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Weinrallye N° 91 - Geschmack ist nicht alles...

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thvins

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Weinrallye N° 91 - Geschmack ist nicht alles...

BeitragFr 30. Okt 2015, 17:18

2904

aber ohne Geschmack ist das Meiste Nix!

Ich habe auf vielen Reisen Weingüter besucht, viele Gegenden dabei intensiver "beleuchtet", bei manchen bin ich hängen geblieben oder ich habe wenigstens meine Sehnsucht da gelassen.

Andere fallen unter die Kategorie "Abhaken und weiter hetzen"...

Natürlich habe ich auch schon bei irgendwelchen Weinhändlern Weine gekauft aus Gegenden, in denen ich noch nie war, von Winzern, die ich nicht persönlich kenne... natürlich wurden die oft empfohlen, mitunter auch beworben und natürlich musste man sie mal getrunken haben, um "in" zu sein... Mitunter haben sie mir auch geschmeckt, konnte ich deren hohe Bewertung nachvollziehen, war ich dem Tippgeber dankbar.

Und doch blieben es anonyme, um nicht zu sagen relativ "tote" Weine, der Bezug wollte sich nicht herstellen lassen. Manchmal war solch ein Wein so gut, dass ich hinterher recherchierte, Geschichten darüber las, virtuell hin fuhr, beschloß, wenn es nicht zu unrealistisch sei, die Gegend irgendwann mal zu erkunden... Der Wein wurde damit ein wenig zum Leben erweckt, er "zappelte" wenigtens ein bisschen. Natürlich konnte ich den Besten unter ihnen gute Noten geben...

Aber...

nichts gegen die Weine, die Mitbringsel von Reisen waren oder bei Händlern nachgekauft wurden, weil ich Gegend, Winzer, Wein kannte.

Mit seinem Geschmack wurde er sofort lebendig, manchmal schon davor, wenn man nur die Flasche zum Entkorken in die Hand nahm. Erinnerungen schwingen mit, Anekdoten werden lebendig, man sitzt im Keller oder im Verkostungsraum, streift durch die Landschaft oder sogar durch den Weinberg, sieht den Winzer, dessen verspielten Hund oder schnurrende Katze oder gar dessen schöne Tochter, die man bestenfalls über die Jahre schon heranwachsen sah... Je besser dieser Wein, desto mehr schwingen die Erinnerungen hoch, je besser die Erinnerungen, umso besser vielleicht wiederum sogar der Wein - aus Verklärung...

Ich bin einfach nicht frei von den Beeinflussungen durch Erinnerung an schöne Momente. Das geht los mit der auf dem Etikett geschriebenen Jahreszahl, automatisch wandern die Gedanken zurück in dieses Jahr. Kenne ich dann noch die Region, geht die Erinnerungsreise weiter in die Region des Weines, kenne ich gar den Winzer, dann besuchen ihn meine Gedanken, wenn der Wein im Glase funkelt und aus diesem duftet.

Der Wein muss da objektiv betrachtet nicht mal ein Großer sein, aber in der Summe der Erinnerungen in Verbindung mit dem Geschmack wird daraus ein großer Moment des Genusses.

Nur muss dann bei einer möglichst objektiven Weinkritik all das ausgeblendet werden. Auch dafür sind Blindverkostungen sinnvoll.

Mit Klaus-Peter aka vinos hatte ich in der letzten Woche 50 Weine gemeinsam im Glas, innerhalb von 5 Tagen hatten wir dieses Konvolut doppelt blind zu trinken. Nach einem weißen Auftaktwein ging es los - immer schön in kleinen Gruppen zu 7 Weinen. Während der meist 1 bis 2 Stunden, in denen wir uns intensiv den 7 jeweiligen Weinen widmeten, wurde konzentriert geschwiegen und wir horchten in die Weine hinein. Mitunter zwar eine Ahnung habend, aber eben nicht wissend. Erst nachdem jeder mit den 7 Weinen fertig war, tauschten wir unsere Eindrücke und Bewertungen aus und machten das Ranking.

Nach 3 der Gruppen begannen wir mit der Rückverkostung der schwächsten Gruppe der 3 schon verkosteten. Und dann ging es immer im Wechsel weiter, eine neue Gruppe, eine Rückverkostung.

Bei den Rückverkostungen kosteten wir erneut blind - vom Schwächsten der Gruppe zum Besten. Einzeln. Nachdem wir unsere Meinung zu diesem Wein ausgetaucht hatten, deckten wir auf - ohne unserer Bewertung danach später noch einmal zu überarbeiten. Eine dritte Runde wird folgen, wenn wir alle 71 Weine so verkostet haben, gibt es für jeden nochmals ein Glas von allen Roten aus 2005 nach dem Gesamtranking. Und für mich gibt es sogar die 7 Weine aus dem Jahr 2000 aus meinem Keller dann noch einmal.

Waren wir bis zum Aufdecken eines jeden Weines sehr diszipliniert, so gingen mit dem Aufdecken uns die Gäule durch: "Weißt du noch?"

Und ja, wir wußten, kennen wir doch fast alle der Winzer, kennen wir zu den meisten Weinen die Weinbergslagen und die Keller und fast immer wenigstens eine Anekdote dazu. Und weil dies so war, waren es auch 5 grandiose Tage. auch sehr geschmackvolle, aber Geschmack ist eben nicht alles... Was für ein Gackern, Kichern und in Erinnerungen schwelgen, dabei den Rest des Weines im Glas noch genießend. Wer uns beide kennt, weiß, wie viel Spaß wir dann hatten.

Zum Glück hatten wir aber nicht einen Wein dabei, der schlecht oder nichtssagend war, keinen einzigen Korker und nichts, was wir lieber vergessen würden... - selbst der eingeschmuggelte 2005er Lidl Priorat war auf seinem Niveau noch beachtlich.

Zum Posting der Weinrallye jetzt gibt es nur Kaffee... - Weinreste gibt es noch genug und damit auch noch die eine oder andere Erinnerung - und dann sitzen wir ja am Abend schon wieder über der nächsten 7er Gruppe, diesmal aber per Telefon und Mail.
Beste Grüße

Torsten

http://www.torsten-hammer-priorat-guide.com
jetzt mit richtiger Startseite...
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EinfachWein

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Re: Weinrallye N° 91 - Geschmack ist nicht alles...

BeitragFr 30. Okt 2015, 22:15

Das ist es:

Der Wein muss da objektiv betrachtet nicht mal ein Großer sein, aber in der Summe der Erinnerungen in Verbindung mit dem Geschmack wird daraus ein großer Moment des Genusses.

Danke, Torsten, dieser Satz bringt das Thema unserer Rallye auf einen Punkt.

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