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Barolo - Wein der Könige, König der Weine

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Mr. Nebbiolo

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragDi 19. Feb 2019, 11:35

Hallo die Herren,

da es um Barolo geht muss ich doch ausnahmsweise mal was schreiben ;) .

Die Preise nehmen leider tatsächlich ordentlich Fahrt auf und auch wenn Mascarello, G. Rinaldi, C.Conterno und Co. verdammt gute Weine sind, ist das zu viel des Guten und mir zu viel Spekulation am Werk :cry: .

Jetzt zu Porro: Ich habe da seit JG 2009 immer gekauft und wurde von den Weinen nie enttäuscht. Was mich aber wundert ist, das Stefan der 2004er (ca. 2016 getrunken) scheinbar zu hart war ? Auch wenn 2004er ein klassischer Jahrgang war und Serralunga auch für diese Art steht, ist doch Porro für mich das krasse Gegenteilt. Die Porro Weine sind für mich feminin und elegant, obwohl die Lage Lazzarito und Serralunga allgemein oft die die reifebedürftigen, tanninlastigen Barolo steht, sind die Porro eigentlich von Anfang an zugänglich und wenn die beiden Weine aus Lazzarito drei, vier Jahre gereift sind, sind sie wunderbar smoothig ;) . Ich kenne sogar einige, die die Porro Weine wenig schätzen, weil sie eben nicht die klassischen Serralunga Weine sind und man nicht erschreckt und erfurchtsvoll von der Kraft und er Tannine erstarrt ;) . Bitte nicht falscch verstehen, ich mag klassische Barolo mit viel Tannin, die Jahre reifen sollten, aber für den früher zugänglichen Stil ist Porro für mich topp.

Ich hatte vor zwei Wochen einen sehr feinen, eleganten, fast schon zu süffigen 2010er S. Caterina und dass die Teile auch reifen können, zeigte mir letzten Samstag ein 1978er Barolo von Porro. Vielleicht wurde da ab JG 2004 ja etwas umgestellt ?

Ich fahre jedes Jahr ins Piemont und besuche die "sicheren" Kandidaten (auch preislich noch relativ sicher), kaufe aber in die letzten Jahren vermehrt in den regionalen Enotecas dort ein, da es so viele neue Produzenten und Barolo / Barbaresco gibt, die ich probieren will und meine Geldbörse nicht mitmacht, überall drei Karton beim Produzenten zu kaufen :o :shock: . Gibt also noch genügend richtig gute, bei denen ich nicht 50 + € ausgeben muss.


@Stefan: Was heißt den PnP ?
Zuletzt geändert von Mr. Nebbiolo am Di 19. Feb 2019, 16:11, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße

Klaus
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harti

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragDi 19. Feb 2019, 12:54

Hallo Klaus,

schön, mal wieder von Dir zu lesen :) . Ich antworte Stefan und damit auch für Stefan: Pop 'n Pour mache ich nur bei Barbera und Nebbiolo. Ansonsten belüfte ich die jungen Barolo ein paar Stunden ohne groß zu dekantieren, d.h. ich setze allenfalls schlanke Karaffen ein. Bei angereiften und älteren Barolo entscheide ich individuell.

Grüße

Hartmut
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Créot

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragFr 22. Feb 2019, 15:34

Klaus und Hartmut, danke für eure Antworten.

Was den Porro Lazzairasco betrifft: Das Problem bei mir ist sicherlich auch eine sehr sehr kleine Probengröße. Ich hatte (bei der 2010er Probe bei Hartmut) zuvor nur einmal den 10er im Glas - und der präsentierte sich damals nicht besonders aufsehenserregend. Dann eine Flasche aus 2004. Ich habe noch mal nachgeschaut, 2015 wars. Und die Flache hatte extrem viel Ausfall, wie ich mir notiert hatte. Vielleicht war es auch einfach eine schlechte Pulle. Zwei Flaschen habe ich noch und werde demnächst eine köpfen. Mal schauen, wie er sich dann präsentiert.

Klaus, ich wäre auch sehr interessiert an deinen Erfahrungen und würde mich freuen, wenn du hier öfter etwas berichtest!!! Ich fand ältere Beiträge von dir immer sehr hilfreich.

Hartmut, einmal würde ich noch nachfragen: Bei mir bekommen reife Barolo (also so 1999 und älter) immer sehr viel Luft (8-10 Stunden dekantiert), junge (also jetzt z.B. 2013) würde ich vielleicht 2 Std. in die Karaffe packen, tendenziell aber eher über 2 Abende beobachten. Damit habe ich eigentlich sehr gute Erfahrungen gemacht. Was mache ich aber z.B. mit eher kleineren Weinen aus 2010? Auch schon länger dekantieren? Oder 2004? Wäre das schon ein "reifer" Barolo???

Wahrscheinlich ist es am Besten, die Weine einfach über 2 oder 3 Abende zu trinken, dann hat man irgendwann den richtigen Zeitpunkt und ist an Erfahrung reicher...

Grüße
Stefan
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Créot

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragMi 6. Mär 2019, 00:44

Nun hatte ich

Guido Porro, Barolo Lazzairasco 2004 wieder im Glas und war nicht wirklich begeistert.

hier noch einmal meine Notiz von der ersten Flasche aus 2015:

Am ersten Abend habe ich mir keine Notizen gemacht. Ich fand den Wein aber zunächst recht soft und fruchtgeprägt mit wenig Typizität. Eher uninteressant. Später am Abend haben die Tannine dann ziemlich zugebissen – da war es überhaupt kein Vergnügen mehr. Am zweiten Abend deutlich besser, aber immer noch recht abweisend. In der Nase noch recht schön mit etwas welken Blütenblättern, Leder und mentoligen Noten. Am Gaumen wird etwas Tiefe erkennbar, gute Frische, rote reife Frucht, im ganzen eher schlank, etwas Cranberry, recht lang, aber auch sehr von den Tanninen geprägt. So richtig warm werde ich mit dem Wein noch nicht bzw. ich kann ihn nicht recht einschätzen.

Die Flasche, die ich vor einigen Tagen im Glas hatte, war nicht so tanningeprägt, eher im Gegenteil, eher zu soft (wie die letzte Flasche in den ersten Stunden):

In der Nase Blüten, etwas rote Kirsche, leichte Waldaromen, etwas Menthol, schöne Intensität und Energie. Am Gaumen wirkt der Wein etwas müde, wenig Energie und Dynamik, wenig Komplexität obwohl eigentlich schöne Aromatik mit Kirsche, etwas Orange, Waldnoten. Grundsätzlich gut balanciert, die Tannine stützen etwas im Hintergrund, aber das alles ohne wirklich Spannung aufzubauen. Mir fehlt auch etwas Frische. Mittlere Länge. O.k., aber kein Nachkaufreflex. Am zweiten Abend Nase wie am ersten Abend, am Gaumen aber mehr Biss: die Säure etwas prononcierter, die Tannine etwas mehr im Vordergrund, so dass etwas mehr Spannung entsteht. Letztlich lässt mich der Wein aber eher kalt.

Ich werde mir in nächster Zeit mal den 2010er anschauen. Letztlich bin ich ja auf der Suche noch dem ein oder anderen preiswerten Barolo...

Beste Grüße
Stefan
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dylan

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragSo 10. Mär 2019, 19:25

Gestern hatten wir im Rahmen einer kleinen Altwein-Probe einen gereiften Barolo am Start, der in jedem Fall eine besondere Erwähnung verdient:

Barolo Ginestra 1979 Maria Feyles Ich hatte die Flasche mit allerdings sehr gutem Füllstand (2cm) ohne große Erwartung aufgezogen.
Was sollte schon ein Barolo einer wohl weitgehend unbekannten Erzeugerin aus einem eher mittelmäßigen Jahrgang nach 40 Jahren schon bringen?
Der für sein Alter noch recht tieffarbige Wein ( durchscheinendes Granat mit nur wenigen Brauntönen und orangen Reflexen, schmaler Wasserrand)
war bereits im Duft vielversprechend. Anstelle der bei einem alten Barolo so häufig anzutreffenden Teer- und Unterholzorgie waren hier noch neben
floralen Noten (Rosen, Veilchen) auch zarte Fruchtnoten (Kirsche, Erdbeere) zu erahnen. Über allem schwebte eine subtile Süße, die sich eins zu eins
auch am Gaumen wiederfand. Der Wein wirkte hier keineswegs ältlich, sondern vielmehr auf den Punkt gereift. Schwebend, transparent, seidig, das Tannin
nur im langen Abgang noch spürbar. Einen besseren Piraten für eine Probe mit hochwertigen Burgundern kann ich mir nicht vorstellen. (95P)

Das war schon ein ganz besonderes und vor allem unerwartetes Erlebnis. Die Klasse dieses Weines mag verdeutlichen, dass er den übrigen Weinen,
die am Start waren, ganz klar die Rücklichter zeigte. Und das waren mit Gajas Darmagi 1993, Dominus 1984 und Warre's Port 1977 keine no names.

Grüße

dylan
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Kle

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragSo 10. Mär 2019, 21:11

interessant, dylan, wir schmeckten am Wochenende einen umwerfend frischen Barolo 1979 von Fratelli Oddero.
Einzig degenerativ die Korkbrösel, die ich absieben musste, der Wein selbst ohne bräunliche Farbtöne und aufdringliche Altersnoten, stark strukturiert, dicht, ein so fester wie schmiegsamer Trinkfluss, dass eine Fälschung ins Spiel gebracht und verworfen wurde. Problem für den Wein war nur der direkte Vergleich mit dem folgenden Gaja 1971, hellrot, weich, geschmacklich wie mit einem zarten Netz aus Verwelktem, aus dem ganz fein die schönsten Sommerfrüchte auftauchten. Ergreifend.

Gruß, Kle
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dylan

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragSo 10. Mär 2019, 22:55

Hallo Kle,

dann hatte unser Barolo wohl eine große stlistische Nähe zu eurem Gaja.
Muss wohl ein Barbaresco gewesen sein, oder?
Der erste Barolo Sperss wurde von Gaja erst 1988 produziert.

Beste Grüße

dylan
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Kle

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragSo 10. Mär 2019, 23:24

Hallo dylan,

genau, war ein Barbaresco ("Alcool 14.30°") und ich hatte bei Deiner Beschreibung des Barolo teils das Gefühl, ich könnte sie für den Gaja übernehmen.

Gruß, Kle
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harti

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragMo 11. Mär 2019, 13:14

Gestern gab's zwei junge Piemonteser. Einer wie erwartet mit starker Leistung: 2008er Produttori del Barbaresco Barbaresco Paje Riserva - wunderbarer Duft, vollmundig, aber mit zupackendem Tannin. 93P. Besser noch liegen lassen. Einer überraschend schwach: 2009er Brovia Barolo Villero - verhaltener, ziemlich diffuser Duft, schwammige Struktur (heißt: kein Biss). 87 P. Ich hoffe, das bessert sich noch :roll: .

Grüße

Hartmut
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olifant

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Re: Barolo - Wein der Könige, König der Weine

BeitragMo 15. Apr 2019, 15:56

... am WE im Glas ...

Barolo 1993, Az. Agr. Schiavenza - Serralunga d'Alba, NK, pnp

noch dichtes Rubingranat; Tabakferment, altes Leder, Schweiss, etwas rote Frucht, welkes Laub, Pilze; am Gaumen anfangs aromatzisch dicht, gutes Mittelgewicht, Aromen im wesentlichen kongruent der nase mit vielen angenehmen Tertiärnoten (Tabakferment, Leder und Schweiss), mit Luft kommen Pilznoten dazu, rückhaltende Reste von roter Frucht (Himbeere, Kirsche), mit Luft leicht ins Likörige drehend, Unterholz / feuchtes Laub, noch immer griffiges, wenn auch gemildert gereiftes (aber mit Luftzufuhr) trocknendes Tannin, stramme (stimmige) Säure, die, solange noch etwas Frucht am Gaumen hängt, für angenehmen Trinkfluss sorgt, anfangs schöne Tiefe mit gewisser Komplexität, mit Luft dreht der Wein ins Spröde und Harte; Anfangs langer komplexer Abgang korrespondierend zum Gaumen, mit Belüftung unharmonisch und kürzer werdend, am Ende hart, trocknend und säuerlich - 17-17,5/20 op

Ein Barolo am Ende seines Lebens, deutlich als Kind seines Jahrgangs zu erkennen. Viel (nicht ganz reifes) Tannin, ordentlich Säure und eine knappe Frucht. Das eigentliche Alter ist nicht wirklich wahrzunehmen, das dem Jahrgang innenwohnende Ungleichgewicht der Komponenten hingegen schon - bevor das Tannin richtig gereift ist, ist die Frucht vergessen.
In den ersten 2 Stunden macht der Wein als Essensbegleiter noch richtig Spass. Danach - und vorallem als Solist - wird die Sache ziemlich Spassbefreit. Schnell getrunken durchaus noch ein schöner klassischer Barolo.

Die noch vorhandenen 2 Restflaschen werden ganz sicher einem ordentlich gegrillten, am besten Flank-, Steak, in grösserer Runde geopfert.
Grüsse

Ralf
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