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Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSa 18. Aug 2018, 11:41

Weingut Bremer, Niefernheim - Chardonnay Königsweg 2016

Das junge Weingut Bremer hat noch nur drei Jahrgänge präsentiert, aber die Qualität ist schon beeindruckend. Riesling, Spätburgunder oder Chardonnay alles sehr gut. Das Weingut im Zellertal liegt in der Nordpfalz und die Weinlagen grenzen schon zu Rheinhessen. Das Zellertal hat sehr feine Weinlagen in einem Südhang oberhalb vom Dorf Niefernheim, und ist durch die offene Lage gegen Westen trotsdem ziemlich kühl. Frische Luft kann hier in der nacht gut durchziehen und die Reifezeit verlängern und die Säure der Weine aufbewahren. Der Boden besteht überwiegend aus Muschelkalk.

Der Chardonnay Königsweg 2016 (in französischen Barriques ausgebaut) zeigt in der Nase schon seinen gut abgewogenen Stil. Birne, Fenschel, Orangenschale, leicht würzig und diskretes Holz. Am Gaumen ist der Wein weiterhin schön abgewogen und kein Bestandteil nimmt die Oberhand. Der Wein ist elegant mit einem mineralischen Abgang. 89 W-S Punkte.

Weingut Wageck-Pfaffmann, Bissersheim - Chardonnay Kalkmergel 2015

Ca. 15 km südlich vom Zellertal liegt das Dorf Bissersheim wovon der nächste Wein kommt. Der wächst auch auf Kalkstein und ist auch in französischen Barriques ausgebaut. In der Nase leicht reduktiv mit Zitrusschale, mehr würzig und gröber als der Königsweg, auch weniger komplex. Am Gaumen ist dieser Wein kräftiger, hat mehr Säure und Struktur, ich würde es "Holz-tanninisch" bezeichnen. 89 W-S Punkte.

Beide Weine kann man als "Burgundisch" bezeichnen, vor allem der Königsweg schmeckt neutral Französisch und errinnert um etwas vom Côte de Chalonnais (Typ Rully). Blind würde ich nie auf Deutschland tippen. Der Kalkmergel aus Bissersheim ist "maskuliner" und was man vorzügt ist natürlich Geschmacksache!

Viele Grüsse
Rolf
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Georg R.

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragSo 30. Sep 2018, 12:29

Der Wein-Schwede hat geschrieben:...............
...............
Ich werde weiterhin versuchen so viele Deutsche Chardonnays wie möglich zu probieren. Die Empfehlungen von Georg (Badische Weingüter) passen ganz gut zu besuchen wenn die jährliche Reise zu Weingut Huber losgeht.
Für Info - die Jahrgangspräsentation bei Weingut Huber wird dieses Jahr am 17-18 November stattfinden!


Hallo Rolf,

Hofschuster hat ein paar neue Chardonnays aus Baden verkostet:

https://www.youtube.com/watch?v=1vVf2mDW9Gg

Für mich bestätigt sich darin der Eindruck, daß die beiden Markgräfler Weingüter Claus Schneider und H. Schlumberger exzellenten Chardonnay machen, und das zu bezahlbaren Preisen.


Gruß
Georg
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragMo 1. Okt 2018, 18:33

Hallo Georg,

Sehr interessanter Link, vielen Dank!

Am 16.11. bin ich in der Gegend und werde dann Schlumberger und Claus Schneider besuchen.
Am 17.11 ist "Huber-Time", die Jahrgangspräsentation. Die Huber Chardonnays haben sich ja in der Blindverkostung im Video ganz klar durchgesetzt (aber zum Preis sollen sie ja auch!).
Die Chardonnays von Schlumberger und Schneider haben das auch gut gemacht, und die Preise sind wie Du sagst mehr bezahlbar. Die Videobeurteilungen waren für mich bei weitem mehr wertvoll als z.B. die Gault-Millau Punkten. Man konnte hier genau verstehen welchen Stil ein Wein hat, und das bedeutet öfters mehr als wie gut andere den Wein punkten.

Ich habe letztes Wochenende zwei Chardonnays probiert - wieder den Holzfass -17 von Knewitz und den Ch R -15 von Rebholz. Der Knewitz ist noch zu jung, aber alle Bestandteile sind dabei und brauchen nur zusammenkommen. Der Wein hat einfach Frische und ist interessant!

Der Ch R von Rebholz kostet fast dreimal mehr, aber ich trinke dreimal lieber den Knewitz Holfass. Der Ch R ist regelmässig ein "Punkten-Monster" in Gault-Millau, aber ich finde den zu "klebig-gelbfruchtig-holzig" im Verhältnis zu dem "mineral-frischen" Ch Holzfass.

Viele Grüsse
Rolf
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Georg R.

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragDi 2. Okt 2018, 20:26

Hallo Rolf,

ich sehe mir diese Videos auch gerne an, bin erst vor kurzem darauf gestoßen durch einen Link hier im Forum.
Bei den Bewertungen der Weinführer wird man mit den nackten Zahlen doch ziemlich alleine gelassen, da steht dann Florett und Säbel immer noch punktgleich nebeneinander.

Bei den Chardonnays im Video ist der Unterschied gar nicht so groß wie auch ich zuerst vermutet hatte.
Der Bienenberg von Huber liegt zwar mit 92 Punkten vorne, dann folgen aber schon Keller und Heger mit 91,
Claus Schneider mit 90, die alten Reben von Huber mit "nur" 89, und H. Schlumberger liegt mit seinem 17er bei 88 Punkten.
(der 16er bekam sogar 90)

Letztendlich ist es der eigene Eindruck der zählt, aber wenn man ähnliche Vorlieben hat wie der Verkoster, kann man sich daran schon ein wenig orientieren.

Jedenfalls wünsche ich Dir viel Spaß bei uns im Süden und ein paar interessante Verkostungen.

Gruß
Georg
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragDo 4. Okt 2018, 10:18

Hallo Georg,

Hast Du die Schlumberger und C. Schneider chardonnays probiert?
Der Schneider hat zwei chardonnays - Weiler Schlipf CS für 15 Euro und Weiler Schlipf CS*** für 28 Euro. Das ist ein ordentlicher Preisunterschied. Bei 28 Euro heisst der "Benchmark" Knewitz Reserve, Huber Alte Reben oder Ziereisen Hard - und das ist schon eine Herausvorderung. Ich bin im Jedenfall gespannt die für mich neuen chardonnays zu probieren!

Welche von Euch Forum-Mitglieder werden bei der Jahrgangspräsentation Huber am 17.11. dabei sein?

Viele Grüsse
Rolf
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Georg R.

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragDo 4. Okt 2018, 19:22

Hallo Rolf,

Anfang des Jahres war ich bei Schneider, da gab es leider noch keinen Chardonnay aus 15. Kann Dir aber 13 und 14 CS - den "einfachen" empfehlen. Der CS mit *** kostete ab Hof zuletzt 22 €.

Von Schlumberger kenne ich den 16er, (der 17er ist laut aktueller Preisliste noch nicht im Verkauf) und der ist für den aufgerufenen Preis von 15.50€ mehr als günstig.
Übrigens, im Ort ein paar Häuser weiter gibt es noch einen weiteren Schlumberger, kann man schnell verwechseln.
Der Chardonnay den ich meine stammt von: Privatweingut H. Schlumberger.

Zur Jahrgangspräsentation von Huber werde ich es nicht schaffen, vielleicht schaue ich bei Ziereisen Ende des Jahres vorbei.

Gruß
Georg
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OsCor

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragDo 4. Okt 2018, 21:53

Der Wein-Schwede hat geschrieben:Welche von Euch Forum-Mitglieder werden bei der Jahrgangspräsentation Huber am 17.11. dabei sein?
Hallo Rolf, diese Frage sollte man vielleicht kurz vor dem Event noch mal in einem eigenen Faden stellen. Möglicherweise können das zum jetzigen Zeitpunkt einige noch gar nicht sicher sagen.

Gruß
Oswald
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragMi 21. Nov 2018, 23:42

…...unterwegs nach Malterdingen Teil 3

So, das Ziel der Pilgerreise war schon letztes Wochenende erreicht, aber ich habe auch noch etwas zu berichten bevor ich in Malterdingen gelandet habe (habe während der Reise zu wenig Zeit zu schreiben gehabt).

Chardonnay war natürlich wieder ein wichtiges Thema der letzten Reise, und ich habe meinen Erstbesuch bei Privatweingut H. Schlumberger in Sulzburg-Laufen gemacht.
Sehr freundlicher Empfang von Ulrich Bernhart. Das Weingut ist mit 9 Hektar ziemlich klein, aber ist VDP Mitglied und die Preise sind nicht abschreckend.
Es hat sollte sich zeigen das der Anhalt hier eine sehr gute Idée war. Die Weine (Ch und PN) sind nach meinen Eindrücken wirklich klassich Burgundisch, nicht Reduktiv aber straff mit viel Mineral und Kühler Frucht, ohne übertriebene Menge Neuholz.

Ich mache hier keine Punktenbewertung, weil ich finde dass ich brauche für eine seriöse Punktenbewertung den Wein über mehreren Stunden in Ruhe zu Hause haben. Hier im Jedenfall meine Notizen beim besuch letzte Woche:

Chardonnay Muggardter Berg, Kalkgestein Trocken, Erste Lage 2016
Mineralige, salzige Nase mit feiner diskreten Zitrusfrucht im Hintergrund. Am Gaumen ist der Wein wieder salzig und mineralisch, und sehr elegant. Die 20% Erstbelegung sind nur als Struktur zu spüren, keine Vanillienoten. So schmeckt ein klassicher Burgunder Chardonnay (laut meinen jetzt über 10 Jahren alten Erfahrungen, habe Burgund seit 2007 nicht mehr besucht).
Dieser Wein hat von Hofschuster bei Wein-plus.eu 90 Punkte bekommen, ist wahrscheinlich korrekt. Sehr schöner Chardonnay!

Chardonnay Muggardter Berg, Kalkgestein Trocken, Erste Lage 2017
Der 17:er zeigt ein ähnliches Bild wie der 16:er, und ich musste mich konzentrieren um die Unterschiede ausschneiden zu können. Die Nase ist ein wenig mehr verschlossen aber zeigt wieder Mineral und straffe Zitrusfrucht. Ich finde doch die Frucht hier ein bisschen tiefer und mit einem diskreten Hauch Petrolium. Am gaumen ist der wein wieder salzig, hat Struktur und eine sehr feine Säure (intensiver als bei der 16:er). Sehr schöner Wein!
Hofschuster hat den 17:er 88 Punkte gegeben, aber ich finde den ein "Tickschen" besser als der 16:er.

Beide Weine sind kühl und schön mit moderatem Alkohol, aber auch wenn ich die als "straff" bezeichne, haben die nicht die messerscharfe Säure wie wir es bei zwei anderen bekannten Chardonnayerzeuger kennen.

Die Pinot Noirs von H. Schlumberger sind auch hervorragend, aber ich werde versuchen einen anderen mehr passenden "Thread" dafür zu finden.

Eine neue positive Bekanntschaft!

Viele Grüsse aus Schweden
Rolf
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Weinbertl

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragDi 11. Dez 2018, 09:59

Der Wein-Schwede hat geschrieben:Jetzt sind wir in Burgund!


Heute diese zwei Chardonnays probiert!

Die VKN kommen vier Stunden nach dem Öffnen der Flaschen.

Ziereisen Chardonnay Hard 2014:
Meine erste Flasche Ziereisen überhaubt.
Die Nase gibt feine subtile Reduktionsnoten, ein bisschen Holz, Fenchel, ganz im Hintergrund süsse Vanille, Kräuter, Zitrusschalen. Am Gaumen alles so perfekt abgewogen, schöne Mineralität, alle Aromen in der Nase schmelzen zusammen und tönen langsam zusammen aus….. So elegant, so perfekt abgewogen und der Wein ist sooo Französisch….. 94 W-S Punkte!


Bernhard Huber Chardonnay Alte Reben 2014:
Nach vier Stunden haben die Kanonen-Rauch-Wolken sich verstreut. Der Wein ist kräftiger und konzentrierter als der Ziereisen, und mehr Holz!. Staubige, rauchige Mineralität, Kräuter, plötzlich kräftige Mandel/Nussaromen, am Ende ein bisschen Orangenschalen dazu. Die Säure ist bissig und hält alles im Griff. Mehr Power als der Ziereisen, auch eckiger…… besser? Heute Abend nicht! Den Eleganz vom Chardonnay Hard 2014 kann der Alte Reben von Huber heute Abend nicht übertreffen! ….. 93 W-S Punkte für Huber Ch Alte Reben 2014!

Viele Grüsse aus Schweden
Rolf

Habe den 2014er Hard gestern auch im Glas gehabt. Im Grundsatz stimme ich Dir zu: harmonisch, alles gut zusammengefügt, gewisse Mineralität, gute Länge. Mir fiel noch eine gewisse „Schmutzigkeit“ auf, dies könnte aber auch nur ein individuelles Flaschenphänomen gewesen sein. Bei „soooo französisch“ kann ich allerdings nur bedingt mitgehen. Mir fehlt hierzu etwas die
Eindeutigkeit des Chardonnay, ich weiß nicht ob ich blind sofort auf Chardonnay gekommen wäre. Punktemäßig bin ich bei etwa 89-90 P. Alles in Allem ein guter bis sehr guter Wein, allerdings für mich bei einem Preis von 26 EUR auch nicht unbedingt ein zwingender Nachkaufkandidat.
Grüße
Robert
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Der Wein-Schwede

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Re: Deutsche Chardonnays wie in Burgund!

BeitragDi 11. Dez 2018, 12:13

Hallo Robert,
Nein, "Smutzigkeit" hat der Ziereisen Ch Hard 2014 nicht. Ob er Französisch/Burgundisch oder nicht ist, darf ja jeder für sich entscheiden. Für mich war es so, mein letzter Besuch in Burgund war zwar zurück in 2007, ich habe danach keine Burgunder-Weine mehr gekauft. Vielleicht hat sich der Stil dort zu mehr "Smutzigkeit" geändert, ich weiß nicht. Habe zwischen 1992 und 2007 ca. 20 Reisen nach Burgund gemacht, aber reduktive "Schmutz-Chardonnays" habe ich nicht in meiner Erinnerung.
89-90 P für den Wein finde ich sehr konservativ, dann gibt es viele 89 Punkter welche abgestuft werden sollen. Aber Geschmäcker sind verschieden! So muss es sein. :)

Gruß
Rolf
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