man merkte dem Wein schon in der Nase an dass er alt war. Wie alt ahnte jedoch keiner.
Der Gaumen nicht ganz so laktisch, ja, etwas metallisch auch hier, sehr filigran, rote Johannisbeere, spitze Säure und wieder die Erdbeere aus der Nase. Dass der Wein älter als 50 Jahre sein würde hatte ich mir gedacht, aber 1934! Das war der älteste Wein den ich je im Glas hatte und das war sehr beeindruckend. Das ist nicht nur noch trinkbar, sondern sogar mit großem Genuß - wenn man Altweine mag ;-).

Chapoutier, Hermitage, 1978
Die Nase same same mit Liebstöckel, das wird aber auch hier besser. Rumtopf, Veilchen, Marzipan und Karamell gesellen sich dazu. Auch das riecht deutlich gereift.
Seidiges Mundgefühl, würzig und stimmige Säure, für das Alter noch einen ordentlichen Körper, Erdbeer Kompott, ordentliche Länge. Schöne malzige Süße. Ich tippte auf Rhone
Was für ein genialer Altwein-Flight! Vielen Dank für dieses Erlebnis

Weiter ging’s mit einem weiteren Hammer Flight 3
Rioja Tondonia Gran(?) Reserva 1994
Ob Gran Reserva oder nicht Gran (ich weiss es nicht mehr), Ein Nasen-Traum mit Weihnachtsgewürzen und Rosinen. Geile Nase, hedonistisch und wahnsinnig komplex. Ein ganzer Korb dunkler Früchte, in Perfektion angereift, dazu diese Würze in totaler Balance. Ich muss hier aufpassen mit Superlativen
Wuchtig im Mund, geile Säure, tänzelnder Körper, ganz leicht tertiär, hammer Extrakt, würzige Pflaume, pfeffrig und sehr gute Länge. Wo der Wein herkommt hab ich aber auch nicht erraten

Stag’s Leap, Cask 23, Cabernet Sauvignon, USA, 1984
In der Nase Rumtopf, so was wie süß eingelegtes Sauerkraut, etwas Klebstoff, dunkle Kirsche, schon leicht tertiär. Auch diese Nase ist sehr stimmig.
Etwas komplexerer Gaumen als sein Flightpartner. Säure, Süße, Extrakt, alles in feinster Balance, etwas freaking, wandelt sich ständig, super lang. Die Cabernet Frucht und auch -Würze ist noch da, aber eher dezent im Hintergrund, die typische Paprika finde ich weniger. Später dann Menthol und Mokka Joghurt, Geil!! Auch das wandelt sich im Glas von Minute zu Minute
Wieder ein Flight fast auf Augenhöhe. Mit gefällt der Ami etwas besser, da er etwas „verrückter“ ist.

Flight 4
Chateau Palmer, 1988
Leichter Muff, dahinter schöne Würze, rote Paprika, leichter Kuhstall. Könnte Bordeaux sein.
Auch im Gaumen ein ganz leichter Muff, Süßholz, Schöne Säure, ganz feine Tannine, floral. Die Flasche war leider nicht ganz optimal. Wir hatten den 88er Palmer erst vor kurzem bei unserer Palmer 80er Probe, da zeigte er was er kann. Da kam die Flasche hier leider nicht ran.

Leoville Las Cases, 1989
Etwas parfümierter als der Palmer, sehr komplexe Nase, Rosmarin, Thymian, Piment, Räucher-Noten, Erdbeere, ein Nasentier! 
Kräftige Tannine gepaart mit einer wunderschönen Säure im Mund, Cassis pur, Kippt für mich hinten etwas ab, aber das tut dem Genuß keinen Abbruch. Hier war ich blind auch im BDX, tippte allerdings auf St. Estepehe.

Flight 5
M. Chapoutier Ermitage, Les Greffieux, 2007
Rumtopf, Rosinen, Rosmarin in der Nase, die dunkle Frucht etwas brandig
Schöne Extraktsüße, brandig auch im Mund mit Pflaume und Zwetschgenröster, Kaffee. Blind kann man das auch für einen freakigen Pinot halten

Sassicaia, 2007
Leichter Muff auch hier in der Nase der aber verfliegt. Das empfinden allerdings nicht alle so :? . Der Geruch geprägt von Cabernet und Merlot, Schwarzbrot, Kräuter, wild und ungestüm. Geil!
Im Mund, Kräuter und Cassis, starke Tannine, sehr komplex, Dunkle Früchte, schöner Extrakt, wird mit Luft immer schöner. Einige stört der Muff auch später. Ich finde das nicht so schlimm, aber einen kleinen Batscher scheint die Flasche leider zu haben. Ich finds dennoch sensationell. 

Flight 6
L Errazuriz, Don Maximiniano, Founders Reserve, Chile, 2007
Blaubeersaft in der Nase, medizinal, Schieferwürze, konzentriert, eher auf maskulinen Seite.
Auch im Mund Extrakt pur, Blaubeere bis der Arzt kommt, Tannin und Säure sehr schön, Schiefer. Eine ordentliche Wuchtbrumme. Hier war ich erst im Priorat. Ich kann mir das mit etwas mehr Flaschenreife durchaus sehr schön vorstellen

Chateau Montrose, 1995
Und wieder ein Nasen Monster! Kirschsaft, Minze, Rosa Pfeffer, Veilchen, Heu, nicht ganz so wuchtig wie sein Partner, aber genau so schön, etwas femininer
Im Mund deutlich filigraner aber sehr elegant dabei. schöne Würze, feine Länge, tänzelt auf der Zunge. Eher rotbeerig mit etwas blumigen Anklängen. Ein wundeschöner Wein.

Zum Dessert
Rivesaltes Riveyrac, Vin Doux Naturel, Frankreich 1969, Abgefüllt 2013, 100% Grenache Noir
Nase: Salbei, Kaffee oder besser Mokka, würzig, Pflaumenkuchen mit etwas Zimt.
Angenehme Süße im Mund, nicht so wuchtig wie Port, schöne Säure dahinter, Bratapfel, Marzipan, auch Ihr Pflaume, noch sehr wuchtig trotz des hohen Alters.
Auch das gefällt mir ausserordentlich gut. Das ist mal was anderes als Port. Trotz der Fülle an Aromen hat das auch was elegantes. Ich hätte nur anstatt des Käses die Süße Dessertvariante wählen sollen

Zum Schluß noch ein Single Flight 
Battonage 2007, Öserreich
Bäm, in your Face! Sehr dunkel, fast lila, sehr konzentriert, heftige Nase, ebenfalls fast brandig, strotzt nur so vor Kraft.
Heftiger Antritt auch im Mund, viel Extrakt, Wuchtig und voll, mineralische Würze, jung und ungestüm. Alle dunklen Beeren dieser Welt, fast zu Sirup verkocht. Sie Säure "mildert" das ganze ein klein wenig ab. Krasses Teil. 
Das ist noch mal ne Ansage zum Ende. Früher hätte ich mir damit Badewannen voll laufen lassen. Jetzt stelle ich fest dass ich wohl schon in einem Status meiner Trinkerkarriere angekommen bin, wo mir das way too much ist. Ich würde das gerne noch mal in 10-15 Jahren probieren wenn das etwas gereift ist. Dennoch eine schöne Erfahrung.

Ja, was soll ich sagen. Ein denkwürdiger Weinabend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. 
Großes Lob an die Küche und Service des SchauMahl in Offenbach. Hier wird auf Sterneniveau gekocht, das ganze aber völlig unaufgeregt und ohne jegliche Starallüren. Ich kann hier einen Besuch nur empfehlen.

Vielen Dank an alle Teilnemer für die edlen Wene und die tolle Gesellschaft an diesem wundervollen Abend

Gruss
Marko
Der schönste Sport ist der Weintransport!
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Winedom

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Re: BYOB Probe

BeitragDi 16. Apr 2019, 21:18

Super! Danke für die Notizen!
Das war ja ein vielfältige Weinprobe!

Gruss Rainer
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innauen

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Re: BYOB Probe

BeitragMi 17. Apr 2019, 11:14

hört, hört :geek:

Spannende Probe! Habe gern die Notizen gelesen.

Grüße,

wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)

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