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Auf ein Glas ..... 1996 Clerc Milon, Pauillac

eingeschenkt von: susa – Plaudereien über Gott und die Welt und auch über Wein
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susa

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Auf ein Glas ..... 1996 Clerc Milon, Pauillac

BeitragDi 10. Jun 2014, 08:27

Tatort oder Nicht-Tatort?

Der Sonntagabend scheint die gesamte Nation zu spalten (von ein paar "Ich habe keinen Fernseher" abgesehen), Tatort oder nicht? Bei den Tatortguckern gibt es dann noch die Untergruppen, die nur bestimmte Ermittlerkombinationen bevorzugen, Münster liegt da ganz vorne, Berlin mit Raacke auch (schade, dass er aufhört) und Hannover, bei den Herren. Wobei jedes weibliche Wesen, das auch nur ansatzweise mit fünf Sinnen gesegnet ist, schon von weitem sieht, dass die Furtwängler oder die Lindholm, das bleibt sich in diesem Falle ganz bestimmt gleich, eine Zicke erster Kajüte ist. So etwas würden die Herren sich im RL freiwillig nicht antun, es sei denn in getrennten Wohnungen, oder besser Kontinenten.

Das bringt mich auf den Gedanken, die Tatorte mit entsprechenden Weinen zu vermählen, wobei Köln gleich mal außen vor ist, da gibt es natürlich Kölsch, aber vielleicht möchte der geneigte Weinfreund seinen Lieblingsermittlern mit dem passenden Getränk bei der Lösung ihrer Fälle zugucken.

Münster bekommt da ganz klar einen Burgunder zugewiesen, das passt zu Professor Börne. Natürlich wird er es nicht unter einem DRC tun, wahrscheinlich aus dem vom seligen Papa geerbten Weinkeller.

Für den Tatort Saarbrücken bietet sich ja ein Saarriesling an, schließlich musste die imposante Immobilie des zweitlyrischsten Weinhändlers Deutschlands (Saarwellingen) sogar schon einmal als Kulisse herhalten, da ging es natürlich um Weinpantschen oder was der geneigte Drehbuchautor sich so darunter vorstellt. Niewo, übernehmen Sie!

Und der Batic, dessen Name so ein wenig an Batzi erinnert und der sich so gerne feingeistig geben will, aber der gegen den natürlichen Charme seines Kollegen Leitmayer und des inzwischen aus der Serie herausgeschriebenen Carlo nicht ankann? Der kriegt einen Pinohgritscho, jawoll.

Die ruhige Frau Lürsen sollte etwas Sanftes und dennoch Tiefgründiges bekommen, vielleicht ein schmelzig schmeichelnder Ripasso.

Und die wunderbaren Wiener allen voran die grandiose Adele Neuhauser als Major Bibi Fellner, die müssen natürlich einen Grünen Veltliner bekommen, aber einen dichten, komplexen, den Honivogl vom Hirtzberger zum Beispiel. Wobei der Krassnitzer als Winzerkönig ja vielleicht (inzwischen) auch etwas von der Materie versteht.

Der Frau Saalfeld verpassen wir vor dem Wein erst mal eine Bluse in der passenden Größe. Man kann sich ja gar nicht auf die Frage nach Täter, Motiv und Tathergang konzentrieren, weil man nur drauf wartet, dass es "peng" macht und der oberste Knopf die zugegebenermaßen sehr ansehnliche Oberweite von Madame Thomalla freigibt. Als Wein gibt es die beliebte Sorte "Ach irgendwas", vom abendlichen Schnelldurchgang aus dem Supermarkt mitgebracht.

Und der exzellente schräge Tukur und seine fast schon psychedelischen Tatorte, war da nicht auch mal was mit einem DRC? In der Folge mit den Kessler-Zwillingen? Aber der wäre bei aller Tiefe viel zu straight, der braucht einen schrägen Wein, einen der nichts von alledem ist, was man erwartet. Oder ein Wein, der ein Kein-Wein ist, ein Sherry wäre hier richtig, Pedro Ximinez, Solera 1830 der Bodega Alvear,

Die etwas ehrpusselige Frau Blum vom Bodensee wird wahrscheinlich die lokalen Kreszenzen trinken, da servieren wir ihr einen sanften Weißburgunder von Aufricht, da passt vor allem der Name.

Und Frau Lindholm. Die kriegt einen Champagner, an dem sie nur mal kurz nippt, und das Glas dann irgendwo abstellt und durch ihre wohlgeformte Lockenpracht streicht und bedeutungsschwanger guckt und schweigt. Natürlich fasst sie das Glas an der Tulpe an, das muss so.

Ich muss jetzt enttäuschen, ich habe gestern (ausnahmsweise Montag, aber irgendwie auch Sonntag) keinen Tatort geguckt. Ich habe dem faszinierenden Unwetterschauspiel zugesehen und mir überlegt, ob Wein genau wie Milch bei Gewitter schlecht werden kann. (Natürlich nicht, es war halt nur so eine Idee). Faszinierend, diese stahlgrauen bis dunkelanthraziten Wolkengebirge, die Blitze, die Schlag auf Schlag diese unwirkliche Szenerie in gleißendes Licht tauchten, Regen wie aus Kübeln. Und hab auch keinen Wein getrunken, bzw. nur ein halbes Glas Reste vom Vortag (Raquillet, den hatten wir hier schon mal).

Dafür hatten wir an Pfingsten ein Bordeauxwochenende, ungeachtet der heißen Temperaturen. Denn, wenn der Wein kühl bleibt und die drückendste Tageshitze vorüber ist, macht ein Bordeaux Riesenspaß.

1996 Clerc Milon
Pauillac, Bordeaux


Der kleine Moutonbruder war genau auf dem Höhepunkt mit einer kleinen charmanten Andeutung von Alter. Tiefes Rot mit einem ganz zarten ziegelroten Rand, ein feiner Duft nach Beeren, Cassis, Mocca, Malz und Rauch. Von eher leichter Statur und fein geschneidertem Körper, seidig am Gaumen, elegant, klassisch bis zur zarten Graphitnote und dem schon fast lang zu nennenden Abgang.

Alte Bordeauxweisheit, die letzte Flasche ist entweder zu alt oder die Beste. Hier eindeutig letzteres.

Und zu welchem Tatort würde er wohl passen?
Vielleicht, die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt noch an Kommissar Brinkmann aus Stuttgart (keine Verwandtschaft mit der Schwarzwaldklinik), dieser elegante Gentleman, verkörpert von Karl Heinz von Hassel. Das würde passen, auf unspektakuläre Weise elegant und tiefgründiger als man zunächst annehmen möchte. Und wunderbar old school.
Red wine with fish. Well, that should have told me something.
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innauen

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Re: Auf ein Glas ..... 1996 Clerc Milon, Pauillac

BeitragDi 10. Jun 2014, 11:20

susa hat geschrieben:Alte Bordeauxweisheit, die letzte Flasche ist entweder zu alt oder die Beste. Hier eindeutig letzteres.



so ist es! Ich nehme mal den tollen Bericht zum Anlass, einigen verbliebenen 1996er (Lafon Rochet, La Louviere....) sie zum Gnadenbrot zu reichen. Der Jahrgang ist gerade jetzt ziemlich gut entwickelt.

Grüße,

Wolf

P.S. Ich hoffe ihr habt das Unwetter gut überstanden.
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
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thvins

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Re: Auf ein Glas ..... 1996 Clerc Milon, Pauillac

BeitragDi 10. Jun 2014, 12:10

Unwetter, welche Unwetter? ;)

Es muss ja in NRW richtig schlimm gewesen sein, ich hoffe, jeder von uns hat das alles unbeschadet überstanden...

Bei uns hat es heute früh zwei oder drei Mal gerumpelt und ca. 5 bis 10 Minuten etwas geregnet. Jetzt warte ich auf erst mal auf die für heute noch mal angekündigten 36°C.

Da schmeckt dann wohl kaum noch ein Wein. Meine beiden zum Spargel über Pfingsten genossenen weißen Burgunder lasse ich unbewertet - ich glaube, dass wird ihnen gerechter, ich glaube nicht, dass die Weine so schlecht waren, sie waren entweder zu kalt und kurz drauf waren sie zu warm...Gaaanz schlechtes Karma.

Auf den Tatort hab ich verzichtet - obwohl ich ja jetzt durch unseren in der Hinsicht Abzockerstaat zum Fernsehen zwangsverpflichtet worden bin. (wie schön waren jene Jahre meines Lebens, in denen ich aus freier Gewissensentscheidung auf das Konsumieren von Radio und Fernsehen verzichten durfte und man mich auch nicht mit Zwangsgebühren behelligt hat - wie gern habe ich zu denen gehört, die mit Stolz sagen konnten: "Ich habe keinen Fernseher!" Damals habe ich nicht geahnt, wie perfide auch heute noch das System von Agitprop funktioniert...). Stattdessen habe ich mich erst als Hitzeleiche durch die Elbe treiben lassen - das Elbeschwimmen war das Sinnvollste was man hier mit der Hitze anfangen konnte. Hinterher gab es dann noch einen Biervergleich Radeberger gegen Lübzer und - haut mich - sie haben mir, der Situation entsprechend, beide geschmeckt. Ich glaube, ich re-mutiere erst mal zum Biertrinker.... :lol: :mrgreen:

Wobei ich dann meine Reste belgischer / flämischer Biere auch noch zu lassen werde - dabei habe ich mich schon drauf gefreut, mal zu sehen, wie er so ist - der "Straffe Hendrik"... :ugeek:
Beste Grüße

Torsten

http://www.torsten-hammer-priorat-guide.com
jetzt mit richtiger Startseite...

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