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Piemont für Anfänger

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Gerald

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Re: Piemont für Anfänger

BeitragSo 23. Jun 2013, 19:08

Hallo,

ich bin ja wirklich kein Piemont-Spezialist, aber könnte das nach der Beschreibung nicht einfach eine Rückzugsphase des Weins sein, wie es sie bei vielen anderen großen Rotweinen auch gibt? Gerade die Beschreibung, dass die Aromen im Lauf der Zeit zurückgehen, spricht doch sehr dafür, finde ich.

Grüße,
Gerald
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Mr. Nebbiolo

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Re: Piemont für Anfänger

BeitragSo 23. Jun 2013, 19:50

Alas hat geschrieben:Hallo!

Ja, ich finde das auch schade. Mein Verdacht ist, daß man den Weinen unterhalb von Barolo nicht mehr die notwendige Aufmerksamkeit gibt.



Hallo Alas,

erst mal viel Spaß beim besorgen des Vergleichs, auch wenn das nicht so schnell gehen wird ;) .

Dein oben geschrieben Satz ist aber ehrlich gesagt eher Unfug, denn erstens ist Barbaresco nicht unterhalb von Barolo, sondern nur ein anderes Anbaugebiet und zweitens hat Bruno Giacosa zwar Barolo im Programm, ist aber berühmt für seine Barbaresco, in erster Linie aber die Riservas mit den roten Etiketten. Das er dem Barbaresco weniger Aufmerksamkeit schenkt, ist also Quatsch.

Es gibt, wenn du dich nur auf Barbaresco und Barolo konzentrierst, viele verschiede Stile der Winzer, verschiedene Böden und auch sonst einige Unterschiede. Du kannst z.B. bei manchen Winzern jetzt einen 2005er Barolo / Barbaresco öffnen, der wunderbar trinkreif ist und bei manchen ist das viel zu früh.

Die Barbaresco und Barolo von Bruno Giacosa brauchen sehr viele Jahre Reife und Gerald wird wohl absolut recht haben, dass dieser Wein in einer totalen Verschlussphase steckt, wofür auch deine Beschreibung von zweiten Tag sprechen würde.

Erst mal solltest du herausfinden, ob dir Nebbiolo überhaupt schmeckt, dann wirst du viel probieren müssen, welche Unterschiede es gibt. Nebbiolo ist nämlich nicht jedermans Sache und das ist auch gut so ;)

Beginne doch mal mit zwei oder drei Nebbiolo d`Alba, oder nicht ganz so teuren Barbarescos, Besorg dir doch z.B. mal einen Barbaresco Asili von Ca del Baio, der nur etwas mehr als ein drittel deines Giacosa kostet und dann sehen wir weiter ;)
Grüße

Klaus
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Alas

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Re: Piemont für Anfänger

BeitragMo 24. Jun 2013, 15:54

Hallo!

Wenn ich hier Unfug schreibe, so ist das im Rahmen dieses Threads, denn ich bin ja zunächst als ahnungslos zu betrachten. Vielleicht hilft es ja dann anderen manches zu vermeiden.
Nun hatte ich von Giacosa nicht nur den Barbaresco, sondern noch drei weitere Flaschen, wovon der Barbera wirklich nicht gut war und die anderen beiden so nana. Da stelle ich mir schon die Frage wie es dazu kommt und wie die gehobene Preisgestaltung gerechtfertigt ist.

Mr. Nebbiolo hat geschrieben:Erst mal solltest du herausfinden, ob dir Nebbiolo überhaupt schmeckt, dann wirst du viel probieren müssen, welche Unterschiede es gibt. Nebbiolo ist nämlich nicht jedermans Sache und das ist auch gut so ;)

Beginne doch mal mit zwei oder drei Nebbiolo d`Alba, oder nicht ganz so teuren Barbarescos, Besorg dir doch z.B. mal einen Barbaresco Asili von Ca del Baio, der nur etwas mehr als ein drittel deines Giacosa kostet und dann sehen wir weiter ;)


Das ist eine wirklich gute Idee, die ich bei den folgenden Bestellungen berücksichtigen werde.

Gruß

Alas
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Alas

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Re: Piemont für Anfänger

BeitragSa 6. Jul 2013, 09:59

Hallo!

Morgen um 19.45 Uhr ist man auf ARTE Zu Tisch in Alta Langhe:

http://www.arte.tv/guide/de/045385-012/zu-tisch-in

Gruß

Alas
wat den een sien uhl is den annern sien nachtigall
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Alas

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Re: Piemont für Anfänger

BeitragSa 27. Jul 2013, 11:56

Hallo!

Hurrah! Hurrah!

Der Zoll hat mir geschrieben.
Meine letzte Bestellung von vor rund 6 Wochen war nach 4 Tagen in Israel und beim Zoll gelandet. Jetzt schreibt man mir, daß ein Paket eingetroffen ist und ich es abholen könne. Schon!
Genauso wie beim letzten Mal, hat es verdächtig lang gedauert. Damals fehlten drei Flaschen und das Paket war so gut wieder verschlossen worden, dass es mir erst zu Hause auffiel. Diesmal schaue ich aber genau nach bevor ich den Zoll bezahle.
Hurrah! Hurrah!
Und ein weiteres Paket lagert nun schon 3 Wochen beim Zoll...
Immerhin sind die Räume dort klimatisiert.

Nun will ich die Flaschen natürlich nicht einzeln hier einstellen. Es dauert also noch.

Deshalb nun etwas anderes aus dem Piemont, ein WELTHIT.
Gemeint ist der Vermouth (Wermut auf Deutsch), gewürzter Wein (hauptsächlich Kräuter, aber auch Gewürze)
Gewürzten Wein hat es immer schon gegeben und gibt es auch heute in vielen nationalen Arten. In Deutschland ist es der Glühwein, in Spanien der Sangria, in Griechenland der Retsina, usw..

Wie kam es zum Vermouth?
Das lässt sich nicht genau klären. Verschiedene Firmen und Hersteller werden genannt oder behaupten es selbst. Am meisten verbreitet wird, dass Antonio Benedetto Carpano den Vermouth erfunden hätte, ein Destilateur, der damit Ende des 18. Jahrhunderts in Turin damit so erfolgreich war, dass er sein Geschäft 24 Stunden geöffnet halten musste.
Heute gibt es ein Produkt mit dem Namen Antica Formula auf dem Markt, das nach einem Rezept von Carpano hergestellt sein soll und von der Firma FRATELLI BRANCA DISTILLERIE SRL (produzieren auch den Fernet Branca) in Mailand hergestellt wird:

Der Antica Formula hat eine bräunlich-rote Farbe und riecht recht kräftig nach Kräutern und Kirsche. Im Mund zeigt sich ein schwerer, süßer Wein mit einem sehr komplexen Aroma mit Kirsche Vanille, Süßholz und getrockneten Früchen.
Tipp: Ein Schuss Zitronensaft kommt gut.

Carpano.jpeg


Die großen Namen beim Vermouth sind Cinzano und Martini, beide eng verknüpft mit der großen Mode ab dem 19. Jahrhundert Vermouth in Cocktails zu verwenden.
Vorstellen will ich hier jedoch kleinere Hersteller aus dem Piemont, die bodenständiger sind. Standartmäßig gibt es die Arten Rosso, Bianco und Dry oder Extra Dry (Rot, Weiß, Trocken oder Extra Trocken)
Wir haben Vermouth vor zirka einem Jahr als Aperitif entdeckt und ihn zunächst gern mit Fruchtsirup 'getönt'. Inzwischen machen wir das nur noch manchmal beim Dry oder Extra Dry.

Gran Torino ist ein Firma aus dem Osten des Piemont. Verwendet werden u.a. Beifuß. Enzianwurzel, Kalmegh, Chinarinde, Rhabarber, Orangen-Schale, u.a.
http://www.grantorino.it/english/english.htm

Zunächst der Grand Torino Rosso:

Dunkles Rostrot und in der Nase Rose, Kirsche und getrocknete Früchte. Dieses dann auch im vollen Körper, aber wesentlich leichter und herber im Geschmack, als der Antica Formula.
Tipp: Etwas Himbeersyrup ist witzig.

GranTorino Rosso.jpeg


Der Gran Torino Extra Dry:

Helles Gelb im Glas; weiße Traube, Kräuter, Gewürze und Apfel in der Nase; dieses dann sehr trocken im Mund mit feinem weinigen Geschmack.
Tipp: Bananensyrup ergänzt hier prima, bestimmt gut für Cocktails.

GranTorino Extra.jpeg


Nun die Firma Toso, ebenfalls im Piemont beheimatet, nicht weit von Alba. Klein aber modern, bietet sie eine große Palette an Produkten, auch die typischen piemonteser Weine.
http://www.toso.it/

Wir finden Vermouth von Toso bisher am besten, da pur einfach prima schmeckt.

Der Toso Rosso:

Ebenfalls Rostrot die Farbe; in der Nase in feinen Weingeruch eingebettet 'Mon Cherrie' und Kaffee: im Mund sehr komplex: überreifes rotes Steinobst, Zimt Kakao, Karamell, mit einem ausgeglichenem Süß-Säure-Verhältnis
Tipp: Sirup von Haselnuß oder schwarzer Johannisbeere sind gut.

Toso Rosso.jpeg


Der Toso Bianco:

Er zeigt ein sehr helles Gelb; in der Nase sehr aromatisch Blüten, Lychee und Nuß; im Mund Lychee, Nuß, Birne, alles in feinem Weißweingeschmack, traumhaft lecker.
Kein Tipp, schmeckt pur super!

Toso Bianco.jpeg


Wir trinken Vermouth vornehmlich gut gekühlt als Aperitif aus Martini-Gläsern.

Gibt es auch was zu Essen?
Klar doch! Bagna caôda nach diesem Rezept:

http://www.monferrato.de/geniessen-wein ... caoda.html

Das hat uns so gut geschmeckt, das wir fast nicht zum Hauptgericht kamen. Kardone habe ich leider nicht mehr bekommen, da die Saison schon vorbei war. Artischocke passt bestimmt auch sehr gut und gedünstete Möhren waren klasse.
Ein zweites mal habe ich anstatt Sardellen Sild aus Estland genommen. Das war genauso gut, hat etwas fischiger geschmeckt.

So long

Alas
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Alas

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Re: Piemont für Anfänger

BeitragSo 18. Aug 2013, 20:22

Hello!

So, nun schreibe ich hier weiter und fange mit einer Pleite an:

Bild

Braida.jpeg


Wenn der Wein 7,50 € gekostet hätte, aber bei 49,- € finde ich das gar nicht lustig. Man kann jetzt auch nicht sagen, dass es der falsche Zeitpunkt wäre.

Über den Wein schreibt der Hersteller:

“Das ist es. Das ist das gewünschte Niveau,” ist die Bedeutung vom Dialektausdruck Ai Suma. Es handelt sich um einen Wein, der nur in besonders günstigen Jahrgängen produziert wird und eine Art “Spitzenwein” der Firma darstellt. '

Mein Niveau ist das nicht und ich fange an zu verstehen, warum man vielleicht auf die Idee kam, Vermouth herzustellen.

Die Konkurrenz kann das deutlich besser:

Bild

Vietti_Barbera.jpeg


Mit 39,- € ist der Wein etwas billiger, aber ergibt auch kein gutes PLV. Da bekommt man woanders für die Hälfte mehr.
Eines weiß ich nun: Einen Spitzen-Barbera werde ich mir nicht mehr kaufen.

Dann zwei Weine von Giorgio Pelissero:

Bild

Pelissero_Langhe.jpeg


Der Wein steht im Zusammenhang mit dem Long-Now-Projekt, bei dem es darum geht langfristiges Denken und Handeln zu fördern. Nicht uninteressant.

http://longnow.org/store/long-now-wine/

Dann zu Dolcettos:

Von Snooth habe ich den Newsletter abonniert. Dort schreibt der Gregory Dal Piaz fast täglich. Das ist kein Papst und ein Team hat er auch nicht. Manchmal ist es echter Kokolores, oft aber nicht schlecht. Der war kürzlich im Piemont und hat nun nach aktuellen Barolo-Verkostungen über Dolcetto geschrieben:

http://www.snooth.com/articles/current- ... -dolcetto/

Was er in seiner Einleitung über Dolcetto schreibt spiegelt zum erheblich Teil meine Meinung/Suche wieder. Ich bin kein großer Fan Wein direkt zum Essen zu trinken. Meistens rieche ich nur, denn ich will mich aufs Essen konzentrieren und zusätzlich dann noch Wein ist mir zu viel, meistens. Manchmal jedoch, bei einfacheren Gerichten, passt es jedoch für mich auch zusammen. Das muß dann ein Wein sein, der nicht zu aufdringlich oder komplex ist. Und genau dies erhoffe ich mir vom Dolcetto. Dazu ist er nicht zu teuer und muss nicht gleich morgen getrunken werden.

Genau das war beim Dolcetto von Pelissero nicht der Fall:

Bild

Pelissero_Dolcetto.jpeg


Nun mein erster Wein von Enzo Boglietti, der Dolcetto 'Tigliani' aus 40jährigen Rebstöcken hergestellt:

Bild

Enzobogtielli.jpeg


Zitat vom Weinhändler Belvini:

Das Gut Enzo Boglietti gilt als einer der großen Aufsteiger in La Morra, wobei Stil und Aufmachung als modern zu bezeichnen sind. Die Weine von Enzo Boglietti sind geprägt von nicht allzu langer Mazeration und Barriqueeinsatz, um saftige Frucht bei geschmeidiger Tanninstruktur zu gewährleisten.

Es wird bei mir nicht bei dieser Flasche bleiben.

Ein Rezept gibt es heute nicht, aber das nächste Mal zwei.

Gruß

Alas
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maha

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Re: Piemont für Anfänger

BeitragFr 5. Dez 2014, 09:59

Hallo Barolo Experten,

ich schlawenzel schon länger um den einen oder anderen Barolo rum.
Nun hat es in einem grossen schweizer LEH mal wieder eine "Weine-für-Treuepunkte-Aktion". Und da ich reichlich von den Dingern angehäuft habe, wollte ich mir nun ein paar Fläschchen gönnen.

In Frage kommen zwei Abfüllungen aus dem Jahre 2010 von Pio Cesare.
Der "Basis" Barolo DOCG aus 2010 (ca. 60 CHF)
Und die nächst "höhere" Klasse "Ornato Pio Cesare Barolo DOCG" ebenfalls aus 2010 (ca. 100 CHF)

Nun meine Fragen:
Wie war das Jahr 2010 im Piemont? Ich hab gelesen dass 2010 in Italien eher schwierig (kühl und nass) war, aber durch die späte Lese der Nebbiolo ganz gut geworden ist.
Lohnt sich der Preisaufschlag von 40 CHF für den Ornato? Oder macht es Sinn lieber bei der Basis Version zu bleiben.
Ich muss dazu sagen dass ich beide nicht sofort, sondern eher etwas gereift geniessen möchte. Sprich die wandern eh erst mal in den Keller. Und meine Barolo Erfahrungen halten sich eher noch in Grenzen.

Danke
Gruss
Marko
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harti

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Re: Piemont für Anfänger

BeitragFr 5. Dez 2014, 10:35

Hallo Marko,

ein paar kurze Antworten zu Deinen Fragen:

2010 gilt als ganz großes Jahr in Barolo: Klassische, tanninreiche, nicht zu schwere Weine für lange Lagerung.

Pio Cesare ist ein alteingesessenes, sehr renommiertes Weingut. Die Barolo werden (zum Teil) in Neuholz ausgebaut und daher wird Cesare tendenziell dem "modernen Lager" zugeordnet. (Wobei, wie an anderer Stelle bereits angemerkt wurde, der Einsatz von Neuholz als Unterscheidungskriterium nicht ausreicht). Die Preise der Cesare-Barolo sind tendenziell als hoch einzustufen, allerdings gilt das für die Bewertungen der 2010er ebenso - siehe hier:

http://www.wine-searcher.com/wine-35770 ... mont-italy
http://www.wine-searcher.com/wine-18183 ... docg-italy

Ob der Mehrpreis für den Ornato gerechtfertigt ist, kann ich nicht beurteilen, allerdings erscheint mir der von Dir genannte Preis von 100 Franken im Marktvergleich etwas hoch (in D kostet Ornato ca. 60 €). Auf jeden Fall ist bei diesem Wein der Neuholzanteil deutlich höher, der Geschmack des Weins dürfte daher im Vergleich zum Basis-Barolo etwas anders ausfallen.

Grüße

Hartmut
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