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Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Berichte von Verkostungen mit Weinen aus mehreren Ländern/Regionen (sonst bitte im Länderforum einstellen)
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duhart09

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragSo 7. Mai 2017, 10:17

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Gestern abend folgte Teil zwei unserer "Wine Of The Year"-Probe (s.o.), die natürlich eigentlich eine Best Of der letzten vier Jahre (eben seit Bestehen unserer Runde) war.

Verkostet wurde in vier Zweierflights blind (nach jedem Flight wurde aufgedeckt, die Teilnehmer kannten vorab nicht das Line Up). Alle Weine wurden zu Beginn des Abends entkorkt, aber nicht karaffiert. "Gegeneinander" traten an:

1.) Lagrange 1989 vs. Leoville Poyferre 1989:
So ein Pech, gleich die erste Flasche enttäuschte. Meiner Ansicht nach ein Flaschenfehler, die meisten Teilnehmer rmeinten, der sei eher "durch". Der Poyferre kam langsam, dann aber doch gewaltig. Wirkte jünger, zeigte Länge und drehte immer weiter auf. Sicher empfehlenswert, zu dekantieren oder mit viel Geduld über einen Abend zu verfolgen (19 P.)

2.) Ducru Beaucaillou 2000 vs. Ducru Beaucaillou 2001:
Unisono DER Flight des Abends! Der 2001er präsentierte sich gleich open for business, seine Erbeer-Sahne-Nase fand sich auch am Gaumen wieder, auch etwas Blaubeere. Sehr harmonisch und stark (19 P.) und anfangs dem 00er ebenbürtig bis überlegen. Letzterer legte allerdings im Glas immer weiter zu, sicher der Wein mit dem größeren Potential und am Gaumen merklich komplexer (19+ P. und für die meisten der WOTN oder Zweiter).

3.) Clinet 1995 vs. Hosanna 2000:
Clinet mit schöner Nase, am Gaumen nett, aber auch etwas profillos, jedenfalls habe ich mir dazu wenig notiert. Fiel mit 18 P. etwas ab und den hatten wir schon mal deutlich schöner gehabt. Hosanna 2000 begeisterte mich ebenfalls weniger als zuvor schon einmal, aber auch hier sollte man sich noch Zeit lassen! Schon in der Nase sehr jung wirkend, konzentriert und kräftig mit leichter roter Paprika-Note(?). Am Gaumen tief, aristokratisch, mineralisch, sehr weich und harmonisch, braucht unbedingt Luft (19 P.).

4.) Figeac 1998 vs. Pavie Macquin 1998:
So wie der Abend begonnen hatte, endete er auch - mit einer schlechten Flasche. Der PM war leider irgendwie fertig, schon in der Nase neben Eisen deutlich Maggi/Liebstöckel. Am Gaumen dann noch etwas Sauerkirsche, das reichte aber nicht zu seiner Rettung. Der Figeac dagegen feuerte aus allen Rohren: eine ganz erstaunliche Nase mit Pilz, Kräutern, Paprika, etwas Karamell und im Mund dann kräutrig, würzig, sehr präsent/griffig, leichte laktisch und rauchig. Ein Tier von Wein, 19 P.!

Fazit:
Ein "Best of" birgt natürlich aufgrund der hohen Erwartungen ohnehin ein ordentliches Enttäuschungsrisiko. Bei manchen Weinen wäre mehr Zeit wünschenswert gewesen. Immerhin hat bei siebeneinhalb "Volltrinkern" (Glasteiler eingerechnet) jeder noch ein ordentliches Schlückchen abbekommen. Wie man an den großen Raritätenproben mit drei Minütchen pro Wein und einem winzigen Schluck Gefallen finden kann, ist mir ja ohnehin ein Rätsel (OT). Nachdem wir in unserer Runde bisher wirklich außerordentliches Glück gehabt und wenig Ausfälle zu beklagen hatten, war das heute mit zwo von acht Flaschen sowie schon beim Apero mit einem eher kurzen und etwas dumpfen 2008er Emrich-Schönleber Halenberg GG etwas schade. Ein "Best of" birgt natürlich aufgrund der hohen Erwartungen ohnehin ein ordentliches Enttäuschungsrisiko. Bei manchen Weinen wäre mehr Zeit wünschenswert gewesen. Immerhin hat bei siebeneinhalb "Volltrinkern" (Glasteiler eingerechnet) jeder noch ein ordentliches Schlückchen abbekommen. War aber dennoch ein schöner Abend mit netten Leuten und einigen verdammt guten Weinen! PLV-Sieger war für mich der Ducru-Beaucaillou 2001.

Gruß
Uli
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maha

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragSo 7. Mai 2017, 12:35

Hallo Uli,

Vielen Dank für deine Notizen und die Organisation dieses wunderbaren Abends.

Hier noch als Ergänzung meine Eindrücke.

Lagrange 1989
Tabak, Liebstöckel, wirkt etwas unrund am Gaumen, relativ spitze Säure, schon etwas fortgeschrittener, weniger komplex als sein Flightpartner Poyferee. Kurz.

Leoville Poyferee 1989
Kaffee, Röstaromen, voller Körper, würzig, weisser Pfeffer, leichte Extraktsüsse die von einer angenehmen Säure perfekt ausbalanciert wird. Hinten raus Cassis, sehr lang und üppig. Gewinnt deutlich über die Zeit. Nicht ganz so hedonistisch wie in letzte Flasche bei der 89/90er Probe, aber dennoch ein großer Wein.

Ducru Beaucaillou 2000
Kuhstall, florale Noten, zunächst etwas filigraner als der 2001er, Pflaume, wird mit der Zeit würziger. Voller Körper, lang. Legt immer weiter zu und zieht zum Schluss in einem mächtigen Spurt am 2001er vorbei. Hammer Wein!

Ducru Beaucaillou 2001
Viel Blaubeere, laktisch, voller Körper, äußerst vielschichtig. Thymian, etwas mehr Säure und damit frischer wirkend. Ist früher präsent als sein 2000er Flightpartner und hat damit zuerst die Nase vorn. Zum Schluss aber dann nur ganz leicht schwächer als der 2000er, wenn nicht sogar ebenbürtig. Ebenfalls ein Hammer Wein.

Definitiv der beste Flight des Abends!

Clinet 1995
Anfangs ein undefinierbarer Stinker. Zum Glück kein Kork, dennoch erst unangenehm. Sehr dünn, deutliche Altersnoten, wird etwas laktischer, kommt mit Luft etwas. Dennoch not my cup of tea.

Hosanna 2000
Dunkel, tief, Schiefer, Menthol. Geile Nase! Rosmarin, Lakritz, wunderbar komplex. Auch am Gaumen dunkdlbeerig, leichte Extraktsüsse, dunkle Schokolade. Meine persönliche Nr. 2 des Abends zusammen mit dem 2000er Ducru!

Figeac 1998
Was für ne Nase! Sofort präsent, Menthol, Leder, Kräuter. Tief, Eisen, speckig, Karamell. Wandelt sich ständig, enorm vielschichtig. Hammer Säuregerüst und perfekte, seidige Tannine. Würziger und endloser Abgang. Mein WOTN

Pavie Maquin 1998
Puh, das riecht nicht sehr vielversprechend. Brühwürfel, Maggi. Nicht schön. Am Gaumen nicht ganz so schlimm, dennoch, der ist leider deutlich drüber. Schade.

Zum Schluss gab es dann noch:

Dr. Loosen, Ürziger Würzgarten Riesling Auslese 1998
In der Nase Birne, Pfirsich, Blüten. Wirkt noch super frisch mit ausgewogenem Süß-Säurespiel. Macht nicht so satt, da nicht pappsüss. Für mich könnte die Säure noch nen ticken prägnanter sein. Aber das ist jammern auf hohem Niveau. Hinten raus noch türkischer Honig und Karamell. Perfekter Abschluss des genialen Abends!

Meine Reihenfolge:
Figeac gefolgt von Hosanna, Ducru 2000 und Ducru 2001

Trotz der beiden "Ausfälle" wieder mal ein brillanter Abend.
Vielen Dank an alle für die nette Gesellschaft, tolle Gespräche und neue Bekanntschaften.

PS: Die Bilder hab ich bei Simon gemopst. Ich hoffe das war OK.

Gruß Marko
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Jochen R.

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragSo 7. Mai 2017, 16:18

Ja, das war wieder eine Probe auf extrem hohem Niveau - mir hat dieser
2. Durchgang sogar noch besser gefallen als der Erste am 01.04. - und ein
rundum gelungener Abend. Auch von mir nochmals vielen Dank an Uli für
die Organisation. Ergänzend zu den Notizen von Uli und Marko:

Für mich der Flight des Abends bzw. aus beiden Veranstaltungen zusammen:
Ducru Beaucaillou 2000 vs. 2001. Zwei Weine nahe der Perfektion mit einer
traumhaft mittelkräftig bis intensiven Nase, druckvoll, Komplex und ewig lang.
Der 2001er hat über den Abend hinweg sicher ein wenig abgebaut, trotzdem
beides Mal 98 P.

Den Lagrange 1989 sah ich gar nicht so schlecht, ganz im Gegenteil, aber mit
dieser Meinung stand ich wohl fast alleine da. Dagegen konnte ich mit Hosanna
2000 (den ich schon deutlich besser im Glas hatte) und Clinet 1995 gestern
gar nichts anfangen.

Viele Grüße,
Jochen
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maha

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 4. Sep 2017, 14:09

Hallo zusammen,

am Samstag trafen sich wieder ein paar Weinverrückte, u.a. auch einige Forumsmitglieder, in Frankfurt zu einer Vertikale Pichon Comtesse.
Am Start waren (chronologisch) folgende Jahrgänge: 1983, 1986, 1988, 1989, 1990, 1994, 1995, 1996, 2000.

Zu einem hervorragenden 4-Gänge Menü (Tintenfischisotto mit Ofentomaten, Geschmorten Kaninchenkeule mit Ofenkartoffeln, Im Heu gegarte Lammkeule mit Kräuterpolenta und mediterranem Gemüse sowie Creme Catalan) wurde blind in 3er Flights verkostet. Aufgedeckt wurde nach jedem Flight.

Ich habe nur sporadisch Notizen gemacht. Uli, Karsten, Jochen, Ihr dürft gerne ergänzen.
Meine Eindrücke:

Als Aperitif gab es einen Riesling vom Hofgut Falkenstein: Niedermenniger Herrenberg Kabinett trocken 2016. Mit einer Weingutspezifischen knackigen Säure ausgestatteter Kabinett dem noch etwas mehr Reife gut zu Gesicht stehen würde. Zum Apero sehr gefällig, hinterlässt aber keinen all zu bleibenden Eindruck. Weder bei mir noch bei den Mitstreitern.

1. Flight: 1994, 1996, 1986: Motto: „Let’s get ready to rumble“
1994: Laut Wineterminator gibt es sehr unterschiedliche Abfüllungen dieses Jahrgangs. Wir scheinen eine gute erwischt zu haben. Anfänglich schönste Nase des Flights, musste dann aber die Nasenführung an 1996 abgeben. Würzig, tief und komplex. Schöne Comtesse aus einem nicht ganz einfachen Jahrgang

1996: Die Nase zunächst verhalten drehte diese brutal auf. Auch der zunächst sehr verschlossen wirkende Gaumen entwickelte sich an der Luft hervorragend. Am Anfang sehr säurebetont dann herrlich harmonisch mit dunkler Frucht immer noch sehr prominenten Tanninen und einer unglaublichen Frische. Mein Flightsieger

1986: Leichter Muffton, der leider auch nicht vollständig verschwand. Deutliche Altersnoten, Laub, Pilze und wieder Muff. Ich meine die Flasche hatte einen leichten Hau. Aber dennoch trinkbar. Was für Altweinliebhaber. Hier hatte ich mir, vor allem im Vergleich zun 96er, mehr erhofft. Das Duell hat sie leider verloren

2. Flight: 1989, 1990 und 2000: Motto: der Flight of the Night!
1989: Wahnsinns hedonistische Comtesse Nase. Ganz leicht Liebstöckel, Cassis, Rosinen. Leichte Extraktsüsse sehr zugänglich und auch sehr gefällig. Klasse!

1990: Anfänglich auch noch etwas verschlossen dreht er mit Luft richtig auf. Ähnliche Nase wie 1989. Am Gaumen aber für mich etwas kürzer, mit einem leichten bitterl, das aber mit der Zeit verschwindet. Wird länger und harmonischer. Die Comtesse wurde für diesen Jahrgang schon oft arg kritisiert, stand immer im Schatten des Vorjahrgangs. Diese Flasche braucht sich jedoch nicht im geringsten zu verstecken. Sehr schöner Wein, für mich fast auf Augenhöhe mit 89.

2000: Bäm, in your face! Massiv, wuchtig, ungestüm. Massive, aber klar skizzierte, Tannine, sich ständig wandelnd, fordernd. Das waren die Notizen auf meinem Zettel. Und mein WOTN! Was für ein Gänsehautwein! Noch ein langes Leben vor sich habend, stellte diese Comtesse alle anderen Weine des Abends klar in den Senkel. Wenn man diese wuchtige Stilistik mag!. Wer es gerne filigraner mag, der sollte im Nächsten Flight fündig werden. Aber ich wünschte ich hätte davon was im Keller

3. Flight: 1983, 1988, 1995. Motto: Der „strange“ Flight
1983: Ungewöhnliche Nase. Meine Tischnachbarin meint Käsefuss. Ich habe eher Mocca, durchaus etwas Käse aber auch Lakritz und etwas Pferd. Am Gaumen leider auch weniger überzeugend. Schon sehr abbauend und etwas tertiär. Wenig komplex und etwas kurz.

1988: Wilde Nase, auch hier sehr ungewöhnlich. Viel Espresso, Kirsch und deutlich Kuhstall. Etwas komplexer am Gaumen als 83, dennoch nicht ganz überzeugend. Auf nicht ganz so hohem Niveau mein Flightsieger.

1995: Puuh, auch hier sehr verrückte Nase, nach Sherry, Rumtopf und roten Früchten. Laktisch und ebenfalls ungewöhnlich am Gaumen. Krasses Tanninmonster! Das ist schon heftig. Kommt da noch was? Lässt mich ein wenig ratlos zurück. Frucht ist tendenziell schon da, versteckt sich aber komplett hinterm Monstertannin. Säure ist auch da. Ich kann mir gut vorstellen dass wir hier nur einen schlechten Trinkzeitpunkt erwischt haben. Auch das ist Comtesse, eine kleine Zicke dann und wann :-)

Zum Dessert gab es noch einen 2005er Doisy Daene (Danke an Jochen). Perfect Match zur Creme Catalan. Nussig, Rosinig, Aprikosen und Honig. Sogar etwas Limette und Banane. Könnte etwas mehr Säure vertragen um frischer zu wirken. Trotzdem wunderbar!

Fazit: Vom letzten Flight hatte ich mir etwas mehr verhofft. Ansonsten eine wunderschöne Vertikale auf sehr hohem Niveau. Vielen Dank an alle Mitverkoster, für die netten Gespräche, Diskussionen rund um den Wein und für einen außergewöhnlichen Weinabend.
Sieger für mich deutlich 2000, gefolgt von 1989 und 1996

Lieben Gruss
Marko

PS: Leider hab ich es nicht geschafft ein Bild hinzuzufügen... :oops:
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Jochen R.

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragMo 4. Sep 2017, 15:07

maha hat geschrieben:...Ansonsten eine wunderschöne Vertikale auf sehr hohem Niveau. Vielen Dank an alle Mitverkoster, für die netten Gespräche, Diskussionen rund um den Wein und für einen außergewöhnlichen Weinabend.
...

Dem kann ich mich nur anschließen, wirklich eine super Vertikale, die
Marko für uns zusammengestellt hatte. Für mich mit der einen oder
anderen Überraschung ...

So in Flight 1 eine große 1994er Comtesse (95 P.) und die Erkenntnis, dass
ich meine 1996er noch ein paar Jahre im Keller liegen lasse.

Flight 2 einfach nur groß! So auch die oft gescholtene (inkl. mir :oops: )
1990er Comtesse. Für mich zusammen mit 1989 die Weine des Abends
(beide 97 P.). 2000 jetzt schon wunderbar (96 P.) mit riesen Potential.

Dagegen konnte Flight 3 "nur blass" aussehen. 1983/88 aber sehr schön,
1995 wird m. M. von weiterer Lagerung profitieren.

Viele Grüße,
Jochen
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amateur des vins

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragFr 8. Sep 2017, 11:47

So, nun habe ich endlich meine verlegten Mininotizen wiedergefunden...

Zunächst einmal vielen Dank für die Gelegenheit, an dieser spektakulären Verkostung teilnehmen zu dürfen! Ich vermute, auch nur entfernt ähnliches wird mir nicht mehr zustoßen, jedenfalls nicht oft. Auch die Runde der Mitstreiter hat viel Spaß gemacht.

Ich hatte den großen Vorteil, mich der Probe völlig unbelastet nähern zu können.:) Ich hatte zwar mal eine Comtesse, eine 1998er, aber keine Erinnerung und keine Notizen - was dafür spricht, daß sie mich zu sehr fesselte, als daß ich mich durch Analyse hätte ablenken lassen wollen. :geek:

In Flight 1 empfand ich 1994 deutlich am griffigsten, gleichzeitig beginnend tertiär als auch etwas jung und rauh, aber kraftvoll-balanciert. 1996 zeigte zunächst eine deutlich verhaltene Nase, drehte aber im Verlauf mächtig auf und war dann mindestens ebenbürtig, wenn auch ungleich weicher, "femininer". Für mich von der Reife her auf dem Punkt. Diffuse allgemeine Jahrgangsplattitüdenweisheiten hätten kaum prognostiziert, wie sich diese beiden präsentierten. 1986 fiel gegen beide ab, hatte wohl wirklich einen kleinen Fehler: leicht muffig/naßpappig, leicht bissige Säure, aromatisch zurückhaltend. Wenn TCA nicht normal viel penetranter daherkäme, deutete das für mich in diese Richtung.

1989 war in Flight 2 deutlich am tertiärsten, ähnlich 1994, habe ich notiert, und wurde zu meinem Erstaunen mit der Luft härter und disjunkter. Mit dieser Empfindung stehe ich, glaube ich, ziemlich alleine da. Daß zum Nachverkosten nichts mehr da war, weil die Flasche von allen am schnellsten geleert war, spricht Bände... 1990 war etwas fleischig und deutlich verhaltener, weniger "in da face". 2000 war leicht zu identifizieren, deutlich am dichtesten, und mit hohem CS-Anteil. Die Tannine werden noch eine gute Weile vertragen. Heute schon ein Genuß, und noch größeres Potential.

1983 in Flight 3 sah ich, denke ich, besser als der Durchschnitt, und das trotz meiner Abneigung gegen allzu deutliche Tertiäraromen (was sie hier aber nicht waren): Süßholz, Leder, Milchschokolade; weich, harmonisch, verbunden; schöne Säure - sicher mit der zarteste von allen, aber auf feine, ruhige Art sehr schön. 1988 hatte Schwarzwälder Kirsch und Mokka, aber ich kann garnicht mehr sagen, wie gut er mir gefiel - ich glaube, im Vergleich mittel. Dahinter kam 1995 ein, sehr schwarz von der Art und Lakritz-bitter.

Ich bin sehr froh über diese Erfahrung! Insgesamt hatte ich schon das Gefühl, daß bei einem Teil der Runde eine gewisse Erwartung mitschwang, die Pauillac-kernig-kraftvoll ein wenig über Balance stellt, wenn letztere mit Finesse daherkommt. Uli meint ja, bei ihm sei das nicht so; für mich bin ich da sogar vom Gegenteil überzeugt. :D
Besten Gruß, Karsten
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maha

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragFr 8. Sep 2017, 12:18

Hallo Karsten,

vielen Dank für Deine Notizen und Eindrücke, und schön dass Du den weiten Weg auf Dich genommen hast.
amateur des vins hat geschrieben:Zunächst einmal vielen Dank für die Gelegenheit, an dieser spektakulären Verkostung teilnehmen zu dürfen! Ich vermute, auch nur entfernt ähnliches wird mir nicht mehr zustoßen, jedenfalls nicht oft. Auch die Runde der Mitstreiter hat viel Spaß gemacht.

Never say never :-)

Du bist jederzeit wieder in Frankfurt willkommen in unserer Runde
Ich schick Dir mal unser geplantes Programm für die nächsten Monate. Vielleicht lacht Dich ja was an. 8-) Obgleich ich schon weiß das so eine kleine Reise ja immer mit Aufwand und vorallem Kosten verbunden ist.

Wir würden uns dennoch freuen Dich mal wieder begrüßen zu dürfen.

Grüsse in die Hauptstadt
Marko
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duhart09

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragSo 10. Sep 2017, 12:14

Marko, danke für diese tolle Runde! Hat wieder großen Spaß gemacht mit Euch - und Karsten, über's Kennenlernen habe ich mich sehr gefreut!

Am besten hat mir der 89er gefallen. Schon in der Nase mit einer leicht laktischen Note neben der Cabernet-Paprika sehr anregend und am Gaumen mit viel Erdbeer-Sahne) dann immer weiter zulegend und runder und harmonischer werdend (was Karsten ja offenbar ganz anders empfand). Sagenhafter Wein (19+), der dringend nachverkostet werden muss!

Große Klasse war auch der 94er, von dem ich das absolut nicht erwartet hätte (mit toller Länge im Abgang), der 2000er (der sprang förmlich aus dem Glas in die Nase!), der natürlich noch eine lange Zukunft vor sich hat, aber auch jetzt schon unheimlich schön zu trinken war (Cabernet, rote Beeren, Lakritz, lang, habe ich notiert) und auch der 83er (tolle Mokka/Schoko/Lakritz-Nase), für mich alle knapp hinter dem 89er mit 19 P. Echt enttäuschend war der 86er, früher schon mal mit Genuss getrunken, flach und gewiss fehlerhaft. Mit dem 95er konnte ich ganz wenig anfangen. In der Nase schon sehr verhalten und dann einfach nur adstringierend und sonst fast gar nichts.

Wie gesagt eine tolle Runde (von Leuten und Weinen), aber so richtig springt der Comtesse-Funke nicht auf mich über. In Pauillac und überhaupt in Bordeaux gibt es (für mich, ganz subjektiv natürlich) gleichwertigen Genuss für oft weniger Geld, siehe die diversen Eindrücke aus früheren Runden in diesem Thread. Oder den vorhin unter "Preisnachlässe und Sonderangebote") eingestellten Pichon Baron 03 für 99,- Euro (Feinkost Scholz)!

Gruß
Uli
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Jochen R.

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragDi 3. Okt 2017, 17:19

Lagrange (St. Julien)-Vertikale am 02.10. in Frankfurt.

Gestern trafen wir uns zu siebt in netter Runde im Hessischen Hof,
vielen Dank Marko (maha) für die Auswahl der Weine - mir hat das
wie immer riesen Spaß gemacht und ich freue mich auf weitere
Eindrücke/Meinungen.
Ich denke, Lagrange hat eindrucksvoll sein Top PLV unter Beweis
gestellt und – weil das nicht wie bei nicht wenigen Chateaus mit
jahrgangsbedingten „Eintagsfliegen“ verbunden ist - nicht umsonst
so einen großen Fanclub.
Dass es bei Lagrange (wie man hin und wieder liest) in den letzten
Jahren und spätestens seit Übernahme von Suntory abwärts gehen soll,
kann ich nicht erkennen. Wir starteten mit 2009 – erstaunlich offen,
hedonistisch und (noch) wunderbar primärfruchtig. 92 P.
Karaffieren war für den 1989 m. M. nicht förderlich (v. a. wenn man den
Wein über den ganzen Abend verfolgt hat), den hatten wir kürzlich
deutlich besser. Aber das ist „Jammern auf hohem Niveau“, 92 P.
1990 war für mich persönlich bis dato der beste Lagrange ever, gestern
bei 93 P. – toller Wein -, dieses Mal aber getoppt durch den großen
2000er mit Luft nach oben, 94+ P.
2001 wie immer sehr solide, 92 P. 1995 schön, hatte ich aber schon
besser, 91 P. 2003 sehr kontrovers diskutiert. M. M. macht der
(wie der eine oder andere 2003er auch) so langsam zu, der für mich
mit Abstand „schwächste“ Wein - v. a. weil ich den nicht nur einmal
schon deutlich besser im Glas hatte - 88 P.

Viele Grüße,
Jochen
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duhart09

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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants F

BeitragSa 21. Okt 2017, 07:17

Leicht off topic, aber eben in Frankfurt: am 11. und 12.11. lädt Vicampo zu einer Art Hausmesse ein! Ich finde, das klingt interessant (und bin mit den Vicampo-Leuten weder befreundet, verwandt oder verschwägert):

https://www.eventbrite.de/e/vicampo-wei ... 8323559799

Gruß
Uli
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