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Domäne Wachau

Weltkulturerbe und internationales Aushängeschild Österreichs
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82er Steirer

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Re: Domäne Wachau

BeitragDo 6. Okt 2016, 19:03

Die Rückkehr zur Baumrinde scheint heuer bei einigen Winzern ein Thema zu sein (Gross, Loimer ...). Meine Begeisterung hält sich auch stark in Grenzen.

lg Hans Peter
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weingeist

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Re: Domäne Wachau

BeitragDo 6. Okt 2016, 19:28

Wobei sich die Frage stellt - w a r u m ?

Aber das werden uns nur die Winzer selbst erklären können. Wobei sicher das Argument kommt: "nachdem sich die Korkeichen jetzt Jahre etwas erholen konnten, weil die Billigschienen doch mit Schrauber verschlossen werden, ist die Qualität der Korken wieder so super". Allein, mir fehlt (wie vielen von uns) der Glaube.
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Domäne Wachau

BeitragFr 7. Okt 2016, 06:24

Für mich ist die Konsequenz klar: ich kaufe solche Weine einfach nicht mehr. Es gibt noch genug andere interessante Weingüter, die ich bisher zu wenig beachtet habe (werden ja hoffentlich nicht alle jetzt wieder auf den mittelalterlichen Kork zurück umstellen).

Dazu kommt auch, dass - bei der Domäne im Speziellen, gilt aber sicher auch für andere Weingüter - der Preisabstand zwischen Topweinen (hier: Lagensmaragde) und der "oberen Mittelklasse" (hier: Lagen-Federspiele) völlig aus dem Ruder läuft. Für meinen Geschmack sind die Lagen-Federspiele oft besser gelungen als die mehr als doppelt so teuren Lagensmaragde. Gut, mag sein, dass letztere länger reifen können, aber 10 Jahre sind auch bei den Federspielen durchaus drin und ein längerer Zeithorizont ist für mich kein Thema.

Das scheint mit eine allgemeine Tendenz zu sein (auch bei den deutschen GGs?), die Topweine des Weinguts möglichst hoch zu bepreisen, ganz egal ob das noch mit der Qualität in Einklang zu bringen ist und auch egal, ob die Weine überhaupt gekauft werden. Vermutlich gilt es als "offenkundiges Qualitätsmerkmal" für den Betrieb, wenn die Topweine möglichst teuer angeboten werden? Vielleicht betrifft das auch die hier diskutierte Rückkehr zur Baumrinde, da der Schrauber leider in den Köpfen vieler Konsumenten (besonders im Ausland) nach wie vor ein Hinweis auf einfachere Weinqualitäten ist. :(

Grüße,
Gerald
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82er Steirer

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Re: Domäne Wachau

BeitragFr 7. Okt 2016, 11:54

Das Argument das meistens angeführt wird ist, dass die Weine unter dem Schraubverschluss ZU langsam reifen und man ja eigentlich bei den Spitzenweinen ja irgendwann einen gereiften Wein trinken will (so hab ich das verstanden).
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olifant

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Re: Domäne Wachau

BeitragFr 7. Okt 2016, 12:32

82er Steirer hat geschrieben:Das Argument das meistens angeführt wird ist, dass die Weine unter dem Schraubverschluss ZU langsam reifen und man ja eigentlich bei den Spitzenweinen ja irgendwann einen gereiften Wein trinken will (so hab ich das verstanden).


Vor dem Hintergrund, dass die Permeabilität der Schrauber über entsprechend dichte/durchlässige Verschlusseinlagen gesteuert werden kann, ist das ja eigentlich Unsinn.
Auch wenn's nicht unbedingt so ist, suggeriert der Korkzapfen bei vielen Verbrauchern, Forumianer teilw. eingeschlossen, noch höhere Wertigkeit gegenüber dem Schrauber. Ja mei, s'iss halt a so ... wie wir im Südhochdeutschen Sprachraum es ausdrücken könnten.
Grüsse

Ralf
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Gerald

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Re: Domäne Wachau

BeitragFr 7. Okt 2016, 12:34

dass die Weine unter dem Schraubverschluss ZU langsam reifen


So habe ich das noch nicht gelesen (die Korkfans schreiben, dass der Wein "besser" reift, nicht aber nur "schneller"), mir aber schon auch gedacht. Wobei die Argumentation ja mindestens einen massiven Haken hat: sehr gute Naturkorke dichten ja ähnlich gut wie der Schrauber ab, nur sind die Varianzen sehr groß und die Reifung unter NK ein Glücksspiel (von TCA & Co ganz abgesehen).

Und auch die Abfüllung in Magnums und größeren Formaten - wie bei der Domäne übrigens gerade beworben - wäre unter diesem Gesichtspunkt purer Schwachsinn, denn der Sinn der Großformate ist ja vor allem die verzögerte Reifung dadurch, dass sich der eindringende Sauerstoff auf mehr Weinvolumen verteilt.

Ich jedenfalls kann an der Argumentation pro Naturkork gar nichts nachvollziehen, die Begründungen sind meiner Ansicht nach nur vorgeschoben. Für mich ist der Grund einfach, dass die Mehrzahl der Kunden eben die Baumrinde bevorzugt und man sich aus wirtschaftlicher Notwendigkeit - der Kunde ist schließlich König - diesem Wunsch wider besserem Wissen beugt. :(

Grüße,
Gerald
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weingeist

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Re: Domäne Wachau

BeitragFr 7. Okt 2016, 18:10

Hi Gerald!

Ähm...erstens, wir spekulieren, zweitens wir spekulieren, drittens, wir.... :oops:

Kein einziger von den im Forum (noch ?) aktiven oder mitlesenden Winzern hat sich bislang zu der von Dir aufgeworfenen Frage, wird wieder vermehrt verkorkt als verschraubt, geäußert. Schade. Wobei, wenn jemand für die Verschraubung in seinem Betrieb ettliche Investitionen getätigt hat, wird er nicht so rasch wieder in die andere Richtung marschieren wollen.

Mich würden auch (ehrliche) Äußerungen und Erfahrungen aus der Gastronomie interessieren. Ist es wirklich so, dass Konsumenten unbedingt einen korkverschlossenen Wein bevorzugen. Könnte nicht - vor allem in gehoberen Restaurants - viel mitspielen, dass dem dort tätigen Weinkellner, sorry, ich meinte natürlich Sommelier seine eigene "Spielwiese" abhanden kommt und er an "Aufklärung" so gar nicht richtig interessiert ist?

Alle die mich kennen wissen, ich stehe beiden Verschlussarten relativ neutral gegenüber, somit kann ich die Diskussion auch relativ neutral mitlesen oder mitschreiben ;) . Klar, ein korkender Wein tut weh, mir genauso, wie allen anderen Weinfreunden, daher finde ich den Schrauber - auch oder gerade deshalb, für hohe Qualitäten - absolut in Ordnung (dürfte dabei aber, siehe oberer Absatz, eben zur Minderheit der aufgeklärten Konsumenten gehören).
Liebe Grüße
weingeist
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slowcook

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Re: Domäne Wachau

BeitragFr 7. Okt 2016, 19:36

Hallo zusammen

Ja, die aktiven Winzer haben wohl mit der Lese oder der Nachlese oder der Auslese zu tun...

Eure Diskussion zum Schrauber/Naturkork ist wie schon früher interessant, die Österreicher sind wohl auch unter den Wenigen, die fundierte Erfahrung mit beidem haben.

Immerhin, lieber Gerald, was die Rotweine betrifft, möchte ich schon noch das Statement eines von uns beiden geschätzten Winzers aus Horitschon anführen: "Waas?? An Schrauber wüllst? Der Wein darunter is ja mausetot!" :roll:

Das bedeutet dann für mich praktisch: Ich öffne die Schrauberweine genau so früh wie die verkorkten und lasse sie mindestens 30 Minuten kommen. In der Gastronomie, für die der Schrauber ja doch wohl auch Sinn macht, ist das aber kaum praktikabel.

Gruss
Werner
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toska

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Re: Domäne Wachau

BeitragSa 8. Okt 2016, 21:41

Ich denke es ist schlicht und ergreifend kommerziellen Motiven geschuldet, dass für die Smaragde wieder ausnahmslos Kork verwendet wird. Die neue preisliche Positionierung zeigt ganz klar, wo die Reise hingehen soll. Man möchte sich selbstbewusst direkt hinter den renommierten Platzhirschen ala Prager, Hiertzberger, Knoll und FX, etc. etablieren. Der Kork strahlt offensichtlich mehr Noblesse aus, was sich der Durchschnitts-Kunde wohl wünscht. Das gute PLV der Smaragde aus früheren Zeiten ist damit dahin. Mich hat die Domäne im Hochpreissegment ebenfalls als Kunde verloren, wobei mich der Kork da am wenigsten stört.
Zu Geralds suboptimalem Achleiten-Erlebnis ist anzumerken, dass der GV Smaragd 15 im letzten Vinaria-Heft mit 14,9 Punkten bewertet wurde. U.a. "zurückhaltend, etwas bedeckt, rauchig, betont trocken, kantig, herb, mittelgewichtig, recht geradlinig, ruppig, nur mittleres Finisch" ist da zu lesen. Wird der Domäne insg. sicher nicht gerecht, der Axpoint bekommt immerhin 15,9 P, ich muss aber sagen, dass ich den Achleiten schon öfters eher suboptimal erlebt habe.

Was die TCA Problematik betrifft:
In der neuen Vinaria- Ausgabe wirbt das WG Keringer damit, den Flaggschiffwein mit einem neuen garantiert TCA-freien Natur(!)- Kork zu verschließen. Die Firma, die das anbietet heißt Amorim (nicht Amorin! wie im Heft)

In the wake of a 5-year, €10 million R&D investment, Amorim is now offering a premium quality control technology — NDtech — that delivers the world’s first natural cork with a non-detectable TCA guarantee*.

NDtech individually tests each wine cork for TCA, using unprecedented fast chromatography technology developed through a partnership between Amorim and a specialist firm based in Cambridge, UK. The new fast chromatography machine can analyse each cork in seconds, thus shattering the previous testing times in existing chromatography machines that typically require up to 14 minutes for each batch of corks. The high-precision screening technology can detect any cork with more than 0.5 nanograms of TCA per litre* (parts per trillion), which will be automatically removed from the supply chain. As a result, all corks processed via NDtech are non-detectable TCA guaranteed*.


http://www.amorimcork.com/en/products/ndtech/

Gruß, Reinhard
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Gerald

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Re: Domäne Wachau

BeitragSo 16. Okt 2016, 06:59

Nach der aus meiner Sicht nicht so erquicklichen Geschichte mit den Naturkork-Smaragden wieder etwas wirklich Erfreuliches:

Bild

Wunderbare Beerenauslese, viel besser kann ich mir diesen Weinstil gar nicht vorstellen. Vielschichtige Aromatik, dazu perfekt harmonisch am Gaumen - und das zu einem sehr dezenten Preis. Und natürlich mit Schraubverschluss. ;)

Grüße,
Gerald
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