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Wachau DAC

Weltkulturerbe und internationales Aushängeschild Österreichs
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Gerald

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Wachau DAC

BeitragSa 13. Okt 2018, 15:04

Auf der Jahrgangspräsentation der Domäne Wachau wurde es kurz angesprochen, ohne in allzu viele Details zu gehen, zumal noch nicht alle Details festgelegt sein dürften: die Wachau bekommt auch "ihre" DAC. Und damit das Ganze nicht die jahrzehntelang bewährte und vom Markt sehr gut angenommene Klassifikation der Vinea Wachau beschädigt, gibt es eine ganze Menge "Extrawürste", wodurch Wachau DAC wieder einmal ganz etwas Anderes als die bisherigen DAC-Regelungen wird. :o

https://www.falstaff.at/nd/die-wachau-i ... ac-status/

Auf die Gefahr, mich zu wiederholen: mit den vielen Sonderregelungen hat sich für mein Empfinden die an sich sehr gute Grundidee hinter der DAC in ein Gruselkabinett verwandelt. Wie sagt man so schön "Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht" ...

Grüße,
Gerald
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EThC

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Re: Wachau DAC

BeitragSa 13. Okt 2018, 20:49

...ich habe mir mal den verlinkten Artikel durchgelesen und kann letztlich nur mit dem Kopf schütteln. Kleine, die regionalen Besonderheiten berücksichtigende Abweichungen innerhalb der DAC-Regelungen ließe ich mir ja noch eingehen, aber wenn das DAC-Rad in der Wachau komplett neu erfunden wird, frage ich mich schon, was der Schmarrn soll. Die Weine von Emmerich Knoll in allen Ehren, aber für diese DAC-Ausrichtung fehlt mir jegliches Verständnis, denn den ursprünglich angedachten österreichischen DAC-Gesamtkontext kann man sich dann ja getrost in die Haare schmieren... :roll:

(sorry für die Ausdrucksweise, aber freundlicher konnte ich es wahrlich nimmer formulieren...)
Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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Bernd Schulz

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Re: Wachau DAC

BeitragSa 13. Okt 2018, 21:29

EThC hat geschrieben:Die Weine von Emmerich Knoll in allen Ehren, aber für diese DAC-Ausrichtung fehlt mir jegliches Verständnis, denn den ursprünglich angedachten österreichischen DAC-Gesamtkontext kann man sich dann ja getrost in die Haare schmieren...


Wenn man mich fragt, ist die ganze DAC-Geschichte so oder so für die Katz. Ich trinke zwar gerne, aber aus verschiedenen Gründen nur gelegentlich österreichische Weine und muss, sobald hier z.b. die Diskussionen ums Burgenland und seine Unterappellationen wieder losgehen, immer aufs Neue nachschauen/lernen, was eigentlich Sache ist - wozu ich mittlerweile keine Lust mehr habe. Für mich bleibt der DAC-Kram eine ebenso gewollte (man bemüht sich krampfhaft um die Einführung eines Systems nach romanischem Vorbild) wie abstrakte Angelegenheit - und somit verhält es sich dabei so ähnlich wie mit der neueren deutschen VDP-Bezeichnungspolitik, die mir extrem gegen den Strich geht, insofern sie mich überhaupt juckt.

Ob DAC oder nicht DAC - entscheidend ist für mich letztendlich der einzelne Winzer mit seinem Wollen und Können. Orientieren kann ich mich viel eher am Erzeuger mitsamt seiner mir mal mehr, mal minder bekannten Philosophie als an irgendwelchen amtlichen Gegebenheiten, die darüber entscheiden, ob ein Wein nominell unter dieser oder jener Flagge segeln darf.

Trotzdem hat Erich natürlich Recht: Wenn ich schon überhaupt solch einen Wulst wie "DAC" (ich glaube, keiner meiner zum Teil durchaus sehr weininteressierten, aber nicht in diesem Forum mitlesenden Freunde kann auf Nachfrage auch nur entfernt erklären, was sich hinter der Bezeichnung verbirgt!) erfinde, muss ich die Richtlinien in einem kleinen Land wie Österreich natürlich einigermaßen einheitlich fassen. Ansonsten wissen nur noch die Weinbaufunktionäre nebst vielleicht einem Teil der Winzerschaft :mrgreen: sowie ein paar Extremfreaks unter den Konsumenten, worum es in welchem Gebiet überhaupt geht.

Herzliche Grüße

Bernd
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weingeist

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Re: Wachau DAC

BeitragSo 14. Okt 2018, 17:10

Willi Klinger sieht die Sache sicher ganz anders, nämlich total positiv :mrgreen: - und darauf, wirklich nur darauf kommt es an :cry:. So kommt es mir jedenfalls seit einigen Jahren vor.

Aber endlich melden sich hier andere kritische Stimmen zu diesem ganzen DAC-Kult, der im "großen" Österreich veranstaltet wird zu Wort. Für meine kritische Einstellung wurde ich hier ja von einem Winzer ;) schon einmal selbst kritisiert. Mit dieser neuen DAC Wachau wird der DAC-Gedanke und die Umsetzung endlich wieder österreichgerecht aufbereitet ... wir sind und bleiben halt ein "Operettenstaat", dieses Image gehört gepflegt und gehegt.
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Wachau DAC

BeitragFr 16. Okt 2020, 15:02

F.X. Pichler tritt aus der Vinea Wachau aus - wegen der Wachau DAC bzw. der Untätigkeit der Vinea, das aktuelle Reglement anzupassen:

Das Hauptproblem für Pichler ist, dass es nun zu einer Doppelgleisigkeit kommt, weil die DAC-Regelung nach dem Herkunftsprinzip aufgebaut ist. Die Vinea-Regelungen basieren hingegen auf der Zucker-Gradation. Die neue DAC-Verordnung wäre laut Pichler der richtige Zeitpunkt gewesen, das Vinea-Reglement zu überarbeiten, unter anderem weil Zuckerkategorien in Zeiten des Klimawandels obsolet geworden sind.


Quelle: https://www.derstandard.at/story/200012 ... nea-wachau

Ich bin jetzt nicht der größte Fan des Weinguts, aber hier kann ich zu 100% folgen. Die Sache mit Steinfeder-Federspiel-Smaragd nach Mostgewicht bzw. Alkoholgehalt ist meiner Meinung nicht nur aufgrund des Klimawandels sinnlos geworden, sie wird ja auch von den Mitgliedern vielfach ziemlich merkwürdig eingesetzt. Also da man wegen der Toleranzgrenzen 90% der Weine ohnehin völlig frei in genau diese Kategorie stellen kann, wo man sie will ...

Grüße
Gerald
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UlliB

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Re: Wachau DAC

BeitragFr 16. Okt 2020, 17:49

Gerald hat geschrieben: Die Sache mit Steinfeder-Federspiel-Smaragd nach Mostgewicht bzw. Alkoholgehalt ist meiner Meinung nicht nur aufgrund des Klimawandels sinnlos geworden, sie wird ja auch von den Mitgliedern vielfach ziemlich merkwürdig eingesetzt. Also da man wegen der Toleranzgrenzen 90% der Weine ohnehin völlig frei in genau diese Kategorie stellen kann, wo man sie will ...

Im Großen und Ganzen finde ich, dass die meisten Erzeuger mit der Einteilung in die drei "Gewichtsklassen" ganz gut umgegangen sind, und man hatte zumindest eine erste Einschätzung, ob es sich bei einem Wein um eine "Granate" (Smaragd) oder einen etwas leichteren Wein (Federspiel) handelt (die echten Leichtweine [Steinfedern] sind in den letzten Jahren leider ohnehin ziemlich selten geworden). Dass es dabei nicht immer mit den Mostgewichten bzw. den resultierenden Alkoholgehalten ganz genau genommen wurde, sei dahingestellt.

Interessant finde ich, dass Pichler in einem Herkunftsprinzip einerseits und einer Einteilung nach Mostgewicht andererseits einen offensichtlich unlösbaren Widerspruch sieht. In Deutschland haben wir jahrzehntelang ganz gut damit gelebt, wenn aus ein und derselben Lage Weine unterschiedlicher Reifegrade produziert werden und beides - Lage und Reifegrad - zusammen auf dem Etikett ausgewiesen werden. Man muss hierfür halt zweidimensional denken, und das scheint manche Leute zu überfordern. Das ist bei uns in D aber auch nicht anders: der "Lagenverbrauch" des VDP geht exakt in die gleiche Richtung.

Es lebe die eindimensionale Welt! :twisted:

Gruß
Ulli
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weingeist

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Re: Wachau DAC

BeitragSa 17. Okt 2020, 09:40

UlliB hat geschrieben:Im Großen und Ganzen finde ich, dass die meisten Erzeuger mit der Einteilung in die drei "Gewichtsklassen" ganz gut umgegangen sind, und man hatte zumindest eine erste Einschätzung, ob es sich bei einem Wein um eine "Granate" (Smaragd) oder einen etwas leichteren Wein (Federspiel) handelt (die echten Leichtweine [Steinfedern] sind in den letzten Jahren leider ohnehin ziemlich selten geworden).

Ich sehe das eigentlich genauso wie Ulli (und vermisse gute Steinfedern ebenfalls schon einige Jahre, was allerdings doch ein klein wenig dem Klimawandel geschuldet sein dürfte). Somit hätte man sich den ganzen DAC-Wahn in der Wachau eigentlich ersparen könnnen. Aber was solls's, es bekommt ja jetzt sogar der Ruster Ausbruch seinen DAC-Status (nach dem "Wiener Gemischten Satz"). Vielleicht sollte man auch den Weinviertler Eisweinen (die für mich meist um Welten beser sind, als die Burgeländischen Exemplare) den DAC-Status umhängen... ;) . Schön langsam wird dieser DAC Hokuspokus allerdings wirklich zuviel des Guten.

Und nur so nebenbei, dass die Fam. Pichler jetzt aus der Vinea austritt, sorgt vielleicht in unserer kleinen "Weinweltblase" für ein "rascheln im Blätterwerk", die restliche Bevölkerung wird's soviel interessieren, wie "wenn in China ein Rad'l umfällt".
Liebe Grüße
weingeist
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EThC

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Re: Wachau DAC

BeitragSa 17. Okt 2020, 10:26

...z.B. der GV "Superin" vom Tegernseerhof ist normalerweise ein Federspiel, in 2015 war es "nur" ein Qw, da er zuviel Alk hatte, andererseits die Voraussetzungen für ein Smaragd nicht erfüllen konnte oder wollte...
Viele Grüße
Erich


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Gerald

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Re: Wachau DAC

BeitragSa 17. Okt 2020, 19:48

Natürlich spricht nichts gegen eine "zweidimensionale" Klassifikation, einerseits nach Alkoholgehalt/Mostgewicht und andererseits nach Lage. Aber darum geht es bei der Kritik ja gar nicht - wenn ich die Aussagen von Fam. Pichler richtig verstanden habe.

Das Problem ist ja vor allem, dass die Einstufung nach Mostgewicht/Alkoholgehalt nicht nur rein informativen Charakter hat, sondern dass nach dem Konzept der Vinea höhere Werte mit höherer Weinqualität assoziiert werden. Das mag vielleicht vor Jahrzehnten noch Gültigkeit gehabt haben (obwohl ich mir da auch nicht ganz sicher bin), aber heutzutage wird wohl kein Weinfreund mehr behaupten, dass der Wein umso höhere Qualität aufweisen wird, je mehr Vol.% am Etikett stehen.

Diese Behauptung hat sich vielleicht einfach so von selbst verfestigt, dass Winzer aufgrund der geringeren möglichen Verkaufspreise für die Federspiele (verglichen mit Smaragd) sich einfach dort weniger Mühe gegeben bzw. Aufwand getrieben haben.

Eine schönes Gegenbeispiel sind für mich die Lagen-Federspiele der Domäne Wachau, die für weniger als den halben Preis der Smaragde meiner Ansicht nach an Ausdruck und Charakter sehr gut mit diesen mithalten können. Und sogar bei der Lagerfähigkeit (vor kurzem einen 2010er Veltliner Federspiel getrunken, der noch richtig jugendlich war und locker noch 10, vielleicht sogar 20 Jahre halten dürfte).

Grüße
Gerald
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weingeist

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Re: Wachau DAC

BeitragSo 18. Okt 2020, 12:18

Hallo Gerald!
Gerald hat geschrieben:Diese Behauptung hat sich vielleicht einfach so von selbst verfestigt, dass Winzer aufgrund der geringeren möglichen Verkaufspreise für die Federspiele (verglichen mit Smaragd) sich einfach dort weniger Mühe gegeben bzw. Aufwand getrieben haben.
Diese Aussage würde ich, jedenfalls für die Wachauer Betriebe, welche ich seit den 90zigern kennenlernen durfte, wo ich auch einkaufe, nicht so pauschal gelten lassen.

Ansonsten bin ich ganz bei Dir (sowohl zur Familie Pichler mit ihrer Austrittsbegründung, wie auch zu den lagerfähigen Federspielen, welche preislich wirklich meist eine Okassion waren und auch noch sind).

Was ich an der DAC Wachau zusätzlich kritisere (und das tut ja auch Fam. Picher) ist mehr, dass man "Ursorten" einfach nicht berücksichtigt. Ein Neuburger darf keine Lagenbezeichnung mehr am Etikett tragen. Toll, und wem bringt das etwas? Ich selbst habe einige "geniale" Neuburger im Keller, die ich nicht missen möchte, wobei mir da auch wurscht ist, was weiterhin am Etikett stehen wird (glücklicherweise wird bei dem ganzen DAC-Tamtam nicht verlangt, nur noch anonyme Weine, ohne Erzeugerangabe, verkaufen zu dürfen :mrgreen:).
Liebe Grüße
weingeist
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