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Chianti (in allen Variationen)

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harti

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragFr 24. Jul 2020, 14:13

Gecko hat geschrieben:Was mich hier jedoch brennend interessiert: Wenn man Vigna del Sorbo bzw. Flaccianello beschreiben würde/könnte, wie unterscheiden sich diese beiden geschmacklich von der normalen Annata?

Hallo Chris,

die Kunst der Weinlyrik beherrsche ich leider nicht, zudem habe ich die Weine nicht gegeneinander getrunken. Aber vielleicht helfen Dir die Beschreibungen von Galloni weiter:

The 2016 Chianti Classico Fontodi brings together all the elements that make the Fontodi wines so unique, but with an extra kick of freshness and aromatic intensity that is the result of a year with notable diurnal shifts during the growing season. Dark blue/purplish fruit, lavender, spice and menthol develop in the glass, but it is the wine's extraordinary balance and sheer appeal that stand out most. In time, 2016 may very well become the new benchmark for Fontodi's Chianti Classico. The 2016 is flat-out delicious. That's pretty much all there is to it.

The 2016 Chianti Classico Gran Selezione Vigna del Sorbo is a wine of tremendous aromatic intensity, freshness and nuance. Sweet floral and spice notes meld into a core of blue/purplish fruit, lavender, licorice and leather, with veins of bright acids that perk things up nicely. Readers need to be patient with the 2016, as it is going to need at least a few years to come into its own. But I have seen this before with Vigna del Sorbo. Sometimes the more reticent vintages turn out the be the most complete and thrilling wines with cellaring. I imagine that will be the case here as well.

The 2016 Flaccianello della Pieve is off the charts. Fresh, vibrant and explosive, with tremendous overall intensity, the 2016 possesses magnificent richness, with sumptuous fruit purity and simply unreal balance. Creamy, silky tannins add to the wine's sophistication and overall polish. The 2016 is dark, inky and powerful, but not at all heavy. Giovanni Manetti gave the 2016 18 months in French oak (75-80% new), followed by 6 months in cask. This is the first vintage in which a small amount (2%) of the wine was aged in amphora. In a word: stunning! Don't miss it.


Ich schließe daraus, dass die Unterschiede insbesondere in der Konzentration und der Struktur, zudem in der Länge des Holzfassausbaus, weniger aber in den Aromen zu suchen sind.

Grüße

Hartmut
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Lars Dragl

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragFr 24. Jul 2020, 18:23

olifant hat geschrieben:
Lars Dragl hat geschrieben:... Ich denke man hat davor auch schon etwas nur für den Namen "Chianti" bezahlt und dies soll nun weiter ausreizet werden. Natürlich ist die Qualität heute so gut wie nie.


Hallo Lars,

Allerdings möchte ich zu deinen Einlassungen anmerken, dass es einen durchaus grossen Unterschied zwischen einem "Chianti" und einem "Chianti Classico" gibt. In diesem Sinne sollte man stets versuchen diese auch sprachlich zu unterscheiden,

Ein guter Artikel zu dieser Thematik findet sich in der aktuellen MERUM-Ausgabe.



Hallo!

Du hast natürlich recht, dass es da große Unterschiede gibt und zwar nicht nur nach unten, sondern auch nach oben (Supertoskaner und so). Wie ist es denn eigentlich mit dem Cepparello, da habe ich früher, als er noch 30€ gekostet hat, immer mal wieder was gekauft. Ist das jetzt ein Chianti? Steht soweit ich weiß nämlich nicht drauf!? Wohl ein Supertoskaner, der mitunter in der Fachpresse als "Über-Chianti" oder so tituliert wird?!

Muss man wohl nicht alles verstehen. Den Thread hier nur Chianti zu nennen macht schon Sinn, denke ich. Deshalb habe ich auch nicht differenziert.

Herzliche Grüße

Lars
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Lorne Malvo

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSa 25. Jul 2020, 10:29

Hallo zusammen,
schön, dass hier auch einige mal Chianti Classico trinken. Trinke ich nicht mehr häufig, aber ab und an immer noch mal gern. Ich kenne mich aber nur in dem Classico-Gebiet aus.

@Lars: Eigentlich könnten die 100% Sangiovese-Supertoskaner mittlerweile auch als
Chianti Classico(solang sie aus dem Gebiet kommen) verkauft werden,
da mittlerweile auch 100% Sangiovese im CCL erlaubt sind, mindestens jedoch 80%.
Da die meisten Erzeuger aber Ihre Flagschiffe durch Eigennamen über Jahrzehnte populär gemacht haben, werden sie das sicher jetzt nicht mehr ändern (Cepparello, Flaccianello, Percarlo etc.), auch nicht in Richtung Gran Selezione, vermute ich mal.
Gut Schluck
Lars
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Lorne Malvo

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSa 25. Jul 2020, 10:32

Passend dazu hatte ich letztens im Glas:

San Giusto a Rentenanno - Percarlo 2009

Amarenakirschen, Veilchen, leichte Spuren von Tabak und Lakritz, auch ein Hauch getrocknete Kräuter erfreuen die Nase. Am Gaumen mit dichter Struktur und sehr stimmigem Körper, reifen Früchten, unterstützender frischer Säure und reifen, aber noch sehr lebhaften Tanninen. Gut integriertes Holz und trotz der Kraft ein frischer Kern bei exzellenter Länge. Präzise, für Sangiovese komplex, auch ​​etwas wild und dabei sehr ausgewogen.
Hat sogar noch Potenzial, besser zu werden.

Also sehr viel Luft nach oben sehe ich mit Sangiovese sicher nicht mehr. Der Wein kann noch zulegen.
Punktemäßig lande ich bei 94-96.

Besonders der sehr authentische Charakter, die etwas wilde Art und gute Balance mit einer nicht immer anzutreffenden "frischen" Power gefallen mir besonders. Das spricht einfach für das Weingut, denn der Percarlo mutet an wie der CCL unterm Vergrößerungsglas und die Weine bewahren trotz der "Südlichkeit" immer etwas Kühles im Charakter. Auch den CCL von San Giusto trinke ich sehr gern, aber auch der benötigt am besten 4-8 Jahre Zeit. Leider ist ein Percarlo aus einem guten Jahr nicht mehr so leicht aufzutreiben und aufgrund der zuletzt sehr hohen Bewertungen laufen die Preise für Percarlo und Ricolma auch weg.
Gut Schluck
Lars
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dylan

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSa 25. Jul 2020, 13:32

Lorne Malvo hat geschrieben: denn der Percarlo mutet an wie der CCL unterm Vergrößerungsglas


Hallo Lars,

ein sehr schönes Bild, das sicherlich für eine ganze Reihe von Supertuscan Gültigkeit haben könnte.
Aber es gibt neben dem "höher schneller weiter" auch das Modell, dem Supertuscan lediglich ein "moderneres" Profil als der Riserva zu geben.
Als Beispiel seien hier Fontalloro und die Riserva Rancia von Felsina genannt.

Grüße

dylan
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Lorne Malvo

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSa 25. Jul 2020, 16:57

Hallo Dylan,

den Fontalloro kenne ich nicht. Den Rancia habe ich getrunken und er konnte mich nicht berühren, hatte auch wie Du schreibst nicht diesen Charakter, der bei San Giusto meiner Meinung nach meisterhaft gelungen ist.
Bei Felsina mag ich die Annata aber auch gern.
Gut Schluck
Lars
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Lars Dragl

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSa 12. Sep 2020, 00:15

Hallo!

Diese Woche über 3 Tage: San Giusto a Rentenannio CCL 2018.

Dunkles, transparentes Kirschrot. Zunächst etwas herbe und krautige Nase, die dann aber immer mehr Richtung Sauerkirsche, Eckes, sehr reifen Himbeeren, Tabak und Veilchen geht. Dazu kommen leicht würzige Aromen und ein Hauch von Holz und Vanille. Im Mund nicht zu breitschultrig oder marmeladig und von ausgewogener Proportion. Die Säure ist sensorisch eher im unteren Mittelfeld, die Gerbstoffe zeigen sich nur im hintersten Abgang und erinnern dabei an edelbittere Schokolade. Am dritten Tag am besten. Sicherlich gut haltbar. Auf dem Etikett stehen 14,5 %Vol., die ich ich allerdings nie negativ wahrgenommen habe. Die Präzision der Moderne mit den Proportionen eines süffigen, etwas weicheren, aber sehr eleganten CCL. Mir gefällt das sehr gut.

Grüße

Lars
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Lorne Malvo

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragDi 15. Sep 2020, 09:15

Das hört sich ja ganz gut an.
Die in den letzten Warmjahren gestiegenen Alkoholgehalte haben mich hier etwas abgschreckt,
aber scheint ja ganz gut verpackt worden zu sein.
Ich hatte den CCL (2013-2016) immer eher mit 13,5 Volt im Glas.
Gut Schluck
Lars
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Lars Dragl

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragDi 15. Sep 2020, 18:53

Hallo Lorne!

Ich habe den Wein aus dem Zalto Universal getrunken und auch des GGG versucht. Im Zalto hat er mir besser gefallen, aber in beiden war vom Alkohol nichts Negatives wahrzunehmen. Hoher Alk. stört mich eigentlich schnell.
Meine Frau mochte ihn auch und die trinkt kaum Wein. Wenn doch, dann eher die fein ausgewogenen Sachen. Für mich ein schick herausgeputzter Chianti Classico, der sich auch gut solo trinken lässt (am besten wohl erst in 3-4 Jahren) und dem man höchstens einen minimal marmeladigen Touch vorwerfen kann, wenn man unbedingt was zu meckern braucht.

Für gut 17€ nicht unbedingt geschenkt, von einem Fehlkauf jedoch weit entfernt.

Grüße

Lars
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