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Weinfrühling Gols

Neusiedlersee-Hügelland, Neusiedlersee, Mittelburgenland, Südburgenland
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weingeist

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Weinfrühling Gols

BeitragDi 16. Apr 2013, 07:53

Letztes Wochenende war wieder einmal Golser Weinfrühling. Freitag Nachmittag habe ich mich dabei durch 18 Betriebe gekostet. Nachdem auf meinen letzten Beitrag vom Martiniloben (mit einzelnen Weinbewertungen) nur einige, wenige Zugriffe waren, aber keinerlei sonstige Reaktion, möchte ich hier jetzt nur meine persönlichen, allgemeinen Eindrücke von dieser Veranstaltung, ohne Nennung der besuchten Betriebe, festhalten. Verkostet habe ich hauptsächlich Weißweine des Jahrgangs 2012. Lediglich bei zwei befreundeten Winzern, "musste" ich auch Rotweine (2011 und 2012, teilweise abgefüllt, teilweise als Fassproben) verkosten. Bei den Weißweinen hat es sich hauptsächlich um die Sorten Welschriesling, Weißburgunder, Chardonnay und Gelben Muskateller, trocken ausgebaut, gehandelt.

2011 ein Spitzenjahr, 2012 wieder ein Spitzenjahr - oder doch wieder nicht?

Auch wenn ich die Niederösterreichischen Gewächse 2011 (zu 2012 in NÖ kenne ich noch zu wenig) nicht so negativ empfunden habe, wie so mancher in diesem Forum (hallo Gerald :P ), was speziell die unreifen Noten betraf, muss ich für den Golser Bereich leider feststellen, dass das gleich Phänomen beim Jahrgang 2012 wieder gegeben ist. Vielleicht sogar stärker als 2011.

Gerade bei den Welschrieslingen waren diese unreifen Noten sehr stark vorhanden. In der Nase waren die Weine noch wunderschön, man konnte sich auf den ersten Schluck richtig freuen, diese Freude wurde dann aber rasch getrübt. Am Gaumen waren die meisten Exemplare enttäuschend, unreife, grasige, teils wirklich zart bittere Noten dominierten. Gleiches spielte sich auch, wenn auch nicht so drastisch, bei den anderen Sorten ab. Schade! Wenn man Winzer darauf angesprochen hat, haben diese auch unumwunden zugegeben, mit der Wahl des Lesezeitpunktes Probleme gehabt zu haben. Um noch Säure (und einen vertretbaren Alkoholwert) zu erhalten, wurden die Trauben sehr oft relativ zeitig gelesen, sodass die physiologische Reife der Trauben in vielen Fällen einfach nicht gepasst haben dürfte. Von 18 verkosteten Welschrieslingen hatten (für mich) gerade einmal 3 Exemplare nicht nur eine tolle Nase, sondern waren auch am Gaumen so, wie ich mir Welschriesling vorstelle.

Ich durfte aber auch einen Welschriesling kosten, der absolut aus der Reihe tanzte. Im großen Holfass (ohne Stahltank) und nach Aussage des sehr sympathischen jungen Winzers, so ausgebaut, "wie mein Vater noch Wein machte". Also "zurück zu den Wurzeln". Ich konnte mit dem Wein leider nichts anfangen. Keine Säure, keine Frucht, irgendwie schal und breit am Gaumen. Wenn das die Stilistik unserer Väter war, bin ich froh, mich in jungen Jahren noch nicht für Wein interessiert zu haben. Aber, er hat seine Kunden und die schätzen diese Stilistik. Einen Grüner Veltliner (bei welchem sich total untypische Stachelbeeraromen breit machten), ebenso ausgebaut und für mich ebenso ausdruckslos, gab es dann noch als "Draufgabe", weil er unbedingt meine Meinung dazu hören wollte. Es gab aber auch zwei positive Weine (die einzigen beiden im halbtrockenen Bereich, die ich an diesem Nachmittag verkostete), einen Neuburger und einen Rivaner. Anscheinend bekommt diesen der Ausbau im großen Holzfass besser bzw. dürfte die Restsüße am Gaumen, die doch fehlende Säure, etwas abpuffern bzw. den Wein harmonischer wirken lassen. Rotweine habe ich hier nicht verkostet.

Kommen wir trotzdem kurz zu den Rotweinen, die ich einleitend angesprochen habe. Hier gibt es in meinen Augen nichts zu kritisieren. Sowohl die abgefüllten Weine 2011 als auch die Fassproben 2012 (und mancher noch nicht abgefüllten 2011er) sind eine wahre Freude. Viele Rotweinen aus 2011 habe ich bereits reserviert, jetzt hat meine "Reservierungswut" auch noch das Jahr 2012 (anhand der Fassproben) miteingeschlossen. Meine Frau wird sich nur wieder gedacht haben, "wer soll denn, um Himmels willen, das alles trinken?".
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragDi 16. Apr 2013, 08:23

Hallo Herbert,

danke für die interessanten Notizen. Da bin ich beruhigt, dass ich nicht der einzige bin, der auch bei 2012 weiß etwas zu kritisieren findet. Wo doch sonst in den Medien (wie jedes Jahr) gebetsmühlenhaft von einem großartigen Jahrgang gesprochen wird , zum Beispiel beim Falstaff:

http://www.falstaff.at/weinartikel/2012 ... -5865.html

Aber was soll man schon von einem "Wein"-Magazin halten, wo jetzt schon ausführliche Berichte über Dampfbügeleisen erscheinen http://www.falstaff.at/lifestyleartikel ... -5894.html :D

Ich kann mir schon denken, dass die Situation 2011 und 2012 für Winzer schwierig war, um (relativ) leichte Weißweine zu erzeugen. Entweder früh gelesen (dann waren die Trauben noch nicht reif) oder sehr hoher Ertrag, aber das macht sich auch geschmacklich erkennbar. Einzige echte Lösung wäre meiner Meinung nach die Verwendung einer SCC zur Alkoholreduktion - aber das ist bei uns ja verpönt (oder sogar verboten) ...

Grüße,
Gerald
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Weinzelmännchen

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragDi 16. Apr 2013, 14:56

Aber was soll man schon von einem "Wein"-Magazin halten, wo jetzt schon ausführliche Berichte über Dampfbügeleisen erscheinen http://www.falstaff.at/lifestyleartikel ... -5894.html


Hallo Gerald,
der Artikel ist doch als Advertorial gekennzeichnet ;) !
MvG
(Mit vinophilen Grüssen)

Daniel
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Gerald

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragDi 16. Apr 2013, 15:03

der Artikel ist doch als Advertorial gekennzeichnet


ja, klar. Aber in einer "Weinzeitschrift" finde ich auch solche Beiträge etwas merkwürdig, da thematisch ja überhaupt kein Zusammenhang zu Wein & Genuss besteht. Da könnte auch ein PR-Bericht über neue Smartphones, Kindermode oder Edelstahlschrauben erscheinen ...

Aber vielleicht denke ich ja auch nur zu engstirnig. Beschweren darf ich mich ohnehin nicht, da ich mein Abo vor einigen Jahren gekündigt habe ;)

Grüße,
Gerald
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migy

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragDi 16. Apr 2013, 20:05

Als nahezu 100%iger Rotweintrinker bin ich schon voll freudiger Erwartung auf die ersten gehaltvollen 2011er. Meine bevorzugten Granaten (ET, Kollwentz, Pöckl und Co) habe ich sicherheitshalber reserviert. Dass dann mit dem 12er aber gleich der nächste hervorragende österreichische Rotweinjahrgang vor der Tür steht, lässt mein Budget jetzt schon quietschen :oops: Fehlt nur noch ein großer Bordeaux-Jahrgang :evil:

Schönen Abend, Michael
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Gerald

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragMi 17. Apr 2013, 06:57

Ja klar, bei Rotwein sieht die Lage natürlich ganz anders aus. Dieser verliert ja während der Maischegärung von sich aus etwas Alkohol und rote "Leichtweine" sind auch nicht wirklich gefragt, daher hat der Winzer nicht das Problem wie bei den genannten Weißweinen.

Vielleicht haben die Stimmen doch Recht, die wegen der Klimaveränderung meinen, dass Österreich zum reinen Rotweinland werden könnte?

Grüße,
Gerald
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weingeist

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragMi 17. Apr 2013, 19:43

Hallo Gerald,
komme leider erst heute zu einer Antwort, da gestern großer Sommergartenblumeneinkaufstripp mit meiner Frau angesagt war, und ich nachher nur mehr Lust auf einen wunderschönen Welschriesling 2012 vom Weingut Stiegelmar aus Gols hatte. Tolle, saubere Frucht in der Nase und am Gaumen, spürbare Säure, erfrischend zu trinken, ein wunderschöner Sommerwein, der noch viel Spass machen wird.
Gerald hat geschrieben:Einzige echte Lösung wäre meiner Meinung nach die Verwendung einer SCC zur Alkoholreduktion - aber das ist bei uns ja verpönt (oder sogar verboten) ...Grüße, Gerald

Natürlich kann (könnte) man SCC einsetzen, genauso wie man in heißen Jahren die Möglichkeit der Aufsäuerung (Zusatz von Weinsäure) zulassen sollte. Ich habe auch nichts gegen andere Maßnahmen (z. B. Stichwort Konzentrator), die früher (bzw. auch heute noch) verboten oder verpönt waren, solange sie die Qualität des Produkts, welches ich als Konsument kaufe und bezahle, erhöhen. Natürlich sollte sich all das in einem bestimmten Rahmen bewegen und mit Maß und Ziel eingesetzt werden. Und gerade das wird ein schmaler Grat sein. Wenn ich mir als Winzer eine bestimmte Maschine kaufe, möchte ich diese dann halt nicht nur alle drei, vier Jahre einsetzen, sondern wird die Versuchung groß sein, jedes Jahr damit zu arbeiten.
Gerald hat geschrieben:Vielleicht haben die Stimmen doch Recht, die wegen der Klimaveränderung meinen, dass Österreich zum reinen Rotweinland werden könnte?
Grüße, Gerald

No, jetzt siehst Du die "Lage der Nation" aber schon ganz schön "schwarz", nur wegen zwei schöner (auf das Wetter bezogen) Jahre hintereinander. Wird schon auch wieder anders werden....vielleicht schon heuer... ;) :( ;)
Liebe Grüße
weingeist
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migy

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragMi 17. Apr 2013, 20:57

Also, ich hätte zur Entspannung nichts gegen einen qualitativ moderaten 2013er :D ;) .
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Gerald

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragDo 18. Apr 2013, 06:54

Hallo Herbert,

No, jetzt siehst Du die "Lage der Nation" aber schon ganz schön "schwarz", nur wegen zwei schöner (auf das Wetter bezogen) Jahre hintereinander. Wird schon auch wieder anders werden....vielleicht schon heuer... ;) :( ;)


na ja, 2006, 2009, 2011 und 2012 ist schon eine gewisse Serie - wenn auch natürlich nach statistischen Kriterien sicher nicht aussagekräftig. Wollen wir hoffen, dass 2013 auch einmal wieder saubere Leichtweine bringt - so wie zuletzt 2010.

Frage an die Winzer: wie könnte sich das entwickeln, wenn der Austrieb durch den langen Winter verspätet stattfinden sollte und der Rest des Jahres "normal" verläuft? Kann man dann mit weniger zuckerhaltigen Trauben bei geschmacklicher Reife rechnen oder ist das nur ein frommer Wunsch? ;) Oder muss es dafür einfach ein verregnetes Jahr sein wie 2010?

Grüße,
Gerald
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Blaufränkisch

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Re: Weinfrühling Gols

BeitragDo 18. Apr 2013, 07:04

Hallo Gerald,

die Wahrscheinlichkeit für einen etwas leichteren, säurereicheren Jahrgang ist nach einem derart späten Austrieb natürlich höher. Vier oder fünf etwas überdurchschnittliche Wochen in Mai und/oder Juni können den Vegetationsrückstand aber auch wieder weitgehend ausgleichen.

Letztlich entscheiden werden dann aber der August und der September - heiß und trocken oder kühler und etwas feuchter. Ein wirklich verregnetes Jahr würde ich mir aber auch an deiner Stelle nicht wünschen: Wer möchte schon unreif-saure und botrytisgeprägte Weine (wie z.B. sehr häufig 1996)?

Langer Rede kurzer Sinn: Fix is nix.

Grüße

Bernhard
Hier gibts mehr von mir zu lesen: www.bernhard-fiedler.at

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