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Traisental

Kamptal, Kremstal, Traisental, Weinviertel, Wagram, Thermenregion, Carnuntum
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Zürcher

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Traisental

BeitragFr 14. Jan 2011, 19:50

Hallo zusammen,

So, heute ein erster Vertreter des Traisentals im Glas:

Zweigelt Reserve 2007, Markus Huber (Reichersdorf)

In der Nase würzige und blumige Noten, am Gaumen die Sauerkirsche und Erdbeere, Säure nicht dominant. Vielleicht Ist der Alkohol etwas vordergründig ind nicht ganz optimal integriert (13%). Grundsätzlich jedoch ungemein fruchtiger und süffiger Wein, nichts zum Philosophierem, einfach zu Trinken, mit kurzem Nachhall. P/L stimmt. Deshalb 86/100 Punkten.

Grüsse aus Zürich,
Sacha
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Oh Dae-Su

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Re: Traisental

BeitragDi 2. Apr 2013, 16:28

Hallo zusammen (und insbesondere ein Hallo an alle Niederösterreich Riesling Experten),

ich habe gestern Abend zwei 2006er Rieslinge aus Niederösterreich aufgemacht:

Weingut Neumayer Der Wein vom Stein Riesling RR 2006, Traisental (neuere Jahrgänge dürften jetzt wohl der DAC Reserve sein)
Weingut Hirsch Zöbiger Heiligenstein Riesling 2006, Kamptal (das selbige gilt hier wohl auch)

Gestern haben sich die Weine extrem verschlossen und gelangweilt gezeigt. Ich konnte zwar die sehr großen Unterschiede in den Stilistiken rausschmecken, doch vom Stuhl bin ich vor Begeisterung bezüglich der Qualität nicht gefallen. Alkoholisch oder zu breit empfand ich sie keinsesfalls, nur sehr sehr abwesend. Meine Frage an die Experten die wesentlich mehr Rieslinge aus den genannten Regionen trinken: Sind 2006er Oberklassen Rieslinge im Moment in einem Tal bzw. Tiefschlaf? Meint ihr ob die nochmals aufwachen? Vielleicht war ich zu vorschnell mit dem Öffnen der Weine? Vielleicht ist mein Gaumen nun letztendlich doch total burgunderorientiert und kann die Feinheiten dies Rieslings nicht mehr würdigen ;) .

Besten Gruss und Vielen Dank schon mal vorab!

Chris

PS: Ich werde von heutigen Entwicklungen vielleicht berichten. Wenn sie erwähnenswert sein werden ... :roll:
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Gerald

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Re: Traisental

BeitragDi 2. Apr 2013, 16:46

Hallo Chris,

die genannten Weine selbst kenne ich nicht, allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass viele 2006er im Moment in einer ungünstigen Phase sind. Die Primärfrucht dürfte schon weg sein, Reifenoten hingegen noch kein großes Thema, dazwischen könnte er schon ein bisschen leer erscheinen.

Persönlich habe ich allerdings mit manchen 2006er eher das Problem, dass sie durch den "Bilderbuchherbst" zuviel des Guten mitbekommen haben und die Trinkfreudigkeit auf der Strecke geblieben ist. Den seinerzeit von den Medien ausgerufenen "Jahrhundertjahrgang" muss man - zumindest bei den Weißen - vermutlich relativieren ...

Grüße,
Gerald
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Oh Dae-Su

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Re: Traisental

BeitragDi 2. Apr 2013, 17:03

Hallo Gerald,

danke für deine Einschätzung!

Zumindest kann ich sagen, dass beiden nicht alkoholisch oder gewaltig daherkommen. Der Hirsch ist sehr rauchig, aber ich glaub das ist bei dem öfters so. Bei den wnigen anderen Jahrgängen die ich von dem hatte kam es mir ähnlich vor. Das mit dem Anzweifeln des Jahrhundertjahrgang sehe ich so langsam auch so :roll: . Hab da mit einigen Rieslingen, insbesondere aus Wien ;) , eher ins Negative gehende Erfahrungen machen dürfen. Meine Wachauer und den dicken Privat ;) vom Nigl rühre ich mal lieber nicht an ...

Mal schaun ob sich heut Abend noch was bei den beiden regt. Nochmals Danke!

Besten Gruss

Chris
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weingeist

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Re: Traisental

BeitragDi 2. Apr 2013, 19:25

Hallo Chris,
so als Ergänzung, Weine von Neumayer kenne ich nicht, Weine von Hirsch hatte ich schon öfters bei Verkostungen aber auch privat im Glas.
Speziell zu 2006 habe ich jetzt nichts gefunden, allerdings hatte ich den 2009er Riesling vom Heiligenstein 2011 im Glas und auch der konnte mich damals nicht so recht erwärmen. Als Notizen hatte ich in zur Nase zarte, reduktive Noten, verschlossen, am Gaumen allerdings eine fruchtige Frische. Beim Grünen Veltliner 2009, ebenfalls vom Heiligenstein war es dann - ebenfalls 2011 verkostet - noch ärger. Verschlossen und nichtssagend (kommt Deinem "gelangweilt" recht nahe), am Gaumen dann doch wieder ein eher typischer Veltliner. Den Rielsing habe ich mit 15 weingeist-Punkten, den Grünen Veltliner sogar nur mit 13 weingeist-Punkten (von 20) beurteilt, was bei Weißweinen aus Österreich bei mir eher selten vorkommt. Da liege ich normalerweise höher. Und wie angeführt, dass waren keine 2006er, sondern jugendliche 2009er.
Irgendwie ist das WG Hirsch für mich auch - vorsichtig ausgedrückt - durch einige frühere, tolle "Verkostungsweine" von den Medien sehr gehypt worden. Man erwartet sich dann oftmals viel zu viel. Mich haben die Weine, die ich (auch am Weingut) verkosten konnte, nicht immer überzeugt.
Liebe Grüße
weingeist
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Oh Dae-Su

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Re: Traisental

BeitragMi 3. Apr 2013, 12:00

Hallo Weingeist,

auch dir Danke für deine Einschätzungen!

Die beiden Weine haben gestern doch aufgemacht! :)

Der Hirsch war dann doch sehr breit prozig, ganz schön fruchtig, ziemlich steinobstorientiert und was mir nicht gefallen hat sehr von Restsüße geprägt und auch von der Säure nicht so berauschend. Die Rauchigkeit ist kaum verflogen. Mir kam der Wein schon fast ein wenig ölig und träge (zumindest nicht sehr vital).

Der Neumeyer hat mir sehr gut gefallen. Bei dem Wein war der Name Programm (Der Wein vom Stein). Der Riesling war sehr sehr sehr mineralisch, glücklicherweise auch mit frisch und jung anmutenden Zironenaromen versehen und hatte ein nicht sehr ausgeprägte Säure - war dennoch aber absolut ausreichend. Vom Stil her war er überhaupt nicht pralerisch, eher ein wenig zurückhaltend, aber viel Druck und konzentration waren auch hier vorhanden. Sicherlich wesentlich besser abgestimmt. Ein sehr langer Abgang.

Ich probiere heute noch die Reste und werde in ein paar Tagen ne richtige VKN einstellen ;)

Besten Gruß

Chris
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Oh Dae-Su

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Re: Traisental

BeitragMi 24. Apr 2013, 17:27

Hallo zusammen,

mit gewaltiger Verspätung habe ich doch noch eine VKN zu dem Wein vom Stein zusammen bekommen. Immerhin habe ich eine gute Ausrede ;) :

Weingut Ludwig Neumayer Riesling der Wein vom Stein RR 2006, Traisental
(und als Anhängsel noch ein Weingut Hirsch Riesling Zöbinger Heiligenstein 2006, Kamptal)

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/04/ri ... p-und.html

...

Die Ordnung meiner Verkostungszettel könnte etwas besser organisiert sein. Daher hat es sich ergeben, dass ich den Betreffenden seit gut drei Wochen in jeglichen Taschen, Schubladen, im Keller und erniedrigenderweise sogar im Altpapiercontainer vergeblich gesucht habe. Vor wenigen Tagen nun habe ich das gute Stück in meinem Briefkasten gefunden. Wie er da wohl hingekommen ist? Ich kann nur sagen: Vielen Dank an meine Nachbarschaft - die diese Danksagung vermutlich nie lesen wird! Ich muss mich wohl mit meinen vielen leeren Flaschen schon einen Namen als Weinvernichtungsmaschine gemacht haben ;-). So erkläre ich mir diese unverhoffte "Heimsuchung". Jetzt ist aber genug mit dem Geschwätz!

...

Die Farbe der beiden Weine war ziemlich identisch. Beide zeigten ein helles gold-gelb und keinerlei offensichtliche Alterungserscheinungen. Nebenbei sei bemerkt das beide mit Screw Caps verschlossen waren. Die Viskosität des Hirsch mag ein wenig zähflüssiger und dichter gewesen sein. Bei diesem meinte ich auch mikroskopisch kleine Restbestände von Kohlensäure entdeckt zu haben!?! Wie dem auch sein! Als ein sonderlich positives Zeichen wollte ich das nicht werten. Bei den Naseneindrücken gingen die Eindrücke dann stark auseinander:

Der Wein vom Stein von Neumayer geizte nicht mit sehr zivilisierten, eleganten und keinesfalls fetten vielschichtigen Zitronenaromen. Eine bestechende kühlere Würzigkeit gepaart mit vermeintlicher Mineralik verlieh dem Wein eine komplexe, sehr feste und tiefgründige Blume. Der Heiligenstein von Hirsch hatte ein sehr breites, sehr steinfruchtiges und fast schon stark parfümiertes Bouquet. Die Nase kam mir schon ein wenig brutal und süßlich vor. Auch eine große Portion Rauch vermochte es nicht mich sonderlich zu begeistern. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich die Nase verabscheuungswürdig fand. Sie hatte ganz sicher ihre sehr direkte und intensiv fruchtige Attraktivität. Doch diese etwas zu übermannende und gewaltige Prägung war für mich ein wenig gewöhnungsbedürftig.

Der Geschmack des Wein vom Stein machte sehr schnell deutlich, dass hier der Name des Weins Programm ist. Zunächst zeigte sich der Wein von der Frucht her ziemlich reserviert und petrolig. Die karge und gleichzeitig fast gewaltige Mineralik war von Beginn an sehr präsent. In den ersten zwei Stunden war mir mal wieder so, dass ich von richtiger „Steinschleckaktion“ sprechen bzw. schreiben könnte. Nach wenigen Stunden und an den Folgetagen entwickelte sich eine vielschichtige, immer noch frisch wirkende, zitronige Fruchtigkeit die ab dem zweiten Tag von etwas exotischeren Fruchtkomponenten unterstützt wurde. In Verbindung mit der erwähnten intensiven Mineralik zeigte sich über drei Tage hinweg ein sehr anspruchsvoller, erstaunlich lang anhaltender, komplexer und keinesfalls fetter Riesling mit relativ kühler Stilistik. Die etwas gezügelte Kraft der Säure erschien mir passend. Vielleicht hätte sie ein Tick bissiger und frische ausfallen können. Letztere „Forderung“ mag ein wenig piefke'ig sein ;-). Alles in allem ein sehr guter (++) und anspruchsvoller Riesling der nicht nur auf schnelllebige Primärfruchtaromen und Protz ausgerichtet ist. Für die nahe Zukunft könnte ich mir sogar noch ein wenig mehr Freude vorstellen. Ganz im Gegenteil zum Zöbiger Heiligenstein 2006 von Hirsch. Dieser kam mir schon sehr ausgereift vor. Seine primären geschmacklichen Eigenschaften waren sehr viel kräftiges Steinobst, eine starke und etwas wirr wirkenden Rauchigkeit, viel mehr Cremigkeit im Vergleich zum Wein von Stein, etwas ölig, etwas fett, etwas wuchtig und erstaunlich süß. Eine Süße mit der die eher verhaltene, oder vielleicht etwas gelangweilte, Säure nicht mitkam. Alles in allem kam der Hirsch mir nicht so klar und präzise vor wie der Stein-Wein. Von der mineralischen Tiefgründigkeit gar nicht zu sprechen. Hätte der Wein ein bisschen weniger Süße und ein klein wenig mehr Säure gehabt, hätte ich den Hirsch sehr gerne getrunken. Denn „trinkig“ (in limitierten Dosen) und saftig war er. Sicher kein schlechter Wein wenn man etwas mehr Süße mag. An Tiefgründigkeit hat es dem Wein ein wenig gemangelt. Als einfach-gestrickt wollte ich ihn dann doch nicht bezeichnen. Aber dennoch etwas eindimensional für einen Spitzenriesling. Am zweiten Tag konnte der Wein ein wenig von seiner rauchigen Prägung und lahm-öligen Art Abstand gewinnen. Diese Entwicklung machte den Wein für mich etwas attraktiver. Daher habe letztlich ich nur wenig Probleme diesem fruchtverwöhnten und leicht adipösen Riesling als gut (o)-(+) zu bezeichnen - auch wenn er sicher nicht meiner bevorzugten Stilistik entspricht. Er wird aber sicher seine Liebhaber am Markt findet.

...


Besten Gruss

Chris
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Gerald

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Re: Traisental

BeitragMo 6. Mai 2013, 07:16

Wer wie ich Tonic Water gerne mag, dem könnte der folgende Veltliner (!) viel Freude bereiten:

Bild

Ob man so etwas mag oder nicht, hängt vielleicht auch davon ab, ob man für die Rebsorte ungewohnte Geschmacksbilder akzeptiert oder nicht. Mir persönlich hat der Wein gefallen, viel besser als die in letzter Zeit immer häufigeren "Exotik-Fruchtbomben" (Maracuya & Co) vom Veltliner. Aber natürlich stellt sich auch hier die Frage, ob man so etwas unter "DAC" laufen lassen sollte ...

Grüße,
Gerald
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weingeist

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Re: Traisental

BeitragMo 6. Mai 2013, 19:55

Hallo Gerald,
ich selbst habe leider noch nie direkt im Traisental eingekauft, obwohl es am Weg liegt, wenn ich vom 13. Bezirk in meinen Keller am Wagram fahre :cry: .

Die Weine von Markus Huber kenne ich lediglich von Einkäufen bei Wein&CO, wo ich manchmal, wenn diese im Angebot sind oder ich irgendeinen Bonus aufbrauchen muss, selbige kaufe. Sowohl die Grünen Veltliner als auch die Rieslinge von ihm sind dabei immer eine "Bank". Ich wurde hier Genußseitig noch nie enttäuscht.
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Traisental

BeitragSa 14. Sep 2013, 08:29

Sehr interessant auch dieser Wein aus einer "Erste Lage ÖTW" in Kombination mit "Traisental DAC Reserve" (es geht doch nichts über kurze, präzise Weinnamen ;) ):

Bild

Mir persönlich gefällt nur die Kombination aus kantig-hartem Geschmacksbild und der etwas aufgesetzt wirkenden, irgendwie gar nicht dazupassenden Restsüße nicht so richtig. Ich könnte mir aber vorstellen, dass sich das in ein paar Jahren zu einem harmonischen Ganzen verbindet (so wie man es den Moselkabinetten nachsagt)?

Grüße,
Gerald
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