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WR #82 - Gesamtbetrachtung

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WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragFr 23. Jan 2015, 20:10

Hallo zusammen,
so, ich scheine der erste zu sein, und bringe gleich Torstens Ordnung durcheinander :roll: . Da ich glaube, dass meine Notizen zu den einzelnen Weinen nur in einem Gesamtkontext zu verstehen sind, werde ich keine Notizen separat veröffentlichen, sondern aktuell nur einen Gesamtbericht.

Ich habe heute den ersten Verkostungsdurchlauf mit allen 6 Weinen gestartet. Puh, das war schwer und ich befürchte, jeder wahre Priorat Kenner wird über meinen Bericht lächeln. Aber was soll’s, Augen zu und durch... 

IMG_2837.JPG
Die Vorbereitung...


Ich möchte kurz etwas über die Rahmenbedingungen erzählen, bevor ich zu den Weinen komme:
- Alle Weine lagen 1 Tag im Klimaschrank und hatten zu Beginn 16 Grad bei 20 Grad Raumtemperatur
- Alle Weine wurde aus einem Riedel Universal (Riesling) Glas verkostet, mit ca. 50ml Wein (siehe Foto)
- Ich habe mir Zeit (ca. 2h) und Ruhe genommen und die Weine in 4 Durchgängen verkostet:
1. Riechen ohne Schwenken
2. Riechen mit Schwenken
3. Verkosten mit Spucken
4. Verkosten mit Schlucken


Nach den ersten beiden Durchgängen war ich etwas irritiert und habe mir als Referenz zwei mir bekannte andere Prioratos parallel in dieselben Gläser gefüllt:
2007 Val LLach Embruix und 2006 La Creu Alta

Warum? Weil ich prüfen wollte, ob ich heute einen schlechten Tag habe oder ob es doch die Weine sind :oops:

Ich tue mich sehr schwer damit, jeden Wein einzeln zu beschreiben, daher erst einmal mein Gesamteindruck über alle Weine:
- Alle Weine haben eine klare, violette Farbe ohne Schwebstoffe und nicht sehr tief. Farbunterschiede bestehen eigentlich nur minimalst. Nuancen von Braun wie bei meinen Referenzweinen konnte ich nicht feststellen, ich tippe daher auf eher junge Weine (ca. 5 Jahre)
- Alle Weine sind in der Nase eher verhalten (verschlossen). Es gibt Unterschiede, aber es dominieren, wenn überhaupt Noten von (Amarena-) Kirschen und Eiche.
- Die Weine wirken auf mich sehr homogen. Punktetechnisch würde ich alle Weine aktuell im Bereich 83-90 Punkte einordnen, d.h. keine Ausfälle, aber auch keinen Überflieger.
- Alle Weine haben z.T. sehr kräftiges Tannin und eine ausgeprägte Säure, die bei manchen Weinen unharmonisch und noch nicht integriert wirkt. Ich vermute immer stärker, wir haben es hier mit absolut jungen Weinen zu tun, die noch einiges an Reife brauchen. Für eine Abschätzung des Potentials fehlt mir die Erfahrung, aber wenn ich den Embruix als Referenz verwende, denke ich, dass den Weinen 2-4 Jahre weitere Reife gut tun würden.
- Alle Weine haben ein ähnliches Aromenspektrum mit schwarzen Früchten, Kirschen/Amarena, die aber eher dezent und nicht dominant sind. Marmeladig oder eine Fruchtbombe ist keiner der Weine. Fast alle haben eine schöne (Schiefer-)würze und sind mit Ausnahme der kräftigen Säure und des Tannins eher eleganter.

IMG_2842.JPG
Die Weine...


Zu den Weinen:

Wein 13:
Viel Tannin, viel Säure (zu Anfang brutal, mit der Zeit gab es sich), unbalanciert, etwas alkoholisch, außer Tannin und Holz kaum etwas im Abgang zu spüren
83-85

Wein 14:
In der Nase und im Gaumen etwas laktische Noten (etwas in Richtung Kefir/Milchsäure). Wesentlich samtigeres Tannin und besser integrierte Säure als Wein 13. Schöne Schiefer- und Pfefferwürze
88-90

Wein 15:
Zu Anfang eine heftige, dominante Säure, die sich aber mit der Zeit legte (oder war mein Gaumen das jetzt gewöhnt? :?: ) und recht gut integriert ist.
87-89

Wein 16:
Nase ist sehr verhalten, dafür eine schöne, dezente Frucht und Würze im Gaumen, elegant. Schöner, mittlerer Abgang.
87-89

Wein 17:
Dieser Wein hat eine ziemlich künstliche Frucht in der Nase, erinnert mich etwas an Kirschdrops/Bonbons. Davon ist jedoch im Gaumen nicht mehr viel zu spüren. Etwas alkoholisch, kräftiges Tannin, mittlerer Abgang mit etwas Frucht.
85-88

Wein 18:
In der Nase eigentlich der schönste Wein, mit deutlicherer Frucht. Allerdings auch eine etwas unangenehme chemische Note (etwas an Klebstoff erinnernd). Sehr kraftvolle Tannine und kräftige Säure, die aber schon recht gut integriert ist. Leider finde ich die chemische Note auch etwas im Gaumen wieder, sonst wäre dies mein favorisierter Wein gewesen.
88-90 ohne die chemische Note, aktuell 85-87

Mein bisheriges Fazit:
- Torsten hatte Recht: Der Zahn tropft, allerdings eher von der doch sehr speichelanregenden Säure mancher Weine
- Zum aktuellen Zeitpunkt würde ich den 10 EUR Embruix allen Weinen vorziehen, sie sind für mich alle zu jung und z.T. noch eher wenig ausbalanciert/harmonisch.

Jetzt bin ich auf die Meinungen der anderen Teilnehmer gespannt und auf die Auflösung des "Rätsels" :D

Auch wenn mein Bericht nicht soooo enthusiastisch klingen mag:
Vielen Dank an Torsten für die perfekte Organisation der Weinrallye und die Weine!!!

Viele Grüße,
Dirk
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sociando

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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragFr 23. Jan 2015, 20:58

danke für den bericht und die bilder. ich mache nicht mit aber lese gerne mit. zu den weinen: kann es sein, dass sie erstmal länger luft brauchen. sind es "bessere" prioratos? das könnte die underperformance erklären. just saying. vg, martin
es lebe die freiheit! es lebe der wein!
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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragFr 23. Jan 2015, 21:56

Hallo Martin,

Luft tut auf jeden Fall gut. Die extreme Säure einiger Weine war nach ca. 2h etwas abgemildert. Mal sehen, ob ich am Wochenende noch eine Runde starte und diesmal den Wein 2-3h vorher ins Glas packe...

VG
Dirk
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thvins

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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragSa 24. Jan 2015, 11:14

Hallo Dirk,

zum einen bin ich nach deinen Beschreibungen etwas ratlos, zum anderen aber auch nicht...

In den Beschreibungen finde ich die an dich versendeten Weine nicht wieder, aber ich habe ja auch noch die Ehre, sie aus der gleichen Grundflasche probieren zu können...

Aber wenn du einen Embruix im Wert von ca. 18 € auf der einen Seite der Skala und einen Creu Alta mit etwas über 80 € auf der anderen Seite der Skala hast, sollten sich die Weine schon eher qualitativ näher am Creu Alta als am Embruix wiederfinden können... Den Creu Alta erreichen wird sicher schwer werden, aber auch hier wäre die Frage, wie hat der sich präsentiert in diesem Kontext?

Ich brüte derzeit über einigen ganz anderen Weinen (nicht die von der Weinrallye, aber auch Priorat), von denen ich auch einen Teil kenne und ich bin ebenso seit drei Tagen etwas ratlos. Fast überall präsentiert sich die Nase sehr zurückhaltend und die Weine, die ich kenne, habe ich allesamt besser in Erinnerung... Fast überall steht die Mineralik im Vordergrund (das, was du als Säure bezeichnest, findet sich da auch wieder), die Frucht versteckt sich dahinter... (ist aber zum Glück auch da).

Das wirft bei mir natürlich die Frage auf, was grade los ist oder los sein kann, dass die Weine sich eher suboptimal zeigen... Wenn du jetzt aber ganz andere Weine ähnlich kritisch siehst, dann kommen mir da schon Fragen...

Der Unterschied jetzt zu uns - ich habe deutlich größere Gläser genommen (die solche Weine eigentlich auch fordern), ich habe deutlich mehr Wein ins Glas genommen, etwa 80 - 120 ml..., dafür aber nur drei bis vier Weine - ich habe immer wieder gerochen und geschwenkt - bei mir vergehen oft 20 - 30 Minuten auf die Art und Weise vor dem ersten Schluck (und ich war von den Nasen her selten so enttäuscht wie dieser Tage). Begonnen habe ich erst eine Weile nach dem Abendessen.

Ich habe jeden Wein sehr lange geschlürft, um die Aromen "rauszukitzeln", aber nicht gespuckt (dazu waren die Weine dann doch zu gut und die Mengen zu gering). Zeitdauer vom Befüllen der Gläser, bis sie alle leer waren: Es zog sich vier bis 6 Stunden hin... Gegen Ende waren alle Weine deutlich besser als zu Beginn (in der Nase aber auch am Gaumen).

Aber auch ich tat mich insgesamt sehr schwer mit meiner Probenrunde an den letzten drei Abenden... - werde mich dann auch langsam in die Weinrallyeweine gleiten lassen und bin nun natürlich gespannt wie Bolle....
Beste Grüße

Torsten

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Desmirail

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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragSa 24. Jan 2015, 13:17

Schlagmichtod, aber wenn ich mir das bisher geschrieben durchlese ist es für mich schon wieder klar:


Wein trinken/probieren ist auch zutiefst subjektiv, von beiden Seiten her betrachtet. Vom Wein her und von der Seite des Verkosters/Trinkers/Genießers.

Die Menge der Variablen ist einfach zu groß.
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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragSa 24. Jan 2015, 16:06

was sagt denn der mondkalender torsten?
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thvins

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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragSa 24. Jan 2015, 16:59

Ich habe leider noch keinen von 2015. Deiner vom letzten Jahr ist ja "alle"... Würd mich aber nicht über Wurzeltage oder Schlimmeres wundern, so wie die Weine sich darstellten ;) ...
Beste Grüße

Torsten

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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragSa 24. Jan 2015, 22:25

Hallo zusammen,

so, ich habe eine zweite Runde gemacht, mit folgenden Parametern:
- selbe Gläser (IMHO optimal für die Menge Wein)
- ca. die selbe Menge Wein (50-60 ml) in einer mir unbekannten, anderen Reihenfolge als beim ersten Mal eingeschenkt.
Bzgl. der Menge: IMHO darf die Menge keinen Einfluss auf den Geschmack haben
- 2h im abgedeckten Glas belüftet
- dann alle Weine gerochen
- dann alle Weine probiert, gespuckt
- nach einer weiteren Stunde alle Weine noch einmal verkostet mit Schlucken

Das Ergebnis ist erstaunlich konsistent:
- Die Nase ist bei allen Weinen im Wesentlichen sehr verhalten und ähnlich: Noten von dunklen Früchten und Eiche sind erkennbar
- Die extremeren Noten bei Wein 14 und 17 waren immer noch zu erkennen, aber deutlich abgeflacht
- Im Geschmack sind die Weine durch die längere Luftzufuhr harmonischer geworden, d.h. die extremen Säurespitzen haben sich abgepuffert. Dennoch sind sie eher dezenter Natur, geprägt von Schieferwürze und etwas dunkler Frucht. Es gibt gewisse Unterschiede bzgl. Tannin und Säurestruktur, aber generell sind alle Weine sehr adstringierend und säurebetont, d.h. sie wirken sehr jung auf mich.
- Wein 18 hat nach wie vor eine Note (keinen Fehler), die ich nicht identifizieren kann, mir aber nicht gefällt.
- Die Aussagen zu den einzelnen Weinen sowie meine Bewertung (bitte nicht auf 1-2 Punkte herauf/herab festnageln) waren auch im zweiten Durchgang weitgehend konsistent mit dem ersten.

Ich hatte selten eine für mich so schwierige Probe. Da alle Weine nicht nur von der Farbe her sehr ähnlich sind und mein Gaumen von dem kräftigen Tannin und der Säure schnell "betäubt" war, fiel es mir schwer, die vorhandenen, aber für mich eher geringen Unterschiede entsprechend zu würdigen.

Da Luft den Weinen gut getan hat und Aufgrund der kräftigen Tannin- und Säurestruktur würden mich die selben Weine in 4-8 Jahren sehr interessieren...

So viel von meiner Seite,

Viele Grüße,
Dirk
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Cocodrillo

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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragMi 28. Jan 2015, 21:05

Gesamtbetrachtung

Ehrlich gesagt bin ich noch kein besonders erfahrener Weinkenner, ich trinke seit dreieinhalb Jahren gern spanische Rotweine der unterschiedlichsten Herkunftsgebiete, besonders Rioja, aber eben auch Priorat. Meist sind das Flaschen zwischen 10 und 30€, seltener auch mal bis 50 oder 60€. Im letzten Jahr habe ich eine neue Liebe entdeckt: Bordeaux. Hier darf es auch ein wenig teurer werden. Seitdem bin ich regelmäßig bei den Treffen der Frankfurter Bordeaux-Runde und habe wunderbare Weine getrunken, viele klassifizierte Gewächse vom linken Ufer, darunter Mouton (86, 95,96) und Lafite (86), trotz dieser eindrucksvollen Ikonen waren meine beiden schönsten Weinerlebnisse ein 90er Lynch-Bages und ausgerechnet ein 82er Barolo von Bruno Giacosa bei meiner einzigen Italien-Verkostung. Auch das Priorat kam im vergangenen Jahr nicht zu kurz, besonders den Clos Fonta 2005 halte ich in guter Erinnerung, enorm druckvoll und vielschichtig, ein wahrlich geheimnisvoller Wein mit vielen Facetten.
Die Weinrallye 82 habe ich als Bereicherung empfunden, denn sie hat mich dazu gebracht, etwas über die Weine zu schreiben, die ich trinke. Vielleicht gelingt es mir, dies als Gewohnheit beizubehalten und öfter über meine Erfahrungen zu berichten. Einfach war sie nicht, diese Weinrallye, denn mit Priorat-Weinen verbinde ich ganz bestimmte Assoziationen aber wahrscheinlich habe ich da viel zu wenige Weine probiert, um mir ein fundiertes Urteil bilden zu können. Priorat-Weine waren bisher für mich etwas ganz Besonderes, geprägt von einer eher opulenten Frucht von schwarzen Beeren, besonders Blaubeeren und einer leichten, schönen Fruchtsüße. Gesellt sich dann die bekannte Mineralität und eine leichte, feine Würze dazu, sind das Weine, die mich schon begeistern können, besonders, wenn die Weine gut gemacht sind und nicht ins Marmeladige und Alkoholische abdriften.
Nun aber zu den Weinen der jetzigen Rallye.
Nach der Farbe zu urteilen, schätze ich das Alter aller Weine auf etwa 7 bis 8 Jahre, die Weine sind gereift, sind aber mit ihrer Entwicklung noch nicht am Ende, Unterschiede zwischen den einzelnen Weinen konnte ich allerdings nicht ausmachen.
Ich weiß, dass es schwierig ist, Weine in ein Punkteschema zu zwingen, da es aber Weine einer ähnlichen Stilistik sind und da Torsten ausdrücklich um eine Bewertung gebeten hat, will ich das dann auch tun. Referenz bleibt bei mir der 90er Lynch-Bages, den ich nahe an der Perfektion erlebt habe und mit 97 Punkten bewertet habe.
Wein 7: 87 Punkte
Wein 8: 91+ Punkte
Wein 9: 90+ Punkte
Wein 10: 90+ Punkte
Wein 11: 91+ Punkte
Wein 12: 91 Punkte.
Auf der einen Seite habe ich die Weine dieser Rallye als sehr ähnlich empfunden. Dies ist erstaunlich, da sie für mich eher weniger typisch für das Priorat waren. Einfach war es nicht, die vier Weine 9 bis 12 überhaupt auseinander zu halten, besonders am ersten Tag, später fiel das leichter, denn die Weine veränderten sich sehr. Stets überwog eine feinwürzige Kirsch-Nase, die sich am Gaumen fortsetzte und in einem mehr oder weniger intensiven Abgang von feiner Bitterschokolade mündete, Kirsche und Schokolade, viel mehr war da nicht. Warum ich die Weine so einseitig und ähnlich empfunden habe, bleibt mir ein Rätsel. Ausnahme war der Wein Nr. 7, der sehr stark durch seine Kräuternoten bestimmt war.
Auf der anderen Seite hatte ich selten Weine im Glas, die sich über drei Tage hinweg so intensiv veränderten und sich dabei in völlig unvorhersehbare Richtungen veränderten. Diese Weine sind keine Weine für den schnellen Genuss, aufmachen und austrinken scheidet völlig aus. Nein, sie erfordern volle Aufmerksamkeit und das über Tage. Wer nicht bereit dazu ist, wird möglicherweise enttäuscht, wer bereit ist, sich darauf einzulassen, der wird sehr schöne Entwicklungen erleben. Ich kann jetzt Torstens Tipp gut nachvollziehen, von diesen Weinen mehrere Flaschen zu öffnen, um sie über mehrere Tage zu verkosten.
Am Tage darauf habe ich 2 Priorat-Weine aus meinem Keller aufgemacht: einen 2007er Cruor von Casa Gran del Siurana und einen 2006er Ardiles von Merum Priorati. Beide Weine habe ich deutlich zugänglicher und vielschichtiger empfunden, wobei der Ardiles den verkosteten Weine der Rallye deutlich näher steht als der Cruor.
Stecken die Weine vielleicht doch in einer schwierigen Phase? Haben sie den Transport bei Temperaturen knapp über Null Grad nicht gut überstanden? Oder liegt es doch einfach an mir? Verstehe ich diese Weine nicht und bin nicht empfindlich genug um die sicherlich vorhandenen Unterschiede genauer festzustellen? Am wahrscheinlichsten ist sicher die letzte Variante. Blindproben machen demütig, heißt es.
Daher bin ich sehr gespannt auf die Auflösung. In jedem Falle danke ich Torsten dafür, dass ich an dieser Weinrallye teilnehmen durfte, es waren meine ersten Weine aus seinem Hause und sicherlich nicht die letzten. Besonders danke ich für seinen Mut, derart eigenartige und herausfordernde Weine zu präsentieren.

Beste Grüße
Reinhard
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Weinfee

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Re: WR #82 - Gesamtbetrachtung

BeitragFr 30. Jan 2015, 22:50

Aus meiner Erfahrung heraus können auch kleine Prioratos viel mehr als sie mir bei dieser Probe gezeigt haben,
deshalb möchte ich ihnen nicht unrecht tun und eine Klassenbewertung abgeben.

Wein 1 ist bei mir durch seine komplett andere Note herausgestochen,
deshalb vermute ich mal, dass es sich bei diesem Wein um einen nicht typischen Priorat handelt.
Aber man (Frau auch;) ) kann sich ja auch täuschen ;)
Ich bin mal gespannt, was die Auflösung sagt.
Beste Grüße

Yvonne
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