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Veyder-Malberg

Weltkulturerbe und internationales Aushängeschild Österreichs
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BerlinKitchen

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Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 14:14

Aus aktuellem Anlass, der eindrücklich zeigt wie gut Wachauer Riesling ohne Botrytis schmecken kann.


“Und jeder, der österreichische Rieslinge mag, trinkt mit diesem Wein den wohl beeindruckendsten Riesling der letzten Jahre………dieser Riesling, von dem es vielleicht 1000 Flaschen gibt, schlägt dem Fass den Boden aus. Gigantisch!“ Manfred Klimek zum 2009er


2008 Veyder-Malberg "Buschenberg" Riesling

Achtung Steinschlag!

Dieser Riesling kommt meinem Idealbild eines trockenen Rieslings ziemlich nah. Ein Riesling für Puristen. Knochentrocken, filigrane Mineralik, Spannung, Kühle und Strahlkraft&Brillianz. Erinnert stark an den “Schlossberg” von Breuer. Und laut Peter Vechiatto lief der Jahrgang noch unter dem Motto “Jugend forscht”. Und natürlich vollkommen ohne Botrytis.

94/100

Alk. 13,7% vol, trocken bei 3,5g/l RZ, 8,5g/l Säure, pH 3,2

Bild


http://www.veyder.malberg.at

http://www.veyder.malberg.at/de/lagen/buschenberg.html

Händler:

http://www.weinladen.com

http://www.weinhalle.de



“Peter Malberg ist nicht nur ein besonderer Mensch, er ist auch ein besonderer Winzer. Viele Jahre war er verantwortlicher Kellermeister und Leiter des Schloßweingutes Graf Hardegg im Weinviertel. Als sich dort 2008 die Wege trennten, kaufte sich Peter Malberg, klug visionär vorausdenkend, in Spitz in der Wachau ein paar Hektar eigener Rebflächen auf schwer zu bewirtschaftenden Terrassenanlagen. Binnen weniger Wochen fand er Räume für die Weinbereitung und so startete das eigene kleine Weingut in die Existenz.

Der erste Jahrgang, 2008, geriet zur Herausforderung. Doch was Peter Malberg seinen Reben in mühsamer Handarbeit weitgehend auf sich alleine gestellt an Weinqualität entlockte, bewies aus dem Stand, was für ein Ausnahmewinzer er ist. Seine Weine stehen seitdem für eine neue Generation trockener, delikater Weine in der Wachau, sie sind zu einem neuen Maßstab geworden, und das nicht von ungefähr.

So bearbeitet Peter Malberg seine Reben bewußt ohne Maschineneinsatz in mühsamer Handarbeit und entsprechend biologischer Grundsätze. Im Keller vergärt er kompromißlos spontan und langsam ohne Zusätze mittels wilder Umgebungshefen. Konsequent setzt er auf alte, schmale Terrassenweingärten, die mit ihren uralten Trockenmauern die Weinlandschaft der Wachau berühmt machten und heute außer von Hobby- und Nebenerwerbswinzern kaum noch gepflegt werden. Ihnen verdankt er den einzigartigen Charakter seiner Weinen.

Die manuelle Bewirtschaftung dieser Terrassen ist extrem aufwendig. Sie benötigen den 5 bis 10fachen Arbeits- und Zeitaufwand verglichen mit befahrbaren Weingärten, weshalb die Terrassen von so vielen Winzern aufgegeben werden. Das würde die Landschaft der Wachau dramatisch verändern, weshalb Peter Malberg visionär vorausdenkend ausschließlich exponierte Terrassen mit altem Rebbestand bewirtschaftet. Viele seiner Reben sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Sein Engagement bewahrte sie vor der Rodung.

Peter Malberg erntet seine Trauben weit vor seinen berühmten Winzerkollegen in der Wachau. Ihm geht es ausschließlich um kerngesunde, perfekt reife (und nicht überreife) Trauben, die er ohne den in der Wachau üblichen, stilbildenden weil konzentrierenden Botrytispilzbefall erntet und verarbeitet. Dazu stellte er von Beginn an auf biologische Bewirtschaftung um. Seine Rebzeilen sehen entsprechend »anders« aus als die der meisten Kollegen, die dem tristen Bild »moderner« Herbizid-Landwirtschaft entsprechen, mit den typischen braunen Streifen totgespritzter Weinbergsrealität, die wir für untragbar halten.

Peter Malberg belebt eindrucksvoll vergessen geglaubte Qualitäten der Wachau zu neuem Leben. Er praktiziert Tradition im besten Sinne. Seine Weine sind einzigartig, charaktervoll und spektakulär »anders« als das, was man aus der Wachau gewohnt ist. Sie wirken ungewohnt entspannt, ruhen in sich selbst, gehorchen keinem jener Stilmittel, für die Österreichs hochbeschleunigte Weinrealität steht. Auf den Neuling wirken sie anstrengend, weil sie nur verhalten würzig duften statt intensiv »fruchtig«. Dafür schmecken sie um so intensiver. Peter Malbergs Weine präsentieren sich ungewohnt »nackt«. Den Einfluß der Weinbereitung sucht man in ihnen vergebens, sie sind ganz sich selbst überlassen und stehen so unmißverständlich für ihre Herkunft. Sie vermeiden jedes künstlich aufgesetzte Stilmerkmal wie die beliebten Gletscherbonbonaromen der Kaltvergärung durch Reinzuchthefen und Enzyme. Sie wagen pures, natürliches Aroma und gehorchen keinem bekannten Geschmacksbild, sondern widmen sich ganz dem Mundgefühl. Als eingefahrener Weintrinker wird man Peter Malbergs Weine auf den ersten Schluck kaum verstehen. Sie verstören eher, konterkarieren sie doch provokant die übliche Stilistik der Wachau. Dabei sind es urwüchsig typische Wachauer Weine, die aber nicht simpler stilistischer Markt-Konvention entsprechen, sondern sensibel und leise ihre natürliche Herkunft ins Glas stellen, rigoros ungeschminkt und entwaffnend ehrlich. Eine Herausforderung für den eingefahrenen, auf schnelle und laute Stilmittel fixierten Weintrinker (und Verkoster).”
Martin Koessler

P.S. Artikel auf Captain Cork

http://www.captaincork.com/Weinleute/di ... zelgaenger
http://www.captaincork.com/Weine/Weissw ... esterreich


Grüße aus Berlin,
Martin Zwick
"Ein Leben ohne Riesling ist zwar möglich, aber sinnlos!"
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UlliB

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Re: Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 17:19

Martin,

auch wenn meine "österreichische Phase" seit einigen Jahren vorbei ist, einige Anmerkungen hierzu:

BerlinKitchen hat geschrieben:Aus aktuellem Anlass, der eindrücklich zeigt wie gut Wachauer Riesling ohne Botrytis schmecken kann.

Die Bemerkung impliziert zusammen mit dem zitierten Text von Koessler, dass Wachauer Rieslinge grundsätzlich aus botrytisiertem Lesegut hergestellt werden. Das ist schlicht und ergreifend falsch.

Die leichteren Weine (bei den Vinea-Mitgliedern die Kategorien "Steinfeder" und "Federspiel") werden durchweg aus nicht- oder nur sehr schwach botrytisierten Traunen hergestellt. Bei den Schwergewichten ("Smaragden" bei der Vinea) ist Botrytis zunächst einmal eine Frage des Jahrgangs: es gibt tatsächlich hoch botrytisierte Jahrgänge wie 1998, aber daneben auch Jahrgänge, in denen das Lesegut trotz sehr später Ernte fast völlig botrytisfrei war (z.B. 1997). Eine generelle Gleichung Wachau = Botrytis geht vorne und hinten nicht auf.

Darüber hinaus lässt der Koessler-Text beim unbedarften Leser die Vermutung aufkommen, dass es so etwas wie einen einheitlichen Wachau-Stil gibt. Wer sich mit diesem Gebiet auch nur etwas näher befasst hat, weiß: auch das ist falsch. Man muss nur einmal die Hausstile von Hirtzberger, Prager und Knoll vergleichen, um das sofort zu sehen. Und wenn man dann noch ander Winzer wie z.B. Rudi Pichler und Högl dazunimmt, wird das Bild noch vielfältiger. Die Wachau ist genauso divers wie jedes andere Weinbaugebiet.

Inwieweit die Behauptung von Koessler, dass "Peter Malberg [...] seine Trauben weit vor seinen berühmten Winzerkollegen in der Wachau [erntet]", im Jahr 2008 die Herstellung eines Weins mit immerhin 13,7% Volumenprozent bei zusätzlich 3,5g/l RZ erlaubt, lasse ich mal dahingestellt.

Nichts gegen die Weine von Veyder-Malberg; was ich von hier bisher im Glas hatte, war tatsächlich sehr gut. Dass die Weine ausgesprochen hochpreisig sind, mag insofern hingehen. Aber einen qualitativen oder auch stilistischen Alleinstellungsanspruch in der Wachau, wie er im Koessler-Text konstruiert wird, kann ich nicht erkennen.

Gruß
Ulli
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weingeist

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Re: Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 17:29

Danke Ulli!

Du bist mi jetzt damit zuvor gekommen, wie man auf dieses Posting in vernünftiger Weise antwortet. Ich war noch beim Überlegen, Du hast mir die "Arbeit" abgenommen. Besser - glaube ich - kann man eine Replik gar nicht formulieren.
Liebe Grüße
weingeist
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BerlinKitchen

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Re: Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 18:25

Ulli,

ich hab das gepostet, weil ein Freund vor ein paar Tagen an einer großen 2004 Riesling-Probe mit namhaften Vertretern aus D-A-F teilgenommen hat und er von den österr. Rieslingen sehr enttäuscht war. Hier sein statement:

"Du glaubst nicht, wie schlecht die Ösis mit ihrer Botrytis im Weisswein 2004 da standen – das war alles ältlich und bitter, schwer enttäuschend"

Da hat mich dann wieder an die große Frackenpohl-Probe vor einigen Jahren erinnert, unter anderem 2001 Riesling D vs. A, und auch bei dieser Probe haben die Össis in ähnlicher Weise enttäuscht.

Alles Gute,
Martin
Zuletzt geändert von BerlinKitchen am Mo 24. Mär 2014, 18:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Gerald

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Re: Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 18:30

Hallo Martin,

im Vorjahr gab es bei den Präsentationen der Domäne Wachau zweimal einen 1998 Smaragd zu probieren - eben aus dem "legendären" Botrytisjahr. Jung haben mir die Weine seinerzeit nicht besonders zugesagt, im Vorjahr haben sie sich aber ganz großartig gereift gezeigt.

Also die Botrytis dafür verantwortlich zu machen, wenn ein Wein nicht schmeckt, scheint mir ein bisschen zu einfach gestrickt. Klar kann man die Stilistik ablehnen, aber für "ältlich und bitter" ist sie wohl kaum verantwortlich.

Grüße,
Gerald
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BerlinKitchen

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Re: Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 18:49

Gerald,

David Schildknecht saß bei der Probe neben mir und meinte: "Botrytis hat im trockenen Riesling nichts verloren"


Grüße,
Martin
Zuletzt geändert von BerlinKitchen am Mo 24. Mär 2014, 19:11, insgesamt 1-mal geändert.
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UlliB

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Re: Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 19:08

BerlinKitchen hat geschrieben:David Schildknecht saß bei der Probe neben mir und meinte: "Botrytis hat im Riesling nichts verloren"

Wenn Schildknecht das so gesagt haben sollte, sollte er sofort aufhören, irgend etwas über Wein zu schreiben - denn ohne Botrytis gäbe es die ultrateuren, ultraguten und (auch von ihm) ultrahoch bewerteten Hochprädikate aus Riesling nicht.

Vielleicht meint er ja, "Botrytis hat im trockenen Riesling nichts verloren". Das kann man so sehen, es ist aber auch nur eine Einzelmeinung unter vielen. Ich kenne genügend Leute, die das völlig anders sehen. Und Schildknecht hat nicht automatisch Recht, nur weil er einen Haufen Sachen verkostet und darüber an der einen oder anderen prominenten Stelle schreibt (wobei das, was er über deutschen Riesling schreibt, manchmal hanebüchener Unsinn ist).

Gruß
Ulli
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BerlinKitchen

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Re: Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 19:11

JA, trockener Riesling.
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Traminer

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Re: Veyder-Malberg

BeitragMo 24. Mär 2014, 22:17

Alk. 13,7% vol, trocken bei 3,5g/l RZ, 8,5g/l Säure,


Nur am Rande, zur Aufklärung.

Ich wohne ganz in der Nähe von Spitz und kenne die örtlichen Gegebenheiten beim Wein & Jahrgänge ziemlich gut. Natürlich stimmt es, dass Veyder-Malberg „sehr trockene“ Rieslinge produziert, ich persönlich finde seine Ansichten & Weine interessant und gut, vieles stimmt was geschrieben wird, aber nicht alles.

2008 tat man sich sehr schwer Rieslinge zu ernten im Smaragdbereich. Die 13,7% Alkohol konnte man nur mit Botrytis erreichen, oder durch Anreichern. :o

Ein Lösungansatz, dass man die Botrytis im Wein nicht schmeckt, könnte folgender sein, wenden manche Winzer in der Wachau an. :twisted:

Selekionierte Lese: das gesunde Material kommt in eine Lesekiste, das botrytishafte Material wird separat in eine Lesekiste hineingeleert. Auch gepresst wird separat. Die botryishaften Trauben werden „ganztrauben gepresst“ – keine Maischestandzeit. Danach wird der Most entschleimt – dabei werden Aktivkohle und Enyzme hinzugefügt. Diese bewirken, dass der Most seinem intensiven Botrytisgeschmack verliert – natürlich nimmt man positive Aromen weg. :roll:

Über bleibt ein Most, der wie ein Zuckerkonzentrat ist. Dann wird der Most gefiltert, damit kommen die Trübstoffe und die Kohle raus vom Most. Nun wird der behandelte – botrytishafte Most mit dem gesunden – botrytisfreiem Most zusammengefügt in einem Tank und dann gemeinsam vergoren.

Beim fertigen Wein sind dann die Botrytisaromen fast nicht merkbar. Der Wein erinnert im Geschmacksbild, oft an saftige Steinobstaromen, mit einem Honigtouch bzw. tropische Früchte, durch den kargen Boden wo oft der Riesling gedeiht, kommt die „erdige oder karge Mineralik“. Außerdem besitzt er wegen der Botrytis eine gute Säurestruktur, weil botrytishafte Trauben mehr Säure haben.

Natürlich möchte ich keinem Weinkenner bzw. –liebhaber seine Glaubenswelt zerstören, und nicht Veyder-Malberg anschwärzen. Es gibt viele Tricks, die sich ein Winzer bedienen kann, ich weiß bei weitem auch nicht alle. :)

lg stefan
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octopussy

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Re: Veyder-Malberg

BeitragDi 25. Mär 2014, 18:45

BerlinKitchen hat geschrieben:Da hat mich dann wieder an die große Frackenpohl-Probe vor einigen Jahren erinnert, unter anderem 2001 Riesling D vs. A, und auch bei dieser Probe haben die Össis in ähnlicher Weise enttäuscht.

Wobei ein Hirtzberger 2001 Singerriedel Ende letzten Jahres mindestens zu meinen Top-3 trockenen Rieslingen des Jahres 2013 zählte. Ich weiß nicht mal, ob und wie viel Botrytis-Trauben da drin waren. Es ist mir auch herzlich egal. Der Wein war ein Traum, frisch, animierend, komplex, lang.

Etwas schade finde ich, dass - wenn es um Veyder-Malberg geht - immer diese "entweder/oder" Diskussion vom Zaun gebrochen wird. Da werden dann immer alle Wachauer Rieslinge außer denen von Veyder-Malberg (oder Pichler-Krutzler und einigen anderen) als fette, süße, behäbige Schnecken diskreditiert. Wie Ulli schon sagt, gibt es aber zwischen Schwarz und Weiß noch zahlreiche Graufstufen, sozusagen "50 Shades of Grey".
Beste Grüße, Stephan
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