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Wachauer Rotweine

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Gerald

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Wachauer Rotweine

BeitragSo 24. Feb 2013, 00:51

Nicht ganz zu Unrecht wird nur selten über die Rotweine der Wachau geschrieben, die mehr den Status von "Exoten" denn von ernst zu nehmenden Rotweinen genießen. Die typische Aromatik der Urgesteinsböden passt nun mal nicht so gut in Rotweine, so zumindest mein Eindruck.

So auch der Wein gerade im Glas, der bestimmt zu den besten Vertretern seiner Kategorie gehört:

Bild

Ganz bestimmt kein schlechter Wein, "Fehler" lassen sich beim besten Willen nicht finden. Aber irgendwie passt das Gesamtbild nicht zusammen ...

Grüße,
Gerald
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UlliB

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Re: Wachauer Rotweine

BeitragSo 24. Feb 2013, 12:21

Gerald hat geschrieben: Die typische Aromatik der Urgesteinsböden passt nun mal nicht so gut in Rotweine, so zumindest mein Eindruck.


Ich denke nicht, dass das irgendwas mit den Böden zu tun hat - Gamay oder Syrah gedeihen exzellent auf Böden, die denen der Wachau pedologisch nicht unähnlich sind. Das Problem sind lediglich die Winzer, die als "in der Wolle gefärbte" Weißweinwinzer die Zubereitung guter Rotweine einfach nicht verstehen. Das ist fast überall der Fall: wer weiß wirklich kann, kann in der Regel rot nicht sonderlich gut - und umgekehrt. Auch im Burgund, wo es weiß und rot im gleichen qualitativen Rang gibt, gibt es nur ganz wenige Winzer, die in beiden Farben reüssieren.

Ausnahmen sind Betriebe, die hinreichend groß sind, um sich Fachleute für beide Richtungen leisten zu können. Und ja, ein paar weiße Elefanten gibt es natürlich auch 8-)

Gruß
Ulli
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weingeist

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Re: Wachauer Rotweine

BeitragSo 24. Feb 2013, 21:25

UlliB hat geschrieben:wer weiß wirklich kann, kann in der Regel rot nicht sonderlich gut - und umgekehrt.
Gruß Ulli

Ist eine "harte" Aussage, bewarheitet sich aber in vielen Fällen.

Nur, habt Ihr Euch eigentlich überlegt (jetzt auf Ö bezogen), wer z. B. in der Wachau, im Kamptal oder im Kremstal (das Weinviertel klammere ich jetzt bewusst aus, da es dort doch einige "Rotweininseln" gibt) Rotweine macht ?

Wenn wir uns ehrlich sind, doch in der Hauptsache jene Betriebe, die auch einen Heurigen (eine Buschenschank) betreiben und dort ist halt auch die "Nachfrage" gegeben. Ist zumindest mein Eindruck.
Liebe Grüße
weingeist
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UlliB

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Re: Wachauer Rotweine

BeitragSo 24. Feb 2013, 22:20

weingeist hat geschrieben:Wenn wir uns ehrlich sind, doch in der Hauptsache jene Betriebe, die auch einen Heurigen (eine Buschenschank) betreiben und dort ist halt auch die "Nachfrage" gegeben. Ist zumindest mein Eindruck.


Na, nicht nur. Der oben aufgeführte Karl Stierschneider betreibt meines Wissens nach keinen Heurigen. Jamek, der ebenfalls Rotwein macht, auch nicht (allerdings ein Restaurant). Die Domäne Wachau erzeugt auch Rotwein. Sogar Emmerich Knoll hat blauen Burgunder angepflanzt, daraus wird aber wohl meistens Rosé. Und wenn ich noch länger überlege, fallen mir in der Wachau vermutlich noch ein paar durchaus renommierte Nicht-Heurigen-Weißweinproduzenten mehr ein, die nebenbei auch Rotwein erzeugen.

Im Kamptal kommen mir spontan Schloss Gobelsburg, Loimer und Jurtschitsch in den Sinn (alle ohne Heurigen). Ach ja, und natürlch Bründlmayer - ok, der betreibt einen (Edel-)Heurigen, genauso wie Aichinger, der auch Rote produziert.

Mittlerweile machen doch schon ziemlich viele renommierte Weißwein-Erzeuger in den von Dir genannten Gebieten Rotwein. Die Kunden wollen es halt so.

Gruß
Ulli
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weingeist

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Re: Wachauer Rotweine

BeitragSo 24. Feb 2013, 22:33

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen - auch bei Deinen Aufzählungen kommen etliche Namen vor, die einen (Edel)heurigen oder ein Restaurant betreiben ;)

Ich wollte hier nicht nur den "bösen" Kunden (wer kauft einen Rotwein aus der Wachau ???) die alleinige Schuld anhängen, dass Winzer in diesen Gegenden (die hervorragende Weißweine produzieren) unbedingt auch einen Roten im Programm haben müssen.

Im Grunde trifft Dein Schlusssatz allerdings mitten ins Schwarze.
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Wachauer Rotweine

BeitragMo 25. Feb 2013, 09:02

Ja klar, viele Weißweinproduzenten machen eben auch einen (normalerweise einfachen) Rotwein, um alle Kunden zufriedenzustellen - besonders wenn sich Weinfans (die sich wohl nur für die Weißen interessieren werden) in weniger weinaffiner Begleitung befinden, die dann eben "bitte was Rotes" bestellen ;)

Die Domäne Wachau hat - sinnvollerweise - ihr Sortiment an Rotweinen auf einen einzigen (Zweigelt) gekürzt, während über 50 verschiedene Weißweine angeboten werden.

Nur der erwähnte Decimo passt meiner Ansicht nach nicht ganz in diese Kategorie - zu aufwändig produziert und zu teuer (knapp 20 Euro). In verschiedenen Weinmedien hat er auch gute Bewertungen bekommen. Er ist ja auch wirklich gut gemacht, nur ist das Ergebnis aus meiner Sicht irgendwie nicht stimmig. Ich hätte es mit Boden und Klima in Verbindung gebracht, kann aber natürlich auch am Winzer liegen, der vielleicht seine Routine und Denkweise von tollen Weißweinen einfach auf die Produktion von Rotweinen übertragen hat.

Grüße,
Gerald
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weingeist

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Re: Wachauer Rotweine

BeitragMo 25. Feb 2013, 09:39

Hallo Gerald,
ich denke da spielt schon alles zusammen. Boden, Klima, Rebsorten und die handelnde Person. Warum soll sich ein gut ausgebildeter (vielleicht jüngerer) Winzer nicht auch an einen Rotwein trauen, wenn ihn die Sache interessiert. Der Decimo wird (ich kenne den Wein nicht) eben auch so ein Projekt sein, vielleicht auch um einmal ausloten zu könnnen, was möglich ist (nicht nur beim Ergebnis Wein, sondern auch beim Preis). Der oben angesprochene Josef Aichinger produzierte bereits vor Jahren eine Rotweincuvèe, die sich absolut nicht verstecken musste.

Nur, normalerweise produziert man den Roten (wie Du auch richtig anmerkst) eben für Kunden im Heurigen, im Restaurant, aber auch für Kunden (wie mir einmal ein Winzer recht offenherzig gesagt hat) die jedes Jahr zum selben Winzer fahren, sich dort mit Weißwein eindecken, aber eben auch etwas Roten kaufen wollen und dazu keinen anderen Betrieb besuchen möchten. Alles aus einer Hand, sozusagen - ohne Rücksicht auf Verluste (ich meinte "Qualität").
Liebe Grüße
weingeist
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Bernd Schulz

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Re: Wachauer Rotweine

BeitragSo 24. Feb 2019, 13:43

Nachdem ich gestern auch mal einen Wachauer Rotwein im Glas hatte, habe ich die Diskussion in diesem Thread gerade noch einmal mit Interesse gelesen.

Der 2009er Zweigelt von Holzapfel präsentierte sich nicht ganz unproblematisch:

Bild

Mich erinnerte der "Zehenthof" spontan etwas an einige Naturweine (z.b. die von Frank Cornelissen)). Wegen seiner ungestylt wirkenden Art mochte ich ihn ganz gerne; jedenfalls hätte ich mich lieber einen Abend alleine damit vergnügt als mit als den beiden zuvor servierten, ziemlich mainstreamigen 2009er Roten aus Chile und Portugal. Aber diejenigen in der Runde, die mit den flüchtigen Noten ein größeres Problem hatten, konnte ich schon auch verstehen.

Die Weine von Holzapfel befinden sich schon sehr lange im Programm des besten Weinhändlers meiner Stadt. Hat einer von unseren Österreichern eine Meinung zu diesem Erzeuger?

Herzliche Grüße

Bernd
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weingeist

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Re: Wachauer Rotweine

BeitragSo 24. Feb 2019, 18:29

Hallo Bernd,

würde Dir gerne etwas zum Weingut Holzapfel (Prandtauerhof) berichten, ist aber eines der wenigen Weingüter, von welchem ich noch nie (jedenfalls nicht bewusst) einen Wein im Glas hatte. Der Prandtauerhof hat als Lokal allerdings einen sehr guten Ruf.

Deine Weinbeschreibung (Uhu, leichter Essigstich) animiert mich aber auch nicht gerade dazu, unbedingt etwas von dort (schon gar keinen Roten ;) ) verkosten zu müssen.
Liebe Grüße
weingeist

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