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Charakteristik der Weißwein-Jahrgänge in Niederösterreich

Allgemeine Themen oder solche, die mehrere Regionen betreffen
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mixalhs

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Charakteristik der Weißwein-Jahrgänge in Niederösterreich

BeitragFr 19. Jul 2013, 22:28

Hallo, wie würdet Ihr die Weißweinjahrgänge 2006-2012 der niederösterreichischen Anbaugebiete charakterisieren?

Meine eigenen Eindrücke:
2006: üppig, fruchtig, manchmal etwas alkoholisch, eher schnell reifend, viele sehr schöne Weine (die jetzt getrunken sein sollten)
2007: etwas weniger gefällig, aber vielleicht langlebiger (genial z.B. Hirtzbergers Singerriedel-Riesling und auch Fritz' Roter Veltliner vom Steinberg)
2008: wenige Eindrücke, generell nicht besonders gut
2009: ähnlich wie 2006, mein Favorit "Das Beste vom Riesling" von Malat, sehr gut auch einige Zierfandler und Rotgifler aus der Thermenregion, vor allen Dingen von Stadlmann
2010: säurebetont, im Durchschnitt eher schwach und häufig unbalanciert
2011: wenige Eindrücke, der RV Steinberg von Fritz ist wieder genial
2012: ??? (bisher noch nix getrunken außer Wieningers Gemischtem Satz, der mir gut gefallen hat, aber nicht aus Niederösterreich kommt)

Wer weiß mehr als ich und kann mich ergänzen oder korrigieren?
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Gerald

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Re: Charakteristik der Weißwein-Jahrgänge in Niederösterreic

BeitragSa 20. Jul 2013, 07:14

Hallo,

ich kann nur meine persönliche Einschätzung schreiben, die man nicht unbedingt teilen muss ;)

2006: kräftig, alkoholreich, gute Säure, reift eher langsam. Oft etwas "zuviel des Guten" auf Kosten der Trinkfreudigkeit. Viele Reserve/Smaragde derzeit in einer unharmonischen Phase, kommen (hoffentlich) wieder heraus
2007: etwas leichter und trinkfreudiger
2008: eher unspektakulär
2009: wie 2006, aber besonders Veltliner oft körperreich und säurearm, damit sehr schnell satt machend. Eher Weine zum Verkosten als zum Trinken ;) Rieslinge naturgemäß mit besserer Säure
2010: in der Jugend großartige Weine (für mich der beste Jahrgang seit langem), wenn der Winzer die öfters anzutreffenden kratzigen Noten vermeiden konnte. Scheint aber eher schnell zu reifen
2011: schöne Aromatik, aber vielfach am Gaumen dünn, schal, unharmonisch. Meiner Meinung nach der eigentliche A...jahrgang :( Als Jungweine noch ganz OK, entwickeln sich aber weiter zu ihrem Nachteil. Möglicherweise zu hoher Ertrag nach dem mengenmäßig schlechten 2010er.
2012: ganz jung verkostet ähnlich wie 2011, entwickeln sich aber inzwischen sehr positiv. Oft sehr individuell, kantig, manchmal hart, manchmal mit attraktiven Bitternoten, nicht unbedingt "Gaumenschmeichler"

Grüße,
Gerald
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Gerald

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Re: Charakteristik der Weißwein-Jahrgänge in Niederösterreic

BeitragSa 20. Jul 2013, 08:57

Eine interessante Übersicht gibt es auch auf der Webseite der ÖWM:

http://www.oesterreichwein.at/daten-fak ... 2010-2006/

Die Jahrgangsbewertungen unterscheiden sich aber recht deutlich von meinen Eindrücken (vermutlich durch unterschiedliche Erwartungen an einen Wein bedingt), dazu werden bei der ÖWM naturgemäß - als Interessensvertretung der Weinwirtschaft - negative Aspekte nicht angesprochen bzw. sehr diplomatisch formuliert ;)

Grüße,
Gerald
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mixalhs

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Re: Charakteristik der Weißwein-Jahrgänge in Niederösterreic

BeitragSa 20. Jul 2013, 19:24

http://www.oesterreichwein.at/daten-fak ... 2010-2006/

Auch hier ein Wunder der Weinbewertung: Fünf Jahrgänge, vierzehn Weinsorten, macht siebzig Bewertungen. Von diesen sind siebzig, also 100% "überdurchschnittlich" oder besser. Nun sind es nur fünf Jahrgänge, und das Ganze ist nicht repräsentativ. Aber wer Rote des Jahrgangs 2008 aus Niederösterreich getrunken hat, der weiß, dass das vorwiegend säuerliche, unbalancierte und kratzige Weine waren: für mich deutlich unter dem Durchschnitt und mit wenigen Ausnahmen das Geld nicht wert, das ich ausgegeben habe. Interessant auch, dass die Kategorie "unterdurchschnittlich" fehlt. Stattdessen steht dort "unterer Durchschnitt". Wenn ich das mal statistisch fasse - über den groben Daumen, dann anders geht es nicht - dann heißt das, dass die unteren drei bis vier Dezile wegdefiniert werden. Noch schlechtere Punktzahlen sind zwar möglich; das bedeutet dann aber "ohne Bewertung".

Warum dieses Schönreden schlechter Jahrgänge? Wenn man schon die Kategorie "durchschnittlich" benutzt, dann sollte auch die Durchschnittspunktzahl (genau gesagt das arithmetische Mittel der letzten zehn/zwanzig Jahre) in diesem Bereich liegen.

Zurück zum Thema: Ich kann Geralds Wertungen im Großen und Ganzen gut nachvollziehen. Insbesondere der 2006er scheint mir etwas überbewertet. Bei einer Domäne-Wachau-Riesling-Vertikalen lag der deutlich hinter dem Sieger aus dem Jahr 2005. Einige GV-Federspiele 2011 der Domäne haben wir sehr gut gefallen, haben ihren Höhepunkt aber wohl überschritten, sind aber IMHO jetzt und wohl auch 2014 noch gut zu trinken. Dafür, dass Federspiele nicht für die Ewigkeit gemacht sind, finde ich das völlig OK. Und der Rote Veltliner 2011 vom Wagram, der mir so gut gefällt, ist sicherlich nicht repräsentativ für die von GV und Riesling geprägte Weißweinlandschaft Niederösterreichs. Da fällt mir ein, dass ich die Verkostungsnotizen mal ins Forum stellen sollte .....
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isbjoern

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Re: Charakteristik der Weißwein-Jahrgänge in Niederösterreic

BeitragMo 22. Jul 2013, 11:43

Hallo,

Habe generell ähnliche Eindrücke wie ihr:

2006: Ein kräftiger, fruchtbetonter Jahrgang, in der Breite erfolgreich, sprich auch viele Basisweine waren sehr gelungen, an der Spitze zum Teil vielleicht zu üppig. Die besten Weine sind jedoch sensationell. Das meiste hab ich bereits ausgetrunken.
2007: Mag ich sehr gern, wie Gerald schreibt "etwas leichter und trinkfreudiger". Oft kommt die Mineralik besser zur Geltung als 2006. Sollte m.M. nach auch gut reifen.
2008: etwas leichter und frischer, die spät geernteten Weine (Smaragde) zum Teil erheblich von Botrytis dominiert. Ist nicht mein bevorzugter Stil. Dort wo die Botrytis nicht zu stark wurde gibt es auch richtig tolle Weine mit Spannung, Mineralik und Frische.
2009: Kräftig wie 2006, im Gegensatz zu 2006 jedoch mehr Botrytis bei den spät gelesenen Weinen. Dadurch z.T. recht üppig und mit markanten Honignoten. Für mich eher Weiße für die Herbst/Wintermonate. Die früher gelesenen Weine waren meist sehr trinkig, rund und fruchtig.
2010: generell sehr säurebetonte, oft auch dünne Weine. Die Smaragde und spät gelesenen Weine sind jedoch z.T. fantastisch. Immens dicht, mineralisch und (fast) frei von Botrytis. Generell GVs für mich besser gelungen. Schnelle Alterung wäre mir bislang nicht aufgefallen.
2011: Die Top-Weine oft zu alkoholisch und unharmonisch, auch der hohe Gerbstoffanteil wirkt mitunter störend auf den (derzeitigen) Trinkfluss. Rieslinge wirken frischer und typischer als GVs. Bei den einfacheren Weinen auch schon recht hoher Alkohol und oft etwas schale grüne Noten. Hat mich bislang nicht so begeistert.
2012: noch zu wenig gekostet, um mir eine Meinung zu bilden.

LG, Janik
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Traminer

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Re: Charakteristik der Weißwein-Jahrgänge in Niederösterreic

BeitragMo 24. Mär 2014, 20:47

Hallo! Passend zum Thema, ab ich gerade in meinem Archiv folgende Aufzeichnungen gefunden.

2003

Wetter: extreme Witterungsbedingungen, Frühling war frühsommerlich, heißer & trockener Sommer, ein Jahrhundertsommer, Sonnenbrand bei zu starker Entblätterung, bei Junganlagen massive Trockenheitsschäden.

Weine: schnell zugängliche sehr reife – kräftige Jungweine konnten überzeugen, sehr niedrige Säure, so mancher Verkoster ernannte den 2003er als „Jahrhundert Jahrgang“. gereift zeigt der Jahrgang sich von der enttäuschenden Seite: viele Weine, zeigen sich marmeladig, hochreif, firnig, deutlicher Alternston, hoher Gerbstoffgehalt, schal, alkoholisch, fehlt an Spannung. Vielleicht fehlten den heimischen Winzern auch die Erfahrungswerte für solchen extremen Witterungsverlauf.


Persönliche Jahrgangsbewertung: 3 von 6 Punkten (durchschnittlich)


2004


Wetter: niederschlagreicher Winter, wechselhafter Frühling feuchter Frühling, kühles- unbeständiges Blütewetter, schöner August und September mit kühlen Nächten, feuchter Herbst, mit viel Hochnebel, Lese zog sich sehr lange dahin, selektive Lese mit viel Fingerspitzengefühl war notwendig.

Weine: rassige – frische lebendige Jungweine, sehr aromatischer Jahrgang, große Bandbreite von schlechten bis guten Weinen, sehr klassisch, niedrige – moderate Alkoholgehälter, Premiumweine nur in sehr geringen Mengen erhältlich – entwickelten sich überraschend gut, ein oftmals unterschätzter Jahrgang.

Persönliche Jahrgangsbewertung: 4 von 6 Punkten (gut)


2005

Wetter: Parallelitäten des Jahrgangs 2004 werden wach, kühle Blüte, mäßiger Sommer, August und September feucht, schöner Oktober, wer gesunde bis in den Oktober hängen, lassen konnte hat viel Glück und wurde belohnt.

Weine: fruchtbetonte Weine, gute Säurestruktur, klassischer österreichischer Jahrgang – leicht bis gehaltvolle Weine, wie sich derzeit die 2005er präsentieren weiß ich nicht, gibt es selten zum Verkosten bzw. hab

Persönliche Jahrgangsbewertung: 3-4 von 6 Punkten (durchschnittlich-gut)


2006

Wetter: langer Winter, mit guter Wasserversorgung, eher später Austrieb, wechselhaftes Wetter während Blüte – Verrieslung vorallen beim GV, wechselhaftes Wetter zieht sich im Sommer durch, mit Schönwetterphasen, kühler August, traumhafter warmer – windiger, trockener September & Oktober bescheren gesundes hochreifes Traubenmaterial.

Weine: in der Jungend schon sehr zugänglich, angenehme Säurestruktur, sehr sauberer Jahrgang, die ganze Weißweinpalette konnte man abdecken, aber oft hohe Alkoholgehälter, zum Teil Smaragde bis 15,0%, Alkoholgehalt ist im Großen und Ganzen gut eingebunden. gute Lagerfähigkeit, aber viele Reserve/ Smaragde in einer unharmonischen Phase, die ich glaube länger dauern wird, abwarten schlechter werden die Flaschen, die noch nicht getrunken worden sind nicht.

Persönliche Jahrgangsbewertung: 5 von 6 Punkten (sehr gut)


2007

Wetter: milder Winter, früher Austrieb, zweitfrühste Rebblüte nach 2003, gute Wasserversorgung im Frühling, Hagelschäden im Juni im Raum Krems, Thermenregion und Retz, ab mitte Juli Hitzewelle bis zu 39° Grad, Trockenheit, und beim Riesling und Muskateller teilweiße massive Sonnbrandschäden ". Niederschläge, Herbst durchschnittlich – wechselhaft, Zuckergradation legte langsam zu, trotz des frühen Jahres wurden Reserve / Smaragde erst im November gelesen.

vollmundige – saftige Weine, gute Jungweine, Säure ist sogar teilweise niedriger als 2006, Alkoholgehälter sind eine spur niedriger als 2006, im großen und ganzen gutes Lagerpotenzial, zugänglicher als 2006, teilweise schöne Mineralik, vorallen Rieslinge aus der Wachau oder Kamptal beeindruckten mich vor kurzen bei einer Verkostung.

Persönliche Jahrgangsbewertung: 5 von 6 Punkten (sehr gut)


2008

Wetter: früher Austrieb, gute Blütephase, sehr feucht – warme Vegetationsperiode sorgte für starkes auftreten von Peronospora, feuchte zieht sich auch im September und Oktober durch, langsame Zuckerentwicklung der Trauben, kühl – bedecktes Wetter, mit kleine Wärmeeinbruchen, großteils hohe Erträge, auch Botrytis, in Spitz / Wachau wurden die letzten Smaragdweine erst um den „anfangs Dezember“ geerntet, genaue und mehrmalige Selektion der Trauben war qualitative gute Weine unumgänglich.

klassischer Weißweinjahrgang, frische – knackige Säure, moderater Alkoholgehalt, große Qualitätsschwankungen, kräftige Weine wurden oft von der Botrytis dominiert, immer wieder ist mir aufgefallen, bei den letzt verkosteten Weinen, das die Frucht oft verwässert ist, sollte eigentlich schon ausgetrunken sein. ganz wenige Topweine und die sind gemacht für die Ewigkeit.

Persönliche Jahrgangsbewertung: 2-3 von 6 Punkten (schwach – bis durchschnittlich)

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