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Bordeaux 2018

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
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Bernd Schulz

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 08:36

Ich bitte auch um Entschuldigung - während Herr Hilse seine sehr sachliche Antwort verfasst hat, hatte ich meinen nächtlichen Beitrag schon wieder gelöscht.....

Ich wollte den Thread nicht stören! Sorry! :oops: :oops:

Beste Grüße

Bernd
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UlliB

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 10:07

Bernd Schulz hat geschrieben:Ich wollte den Thread nicht stören! Sorry! :oops: :oops:

Das war keine Störung, sondern hat zur Klärung einiger tatsächlich nicht leicht zu verstehender Posts beigetragen. Da gibt es nichts zu entschuldigen.
Matthias Hilse hat geschrieben:Ob das wohl ein Modell ist, das Zukunft hat?

Wenn die seit einigen Jahren erkennbare Tendenz weiter anhält, der Subskription bei den begehrten Weinen immer mehr Volumen zu entziehen, ist sie zumindest in der heutigen Form tot. Ob das nicht sogar die dahinterstehende Absicht ist, oder nur ein Kollateralschaden, sei dahingestellt.

Eins aber ist klar: auch dann werden die Erzeuger ihren Wein verkaufen müssen, irgendwann, und irgendwie. Man wird dann immer noch Bordeaux kaufen können, auch die teuren und begehrten Weine.

Für den Käufer bedeutet das, dass er seine Weine dann eben zu einem anderen Zeitpunkt kaufen wird, nämlich erst, wenn sie in der Flasche sind. Das ist sogar vorteilhaft, da er dann erst einmal selber probieren kann und nicht die Katze im Sack kaufen muss. Genau das ist ja überall sonst der Normalfall; die Subskription ist im globalen Weinhandel die Ausnahme und nicht die Regel. Das, was eine Subskription für den Käufer früher einmal attraktiv gemacht hat - man bekommt den Wein zu einem Preis unterhalb des zu erwartenden Marktpreises - ist ja eh nicht mehr gegeben. Man sieht das klar an der Einschätzung von Liv-Ex & Co.: ein Preis wird dann als "fair" angesehen, wenn er den zu erwartenden Marktpreis nicht überschreitet. Das ist eine Perversion des ursprünglichen Konzepts.

Sollte bei den begehrten Weinen das notwendig sein, was Sie "Repartierung" nennen, kann man das auch dann regeln, wenn der Wein physisch verfügbar ist. Auch dafür gibt es anderswo genügend Beispiele. Dass man dabei möglicherweise sein Kaufverhalten ändern muss - nicht mehr dieses Jahr diesen Wein, im nächsten Jahr einen anderen, und dann wieder gar keinen - liegt wiederum im Interesse der Erzeuger.

Für die Verkäufer auf allen Handelsstufen bedeutet das, dass das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, und man sich an die geänderten Verhältnisse anpassen muss. "Anpassung" kann dann auch mal bedeuten, den Geschäftsbetrieb komplett einzustellen. Das ist natürlich bitter, aber im Wirtschaftsleben heute der Regelfall, und für diesen Regelfall gibt es auch eine Bezeichnung: Strukturwandel.

Gruß
Ulli
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Matthias Hilse

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 11:03

Bernd Schulz hat geschrieben:Ich bitte auch um Entschuldigung - während Herr Hilse seine sehr sachliche Antwort verfasst hat, hatte ich meinen nächtlichen Beitrag schon wieder gelöscht.....

Ich wollte den Thread nicht stören! Sorry! :oops: :oops:

Beste Grüße

Bernd

Zumindest der guten Ordnung halber möchte ich Sie fragen, ob ich meinen Post löschen soll (über den Ihrer, den Sie aber garnicht mehr veröffentlicht haben wollten, noch weiterlebt)? Denn genaugenommen habe ich unbewußt in Ihre Autonomie eingegriffen.

Herzliche Grüße,
Matthias Hilse
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harti

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 11:18

Hallo Matthias,

löschen wäre schade, da deine Erläuerungen die Verständlichkeit deines Ursprungsbeitrages verbessern.

Grüße

Hartmut
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Bernd Schulz

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 11:29

Matthias Hilse hat geschrieben:Zumindest der guten Ordnung halber möchte ich Sie fragen, ob ich meinen Post löschen soll (über den Ihrer, den Sie aber garnicht mehr veröffentlicht haben wollten, noch weiterlebt)? Denn genaugenommen habe ich unbewußt in Ihre Autonomie eingegriffen.


Nein, Löschen ist nicht nötig. Meinethalben kann Ihr Beitrag so stehenbleiben, wie er geschrieben wurde.

harti hat geschrieben:löschen wäre schade, da deine Erläuerungen die Verständlichkeit deines Ursprungsbeitrages verbessern.


Eben.

Herzliche Grüße

Bernd
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Mahoney_jr

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 12:28

Und ich bin, aufgrund der Beiträge hier, doch bei Clos Louie schwach geworden... Eine 6er Kiste wird sich zu Meyney gesellen.

Vielen Dank ans Forum, es war sehr bereichernd!
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innauen

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 13:12

innauen hat geschrieben:Hallo,

Seien wir darum nicht traurig sondern freuen uns an Labegorce, Capbern, Meyney, Batailley etc so lange sie noch verfügbar sind.

Grüße,

wolf


Olaf Nikolai. Habe ich hier zur Subskription geraten? Kann ich nicht erkennen :geek: :D

Jetzt geht halt das Spiel los, wie lange diese Weine zu Subspreisen verfügbar sind. Ich wünsche den Interessierten viel Erfolg. Ich werde es jedenfalls machen wie immer. Von einigen Weinen werde ich kleine Quantitäten erwerben, um nicht den Stress zu haben, wenn sich die Weine nachträglich verteuern (wie Batailley 2009).

Beispiel. Meyney wurde in der Vergangenheit immer auch nachträglich noch günstig angeboten.Gleichwohl kaufe ich einen Sixpack. Einmal als Versicherung gegen etwaige Preissteigerungen. Einmal, um den Wein bei der Arrivage verkosten zu können. Im Schnäppchenfall stocke ich auf, im Fall der Verteuerung freue ich mich über ein paar Flaschen im Portfolio.

Grüße,

wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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pessac-léognan

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 13:57

UlliB hat geschrieben:
Bernd Schulz hat geschrieben:Ich wollte den Thread nicht stören! Sorry! :oops: :oops:

Das war keine Störung, sondern hat zur Klärung einiger tatsächlich nicht leicht zu verstehender Posts beigetragen. Da gibt es nichts zu entschuldigen.
Matthias Hilse hat geschrieben:Ob das wohl ein Modell ist, das Zukunft hat?

Wenn die seit einigen Jahren erkennbare Tendenz weiter anhält, der Subskription bei den begehrten Weinen immer mehr Volumen zu entziehen, ist sie zumindest in der heutigen Form tot. Ob das nicht sogar die dahinterstehende Absicht ist, oder nur ein Kollateralschaden, sei dahingestellt.

Eins aber ist klar: auch dann werden die Erzeuger ihren Wein verkaufen müssen, irgendwann, und irgendwie. Man wird dann immer noch Bordeaux kaufen können, auch die teuren und begehrten Weine.

Für den Käufer bedeutet das, dass er seine Weine dann eben zu einem anderen Zeitpunkt kaufen wird, nämlich erst, wenn sie in der Flasche sind. Das ist sogar vorteilhaft, da er dann erst einmal selber probieren kann und nicht die Katze im Sack kaufen muss. Genau das ist ja überall sonst der Normalfall; die Subskription ist im globalen Weinhandel die Ausnahme und nicht die Regel. Das, was eine Subskription für den Käufer früher einmal attraktiv gemacht hat - man bekommt den Wein zu einem Preis unterhalb des zu erwartenden Marktpreises - ist ja eh nicht mehr gegeben. Man sieht das klar an der Einschätzung von Liv-Ex & Co.: ein Preis wird dann als "fair" angesehen, wenn er den zu erwartenden Marktpreis nicht überschreitet. Das ist eine Perversion des ursprünglichen Konzepts.

Sollte bei den begehrten Weinen das notwendig sein, was Sie "Repartierung" nennen, kann man das auch dann regeln, wenn der Wein physisch verfügbar ist. Auch dafür gibt es anderswo genügend Beispiele. Dass man dabei möglicherweise sein Kaufverhalten ändern muss - nicht mehr dieses Jahr diesen Wein, im nächsten Jahr einen anderen, und dann wieder gar keinen - liegt wiederum im Interesse der Erzeuger.

Für die Verkäufer auf allen Handelsstufen bedeutet das, dass das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, und man sich an die geänderten Verhältnisse anpassen muss. "Anpassung" kann dann auch mal bedeuten, den Geschäftsbetrieb komplett einzustellen. Das ist natürlich bitter, aber im Wirtschaftsleben heute der Regelfall, und für diesen Regelfall gibt es auch eine Bezeichnung: Strukturwandel.

Gruß
Ulli


Dazu tragen natürlich die professionellen Verkoster, besonders diejenigen mit Ultrahochnoten wie James Suckling, wesentlich bei. Wenn die Primeurnoten bei der arrivage nicht mehr zu toppen sind, kann bei nicht gehypten oder ohnehin dem Markt praktisch entzogenen Weinen eigentlich nur eine Tendenz der posterioren Preisgestaltung bestehen: diejenige seitwärts oder nach unten, verglichen mit den Primeurpreisen. Das geschieht spätestens seit dem Jahrgang 2016 mit so gut wie allen Normalweinen in der Preiskategorie bis ca. 100€.
2015 war, nach einer Periode mittelmässiger (2011, 2012), schlechter (2013) oder 'nur' guter Jahrgänge (2014) der m.E. letzte Jahrgang mit einigermassen traditioneller Preisentwicklung. Da gab es noch Weine, bei denen man sich echt an den Kopf langen kann, nicht mehr subskribiert zu haben. Paradebeispiel ist der Rauzan Ségla, der heute doppelt so viel kostet wie bei der Primeurkampagne im Jahr 2016. Für 65€ bekam man den damals! Fast ein Anachronimus!
Nostalgische Grüsse
Jean
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Stephane Franc

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 14:16

[ZITAT Ulli [/b]
"Für die Verkäufer auf allen Handelsstufen bedeutet das, dass das bisherige Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert, und man sich an die geänderten Verhältnisse anpassen muss. "Anpassung" kann dann auch mal bedeuten, den Geschäftsbetrieb komplett einzustellen. Das ist natürlich bitter, aber im Wirtschaftsleben heute der Regelfall, und für diesen Regelfall gibt es auch eine Bezeichnung: Strukturwandel.

Gruß
Ulli[/quote] "


Man hat tatsächlich den Eindruck, dass die Chateaux dem Beispiel Latour folgen und die Subscription mittelfristig eindampfen wollen. Die entsprechenden Rücklagen sollten bei den hohen Preisen der letzten 15 Jahre in deren Marktsegment vorhanden sein. Die Erzeuger wissen aber auch, dass den Händlern bei einer sofortigen Beendigung des Subscriptionswesens über 2 Jahre der Bordeax-Umsatz massivst einbrechen würde - mit entsprechenden Folgen für die Absatzchancen der dann abgefüllten Weine .....
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UlliB

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Re: Bordeaux 2018

BeitragSa 15. Jun 2019, 17:26

Stephane Franc hat geschrieben: Die Erzeuger wissen aber auch, dass den Händlern bei einer sofortigen Beendigung des Subscriptionswesens über 2 Jahre der Bordeax-Umsatz massivst einbrechen würde - mit entsprechenden Folgen für die Absatzchancen der dann abgefüllten Weine .....

Nach "sofortiger Beendigung" sieht es ja nicht aus, sondern nach langsamem Austrocknen.

Dass das eine durchaus riskante Operation ist, dürfte den Erzeugern klar sein, schließlich sollte man die etablierte Kundschaft mit ihren Gewohnheiten nicht völlig verprellen. Andererseits sind die meisten renommierten Chateaux heute nicht mehr im Besitz von Familien, die auf lang etablierte Handelsstrukturen zur Vermarktung ihrer Weine angewiesen sind, sondern in der Hand von international operierenden und finanzstarken Konzernen, die entweder selber wissen, wie man Luxusartikel global vermarktet (LVMH, Chanel etc.), oder das Wissen und die zugehörige Logistik einkaufen können. Die wissen schon, was sie tun - sollte man wenigstens denken. Es wäre ja nicht das erste mal, dass grandiose Konzepte von Marketingstrategen voll in die Hose gehen ;)

Ich werde das weitere Geschehen jedenfalls interessiert verfolgen, aber mehr und mehr nur noch vom Randstreifen. Nicht, dass ich von Bordeaux die Nase voll hätte, aber ich werde zu alt, um noch viel zu kaufen, und muss sehen, meine Kellerbestände zumindest zu großen Teilen abzubauen, bevor nichts mehr geht.

Gruß
Ulli
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