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Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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duhart09

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragSa 21. Okt 2017, 07:23

Jochen R. hat geschrieben:Lagrange (St. Julien)-Vertikale am 02.10. in Frankfurt.

2003 sehr kontrovers diskutiert. M. M. macht der
(wie der eine oder andere 2003er auch) so langsam zu, der für mich
mit Abstand „schwächste“ Wein - v. a. weil ich den nicht nur einmal
schon deutlich besser im Glas hatte - 88 P.

Viele Grüße,
Jochen


Im Rahmen einer kleinen Nachlese haben Marko, noch ein paar Weinfreunde und ich den Lagrange 03 noch einmal nachverkostet - im harten Vergleich zu Duhart Milon und Pontet Canet 03 und steakbegleitend. Besserer Eindruck als am Abend der Vertikale, aber - gerade zum Essen - chancenlos gegen die beiden hervorragenden Pauillacs! Der Duhart wieder mit einer wunderbaren Veilchen-Nase (ein echter Riech-Wein und klar "Nose of the Night") und Pontet Canet 03, x-fach verkostet und immer geliebt, ein Bolide, der dem Steak wunderbar Paroli bietet. In Punkten: 18, 18-19, 19. Pontet Canet ist überhaupt DER Steak-Wein für mich! Fazit: 2003 rocks!!

Gruß
Uli
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duhart09

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragSo 26. Nov 2017, 15:05

Nach einer etwas enttäuschenden Domaine de Chevalier-Probe Anfang November (mit den Jahrgängen 89, 90, 96, 98 00 und 01) traf sich unsere Runde in etwas dezimierter Stärke zum üblichen Bordeaux-Runden-Jahresausklang mit Döpfner'scher Gans, um eine kleine Doppelvertikale Cos d'Estournel vs. Montrose zu zelebrieren.

Und eine "Zelebration" wurde es!! Die Weine präsentierten sich auf höchstem Niveau und Ausfälle gab es auch nicht zu beklagen! In drei Flights standen sich die jeweiligen Jahrgangsvertreter gegenüber:

1989 Cos: Nase: "blau und kalt", anfänglich eine marginale Maggi-/Liebstöckelnote, die zum Glück wieder verflog. Gaumen: Dunkle Beeren/Blaubeeren, leichter St. Julien-Eindruck/karamellig, komplex, lang. Im Vergleich zum Montrose "aggressiver und funkelnder", ein Feuerwerk! Sensationell schön, 19+ P.

1989 Montrose: Nase: etwas Kuhstall, "Tiefe und dunkel", laktisch. Gaumen: blaue Beeren, laktisch/Joghurtnoten, sehr sehr lang. Im Vergleich schmeichelnder und eleganter, ein Samtkissen oder ein ganzes Samstsofa! 19-20 P.

Irgendwer brachte den Vergleich zwischen der feurigen Geliebten und der lieben Ehefrau, in deren Schoß man gerne wieder zurückkehrt - die mitlesenden Damen mögen's mir nachsehen! Beide Weine jedenfalls noch mit einem sehr langem Leben vor sich... was für ein Auftakt!

1996 Cos: Nase: Rose(!), Kirsche, reife Cabernet-Paprika, im Glas schneller alternd. Am Gaumen würziger, Kirsche, prägnante Säure, wieder der "wildere" Wein als der Montrose. Farblich noch sehr dunkel und jung wirkend würde ich doch sagen, dass dieser Wein am weitesten entwickelt unter allen Weinen war. Ebenfalls spektakulär, 19+ P.

1996 Montrose: Nase: wieder blaubeerig, tief und dunkel, und der aristokratische Eindruck setzt sich am Gaumen massiv fort. Ein noch sehr junger, aber schon hemmungslos zu genießender Bolide von einem Wein, viel Cassis, dunkle Früchte, leicht Minze, fleischig und konzentriert. Stilistisch dem 89er sehr ähnlich, auch wenn eben jünger wirkend und auch noch(?) nicht ganz so lang. Im Rahmen meiner bescheidenen Bx-Erfahrung und einem Bekenntnis zu sensorischer Demut bin ich doch davon überzeugt, dass dieser Wein zum 89er aufschließen kann (wenn das mal hier nicht Widerspruch provoziert) - mit aktuell um 130 Euro der günstigste Wein des Abends und ein sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis! 19-20 P. und gleich heute noch vor dem Frühstück nachgekauft, bevor die Anderen mir zuvorkommen!! Muss in Bälde zum Steak nachverkostet werden.

Die 2000er haben wir erst kurz vor dem Einschenken karaffiert, ein schlimmer Fehler, beide Weine sind noch dermaßen jung und zu, da hätten wir Stunden vorher für Belüftung sorgen sollen! Konnte unserer euphorischen Stimmung aber keinen Abbruch tun...

2000 Cos: Nase: sehr jung (einer der Mitverkoster meinte, das erinnere ihn an eine Arrivageverkostung), Cassis, buttrig bis laktisch, mit etwas mehr Zeit und nach wildem Rumgeschwenke Süße und Karamell. Am Gaumen laktisch, wieder Heidelbeere, spürbare Säure. Mit viiiel Luft gegen Ende runder und schöner. Mit Potential 18-19 P.

2000 Montrose: Nase: ebenfalls extrem jung, etwas Sauerkirsch, ansonsten vernagelt. Auch am Gaumen bis auf etwas Sauerkirsch zu, hat aber die gleiche aristokratische Kühle wie die beiden anderen Montrose-Weine. Keine P., aber vermutlich tolles Potential! Vielleicht kann Jochen dazu noch etwas ergänzen, der sich den Karaffenrest glaube ich mit auf's Zimmer genommen hat!

Dass dann meine Gladbacher den Bayern noch eins mitgegeben haben hat den Abend für mich - neben dem sehr netten Teilnehmerkreis - perfekt gemacht ;)
Uli
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Jochen R.

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 27. Nov 2017, 14:26

duhart09 hat geschrieben:...
2000 Montrose: Nase: ebenfalls extrem jung, etwas Sauerkirsch, ansonsten vernagelt. Auch am Gaumen bis auf etwas Sauerkirsch zu, hat aber die gleiche aristokratische Kühle wie die beiden anderen Montrose-Weine. Keine P., aber vermutlich tolles Potential! Vielleicht kann Jochen dazu noch etwas ergänzen, der sich den Karaffenrest glaube ich mit auf's Zimmer genommen hat!
...

Uli, da hat sich nichts mehr getan, der Montrose war einfach zu.

Tolle Probe, danke Uli für die Organisation, begleitet von einem
wunderbaren 4-Gänge-Menü.
Die ersten beiden Flights mit Montrose vs. Cos 1989 und 1996 waren
groß - mir persönlich liegt die Stilistik von Montrose mehr und leider
habe ich davon viel zu wenig im Keller.

Viele Grüße,
Jochen
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maha

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 27. Nov 2017, 15:02

Hallo zusammen,

und hier meine Notizen zu diesem genialen Weinabend.
Ich kann mich Uli nur anschließen. Phantastische Performance der Weine, auch wenn die 2000er noch sehr verschlossen waren. Ebenfalls hervorragend die Gänseperformance. Die Gesellschaft sowieso.
So darf das Weinjahr 2017 gerne ausklingen.
Die Bayern Niederlage schmerzte natürlich etwas. Aber solange ich im Tippspiel noch vorne liege (man beachte auch ohne komplette 2:1 Tipps :!: ), kann ich auch das verkraften :D

1989 Cos
Nase: Blaufruchtig, würzig, sofort präsent. Gaumen: Wuchtig würzig, komplex. Genial. Lang.
Baut aber mit der Zeit etwas ab, wird etwas sperriger. Es fehlt etwas Säure.
Etwas rustikaler und abenteuerlicher als der Montrose was ihn aber auch interessanter macht

1989 Montrose
Nase: Eisen, Buttertoffee, Leder. Am Gaumen auch würzig, harmoniert super zur Wildschwein Bratwurst. Ebenfalls sehr lang
Samtig, leicht bitter. Etwas zu kalt noch, kommt dann aber mit Wärme besser zusammen
Wird dunkler, komplexer und ist der harmonischere von beiden. Schmeichelnd, elegant. Griffige Tannine. Etwas komplexer und harmonischer. Super Wein


1996 Cos
Zunächst verhaltene Nase, blumig, Rose. Kommt dann aber gewaltig. Kirsche, Zitronenmelisse.
Am Gaumen Blaubeere. Konzentrierter Blaubeersaft. Dunkle Schoko, bisschen komplexer, aber mit weniger Säure. Wirkt gereifter.
Ähnlich wie im ersten Flight, ist auch hier der Cos der etwas abenteuerlichere Wein, der Montrose der elegantere.

1996 Montrose
Hat zunächst die Nase vorn (man beachte das Wortspiel :oops: ). Blau, dunkel, tief, viel Cassis. Geil!
Am Gaumen eben so tief und noch dunkler. Griffig, fleischig, Minze. Wirkt sehr jugendlich. Geniale Säure, beeindruckend! Etwas Länge fehlt noch, aber das kommt. Und wie. Legt noch mal zu
What a wine. Für mich ganz nahe an der Perfektion. Deutlich mein WOTN!

Zwei Weine auf ganz hohem Niveau. Das Ganze wird noch getoppt durch die hervorragend zubereitete Gans! In Wine heaven 8-)

2000 Cos
Riecht primärfruchtig. Jung buttrig, Blaubeere, Blut
Jung auch am Gaumen, kurz, schmal. Noch sehr verschlossen. Macht nicht viel her, deutet auch leider nicht viel an. Ist für den Moment zwar die schönere Nase aber das blendet etwas

2000 Montrose
Total zu in der Nase, öffnet sich gaaaanz langsam. Etwas Pumpernickel. Mit viel gutem Willen, würziger Gaumen. Fette Tannine. Wirkt zunächst etwas offener aber trotzdem unnahbar. Körper ist auch leider nur so Mittel.
Ebenfalls total vernagelt, deutet aber Potential an im Gegensatz zum Cos. Verschließt sich dann mehr und mehr, bis er zum Schluss die Luke komplett dicht macht. Warten!

Dessert Wein
St. Urbanshof Piesporter Goldtröpfchen, Auslese 2007
Schöne reife Noten, feine süße Nase, leicht phenolisch. Schöne Süße auch in Mund, Säure könnte etwas frischer sein. Trinkt sich leicht und dennoch komplex. Pfirsich, gebrannte Mandeln, erdig, Samtig schön. Begleitet die Nougat-Lasagne (Eis) sehr gut.
Ein perfekter Abschluss zu einem perfekten Weinabend.

Gruss
Marko
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maha

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragDi 12. Dez 2017, 12:57

Moin,

letzten Freitag haben wir uns wieder mal in geselliger Runde in der Winebank FFM getroffen um uns einige Flaschen Bordeaux (BYOB) zu genehmigen. (Ausserhalb der regulären BDX-Runde, nur so zum Spass ;) )

Aus dem Kopf ohne Notizen:

Aus der Demi (ich kam etwas zu spät, deswegen nur kurz verkostet:
La Lagune 2006: Schöne Nase, etwas metallisch im Mund, klassischer Haut Medoc. Im Gegensatz zu so manchem 2006er jetzt schön trinkbar

Auch aus der Halben:
Malatric Lagraviere 2004: Trotz 2 Jahre älter, für mich etwas ruppiger. Dennoch schöner, offener Pessac

Jeweils aus der Eintel (die Reihenfolge krieg ich nicht mehr ganz auf die Reihe):

Sociando Mallet 1990: Sehr schöner Sociando. Fast schon hedonistisch, voluminös. Dunkelbeerig und voller Körper. Betörende Nase. Sehr schöner Wein, in phantastischem Trinkstadium

Belgrave 1973: Drüber. Kein großer Genuss mehr. Gemüsig und wenig charmant.

Pontet Canet 1982: Dito. In den Ausguss. Kompeltt oxidiert. Man sah es dem Etikett bereits an dass die Flasche ein bewegtes Leben hinter sich hatte. Schade :(

La Fleur Figeac 1995: Daran kann ich mich leider gar nicht mehr erinnern :oops: Jan-Henning, Uli, habt Ihr den noch im Kopf?

Clos de L’Oratoire 2000: Mein WOTN (zusammen mit dem Ducru). Super geniale Nase nach eingekochten dunklen Früchten. Sofort präsent und sehr imponierend. Fleischig, saftig im Mund, auch dunkel und tief. Perfekt auf dem Punkt. Fast schon spanisch wirkend ob der Fülle. Geile Säure, gepaart mit einer schönen Frucht. Ganz leichte tertiär Aromen. Wunderschön!

Ducru Beaucaillou 1986: Teilt sich den Platz 1 als WOTN mit dem Clos. Hedonistische Nase, wuchtig am Gaumen, spitze Säure (die dem Wein aber Frische verleiht) und griffige aber dennoch seidige Gerbstoffe. Bisschen Zigarre und Zedernholz. Schöne Mineralik. Ausgewogen. Lecka 8-)

Chateau Nenin (Pomerol) 1995: Hat sich gut gehalten. Zunächst noch verhalten drehte er mit der Zeit etwas auf. Schwarze Johannisbeere, Etwas Vanille und Pflaume. Ordentlicher Pomerol mit leichter Würze.

Danke für den schönen Abend
Gruss
Marko
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maha

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 8. Jan 2018, 11:26

What a wine night!
Ein perfekter Start ins Weinjahr 2018 der BDX Runde Frankfurt. Zum traditionellen Jahresauftakt trafen wir uns im Hessischen Hof zur „bring-your-own-bottle“- Probe. Diesmal ohne Thematische Eingrenzung (Weiß und Rot), was gutes sollte es sein 8-)
Und es sollte ein Feuerwerk werden.
Meine Erinnerungen aus dem Kopf ohne Notizen. Alle Weine kamen blind ins Glas und wurden nach dem jeweiligen Flight aufgedeckt. Die Flights wurden zufällig zusammengestellt, passten aber mal wieder fast perfekt aufeinander.

Gestartet wurde mit einem Aperitif (Danke Uli).
von Buhl, Riesling Reiterpfad GG 2010
Der Spender selbst fand ihn nicht so doll. Ich hingegen war begeistert. Leichte Petrol Nase, schöne Riesling Frucht. Kein Komplexitätsmonster, aber dennoch ein schönes GG

Im Ersten Flight trafen sich die beiden Weißen Weine des Abends
Halt, vor dem ersten Flight hat Dirk, quasi außerhalb der Reihe, einen Neuseeländischen Sauvignon Blanc zur Fisch-Vorspeise mitgebracht. Denn zur Gebeizten Lachsforelle und Forellenkaviar gab es eine Orangen-Grapefruit-Salsa. Hierzu sollte der Wein perfekt passen:
Tinpot Hut 2016 Marlborough Sauvignon Blanc
In der Nase und am Gaumen konzentrierter Grapefruit Saft pur. So eine krasse Grapefruit Nase hab ich in einem Wein noch nie gefunden. Auf der einen Seite total abgefahren. Auf der anderen Seite, alles überdeckend. Mehr als das roch man nicht. Zur Orangen-Grapefruit-Salsa passte das wohl aber super. Für den Sommer stelle ich mir das, gut gekühlt, auch sehr schön auf der Terrasse vor. Aber öfter könnte ich das wohl nicht haben. Dennoch beeindruckend was für eine Aroma man aus dieser Traube holen kann. Danke Dirk für diese Erfahrung.

Dann kam das erste Flight Pärchen
Teschke Sylvaner 2015 „Mission“
Blind hätte ich auf Chardonnay getippt. Zunächst noch verhaltene Nase, buttrig und floral. Etwas Kiwi. Am Gaumen auch butterzart, feingliedrig, etwas Apfel. Begleitet von einer hervorragenden Säure. Nie hätte ich hier auf Sylvaner getippt. Aber Michael Teschke hat ein Wahnsinns-Zeug in die Flasche gezaubert. Das ist sehr eigenständig und spiegelt auf perfekte Art und Weise die Philosophie des Winzers wieder. Der Wein polarisiert auf seine Weise und hat bestimmt noch eine große Zukunft vor sich. Wer auf crazy Sylvaner steht, kommt an Teschke nicht vorbei.

Dazu gab’s
Schloss Schönborn, 1989er Hattenheimer Nußbrunnen, Riesling Auslese
Ein Wein der zum Flightpartner unterschiedlicher nicht sein könnte.
Beim Eingießen dachte ich erst wir bekämen einen Sherry ins Glas. Man muss dazu sagen, das Licht im Hessischen Hof geht schon fast ins orange, was den Eindruck noch verstärkte. Sehr dunkle Farbe. Bereits deutliche Reife Noten, Rosinen, Marzipan. Am Gaumen immer noch deutliche Restsüße, es fehlt etwas an Säure. Ich trinke selten alte Auslesen und kann deswegen kein fundiertes Urteil fällen ob das so sein muss. Aber ich fand den Wein super interessant und spannend. Fans von gereiften Reislingen mit deutlicher Restsüße hatten hier Ihre Freude.

Vielen Dank an Inge und Erik!

Im nächsten Flight ging es dann mit den ersten Roten richtig zur Sache!
Zum m.M.n. bisher besten Gang den ich bisher je im Hessischen Hof hatte (Sous Vide gegarte Roulade vom Wagyu ,Portwein-Schalottensauce, getrüffelter Rahmwirsing, Röstzwiebelpüree) matchten die folgenden Weine perfekt
San Leonardo 2005
Ein Bordeaux Blend aus dem Trentino. Der San Leonardo 2005 hatte, wie Stuart Pigott in der So-FAZ vor einigen Wochen berichtete, auf einer Bordeaux-Blend-Blindprobe begeistert.
Balsamische Nase, Klassischer Gaumen mit Tabak und roten Beeren. Schöne Mineralik mit langem finish. Erinnerte durchaus an BDX aus warmen Jahren. An gute Originale kommt das aber leider nicht ganz ran. Harmoniert aber wunderbar mit dem Fleischgang.
Danke Uli für diese Erfahrung

Er hatte es aber auch nicht leicht gegen folgenden Wein der bei mir ganz oben auf der WOTN Liste landet

Domaine de la Grange des Pères 2006
Sehr selten zu bekommen und ein „Herzenswein“ von Dirk aus dem Languedoc. PdP schreibt hierzu folgendes:
Ein erotisches Weingemälde, zweifellos zu den besten Gewächsen Frankreichs zählend, ein unkopierbarer Individualist, einer der großen Weinsolitäre der Welt!
Ganz so dick hätte ich jetzt nicht aufgetragen, aber das geht schon sehr in die Richtung.
Wenn ich zuerst dachte der San Leonardo wäre der perfect Match zum Wagyu, wurde ich hier eines besseren Belehrt. What a wine! Eine Cuvee aus Syrah, Cabernet Sauvignon(!) und Mourvèdre. Tief, dunkel, komplex und mächtig. Blind war ich hier zunächst in der südlichen Rhone, auf jeden Fall in einer warmen Gegend. Am Gaumen würziger Syrah, Cassis, dunkle Kirschen, Zartbitter Schokolade. Das ganze eingebunden in griffigem aber seidigem Tannin, eingehüllt in einer perfekten Säure. Komplex und vielschichtig. Wow! Danke Dirk!

Es sollte auf dem Level weiter gehen:
Im nächsten Flight trafen sich:

E. Guigal, Chateau d’Ampuis, Cote-Rotie, 1998
Dunkle Frucht in der Nase, Erinnerte zunächst an C9. Erdig leicht pilzig etwas Olive. Kräftiger Gaumen, auch hier dunkle Frucht, Leder, etwas Holz. Fette Tannine kleiden das Mundgefühl aus. Öffnet sich mit Luft immer mehr. Sehr geradeaus und geradlinig. Ebenfalls ein Hammer Wein, der sicher auch perfekt in den Fleischgang gepasst hätte.

Dieser battelte sich mit:

Elio Grasso, Barolo Gavarini Vigna Chiniera 1997
Über allem zunächst Tannin. Das braucht erst mal etwas Zeit um verarbeitet zu werden. Auch hier wäre ich blind nicht auf Barolo gekommen. Die Tannine hätten mich drauf stupsen können. Aber nie wäre ich auf den Jahrgang gekommen. Sehr frisch am Gumen, in der Nase Kirsche, Holz, Leder, Waldbeeren. Im Mund ausser Tannin noch Pflaume und Röstbrot. Leichte Würze und endlos lang. Man sollte mehr Barolo trinken…
Vielen Dank Reinhard und Jutta für dieses grandiose Pärchen

Dann ging es in das Finale Furioso.
Dass ausgerechnet mein Wein gegen einen solchen Boliden antreten musste, war Zufall. Ebenso dass beide aus dem gleichen Jahr kamen. Dafür hat er sich gar nicht so schlecht geschlagen

Es kam von mir der zweite Barolo mit
Paolo Scavino, Bric del Fiasc 1993
Teer, Rosinen, dunkle Kirsche und etwas Rumkugel. Das Tannin etwas feiner. Ich muss gestehen zur vorgerückter Stunde war ich nicht mehr ganz so aufnahmefähig. Der Barolo zeigte sich aber eher von der geschmeidigen Seite, mit guter Säure und wilder dunkler Kirsch-Frucht.

Er hatte dennoch keine Chance gegen:
Chateau Haut Brion 1993
Wie es sich für eine BDX Runde gehört musste zumindest ein Wein die Bordeaux Ehre hoch halten. Und Jochen tat das in unnachahmlicher Manier mit einem sensationellen 1er Cru! Vielen Danke Jochen für dieses phantastische Weinerlebnis!
Blind war ich in der Nase zunächst bei Syrah (ich sag ja, fortgeschrittene Stunde). Aber der Cabernet kam dann doch schnell zum Vorschein. Wunderschöne BDX Nase. Reife Frucht (Zwetschge), etwas Röstaromen ein bisschen Leder, etwas Zigarrenkiste. Alles schön ausbalanciert. Im Mund seidig und elegant. Butterzarte Gerbstoffe gepaart mit einer dezenten Säure. Auch hier reife Frucht (wieder Zwetschge), schöne Extraktsüße, etwas Waldboden, aber nur gaaanz leicht tertiär. Sehr komplex und vielschichtig. Auf 1993 wäre keiner gekommen. Wir waren alle bei einem jüngeren Jahrgang. Aufgrund der Flaschenform waren wir zunächst auch nicht unbedingt im BDX, aber bei Cabernet und BDX Blend.

Der zweite 1er Cru meines Lebens! Und was für einer. 1993 war ein guter Jahrgang im BDX, aber eben kein Großer. Haut Brion hat es mMn geschafft einen großen Wein auf die Flasche zu kriegen, die auch noch perfekt „gealtert“ war.
Nochmals Danke an Jochen für dieses Erlebnis!

Nun konnten wir den Abend bei Dessert oder Käse gemütlich ausklingen lassen. Und das taten wir mit:
Jos. Christoffel, Erdener Treppchen Riesling Auslese ***, 2004
Ein perfekter Abschluss eines phänomenalen Weinabends. Aus einem eher schlanken Jahr kommt hier eine sehr filigrane Auslese ins Glas. Schöne Rieslingfrucht, reifer Pfirsich, weniger würzige denn eher fruchtig-mineralische Noten. Schöne Säure.

Vielen herzlichen Dank an alle Teilnehmer für diesen Wahnsinns Abend. Das war ein wahres Feuerwerk an genialen Weinen, Weiss wie Rot. So darf das Weinjahr gerne weiter gehen.

Gruss
Marko
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olifant

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 8. Jan 2018, 11:49

Eine tolle Probe hattet ihr da, zu beneiden.

Allerdings darf ich anmerken, dass der San Leonardo ganz sicher nicht aus Südtirol kommt, sondern aus dem Trentino - das wäre im Vergleich wohl so, als würde man bei uns die Pfalz und Rheinhessen in einen Topf werfen ;)
Grüsse

Ralf
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maha

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 8. Jan 2018, 12:01

:oops:
Hoppala, werde das sofort korrigieren. Nicht meine Gegend ;-)
Danke für den Hinweis
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P-No

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 8. Jan 2018, 17:16

Hallo Marko,
wirklich sehr schöne Weine. Mich würde interessieren, ob der "Mission" von Teschke den aufgerufenen Tarif (subjektiv) wert ist - der preisliche Abstand zu seinen anderen Weine ist ja recht amtlich...
VG Patrik
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maha

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 8. Jan 2018, 17:56

P-No hat geschrieben: Mich würde interessieren, ob der "Mission" von Teschke den aufgerufenen Tarif (subjektiv) wert ist - der preisliche Abstand zu seinen anderen Weine ist ja recht amtlich...

Puh, das ist eine wirklich schwierige Frage.
Ich denke wir haben den Wein in einer Phase erwischt wo er (vermute ich) weniger von sich preis gegeben hat als er wirklich kann. Zumindest wenn ich das mit anderen Sylvanern von Teschke vergleiche die ich kenne.
Ich würde den Preis dafür wahrscheinlich nur zahlen wenn ich absoluter Sylvaner Freak wäre und den Rest von Teschke so gut kenne dass ich einordnen kann wo die Reise hingeht.
Wahrscheinlich hatte der Winzer bei dem kleinen Ertrag (irgendwas bei 13hl/ha) auch etwas mehr Aufwand.
Ob der Preis gerechtfertigt ist mag ich bei meinen, doch eher bescheidenen, Sylvanerkenntnissen abschließend nicht beurteilen.
Ich würde die Kosten wahrscheinlich scheuen. Umso dankbarer bin ich diesen Wein nun verkostet haben zu dürfen.

Ich fürchte wenn wir hier über einen Riesling oder Chardonnay sprechen würden, wäre die Antwort vielleicht etwas einfacher zu formulieren. Aber Sylvaner Landwein? :lol: (ich hab jetzt etwas übertrieben).

Vielleicht wäre eine solche Diskussion einen neuen Fred wert? Ich fände es spannend andere Meinungen dazu zu hören. Vielleicht auch im Kontext zum Amphoren Gutedel von Ziereisen oder den derzeitig aufgerufenen Preisen von Keller Rieslingen.

Gruss
Marko
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