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Kremstal

Kamptal, Kremstal, Traisental, Weinviertel, Wagram, Thermenregion, Carnuntum
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UlliB

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Re: Kremstal

BeitragSa 27. Apr 2019, 07:55

Bernd Schulz hat geschrieben:
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Hallo Bernd,

die Nennung des Erzeugers ("Proidl") ist leider nicht eindeutig, denn es gibt in Senftenberg im Kremstal zwei Betriebe mit diesem Namen: Franz Proidl und Karl Proidl. Ob da verwandschaftliche Beziehungen bestehen, weiß ich nicht, aber die Betriebe werden komplett getrennt geführt. Der bekanntere Betrieb ist der von Franz Proidl, und um den wird es sich hier wohl gehandelt haben - ich glaube kaum, dass man die Weine von Karl Proidl in D finden kann, obwohl die auch nicht schlecht sind.

Senftenberg ist im Weinbaugebiet Kremstal insofern eine Besonderheit, als dass der Ort tastsächlich im Tal der Krems liegt und terassierte Steillagen hat, zum Teil auf Gneis und Granit, und manche Weine von hier können durchaus an die Wachau erinnern. Der weitaus größte Teil des Weinbaugebietes liegt weit abseits des kleinen Flüsschens, paradoxerweise sogar anteilig auf dem der Kremsmündung gegenüber liegenden anderen Ufer der Donau. Da dominieren Löss, Sand und Schotter, und entsprechend anders fallen die Weine aus.

Gruß
Ulli
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Bernd Schulz

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Re: Kremstal

BeitragSa 27. Apr 2019, 11:07

Hallo Ulli,

danke für den Hinweis - es handelt sich um Franz Proidl!

Wenn ich deine Zeilen über Senftenberg lese, überfällt mich glatt die Lust, die Wachau, das Kamptal und das Kremstal zu bereisen. Leider wird ein Urlaub in Österreichs Weinbaugebieten aber wohl für mich nie Realität werden. Meine zeitlichen Ressourcen sind schon für die weite Anfahrt zu gering.... :(

Herzliche Grüße

Bernd
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UlliB

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Re: Kremstal

BeitragSo 28. Apr 2019, 15:45

Bernd Schulz hat geschrieben:Wenn ich deine Zeilen über Senftenberg lese, überfällt mich glatt die Lust, die Wachau, das Kamptal und das Kremstal zu bereisen. Leider wird ein Urlaub in Österreichs Weinbaugebieten aber wohl für mich nie Realität werden. Meine zeitlichen Ressourcen sind schon für die weite Anfahrt zu gering.... :(

Das ist natürlich schade, aber verständlich. Gerade mal gegoogelt: eine Bahnfahrt von Aachen nach Krems dauert irgendwas zwischen 11 und 12 Stunden. Da sind für Hin- und Rückreise schon mal zwei komplette Tage weg. Aber die Gegend lohnt sich sowohl für den Wanderer als auch für den Weißweintrinker wirklich, wobei ich neben den drei von Dir genannten Gebieten auch noch den nach Osten unmittelbar an das Kamptal anschließenden Wagram dazu rechnen würde. Die Landschaft ist dort zwar nicht so spektakulär wie in der Wachau, eher vom Typ "ländliche Idylle", aber dafür gibt es dort eine Menge interessanter Erzeuger, die aus einer verblüffenden Vielfalt an Rebsorten interessante Weine produzieren. Ich kann mich nicht daran erinnern, in Deutschland schon mal einen Frühroten Veltliner gesehen zu haben...

Noch kurz zu Franz Proidl: ich habe den bei einer Verkostung vor rund 20 Jahren persönlich kennengelernt. Seine Weine fielen damals im Gebietskontext regelmäßig auf und erzeugten bei Traditionalisten einiges Stirnrunzeln, da er insbesondere beim Riesling häufiger mit spürbarer Restsüße gearbeitet hat. Das fällt einem Deutschen meistens nur beim direkten Vergleich mit anderen Weinen der Gegend auf, da wir ein paar Gramm Restzucker im Riesling ja gewohnt sind; in Niederösterreich war das aber nicht so, da waren die Weine mit Ausnahme von ein paar seltenen Hochprädikaten immer völlig durchgegoren, und das ist vermutlich heute nicht so viel anders (auch wenn ich in den letzten Jahren immer wieder von "süßlichen" Österreichern gehört habe). Leider bin ich mittlerweile nicht mehr so häufig vor Ort wie vor gut zehn Jahren.

Aber der Winzer wollte es jedenfalls so, und er hat alle Kritik stoisch ertragen, und wird heute zu den Spitzenbetrieben der Region gezählt.

Gruß
Ulli
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Gerald

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Re: Kremstal

BeitragSo 28. Apr 2019, 16:09

Hallo Ulli,

Gerade mal gegoogelt: eine Bahnfahrt von Aachen nach Krems dauert irgendwas zwischen 11 und 12 Stunden. Da sind für Hin- und Rückreise schon mal zwei komplette Tage weg.


das würde ich nicht ganz so dramatisch sehen, wenn man z.B. den Nachtzug Düsseldorf-Wien nimmt. Bei Aachen 19:51 bis Krems 08:41 verliert man eigentlich gar keine Zeit, wenn man kein Problem hat, im Zug zu schlafen.

da waren die Weine mit Ausnahme von ein paar seltenen Hochprädikaten immer völlig durchgegoren, und das ist vermutlich heute nicht so viel anders (auch wenn ich in den letzten Jahren immer wieder von "süßlichen" Österreichern gehört habe)


na ja, nach meiner Beobachtung sind Basis und Mittelklasse meist völlig trocken, nur bei den Topweinen (Smaragd, Reserve oder wie auch immer) kommt es öfters vor, dass der RZ nur knapp unter der Höchstgrenze für trockene Weine liegt. Wahrscheinlich, da man damit in den Weinguides den einen oder anderen Extrapunkt noch herausschinden kann. Mir persönlich sagt so etwas nicht wirklich zu, anderen Österreichern hingegen scheint das durchaus zu gefallen.

Grüße,
Gerald
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UlliB

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Re: Kremstal

BeitragSo 28. Apr 2019, 16:31

Gerald hat geschrieben:[...] bei den Topweinen (Smaragd, Reserve oder wie auch immer) kommt es öfters vor, dass der RZ nur knapp unter der Höchstgrenze für trockene Weine liegt.

Hallo Gerald,

das war aber vor zwanzig Jahren noch nicht so, da waren zumindest die Smaragde allesamt völlig trocken. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, dass mir bei einer Parallelverkostung sämtlicher Smaragde auf dem Weingut Prager (ich meine, es war der Jahrgang 2001) vor Schreck fast das Glas aus der Hand gefallen ist, weil da erstmals ein spürbar restsüßer Wein mit fast 9 Gramm RZ dabei war. So etwas fällt im Kontext von ansonsten völlig durchgegorenen Weinen schon sehr auf, und so unvorbereitet durchaus nicht angenehm.

Der Seniorchef, den ich darauf ansprach, bekam dann einen regelrechten Wutanfall und schimpfte lauthals auf seinen offensichtlich ungeliebten Schwiegersohn (Toni Bodenstein, der heutige Inhaber), der "dieses Zeug verbrochen" hatte :lol:
Wahrscheinlich, da man damit in den Weinguides den einen oder anderen Extrapunkt noch herausschinden kann. Mir persönlich sagt so etwas nicht wirklich zu, anderen Österreichern hingegen scheint das durchaus zu gefallen.

Interessant, da damit in Österreich offensichtlich eine Doktrin übernommen wurde, die in Deutschland bei "trockenen" Rieslingen lange galt und auch noch die ersten Jahrgänge der Riesling-GGs geprägt hat - die hatten fast alle zwischen 7 und 9 Gramm Restzucker. Interessanterweise haben sich in den letzten Jahren aber mehr und mehr Erzeuger davon verabschiedet, und viele GGs sind heute tatsächlich völlig trocken. Es ist interessant, wie gegenläufig manchmal Weinmoden in benachbarten Ländern verlaufen :geek:

Gruß
Ulli
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austria_traveller

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Re: Kremstal

BeitragSo 28. Apr 2019, 18:09

Gerald hat geschrieben:Bahnfahrt von Aachen nach Krems dauert irgendwas zwischen 11 und 12 Stunden. Da sind für Hin- und Rückreise schon mal zwei komplette Tage weg.

Nette Alternative, aber wie geht's dann weiter vom Bahnhof Krems ohne Auto.
Und vor allem kaufen ist dann nicht - außer du bringst die Kartons dann irgendwie in den Schlafwagen
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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Gerald

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Re: Kremstal

BeitragSo 28. Apr 2019, 18:36

austria_traveller hat geschrieben:
Gerald hat geschrieben:Bahnfahrt von Aachen nach Krems dauert irgendwas zwischen 11 und 12 Stunden. Da sind für Hin- und Rückreise schon mal zwei komplette Tage weg.

Nette Alternative, aber wie geht's dann weiter vom Bahnhof Krems ohne Auto.
Und vor allem kaufen ist dann nicht - außer du bringst die Kartons dann irgendwie in den Schlafwagen


Na ja, wenn ich jetzt nicht irgendetwas durcheinanderbringe, hat Bernd gar kein Auto - ist also kein Thema. Und öffentliche Verkehrsmittel gibt es ja im Raum Krems, wenn auch natürlich die Intervalle besser sein könnten.

Die Weine kann man sich kistenweise im übrigen ja auch nach der Verkostung zusenden lassen, das machen so gut wie alle Winzer. Im übrigen fahre ich - obwohl ich es nicht so weit hätte - zu Verkostungen grundsätzlich nicht mit dem Auto, ich hätte also genau dasselbe Problem ...

Grüße,
Gerald
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UlliB

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Re: Kremstal

BeitragSo 28. Apr 2019, 18:50

Gerald hat geschrieben:
austria_traveller hat geschrieben:
Gerald hat geschrieben:Bahnfahrt von Aachen nach Krems dauert irgendwas zwischen 11 und 12 Stunden. Da sind für Hin- und Rückreise schon mal zwei komplette Tage weg.

Nette Alternative, aber wie geht's dann weiter vom Bahnhof Krems ohne Auto.
Und vor allem kaufen ist dann nicht - außer du bringst die Kartons dann irgendwie in den Schlafwagen


Na ja, wenn ich jetzt nicht irgendetwas durcheinanderbringe, hat Bernd gar kein Auto - ist also kein Thema. Und öffentliche Verkehrsmittel gibt es ja im Raum Krems, wenn auch natürlich die Intervalle besser sein könnten.

Richtig. Wer gut zu Fuß ist (und Bernd ist es, soweit ich weiß) kann von Krems aus die gesamte "weintechnische" Wachau von Loiben bis Spitz in einem einzigen Wandertag erledigen und hat dabei auch noch Zeit für die eine oder andere Rast mit Verkostung. Dito für das Kremstal. Und fürs Kamptal fährt man mit der ÖBB nach Hadersdorf und nimmt das als Ausgangspunkt. Und richtig, ein paar gelegentlich fahrende Busse gibt es in der Gegend auch noch 8-)
Die Weine kann man sich kistenweise im übrigen ja auch nach der Verkostung zusenden lassen, das machen so gut wie alle Winzer.

Stimmt. Die Tarife nach D waren aber bis vor einigen Jahren meistens exorbitant hoch, aber da ist schon Besserung eingetreten. Man sollte aber trotzdem nach den Preisen fragen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Ein Transport von Weißenkirchen nach München ist zwar kürzer als einer von Weißenkirchen nach Bregenz, aber aus unerfindlichen Gründen und trotz EU mitunter immer noch dreimal teurer :cry:

Gruß
Ulli
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glauer

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Re: Kremstal

BeitragSo 28. Apr 2019, 19:13

UlliB hat geschrieben:
Die Weine kann man sich kistenweise im übrigen ja auch nach der Verkostung zusenden lassen, das machen so gut wie alle Winzer.

Stimmt. Die Tarife nach D waren aber bis vor einigen Jahren meistens exorbitant hoch, aber da ist schon Besserung eingetreten. Man sollte aber trotzdem nach den Preisen fragen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Ein Transport von Weißenkirchen nach München ist zwar kürzer als einer von Weißenkirchen nach Bregenz, aber aus unerfindlichen Gründen und trotz EU mitunter immer noch dreimal teurer :cry:

Gruß
Ulli


Da gibt es tatsächlich extreme Unterschiede. Beim Nikolaihof zahlte ich vor 2 Jahren 31 Euro für einen 6er Karton. Bei Nigl war der Versand nach D ab 12 Flaschen umsonst (was sich aber geändert zu haben scheint).
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Bernd Schulz

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Re: Kremstal

BeitragSo 28. Apr 2019, 22:10

Gerald hat geschrieben:...das würde ich nicht ganz so dramatisch sehen, wenn man z.B. den Nachtzug Düsseldorf-Wien nimmt. Bei Aachen 19:51 bis Krems 08:41 verliert man eigentlich gar keine Zeit, wenn man kein Problem hat, im Zug zu schlafen.


Vor über 30 Jahren, als ich noch in Hamburg als Musiker bei der Bundeswehr tätig war, bin ich an vielen Sonntagen im Nachtzug von Aachen nach Hamburg zurückgefahren. Aber damals war ich noch keine 25, und ich habe als "Soldat" :mrgreen: bei weitem nicht so viel gearbeitet wie heute als Selbstständiger. Im letzten Jahr bin ich auf 13 Werktage Urlaub (bei vielen Wochenenden, an denen ich mehr oder minder durchgeackert habe) gekommen. Angesichts der wenigen Zeit, die ich zur Erholung zur Verfügung habe, reise ich nicht mehr im Nachtzug, zumal längere Bahnfahrten - egal ob tagsüber oder nachts - mittlerweile oft mir größerem Stress verbunden sind, weil bei der deutschen Bahn kaum noch etwas plangemäß funktioniert. Nee, in diesem Leben verbringe ich meinen Urlaub nur noch dort, wo ich in höchstens 5 - 6 Stunden hingelangen kann. Lieber noch ist mir eine Anreise von 2 - 3 Stunden.....und an der Ahr, an der Mosel oder am Rhein ist die Landschaft schließlich auch nicht ganz häßlich!

UlliB hat geschrieben:Noch kurz zu Franz Proidl: ich habe den bei einer Verkostung vor rund 20 Jahren persönlich kennengelernt. Seine Weine fielen damals im Gebietskontext regelmäßig auf und erzeugten bei Traditionalisten einiges Stirnrunzeln, da er insbesondere beim Riesling häufiger mit spürbarer Restsüße gearbeitet hat. Das fällt einem Deutschen meistens nur beim direkten Vergleich mit anderen Weinen der Gegend auf, da wir ein paar Gramm Restzucker im Riesling ja gewohnt sind; in Niederösterreich war das aber nicht so, da waren die Weine mit Ausnahme von ein paar seltenen Hochprädikaten immer völlig durchgegoren, und das ist vermutlich heute nicht so viel anders (auch wenn ich in den letzten Jahren immer wieder von "süßlichen" Österreichern gehört habe). Leider bin ich mittlerweile nicht mehr so häufig vor Ort wie vor gut zehn Jahren.

Aber der Winzer wollte es jedenfalls so, und er hat alle Kritik stoisch ertragen, und wird heute zu den Spitzenbetrieben der Region gezählt.


Ich hatte auch schon persönlich das Vergnügen mit Franz Proidl, der auf einer Verkostungsveranstaltung des besten Weinhändlers meiner Stadt anwesend war (löblicherweise hatte er die weite Anreise nicht gescheut :mrgreen: ). Der Winzer wirkte auf eine angenehme Art selbstbewusst; er hatte eine sehr klare Vorstellung davon, wie er seine Weine haben wollte. Ich mag es, wenn Weinerzeuger konsequent ihren eigenen Weg verfolgen.....

Herzliche Grüße

Bernd
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