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Chianti (in allen Variationen)

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Holzfass

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragFr 8. Sep 2017, 20:14

Heute gibt es erstmalig die Il Brunone Chianti Classico Riserva der Agricola Losi. 2011. 95% Sangiovese 5% Canaiolo, 24 Monate in Eichenfässern zu 50 hl. Etwas helleres Rot, orangener Rand. Erst recht verschlossene und zurückhaltende Nase, öffnet sich aber immer weiter über 2h, wobei "öffnen" fast schon übertrieben ist, da da alles immer noch ziemlich kompakt daherkommt. Sauerkirsche, roter Johannisbeersaft, etwas Eisen, etwas Würze, ein Hauch 2011-typischer Reife. Wirkt mit Luft zunehmend frischer. Am Gaumen doch deutliche Säure, jahrgangstypisch recht reife Tannine - dachte ich erst - werden aber mit jedem Schluck prägnanter. Auch am Gaumen wird es einerseits offener, aufgeräumter, andererseits auch knackiger. Ist so in der Reihenfolge eher selten der Fall. Recht schwierig, einzelne Aromen zu erschmecken. Da sind sauer-fruchtige, aber auch fein-würzige Komponenten bis hin zu süßlich-reifen Anklängen (Jahrgang). Nicht erdig. Recht langer Abgang. Die Riserva kommt traditionell daher. Respekt, 2011 so etwas knackiges abzuliefern. 13,5%, und ehrlich gesagt hat mich das dazu bewogen, einen Karton auf Verdacht zu kaufen. Was ich nicht bereue, auch wenn der Wein nicht jedermanns Sache sein wird. Einerseits braucht er Essen, andererseits setze ich mich (nach dem Essen) gerne mit der Kantigkeit außeinander (oder ich gebe mich ihr hin?).
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Holzfass

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSa 9. Sep 2017, 17:49

olifant hat geschrieben:
Chianti Colli Fiorentini DOCG 2012, Podere Elisa (FI), 90% Sangiovese, 10% Colorino und Canaiolo

dunkles glänzendes Mittelrot; Sauerkirschen, Holunderbeeren, Oliven und Eisen, anfangs leichter Goudron, dazu Veilchen und erdige Würze, mit Belüftung verschwindet der Goudronton, es bilden sich dichtere Fruchtnoten und Veilchenanklänge aus, die Oliven bleiben Präsent; am Gaumen zunächst eher leichtes Mittelgewicht mit eleganter Ausprägung, anfangs straff und eher leicht fruchtig, karg-mineralisch mit viel schwarzen Oliven und Eisen/Goudron, mit Belüftung dann immer wieder changierend , vorallem aromatische fein-erdige Kirsch-/Holunderfrucht gepaart mit Olivennoten, wiederum Veilchen, immer wieder mineralische Anklänge, etwas weisser Pfeffer und Eisen, Tannine zunächst eher sehnig, dann Richtung kühl-seidig mit anständigem Gripp, die Säure anfangs etwas dominant, dann schön eingebunden, gewisse Tiefe und Komplexität, changierend, neugierig machenend, viel Typizität, auch stets auf einer eleganten Seite und verständlich bleibend; mittellanger - langer Abgang, zunächst eher etwas karg-mineralisch, später fruchtig-aromatisch mit Biss und animierender Säure - 16-16,5 op

Sehr schön - dieser Produzent hat eine Vorstellung davon, dass ein Chianti Colli Fiorentini eine andere Charakteristik haben sollte, als ein einfacher Chianti. Ebenso ist bei aller Unterschiedlichkeit auch die Jahrgangsprägung zu erfassen. Für Weintrinker, die einen ordentlich gemachten Chianti mit einer gehörigen Portion Toskanischer Typizität schätzen ein wohl angenehmer Wein, kein Überflieger, aber ein hochanständiger Essensbegleiter.


Diesen Chianti hatte ich übrigens nach dem Lesen Deiner VKN gleich mal geordert und stimme dem o.g. absolut zu. Der Karton war im Frühsommer geleert, der Wein wurde über die Zeit aber immer besser. Der Goudron-Ton ist mittlerweile fast weg, der Wein kommt fein-würzig daher, hält sich immer noch locker zwei Tage. Vielleicht am zweiten Tag sogar noch besser. Ich habe jedenfalls nochmal einen Karton zum lächerlichen Flaschenpreis erstanden (4,50€). Und die ersten zwei Flaschen sind auch schon wieder weg. Toller Essensbegleiter, perfekter Alltagswein.
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Holzfass

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSa 9. Sep 2017, 20:20

Holzfass hat geschrieben:Heute gibt es erstmalig die Il Brunone Chianti Classico Riserva der Agricola Losi. 2011. 95% Sangiovese 5% Canaiolo, 24 Monate in Eichenfässern zu 50 hl. Etwas helleres Rot, orangener Rand. Erst recht verschlossene und zurückhaltende Nase, öffnet sich aber immer weiter über 2h, wobei "öffnen" fast schon übertrieben ist, da da alles immer noch ziemlich kompakt daherkommt. Sauerkirsche, roter Johannisbeersaft, etwas Eisen, etwas Würze, ein Hauch 2011-typischer Reife. Wirkt mit Luft zunehmend frischer. Am Gaumen doch deutliche Säure, jahrgangstypisch recht reife Tannine - dachte ich erst - werden aber mit jedem Schluck prägnanter. Auch am Gaumen wird es einerseits offener, aufgeräumter, andererseits auch knackiger. Ist so in der Reihenfolge eher selten der Fall. Recht schwierig, einzelne Aromen zu erschmecken. Da sind sauer-fruchtige, aber auch fein-würzige Komponenten bis hin zu süßlich-reifen Anklängen (Jahrgang). Nicht erdig. Recht langer Abgang. Die Riserva kommt traditionell daher. Respekt, 2011 so etwas knackiges abzuliefern. 13,5%, und ehrlich gesagt hat mich das dazu bewogen, einen Karton auf Verdacht zu kaufen. Was ich nicht bereue, auch wenn der Wein nicht jedermanns Sache sein wird. Einerseits braucht er Essen, andererseits setze ich mich (nach dem Essen) gerne mit der Kantigkeit außeinander (oder ich gebe mich ihr hin?).


Am zweiten Tag immer noch kräftiges Säuregerüst. Dunkel-würzig. Die süßlich-reifen Noten kommen jetzt balsamisch rüber. Perfekt zum Hirsch-Ossobuco.
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olifant

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragMo 11. Sep 2017, 10:39

Holzfass hat geschrieben:
olifant hat geschrieben:
Chianti Colli Fiorentini DOCG 2012, Podere Elisa (FI), 90% Sangiovese, 10% Colorino und Canaiolo

....


Diesen Chianti hatte ich übrigens nach dem Lesen Deiner VKN gleich mal geordert und stimme dem o.g. absolut zu. .... Ich habe jedenfalls nochmal einen Karton zum lächerlichen Flaschenpreis erstanden .... Toller Essensbegleiter, perfekter Alltagswein.


Freut mich, das der Wein nicht nur mir, sondern auch dir schmeckt. P.S. Welche Quelle hast Du mit 4.50 €uronen? gerne per PM.
Grüsse

Ralf
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olifant

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragMo 2. Okt 2017, 08:03

... die letzten Tage im Glas ...

Chianti 2012, La Spinetta Casanova-Terricciola, NK

mittleres glänzendes transparentes Rubinrot; würzige rote Frucht (Sauerkirsche, Holunder, Schlehe, Preiselbeere), etwas Unterholz, etwas Veilchen, dezente Gewürznoten; am Gaumen kräftiges dichtes Mittelgewicht, würzige rote Frucht korrespondierend zur Nase, Gewürznoten (Trockenkräuter), etwas Veilchen, Pfeffer, minimal mineralische Noten, noch bissiges aber geschmeidiges Tannin, sehr schöne kräftige Säure, wirkt manchmal ausbalanziert / manchmal etwas aus der Balance, leicht trocknend, als Toskaner schmeckbar, fordernd; langer Abgang auf Frucht / Tannin / Säure, etwas pfeffrig - 16,5-17+/20 op

Dieser Wein entstammt nicht dem Standardportofolio von La Spinetta Casanova, sondern scheint lediglich 2012 produziert - aus diesem Jahrgang gibt es dafür bis dato nicht die übliche Chianti Riserva.
Letzlich ein gut gemachter, zwar einerseits moderner, aber andererseits auch deutlich in der Toscana verorteter Chianti, der, über 4 Tage getrunken, noch deutliche Reserven zeigt; auch am vierten Tag noch mehr und mehr Entwicklung an der Luft - mehr als ordentlich, mit Potential.
Grüsse

Ralf
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Holzfass

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragSo 8. Okt 2017, 10:54

Hallo Ralf,

Warst Du in der Metro einkaufen ;) ?

Ich habe da den La Spinetta Chianti vor einiger Zeit gesehen aber mich erst nach Deiner VKN mal rangetraut. Meine Eindrücke decken sich weitgehend mit Deinen. Die Stilistik des Chiantis erinnerte mich aber auch irgendwie an Nebbiolo (vielleicht am ehesten Barbaresco). Mag trotz "La Spinetta" jetzt aber auch eher Zufall sein, als so gewollt. Das kann ich kaum beurteilen. Die dezent-mineralischen bis -erdigen Noten erinnern dann aber in der Tat eher wieder an Chianti/Toskana.

Viele Grüße,
Thomas
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olifant

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragMo 9. Okt 2017, 07:37

Hallo Thomas,

... Ja ... ;) , aber an Nebbiolo hat mich der Chianti nun nicht wirklich erinnert, aber eine gewisse Rivetti Handschrift ist wohl allen La Spinetta Weinen, ob Piemont oder Toskana, zueigen.

Ich habe mir auch eine Flasche "Il Colorino di Casanova '11" mitgenommen, mal schaun was der so drauf hat. Sollte aber sicher auch noch längere Zeit liegen, vor '19 werde ich da wohl nicht rangehen.
Grüsse

Ralf
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olifant

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragDo 12. Okt 2017, 17:16

olifant hat geschrieben:... diese Tage im Glas ...

Chianti Classico 2010, Isole e Olena - Barberino Val d'Elsa

mittleres glänzendes Rot mit leicht Rubinroten Reflexen; Waldbeeren und Holundernoten, Sauerkirsche, etwas Wald-Würze; am Gaumen gutes Mittelgewicht, fruchtige Beeren-/Fruchtnoten korrespondierend zur Nase, angenehm würzige Noten im Hintergrund, gewissen Mineralität, alles gut verwoben, recht straffes aber sehr gute Tannin, hervorragend balanzierte Säure, recht zupackend und fordernd, Tiefe und Komplexität, blüht mit Belüftung (ein Tag in geöffneter Flasche) enorm auf; langer Abgang auf komplexe Frucht mit gewisser angenehmer Herbe - 17/20 op

Ein sehr klassischer fordernder Chianti Classico, für Liebhaber eines direkten unverfälschten hochklassigen Sangiovesegenusses, nix für Weicheier :lol:

Obige Notiz ist nun 4 Jahre her ... hat sich sehr schön entwickelt, nun nicht mehr fordernd, eher einladend wäre jetzt wohl bei 17,5/20 op mit Genussbonus 0,5 für persönliche Trinkfreude bei 18/20 ;)
CCl geht nicht besser, nur anders.

P.S. Jetzt fast schon auch für Weicheier :lol:
Grüsse

Ralf
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Créot

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragDo 12. Okt 2017, 20:28

Hallo Ralf,

danke für Wasserstandsmeldung. Würdest du sagen, dass der Wein seinen Höhepunkt schon erreicht hat? Habe bisher meine 2010er sehr geschont und von Isole e Olena nur vor 2 Jahren eine Flasche aufgerissen (fand ich noch zu jung) - und eher 2011er getrunken.

Na, vielleicht sollte ich einfach mal an die ein oder andere Flasche rangehen... :D

Grüße
Stefan
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olifant

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Re: Chianti (in allen Variationen)

BeitragFr 13. Okt 2017, 07:27

Hallo Stefan,

das kommt doch ganz auf die persönlichen Vorlieben an. Ich würde sagen, da kann man jetzt auf jeden Fall schon mal ran, hat jetzt einfach viel Charakter, auch wenn der sich m.M. noch 10 Jahre oder mehr bis ins morbido-Stadium entwickeln wird und dann auch noch lange Spass machen könnte. Die '10er können m.E. wohl eine ähnliche Klasse entwickeln wie die '90er.
Grüsse

Ralf
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