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Auf ein Glas ..... 2010 Pouilly-Fuissé VV, Dom. Cheveau

eingeschenkt von: susa – Plaudereien über Gott und die Welt und auch über Wein
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susa

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Auf ein Glas ..... 2010 Pouilly-Fuissé VV, Dom. Cheveau

BeitragDi 6. Mai 2014, 08:19

Manche Dinge ändern sich nie, denkt man, und dann, eines Tages geschieht es doch.

So habe ich reichlich betrübt vernommen, dass sich mein Lieblings-Cuisinier im Bordelais, Monsieur Barbier, zur Ruhe gesetzt hat. Es ist ihm ja zu gönnen, aber er wird mir schon sehr fehlen, sein bissiger Humor, sein glänzend inszenierter Auftritt, sein köstliches, bodenständiges Essen. Nie mehr petits gris im Original – gut, dass ich mich in langen Selbstversuchsreihen an sein Rezept herangetastet habe. Zu seinen Ehren werde ich es wohl am Wochenende kochen und dazu was aus dem Médoc trinken. Nur nix Elegantes, das würde ihm nicht gerecht, so was wie einen Branas Grand Poujeaux vielleicht oder Château Brillette käme hin.

Auch meine Lieblingsabsteige an der Côte Chalonnaise, die Hostellerie du Val d'Or in Mercurey ist geschlossen. Was allerdings abzusehen war. Mein Lieblingswinzer daselbst, Monsieur Raquillet meinte, das sei ein Problem für das ganze Dorf, das nun seiner größten Attraktion beraubt sei und niemand wisse so genau, wie es weiter ginge. (Lasst Euch nicht von der noch existierenden Webseite täuschen, die hat man nur vergessen stillzulegen, als der Letzte das Licht ausgemacht hat). Irgendwer habe das Anwesen gekauft, wahrscheinlich aus Paris. Paris, muss man wissen, gehört für die meisten Bewohner der französischen Provinz nur notgedrungen zum Hexagon, Paris ist wie Ausland, nur teurer, und lästig wie ein Mückenstich zwischen den Schulterblättern.

Irgendwann arrangiert man sich mit der neuen Situation, vermisst das Vergangene nicht mehr, und wenn man es noch irgendwo entdeckt, kommt es einem rettungslos vorgestrig, ja fast unpassend vor. Wie zum Beispiel die gelben Telefonzellen aus der Zeit, als alles noch Post hieß, gelb war und Telefone mit einer langen, sich ständig verheddernden Schnur an der Wand befestigt waren. So konnten sie sich auch nicht so weit verselbstständigen, dass man sie beispielsweise erst nach langem Suchen und unter Nutzung aller Ortungsfunktionen im Kühlschrank, in der Gartenlaube oder im Auto wieder findet.

Wer sich an den gelben Telefonzellen nicht satt sehen kann, der kann sich jetzt eine kaufen, die Telekom bietet sie zum Schnäppchenpreis von 300 – 400€ an Selbstabholer an, Email genügt an info@telekom.de. Es gibt auch schicke Modelle in Magenta. Die gelben, so liest man, seien als Minitonstudios sehr beliebt, weil der Schallschutz top sei. Auch Verwendungen als Gartendusche, Stehsauna, Gewächshaus oder Bücherschrank seien bezeugt. Wahrscheinlich wäre auch eine Verwendung als origineller Weinkühlschrank denkbar.

Die Farbe gelb scheint sich jedenfalls nicht allgemeiner Beliebtheit zu erfreuen.

Als ich am Wochenende einen wunderbaren Pouilly-Fuissé probiert habe (was ich natürlich gleich auf facebook geteilt habe, sollten ja alles was davon haben ;) ), meinte eine Freundin: Einen Wein mit einem so quietschegelben Etikett würde ich ja nie trinken, noch nicht mal in der Badewanne. Ich sehe schon, ich muss meine Etikettentheorie doch noch erweitern.

Ich kann an dem Etikett nichts besonders Außergewöhnliches finden, dafür an dem Wein umso mehr. Immer auf der Suche nach Alternativen zu sündhaft teuren Montrachets etc. hab ich das Netz durchforstet und mir ein wenig zum Probieren bestellt. Und hier der absolute Haupttreffer

2010 Pouilly-Fuissé Les Vielles Vignes
Domaine Cheveau, Pouilly Fuissé AOC


Der braucht erst mal ein bisschen Luft und dann ein großes Glas, in dem er seine Aromen entfalten kann. Im Glas funkelt er kräftig gelb, er umschmeichelt die Zunge mit feiner Mineralik und filigranen Aromen von hellen Früchten, etwas rauchig, ein wunderbar geschliffener Abgang. Das ist keiner, der seine Aromen mit Wucht und Tamtam auf die Zunge drischt, zurückhaltende Eleganz, wunderbares vielschichtiges Aromenspiel, ein Wein der zarten, der sensiblen Töne, strahlend und klar.
Red wine with fish. Well, that should have told me something.
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mixalhs

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Re: Auf ein Glas ..... 2010 Pouilly-Fuissé VV, Dom. Cheveau

BeitragDi 6. Mai 2014, 08:29

...meinte eine Freundin: Einen Wein mit einem so quietschegelben Etikett würde ich ja nie trinken, noch nicht mal in der Badewanne. Ich sehe schon, ich muss meine Etikettentheorie doch noch erweitern.


Meine erste Assoziation bei diesem Etikett war: Prosecco aus dem LEH. Aber man soll ja nicht immer nach dem äußeren Eindruck urteilen. Die Etikettentheorie müsste eventuell um BgEiam ergänzt werden: Bei gelben Etiketten ist alles möglich.

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