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Libanon

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dylan

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Re: Libanon

BeitragDi 31. Dez 2019, 18:59

Hallo Josef,

Chateau Ksara habe ich vor vielen Jahren - wenn ich mich recht erinnere war es 2007 - auch einmal besucht.
Ich erinnere mich an die imposanten kilometerlangen Stollen, die einige Bordeaux-Granden wohl vor Neid erblassen lassen würden.
Bessere Möglichkeiten zur Weinlagerung dürfte man wohl kaum finden.
Auch der Verkehr auf der Strecke Beirut - Bekaa-Valley ist unvergessen. Das Geisterfahren wurde wohl im Libanon erfunden.
Die Weine, von dene ich einige wenige im Fluggepäck mit nach Hause gegangen sind, haben demgegenüber keinen großen Eindruck
bei mir hinterlassen. Obwohl die Weine auch in D gut verfügbar sind, habe ich nicht nachgekauft.

Vielen Dank fürs Erinnern und einen guten Rutsch ins neue Jahr mit hoffentlich vielen neuen (exotischen) Weineindrücken.

dylan
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stollinger

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Re: Libanon

BeitragSo 5. Jan 2020, 15:24

dylan hat geschrieben:Chateau Ksara habe ich vor vielen Jahren - wenn ich mich recht erinnere war es 2007 - auch einmal besucht.
Ich erinnere mich an die imposanten kilometerlangen Stollen, die einige Bordeaux-Granden wohl vor Neid erblassen lassen würden.
Bessere Möglichkeiten zur Weinlagerung dürfte man wohl kaum finden.

Mist, die Tour habe ich nicht gemacht, klingt spannend.
dylan hat geschrieben:Obwohl die Weine auch in D gut verfügbar sind, habe ich nicht nachgekauft.

Ja, sehe ich auch so. Von allen getrunkenen Weinen aus dem Libanon, kann ich nur beim Chateau Belle Vue und bei Musar mir einen Nachkauf in D vorstellen.

Wir sind dann von Ksara weiter zum etwas weiter südlich befindlichen Château St. Thomas (manchmal auch Clos St. Thomas). Die machen wohl schon seit dem 19. Jahrhundert Arak, haben aber erst 1998 den ersten Jahrgang ihres Weins verkauft. Die Weinberge befinden sich im Beeka-Valley.

WP_20191118_15_08_09_Pro.jpg

Schon am Vortag hatten wir uns zwei Weine im Handel besorgt und getrunken.

Château St. Thomas - Chardonnay 2018:

Bild

Das war wirklich kein Wein, den man in irgendeiner Weise braucht. Auch noch mit ~20$ völlig überteuert.

Gut hingegen war Château St. Thomas - rouge 2011:

Bild

Der Holzeinfluss recht prominent, aber gut eingebunden. Sorgt, besonders in der Nase, für schöne Vielfalt. Ein weicher, sanfter Typ.

WP_20191118_15_11_03_Pro.jpg

Am Weingut stehen auch einige Reben, die haben aber wohl nur Show-Charakter. Rechts im Bild tritt der Kalkstein an die Oberfläche. Der einzige Wein der nicht in der Ebene selber wächst, sondern hillside grown ist (nicht in der Nähe des Weinguts), ist der Pinot Noir.

Château St. Thomas - Pinot Noir 2014:

Bild

Nach eigenen Angaben der erste reinsortige Pinot Noir des Libanon. Ich finde ich als solches recht typisch, mit französischem Einschlag, und problemlos als Pinot Noir zu erkennen.

Einen fruchtbetonten, roten gibt es auch noch. Château St. Thomas - Les Emirs 2013:

Bild

Ich will hier nicht ausschließen, dass die Flasche am Weingut einfach schon etwas lang offen war. Den Chateau rouge 2011 haben wir auch noch mal am Weingut probiert und oxidierte Noten (rosinig und Sherry) waren hier, im Gegensatz zu der zuhause getrunkenen Flasche, zu finden.

Zuletzt noch ein Weißwein aus der autochthonen Rebsorte Obeidy. Château St. Thomas - Obeidy 2018:

Bild

Mit einem Blick in die Beeka vom Weingut aus, gings dann wieder zurück.

St Thomas.JPG

Grüße, Josef
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stollinger

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Re: Libanon

BeitragSo 12. Jan 2020, 15:23

Noch drei Verkostungen aus dem Libanon, besucht habe ich diese Weingüter nicht.

Im Südlibanon gibt es wohl nur ein Weingut, die Karam Winery in Jezzine, 2003 gegründet. Karam Winery - Syrah de Nicolas 2013:

Bild

War nicht schlecht, aber hat keinen Eindruck hinterlassen. Ein fruchtiger Syrah.

Das Weingut Sept ist, glaube ich, recht jung und liegt in Batroun. Mediterranes Klima an der Westseite des Mt. Lebanon. Der Wein geht etwas in die Richtung Orange-Wine, schmeckt nach längerer Maischestandzeit.

Sept blanc 2017:

Bild

Aus der autochthonen Rebsorte Obeidy (ich hatte den Eindruck, dass die einheimischen Rebsorten recht stiefmütterlich behandelt werden). Ich fand ein Glas von dem Wein ganz spannend. Insgesamt ist der mir aber doch zu alkoholisch und zu sättigend, der ist schon sehr speziell. Auf der Flasche stehen 12.5% Alkohol. Ich denke, das ist nur eine generische Information. Die Flaschenzahl und der Jahrgang waren handschriftlich auf dem Etikett eingetragen, der Alkohol vorgedruckt. Ich hätte in Richtung 15% Alkohol geschätzt.

Zuletzt auch noch Musar. Musar ist ja in Europa sehr gut erhältlich und vielfältige Informationen in vielen Berichten zu lesen. Deshalb war mir ein Besuch nicht so wichtig.

Château Musar - rouge 2002:

Bild

Hat mir sehr gut gefallen, ein spannender Wein. Die Frucht ist zwar etwas eingekocht, aber wenig betont und fällt deshalb auch nicht negativ auf. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass das Geheimnis von Musar aus der Summe seiner Defekte erwächst. Das finde ich recht treffend. In VKNs zu dem Jahrgang liest man manchmal von Brett, meine Flasche hatte keine Brett-Aromen, jedenfalls nicht in merklichem Umfang. Die Fehltöne in Form von Nagellack, Kohlensäure und etwas flüchtiger Säure hatten ein geringes Ausmaß. Wer so etwas als unangenehm empfindet, sollte wohl keinen Musar trinken.

Das Weingut liegt zwar an der Küste, aber die Trauben wachsen auch in der Bekaa-Ebene. Die Preise für Musar im Libanon liegen übrigens über den Händlerpreisen in Europa. Als typisch libanesisch würde ich Musar nicht bezeichnen, dass ist für mich ein ziemlich einmaliger und eigenständiger Stil.

Grüße, Josef
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Kle

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Re: Libanon

BeitragSo 12. Jan 2020, 19:32

Hallo Josef,

vielen Dank für Deine Schilderungen. Deine letzte Beschreibung von Musar macht mir grosse Lust auf den Wein. Ich habe vielleicht zweimal Musar probiert, vor langer Zeit. Deine VKN ist geradezu meine Idealvorstellung von dem Wein. Bemerkenswert finde ich, wie klar Du bei der Zuschreibung von Fehltönen bist. Insbesondere Nagellack hätte ich als Teil des normalen Aromenspektrums angesehen.
Gruss, Kle
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